Samstag, 3. Dezember 2016

"Denke mit dem, der Fragen stellt." Stanislaw Grygiel unterstützt die vier Kardinäle.

Stanislaw Grygiel verteidigt bei Il Foglio die vier Kardinäle und ihre dubia gegen die massiven Angriffe auch aus dem Klerus und erklärt, warum das Fragen nach Klarheit und Wahrheit richtig, erforderlich und lobenswert ist.
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"WAHRHEIT, NICHT MITLEID. DAS IST ES, WAS SIE VOM PAPST ERBITTEN"
"Das was in letzter Zeit- sei es in der Kirche, sei es in der Gesellschaft- passiert, läßt mich immer öfter an Gideon denken.
Wie er und das Volk Israel von den Madianitern angegriffen und "in großes Elend gebracht wurden" (Gd 6,6), so werden auch wir jetzt klug von den postmodernen Madianitern angegriffen, deren unerbittliche Praxis uns ins Chaos eines "dunklen Waldes" wirft, in dem es nicht nur schwer ist, den geraden Weg zu suchen, der "verloren" war (Dante),
Oft wende ich mich mit diesen Worten Gideons an meine Freunde: "Mein Herr, wenn der Herr mit uns ist, warum ist dann alles das passiert? Wo sind alle seine Wunder, von denen unsere Väter uns berichtet haben?" (Gd 6,13)
Um uns zusammen mit ihnen vor der Angst zu  retten, stelle ich dem Himmel diese Frage und hoffe auf Antwort.
Ich hoffe, daß sie uns erreichen kann. Wann? In der ausgewählten Zeit, die für uns alle die beste ist.
Die von Gott vorgesehene Zeit abzuwarten, erfordert aber einen großen Glauben und eine große Hoffnung, die uns die Gewissheit einer überreichen Gnade geben in schwierigen und gefährlichen Zeiten, in denen die Angst den Menschen als Bezugspunkt dient.
Ich habe mit großer Sorge verfolgt, was sich rund um den Brief ereignet hat, der von den vier Kardinälen, Walter Brandmüller, Raymond Burke, Carlo Caffarra und Joachim Meisner an den Papst geschickt wurde.

Ich teile diese Sorge mit vielen meiner Freunde, die jetzt versuchen, Christus und seine Kirche noch mehr zu lieben und die bereit sind, alles zu opfern, nur damit Gott die Kirche vor den intellektuellen und moralischen Turbulenzen, ausgelöst durch eine postmoderne Mentalität, die sich verschlagen in die Köpfe vieler unserer Hirten eingeschlichen hat.
Ich sehe den Brief der Kardinäle als eine normale, manchmal notwendige Bitte an den Papst, weil sein petrinisches Wort- das, was für die Gläubigen nicht klar ist, erklären, ihre Zweifel zerstreuen und verhindern soll, daß sich der Glaube und die Liebe auflösen, ohne die keine Familie leben kann.
Besonders diese Familie, die sich Kirche nennt, nicht leben kann.
Mit anderen Worten- die vier Kardinäle haben den Papst gebeten, die Brüder im immer mehr durch die modernen Vorschläge gefährdeten Glauben zu stärken, den Vorschlägen, denen nach dem Dafürhalten vieler Gläubigen die postsynodale Exhortation "Amoris Laetitia"  nicht auf klare und feste Weise entgegen gestellt hat.
Eine Familie, in der ein solches Verhalten der Söhne gegenüber dem Vater nicht möglich ist, wäre keine Familie sondern eher ein Kollektiv- aufgebaut auf der hegelianisch-marxistischen Dialektik eines Diener-Herr-Verhältnisses, in dem der Herr Angst vor dem Diener und der Diener Angst vor dem Herrn hat.
Als Folge wäre das Prinzip des sozialen Zusammenlebens nicht Liebe und Freiheit sondern Konflikt und Sklaverei.

Ich habe mehr als vierzig Jahre in einem dialektisch regierten Land gelebt und es ist kein Wunder, daß ich dagegen allergisch bin. Das erlaubt mir, die tödlichen Gefahren besser zu sehen, denen die westliche Welt  ausgesetzt ist, oder besser sich selbst aussetzt.   

Die Sorge der vier Kardinäle gilt einigen Zweifeln, die das Sakrament der Ehe und der Familie, die in ihm entsteht, schädigen könnten. Die Mächtigen der Postmoderne-wohlwissend, daß ohne dieses Hindernis zu entfernen, das das sakramentale Leben der Kirche ist, es ihnen nicht gelingen wird, sich der Welt zu bemächtigen, greifen die Sakramente an, aus denen die Kirche Christi entsteht und sich entwickelt. Sie greifen deshalb das Sakrament der Ehe und Familie an, die in ihm entsteht, und sie greifen die anderen, mit ihm natürlich verbundenen Sakramente an. also die Sakramente der Buße und der Eucharistie. Als Folge davon auch das Weihesakrament, weil wenn sie einmal zerstört sind, der Priester keine Funktion mehr hat.




Die Sorge der vier Kardinäle ist weitsichtig, Sie verteidigen den Menschen , Ihre Fragen, die dubia, sind gerechtfertigt und perfekt formuliert. Aus ihnen scheint die Liebe zur Wahrheit, die das Leben und der Weg der Kirche und des Menschen ist. Aus ihnen scheint die Liebe zu Christus. 
Ihr Brief ist ein Akt des Zeugnisses, das die Kirche immerwährend der Wahrheit. die Christus ist, geben sollte, ohne sie durch Halbwahrheiten und allzu menschlichen Bedenken ( aber, jedoch, nur in diesem Fall, etc) zu deformieren.
So viele Menschen daß auch sie die Antwort Petri erhalten. Es sind so viele, die aus der Unsicherheit der Situation, in der sie leben, herauskommen wollen, mit Hilfe der Flamme der Wahrheit und nicht des Flämmchen des Mitleids, das die Hirten anbieten.
Ihnen kann kein Wort irgendeines anderen helfen, besonders nicht das Wort irgendeines Laien (und sei er selbst ein Experte für das Denken des Papstes), um sich von den moralischen Verwirrungen zu befreien. 
Der Laie, der das versuchte, würde die Sünde der Arroganz und der eitlen Überheblichkeit begehen. Wir müssen auf das Wort Petri warten. Nur er hat von Christus den Befehl bekommen, die Brüder im Glauben zu bestärken. Eines Tages werden wir von ihm das erwartete Wort hören. Die Gegenwart Petri in der Kirche wir nie aufhören, die Vergegenwärtigung des von Christus an Petrus -bevor er ihn verriet- gerichteten Worte zu sein: "Und du, wenn du dich bekehrt hast. bestärke deine Brüder." (Lk. 22,32) 

Nachdem ich das gesagt habe, kann ich nicht verbergen, daß ich als Christ von den Worten, schwer verletzt bin. die ein Bischof (dessen Namen ich aus Mitleid nicht nenne) den vier Kardinälen an den Kopf geworfen hat, die nach seinen Worten "eine sehr schwere Sünde " die "Sünde der Häresie" "Sünde des Skandals"  begangen haben. Und er verhängt die Verdammung Jesu über sie" es wäre besser, daß ihnen ein Mühlstein um den Hals gehängt und sie ins Meer geworfen würden,"
Diese vier Kardinäle -sollten immer nach den Worten dieses Bischofs-, keinen Gebrauch von ihrem Kardinalstitel machen." 
Meine Konsternierung hindert mich an jeglichem Kommentar.
Ich werde diesen Bischof nur an ein  chinesisches Sprichwort erinnern:"Bevor du irgendetwas sagst, mußt du bis Zehn zählen. manchmal auch bis Hundert."
Alles ist Gnade Gottes. Daher entspringen Hoffnung, Glaube und die Liebe immer aus dem Herzen des Menschen.
Aber auch das, was in seinem Herzen geschieht ist Gnade. Dank dieser Gnade kann der Mensch sich selbst und andere, mit denen er sich verbindet, besser erkennen.  
So- in der durch die Unsicherheit provozierten Unruhe, die die Gläubigen verwirrt, weicht die Sorge um die zeitliche Zukunft der Gesellschaft und der Kirche langsam einer Bindung an die Person Christi, dessen Kenntnis den Menschen mit dem vom Ihm am Kreuz errungenen und allen versprochenen Sieg vereint.  

Ich sehe, daß viele, die versuchen aus der Verwirrung herauszukommen, tiefer ins "Zentrum des Universums und der Geschichte" (Redemptoris hominis, 1) gelangen und so in Verbindung zu Christus treten. 
Im Licht, das von ihm kommt und ihr moralisches Gewissen  erleuchtet, versuchen sie, sich stärker an das Sakrament der Buße, der Eucharistie, der Ehe und der Weihe zu binden, die von der Moderne auf sehr subtile und effektive Weise in Frage gestellt werden.
Der einem Sakrament zugefügter Schlag schädigt alle anderen. Das selbe passiert auch mit den Geboten des Dekalogs. 
Es ist wahrscheinlich, daß in dieser Verwirrung einige sich von der Kirche entfernen, in der denen, die bleiben, der Sieg der kommenden Ewigkeit -und nicht der Zeit- gegeben wird. 
Es ist nicht der Mensch sondern der im Evangelium, der Eucharistie, im Beichtstuhl , im Glauben der Kirche anwesende Christus,  der weiß, wer der Mensch sei. Christus muß niemanden fragen, wer der Mensch sei. Christus kennt ihn auf perfekte Weise, weil er in Ihm ist, im Sohn. den der Vater bis heute schafft. Deshalb kann sich niemand autorisiert fühlen, Christus auf dem Weg nach Golgatha voranzugehen, wo sich unsere Erlösung vollendet.

Das Mitleid, das Petrus dazu bewegt, Christus zu versuchen, wegzugehen und einen anderen Weg zu wählen, ruft eine vehemente Verdammung auf ihn herab: "Weg von mir Satan! Du bist mir ein Ärgernis. weil du nicht wie Gott denkst sondern wie die Menschen" (Mt. 16, 23) 

Unsere mitfühlende Unkenntnis der von Christus offenbarten Wahrheit über den Menschen zu verdecken, bedeutet, sie zu verweltlichen- das ist eine "schwere Sünde" eine "Sünder der Häresie" eine "Sünde des Skandals"!
In der Wahrheit zu denken, bedeutet, sie zu suchen, Fragen zu stellen, auf die man eine Antwort zu bekommen hofft. 
Sie sind weit von diesem Dialog entfernt, jene, denen die Meinungen und das Mitfühl genügen, die sie einführen und die die Klarheit stört. Sehr weit sind sie von den Menschen entfernt, die in der Klarheit der Wahrheit leben wollen, jene die die Gerechtigkeit und die Barmherzigkeit verweltlicht haben. die im Ganzes in dieser Wahrheit sind. sie stehen nicht mit Christus in Einklang, wenn  Er sagt: "Euer Reden sei ja, ja; nein, nein; was mehr ist, ist von Schaden." (Mt 5, 37)

Wenn eine Person aus dem Beichtstuhl mit dem"zuviel" käme, bliebe ihr der "Schaden". 
Wer wäre dann für diese Tragödie verantwortlich? Genau um sie zu vermeiden, haben die vier Kardinäle das getan, was nötig war. Vergessen wir nicht, daß wenn einer in eine Kirche eintritt- wie Chesterton sagt- er seinen Hut abnimmt, aber nicht den Kopf.
Das Böse, das in der postmodernen Welt herrscht, will daß wir genau das Gegenteil tun.
Sie bietet uns zu guten Preisen große Hüte an, um den beschämenden Mangel dessen zu bemänteln, das dem Menschen erlaubt, in sich hinein zu schauen, auf das, was ihn in die göttlichen Höhen erhebt."

Quelle: Stanislaw Grygiel, Il Foglio 

Stanislaw Grygiel ist ordentlicher Professor für Anthropologische Philosophie am Päpstlichen Institut Johannes Paul II für Studien zur Ehe und Familie in Rom, in Lublin war er Student von Karol Wojtyla  gewesen- danach sein Berater.




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