Sonntag, 4. Dezember 2016

"Das Ende der Katholischen Ehe?"

So einfach und knapp oder fast brutal formuliert der Vaticanist der New York Times, Ross Douthat in seinem blog seinen Befund über den Stand der Dinge im Lehramt der Römisch Katholischen Kirche nach "Amoris Laetitia". Modisch ausgedrückt würde man vielleicht sagen, wir leben in einem Post-Exhortatorischen Zeitalter....
Hier jedenfalls gehrt´zum Original:  klicken

            "DAS ENDE DER KATHOLISCHEN EHE"
"Ich habe hier seit einiger Zeit nicht mehr geschrieben, aber jetzt, nachdem die Wahl vorbei ist, sind einige zusätzliche Bemerkungen nötig, um zu begreifen, was in der bemerkenswerten jüngsten Periode der Kontroversen im Römischen Katholizismus passiert.
In meiner Sonntagskolumne habe ich ein wenig über die Art geschrieben, in der Amoris Laetitia, Franziskus´ Apostolische Exhortation zur Familie von Diörese zu Diözese unterschiedliche Interpretationen der Katholischen Ehe-Lehre produziert hatein "verdecktes Schisma"um einen Satz des Vatican-Beobachters Andrea Gagliarducci zu benutzen, die Dank der beißenden Worte bestimmter Bischöfe nicht länger ein so verborgen ist.

Eine Lesart der Ziele von Papst Franziskus ist, daß das ungefähr das ist, was er wollte: eine dezentralisierte -quasi Anglikanische Zugehensweise auf Fragen, bei denen die Kirche und die post-sexuelle Revolution in Konflikt stehen, in dem verschiedene Teile der Katholischen Welr zu einem unterschiedlichen doktrinalen pastoralen Umgang mit Beichte und Kommunion für die Wiederverheirateten ohne Annullierung kommen.
Aber zur selben Zeit  haben er und seine Verbündeten nachhaltig - wenn auch nicht lehramtlich- ihre starke Vorliebe für die liberale Seite der Debatte ausgedrückt, indem sie vorschlagen, daß wenn sie sich eine Dezentralisierung der doktrinalen pastoralen Praxis vorstellen, sie sich auch, daß die nur vorübergehender Natur sei, am Ende zugunsten eines reformierten Zugangs zu  Scheidung, Wiederheirat und die Eucharistie gelöst wird.





Und welcher ist dieser Zugang? Seit Beginn dieser  Kontroverse war da eine Äußerung von Kardinal Walter Kasper und dann von anderen zur Idee, daß die vorgeschlagene Reform mäßig sei, begrenzt und auf eine kleine Gruppe wiederverheirateter Geschiedener zugeschnitten, und deshalb auf keine Weise ein öffentliches Signal dafür, daß die Kirche nicht mehr an die generelle Unauflöslichkeit der Ehe glaubt.
Kürzlich ist diese Betonung des seltenen Vorkommens dessen, was die Reformer - die Extremen eingeschlossen-im Sinn haben, unter jenen Katholiken, die eine Hermeneutik der Kontinuität zwischen Amoris Laetitia und vorhergehenden päpstlichen Dokumenten behaupten- denen sie vielleicht so etwas wie widerspricht,-für die Kontinuität essentiell geworden.

Z.B Rocco Buttiglione, ein Verbündeter Johannes Pauls II und jetzt prominenter Verteidiger von Papst Franziskus hat vor kurzem auf die Fragen der 4 Kardinäle zu Amoris mit den folgenden Kommentaren geantwortet:
"Zuerst fragen die eminenten Kardinäle, ob es in manchen Fällen zulässig ist, Menschen die Absolution zu erteilen, die, obwohl sie durch eine vorhergehende Ehe verpflichtet sind, more uxorio zu leben, eine sexuelle Beziehung haben. Mir scheint, daß die Antwort dazu bestätigend sein müßte, in Anbetracht dessen, was in "Amoris Laetitia" geschrieben steht und was die allgemeinen Prinzipien der Moraltheologie sagen.
Eine klare Unterscheidung muß zwischen der Handlung, die eine schwere Sünde darstellt, und dem Handelnden gemacht werden, der sich selbst durch Umstände gebunden wiederfinden kann, die seine Verantwortlichkeit abschwächen oder völlig ausschließen.
Man nehme z.B. den Fall einer Frau an. die finanziell und mental völlig von jemandem anhängig ist und gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gezwungen wird.
Traurigerweise sind solche Fälle nicht nur Theorie sondern bittere Realität, öfter bezeugt, als man sich vorstellen würde.
Was hier fehlt, sind die objektiven Bedingungen für die Sünde (volle Kenntnis und freiwillige Zustimmung). Die Tat ist immer noch böse, aber sie gehört nicht (jedenfalls nicht ganz) zur Person.
In Worten des Strafrechts- wir befinden uns nicht im Bereich der Theorie des Verbrechens (ob eine Tat gut oder schlecht ist) sondern der Theorie der Verantwortlichkeit und subjektiv mildernder Umstände."

"Das bedeutet nicht, daß sich unverheiratete Menschen rechtmäßig sexuell betätigen können. Eine solche Aktivität ist illegitim.
Menschen können (in manchen Fällen) zwar nicht in Todsünde aber eine minderschwere Sünde verfallen, wenn die volle Kenntnis und die freiwillige Zustimmung fehlen.
Aber- könnte man argumentieren- ist nicht der Vorsatz nie wieder zu sündigen, nötig, um die Absolution zu erhalten? Der ist sicher notwendig.
Der Bereuende muß seine irreguläre Situation beenden wollen und so handeln, daß ihm das in der Praxis auch gelingen kann.
Dennoch kann diese Person nicht in der Lage sein, diese Loslösung zu erreichen und sofort wieder Selbstkontrolle zu erlangen...."

Hier haben wir dann Buttiglione, der uns auffordert, uns den schmerzhaften und komplizierten Fall, einer zweiten Ehe vorzustellen (die natürlich keine Zivilehe sein muß; die selbe Logik könnte auch auf Kohabitation oder eine gleichgeschlechtliche oder polygame Verbindung angewendet werden- oder sogar- besonders?- auf eine Prostituierte) definiert durch Grausamkeit und Herrschaft, in der der psychologische Druck so groß ist, daß ein vorsichtiger Beichtvater eine unvollständige Zerknirschung
ein verhaltenes Verlangen nach Änderung erkennen könnte, als daß es zur Absolution und für die Zulassung zum Leib und Blut Christi genügen würde.
Solche Fälle gibt es sicher, und nehmen wir um der Diskussion willen an, daß sie einen möglichen Punkt für eine Synthese zwischen der traditionellen Lehre  der Kirche über die Todsünde, Beichte und Eucharistie und der neuen Rhetorik "der Begleitung" für die wiederverheirateten Geschiedenen bilden könnten - als ein Beispiel, wie es für jemanden zulässig sein könnte, der versucht, aus einer schädlichen Situation zu entkommen, auf dem Weg die Hl. Kommunion zu empfangen, auch wenn sein Versprechen zur Besserung in sich unvollkommen ist;
Ein Augenblick, in dem der aktuelle Pontifex die Betonung auf Grauzonen legt, die mit der Lehre seiner Vorgänger übereinstimmen könnten.
Ein Fall, in dem die Unterscheidung Johannes Pauls II zwischen "ernsthafter Reue" und dem Urteil über die "intellektuelle Sorge um die Zukunft" nachvollziehbar angewendet werden könnte.

Fortsetzung folgt....

Quelle: New York Times, Ross Douthat

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