Montag, 5. Dezember 2016

"Das Ende der Katholischen Ehe ?" Fortsetzung

Fortsetzung
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"Akzeptieren wir das alles um der Diskussion willen (ich kann irgendwelche wirkliche Rigoristen sich räuspern hören: später gentlemen...!) Aber dann richten wir unsere Augen auf das kürzlich vom Bischof von San Diego, dem von Franziskus ernannten und von den Progressisten geliebten Robert McElroy, nach einer zur Diskussion zur Durchführung von "Amoris Laetitia" einberufenen Diözesan-Synode produziertes Lehrschreiben. Es lohnt sich, die ganze Sache zu lesen, aber hier sind einige Ausschnitte, in denen Bischof McElroy (theoretisch) über das selbe Thema schreibt wie Buttiglione:

"....viele Katholiken, die geschieden und wiederverheiratet sind, schließen aus verschiedenen legitimen  Gründen- viele davon aus der liebenden Sorge um die Wirkung, die ein Annullierungsprozess auf die Gefühle erwachsener Kinder früherer Ehegatten haben könnte,- daß sie keinen Annullierungsprozess  einleiten können.
- Keine abstrakte Regel kann die große Komplexität der Umstände, Absichten, des Verstehens und    der  Reife abbilden, die ursprünglich das Tun eines Mannes oder einer Frau umgaben, als sie in ihre  erste  Ehe eintraten, oder welche neuen moralischen Verpflichtungen gegenüber einem Ehepartner    oder  Kindern, die vielleicht in einer zweiten Ehe gezeugt wurden, ihn umgeben, entstanden sind.
 Deshalb lehnt Papst Franziskus jede Blanko-Versicherung ab, daß alle jene (in einer zweiten Ehe    ohne den Vorteil einer Annullierung) "im Stand der Todsünde leben und von der heiligenden Gnade
ausgeschlossen sind."

Das bedeutet nicht, daß es keinen tiefen Widerspruch im Leben geschiedener und wiederverheirateter Katholiken gäbe, wie der Herr selbst im Matthäus-Evangelium feststellt.

Aber Papst Franziskus erklärt, daß sogar angesichts substantieller Widersprüche zwischen dem Evangelium und dem existentiellen Leben eines Jüngers die unerbittliche Logik der göttlichen Gnade eine weitergehende Integration in das volle Leben der Kirche sucht.....

Im Gespräch mit einem Priester versucht der Gläubige mit Demut, Diskretion und Liebe für die Kirche und ihre Lehre, über seine Verantwortung für das Scheitern seiner ersten Ehe nachzudenken, über die moralischen Verpflichtungen, die aus seiner neuen Ehe entstanden sind und den möglichen Schaden, den seine Rückkehr zu den Sakramenten haben könnte, indem die die Unauflöslichkeit der Ehe untergräbt.
Es ist wichtig, zu unterstreichen, daß die Rolle des Priesters die der Begleitung ist, was bedeutet, das Gewissen über die Prinzipien des Katholischen Glaubens zu informieren.
Der Priester soll keine Entscheidungen für den Gläubigen treffen, weil wie Papst Franziskus betont..."die Kirche gerufen ist, die Gewissen zu formen und nicht sie zu ersetzen,"

Einige Katholiken, die sich in diesem Prozess der Unterscheidung engagieren, werden schließen, daß Gott sie dazu ruft, voll am Leben der Kirche und der Eucharistie teilzunehmen. Andere werden zu dem Ergebnis kommen, daß sie warten sollten, oder daß ihre Rückkehr andere verletzen würde.

Indem sie auf den Weg des Gewissens für die wiederverheirateten Geschiedenen hinweisen, läßt Papst Franziskus ein Element des christlichen Morallebens weg, das außergewöhnlich ist,
Denn das Reich des Gewissens ist genau dort, wo der christliche Jünger berufen ist, jede wichtige moralische Entscheidung, die er oder sie trifft, zu erkennen.

Sie werden einige Dinge über Mc Elroys Lehre-die im Gegensatz zu Buttigliones Analyse stehen,- bemerken. Zuerst, daß die Sprache eine vollständig andere ist: nichts wird vom Bischof "schwere Sünde " genannt oder "böse", nicht einmal "illegitim" genannt: jede Spannung und jeder Widerspruch wird durch stufenweise aber unerbittliche Prozesse gelöst, die eher einer Unterhaltung als einer Beichte ähneln. (In der Tat erscheint im Dokument nirgends das Wort Beichte; das Wort Sünde erscheint nur in einem Zitat aus Papst Franziskus´, wo das Wort nicht unbedingt paßt.)

Das zweite ist, daß die sakramentale Rolle und Verantwortlichkeit des Priesters dramatisch abnimmt.
Es ist kein Sinn darin, daß ein Beichtvater eine aktive Rolle darin haben könnte (wie der Priester sie nach kanonischem Recht hat, das zu ignorieren ihr Bischof die Priester von San Diego lehrte), um die Gläubigen vor einem Sakrileg und die Eucharistie vor einer Profanierung zu bewahren.
Statt dessen wird der Priester praktisch ein Berater, dazu da, dem individuellen Katholiken bei einer Entscheidung zu helfen, die nur er oder sie treffen kann- mit keiner übernatürlichen Kraft oder eigenen Verantwortung.





Das dritte ist, daß-anders als in Buttigliones unglücklichem Beispiel- die Fälle, die vom Bischof bedacht werden müssen, weder extrem oder (wie er sagt) im geringsten "außergewöhnlich" sind.
Statt dessen beweist McElroy, daß er über die stabilsten, bestens funktionierenden zweiten Ehen spricht, ohne Hinweis auf Mißbrauch oder emotionelle Erpressung oder andere damit verbundene Extreme: der einzige Faktor, der die Menschen, die er anspricht, daran hindert, die Schritte zu unternehmen, die die Katholische Lehre fordert, ist die "moralische Verpflichtung" die durch die neue Ehe eingegangen wird und der Wunsch, andere nicht durch einen Annullierungsprozess zu verletzen,

Das ist es, was McElroy schließlich für sicher gegeben hält, daß niemand in einer zweiten Ehe je in Betracht ziehen könnte, diese auf Dauer zu verlassen oder auf Dauer wie Bruder und Schwester zu leben, oder dauerhaft auf den Empfang der Kommunion zu verzichten.
Statt dessen wird die Entscheidung, den Leib Christi zu empfangen, während man ehelich mit jemandem zusammen lebt, der aus Perspektive der Kirche nicht der wahre Ehepartner ist, wie eine Frage des wann - nicht des ob- behandelt, tu es jetzt, wenn du dich bereit fühlst, warte ein wenig länger, wenn es deine Kinder verletzen könnte oder deinen Ex-Partner, oder wenn du denkst, daß du noch eine wenig spirituelle Reifung benötigst.

Das ist eine Ehelehre, die wie folgt zusammengefaßt werden könnte: Scheidung ist unglücklich, zweite Ehen sind nicht immer ideal und so geht der Weg zurück zur Kommunion durch ein reifes Abwägen der Gefühle aller- der Gefühle deines früheren Ehepartners und aller Kinder, die ihr vielleicht zusammen hattet, der Gefühle deines neuen Partners und möglicher Kinder und deiner eigenen subjektiven Sicht dessen, was Gott über alles das denkt.
Die objektiven Aspekte der katholischen Ehe-Lehre, die übernatürliche Wirklichkeit der ersten Ehe, die metaphysische Realität von Sünde und Vergebung, die sakramentale Realität der Eucharistie selbst, weichen nicht einfach nur zurück, sie verschwinden buchstäblich.

Das bedeutet, daß das überhaupt nicht eine Sichtweise ist, unter der eine kleine Gruppe wiederverheirateter Katholiken in psychologisch schwierigen Situationen diskret die Kommunion empfangen könnte, während sie versuchen, diese Situation zu entwirren.
Das ist- de dacto- fast das Gegenteil: die einzigen Menschen, die sich nach Bischof McElroys Sicht der spirituellen Reifung, als noch nicht bereit für die Kommunion fühlen, deren Leben besonders chaotisch und durcheinander geraten ist, die sich überhaupt nicht sicher sind, wie sie zu Gott stehen, von ihren Kindern gar nicht zu reden und Ex-Ehepartnern oder Liebhabern oder Freunden oder wem auch immer.
Ist Sonya, die Prostituierte aus Dostojwskis "Schuld und Sühne" bereit für die Kommunion in der Diözese San Diego? Vielleicht nicht, vielleicht sollte sie etwas warten.
Aber der respektable geschiedene Vater von drei, der mit seiner Ex-Frau ziemlich gut zurecht kommt und alle seine Probleme in einer Therapie durchgearbeitet hat, kann sich beim Empfang der Kommunion- vor ihr- wohl fühlen,
Das ist nicht eine Kommunion für die Schwachen; es ist eine Kommunion für die Stabilen, Soliden und Respektablen.

Lassen Sie mich eine persönliche Nebenbemerkung machen, weil ich nicht überflüssig lange über die Tugenden von Respektabilität und Stabilität klingen will. Ich bin Kind und Enkel von geschiedenen Paaren: ich kenne die emotionale Komplexität, die damit verbunden ist, einen stabilen Platz zu finden, in dem Menschen ihre Ferien organisieren können, eine gemischte Familie handhaben, sich ordentlich zu benehmen etc.
Zu Bischof McElroys erstem Punkt- ich kenne den emotionalen Preis eines Annullierungsprozesses für die betroffenen Menschen, das Ausmaß, das die Forderungen der Kirche zur Bürde für die Menschen die schon so viel durchmachen, hinzutun können und auch das Ausmaß, in dem ein Annullierungsprozess, der sich auf der Seite der Barmherzigkeit irrt, selbst wie ein Weg erscheinen kann, bei dem die Kirche die mögliche Real#ität der ersten Ehe nicht so ernst nimmt, wie sie wollte.

Aber seien wir klar: Der vom Bischof von San Diego vorgeschlagene Weg aus all diesen Schwierigkeit ist der Weg aus dem traditionellen Katholischen Eheverständnis Punkt.
Lassen wir die Erwähnung der Annullierung weg und das pro-forma-Nicken zur "Unauflöslichkeit",
ersetzen wir den Priester durch Pastor und dann ist da nichts, was nicht von einer Protestantischen Kirche, die mit den gleichen Themen umgeht und versucht, ihre wiederverheirateten Mitglieder einzugliedern und zum Tisch des Herrn zu bringen.
Das ist eine plausible Annäherung, wenn man nicht glaubt, was Katholiken über die Sakramente glauben sollen. Das paßt vielleicht zu Christlichen Traditionen, die das nicht tun.
Es ist eine vernünftig klingende Antwort auf die moderne Realität; das ist Episkopolianismus auch.
Aber es ist keine Zugehensweise, die die christliche Ehe als wirklich unauflöslich behandelt, wirklich real-auf die Weise, die die subjektiven Erfahrungen der Eheleute transzendiert und kein Katholizismus, der diesen Weg wählt, kann an die historische Lehre zur Ehe nur auf die dunstigste Weise glauben- was heißt gar nicht.

Bei vorhergehenden Katholischen Kontroversen der Franziskus-Ära habe ich mit einer gewissen Beunruhigung festgestellt, daß die "liberale" Seite und die "konservative" Seite kaum eine gemeinsame theologische Sprache zu haben scheinen. Wir argumentieren aneinander vorbei, weil wir fast verschiedenen Christlichen Gemeinschaften anzugehören scheinen, mit verschiedenen Basisannahmen bis hin zur Frage, wer Jesus wirklich war.
Aber was auffällt, wenn man Buttiglione und McElroy Seite an Seite liest, ist, daß wir zwei Unterstützer von Papst Franziskus haben, die verschiedene religiöse Sprachen zu sprechen scheinen-
Buttiglione versucht Amoris Laetitia in Übereinstimmung mit älteren Katholischen Ideen und Kategorien zu interpretieren, der Bischof von San Diego handelt im Wesentlichen so, als seien diese Ideen und Kategorien überholt.
Buttiglione strebt eine Veränderung an, die wenige betrifft, der Bischof von San Diego eine, die ganz klar viele betrifft.
Buttiglione müht sich, Amoris Laetitia als gemäßigte Entwicklung der Lehre zu behandeln, der Bischof von San Diego -völlig unbesorgt- um mögliche Widersprüche zum Katholizismus der älteren und der sehr jungen Vergangenheit.

Vielleicht sind die Lesarten beider Männer bezüglich der Absichten von Franziskus plausibel;
sicher ist der öffentliche Kommentar des Papstes zur Ehe jetzt ausgiebig genug, um zahlreiche Interpretationen zuzulassen, mäßig bis drastisch- und alles dazwischen.

Aber Sie werden bemerken, daß nur einer dieser Männer Bischof ist, ein öffentlicher Glaubenslehrer, ein von Franziskus ernannter. Ich bin unsicher, ob es weise war, die dubia der vier konversativen Kardinäle zu überreichen, voller Angst (anders als gewisse Vermehrt-die-Widersprüche-Traditionalisten) was passieren würde, wenn der Papst tatsächlich seine Lehre und seine Absichten erklärte. Aber wenn Papst Franziskus seine apostolische Exhortation nicht so gemeint hat, daß sie
entlang der von Bischof McElroy vorgeschlagenen drastischen kommt-alle-zurück-zur-Kommunion-Linie durchgeführt werden soll, sollte er dass sagen und zwar bald. Weil es in der Diözese von San Diego etwas geben kann, was "Ehe-Sakrament"genannt wird, aber eine Kirche, die einfach nicht mehr an die Katholische Ehe glaubt."

Quelle: Ross Douthat, New York Times   




Kommentare:

  1. Allmählich beginne ich darauf zu warten, wann es zur Wahl/Ausrufung eines Gegenpapstes kommen wird. Es ist für mich unvorstellbar, daß die bewußten Verneblungen der Substanz durch den derzeitigen Pontifex einfach folgenlos bleiben können.

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  2. Bei Gott ist allerdings nix unmöglich.

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