Mittwoch, 28. Dezember 2016

Wie Papst Benedikt XVI mit Kritik umging und wie es Papst Franziskus tut, ein Vergleich.

Edward Feser vergleicht den aktuellen Pontifex und seinen Vorgänger, Papst Benedikt XVi in ihrem Umgang mit Kritik und Andersdenkenden.
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              "WIE PAPST BENEDIKT XVI MIT WIDERSPRUCH UMGING"

1988 hat Erzbischof Marcel Lefevbre von der St.PiusX-Bruderschaft gegen die ausdrückliche Anordnung von Papst Johannes Paul II vier Bischöfe geweiht. Der Vatican erklärte, daß der Erzbischof und die neuen Bischöfe sich durch diesen Akt die Exkommunikation latae sententiae zuzogen. Das führte zu spannungsvollen Jahren zwischen der Gesellschaft und dem Vatican, die durch den Streit über die liturgischen und doktrinalen Veränderungen ausgelöst worden waren, die dem II. Vaticanischen Konzil folgten. Kardinal Joseph Ratzinger, Doktrin-Chef der Kirche, der später Papst Benedikt XVI werden sollte, hatte angestrengt-wenn auch vergebens-für eine Versöhnung gearbeitet.

Am 13. Juli dieses Jahres sprach Kardinal Ratzinger die Kontroverse in einem Gespräch mit den chilenischen Bischöfen in Santiago an. Natürlich war er sehr kritisch gegenüber dem Erzbischof und bestand darauf, daß der Fehler letztlich eher bei Lefebvre als beim Vatican lag. 
Dennoch rief Ratzinger auch die Kritiker Lefebvres dazu auf, zu bedenken, wie ihre eigenen Handlungen ohne Not die Sympathisanten der SSPX entfremdet hatten. 
Ereignisse die dem II.Vaticanischen Konzil folgten, suggerierte er, hatten verständlicherweise dazu geführt, "daß sich viele Menschen fragten, ob die Kirche von heute wirklich die selbe war wie die von gestern, oder ob man sie in etwas anderes verwandelt hatte, ohne es den Menschen zu sagen."

In dem Ausmaß in dem Kirchenmänner diesen Eindruck gefördert hatten, trugen sie in Ratzingers Augen einige Verantwortung für die Krise mit der SSPX. Er sagte:
"Es ist eine Pflicht für uns, uns selbst zu prüfen, welche Fehler wir gemacht haben und welche wir sogar jetzt noch machen....."

"Schismen können nur stattfinden, wenn bestimmte Wahrheiten und bestimmte Werte des Christlichen Glaubens nicht länger gelebt und geliebt werden.... Es wird nicht darum gehen, alles politischen Motiven, der Nostalgie oder kulturellen Faktoren von geringer Bedeutung zuzuschreiben."

"Aus allen diesen Gründen sollten wir die Dinge zuerst als Chance zur Prüfung des Gewissens sehen. Wir sollten uns selbst erlauben, fundamentale Fragen zu stellen, über unsere Fehler im pastoralen Leben der Kirche, die durch solche Ereignisse aufgedeckt werden..."

"Wir wollen uns selbst fragen, wo der Mangel an Klarheit bei uns liegt..."

Nach Kardinal Ratzinger können Kirchenmänner schuldig sein, zum Skandal für die Gläubigen zu werden durch wiederholtes  Abweichen von Wahrheiten und Werten, die traditionell von der Kirche bewahrt wurden, durch einen Mangel an Klarheit,  und der Tendenz Kritik als politisch motiviert, oder rein nostalgisch abzuweisen.

Läuten da irgendwelche Glocken? 


Nachdem er selbst Papst geworden war. sollte Ratzinger die Exkommunikation der SPPX-Bischöfe aufheben, das Recht aller katholischen Priester bestätigen, die Außerordentliche Form der Messe  (i.e.die "Lateinische Messe) zu gebrauchen und doktrinale Gespräche mit der SPPX beginnen--alles in Übereinstimmung mit den Bedingungen die die SPPX für die Normalisierung ihrer Stellung innerhalb der Kirche gestellt hatte.


Diese Fürsorglichkeit für Kritiker päpstlicher Politik von einem Mann, den liberale Journalisten als Panzer-Kardinal zu beschreiben liebten, seltsam erscheinen. Aber das Bild Ratzingers als grimmiger Inquisitor, der mitleidlos Widerspruch zerquetschte ist eine urbane Legende. Wie er sich bei dem Gespräch 1988 beklagte:


"Die mythische Härte des Vaticans angesichts der Abweichungen der Progressiven erweist sich als leeres Wort. Bis jetzt sind jedenfalls nur Warnungen veröffentlicht worden; in keinem Fall hat es strenge kanonische Strafen im engeren Sinn gegeben."






Es ist wahr, daß heterodoxe progressive Theologen wie Hans Küng und Charles Curran nicht erlaubt ist, in offiziellem Auftrag Katholische Theologie zu lehren. Aber diese berühmten Dissidenten sind nie exkommuniziert oder ihres Priestertums enthoben worden. Sie behielten ihre akademische Karriere, ihren Einfluss innerhalb der Kirche und die schmeichlerische Aufmerksamkeit der Medien.

1990 verfaßte die Glaubenskongregation unter Kardinal Ratzinger die Instruktion Donum Veritatis, die den Dissens unter Theologen zum Thema hatte. Und wie ich kürzlich Grund hatte, in einem post zu bemerken, obwohl Donum Veritatis auf der Treue zum Lehramt besteht, ist es sehr großzügig darin, die Legitimität und den Wert bestimmter Artenvon Kritik an lehramtlichen Äußerungen anzuerkennen.

So gab Ratzinger sowohl als Präfekt der Glaubenskongregation als auch als Papst keineswegs die Geschäft weder der SSPX noch den Progressisten preis, während er sich bemühte, so weit wir möglich ihre Sorgen zu verstehen und ihnen entgegen zu kommen.

Natürlich war er nicht weniger vernünftig, wenn er mit Kritiken und Fragen, die mehr aus dem mainstream kamen, zu tun hatte. Ein Beispiel: In seiner Lehre über die Moral der Lüge machte die 1994-Ausgabe des Katechismus der Katholischen Kirche dem Eindruck. daß man nur gegenüber Personen, "die ein Recht haben, die Wahrheit zu wissen", auf Lügen verzichten solle.
Das schien von der traditionelleren Lehre abzuweichen, daß Lügen immer und in sich falsch ist, ob die Person, die angelogen wird, ein Recht auf die Wahrheit hat oder nicht. 
Viele katholische Theologen schrieben dem damaligen Kardinal Ratzinger damals und baten darum, den Text in eine Form abzuändern, die mehr der traditionellen Lehre entsprach. Er hat diese Kritiken nicht als rigide oder nicht ausreichend sensibel gegenüber konkreten Situation die eine Differenzierung erforderten etc, abgetan.
Lieber wurde der Text dann in der revidierten Ausgabe von 1997 tatsächlich geändert und die problematische, nicht traditionskonforme Formulierung entfernt. (Ich hatte Gründe die Details dieses Falles in eine früheren post zu diskutieren)

Ein anderes Beispiel: 1995 erschien "Evangelium Vitae" von Johannes Paul II und bezog eine sehr restriktive Stellung bezüglich der Todesstrafe. Besorgt darüber, daß die traditionelle Kathoöische Lehre zur Todesstrafe umgestoßen würde, schrieb Fr. Richard J. Neuhaus an Kardinal Ratzinger und bat ihn um Klarstellung.  Ratzinger beschuldigte ihn nicht eines bösen Geistes, des Dissens´, des Versuchs, den Papst in eine schwierige Lage zu bringen,  oder der Haarspalterei über etwas, was bereits absolut klar sei etc.
Statt dessen beantwortete er die Frage gerade heraus und versicherte Neuhaus, daß "der Hl. Vater die Prinzipien der Lehre zu diesem Thema nicht geändert hat" sondern "nur die Prinzipien auf den Kontext der aktuellen historischen Umstände angewendet habe..:"
Und 2004 bestätigte Ratzinger noch einmal die fortdauernde Gültigkeit der Lehre , indem er klar machte, daß es "legitime Meinungsverschiedenheiten auch zwischen Katholiken geben könne...auch über die Todesstrafe und daß ein Katholik sogar bei diesem Thema anderer Meinung sein könne als der Papst, was aber nicht der Fall wäre, wenn die Prinzipien der Lehre verändert worden wären.

Die Bereitschaft verschiedene Meinungen zu erlaubten, wo immer sie innerhalb der Rechtgläubigkeit blieben und zu versuchen, jene, die der päpstlichen Politik und Lehre kritisch aber nicht polemisch, eher auf einer rationalen Ebene als durch autoritäres Diktat gegenüber standen einzubinden, stammen aus Benedikts großem Respekt vor der Vernunft.
In seiner berühmten  Regensburger Rede von 2006 betonte Benedikt die Zentralität der Vernunft für den Katholischen Glauben und das Christliche Gottesbild und stellte sie in scharfem Kontrast der voluntaristischen Konzept, Gott als einen unergründlichen Willen zu sehen, der willkürlich befiehlt. Er zitiert zustimmend den Byzantinischen Kaiser Manuel II Paleologos  mit der Bemerkung, daß "wer immer jemanden zum Glauben bringen will, die Fähigkeit gut zu sprechen und vernünftig zu argumentieren braucht und stützt die Sicht des Kaisers, daß (wie Benedikt Manuel paraphrasiert) "nicht aus Gründen zu handeln, die Gottes Natur widerspricht."
Und Benedikt fügte hinzu:
"Die Glaube der Kirche hat immer darauf bestanden, daß zwischen Gott und uns, zwischen dem Ewigen Schöpfergeist und unserer geschaffenen Vernunft eine wirkliche Analogie besteht...Gott wird nicht göttlicher, wenn wir ihn in reinem undurchdringlichen Voluntarismus von uns wegstoßen, eher ist der wirklich göttlich Gott der Gott, der sich selbst als logos offenbart hat---konsequenterweise ist die Christliche Anbetung ....Anbetung in Harmonie mit dem ewigen Wort und unserer Vernunft."

Diese Haltung gegenüber der Vernunft kontratiert scharf mit dem, was viele der Kritiker der vier Kardinäle und anderer, die den Papst höflich gebeten haben, Amoris Laetitia klarzustellen und die traditionelle Lehre der Kirche wieder erneut zu bestätigen, von der manche dachten, ihr werde durch das Dokument widersprochen. Die meisten dieser Kritiker  haben sich jedoch geweigert, auf die Substanz der Sorgen der vier Kardinäle einzugehen.
Sie haben es vorgezogen, die "intellektuelle Diskussion" und "raffinierten Argumente" der Kardinäle zu verhöhnen.
Einer der Kritiker meint, daß die die mit den vier Kardinälen sympathsieren, dazu neigen, Intellektuelle und "gebildete Leute" zu sein, die großen Wert auf ihre Vernunft legen und auf Argumente, die logisch aus absolut .....Prinzipien entwickelt wurden... um einen Fall zu bauen, der danach schreit, beantwortet zu werden, als ob das schlechte Dinge seien!"
Sogar Papst Franziskus selbst hat in der Vergangenheit das Vertrauen zu einer klaren und logischen ----als eine Art Gnostizismus kritisiert!"

Und dennoch ist nur fair festzustellen, daß Papst Franziskus - wie sein Vorgänger erstaunlich großzügig mit der SSPX umgeht. Offensichtlich hat sein Motiv weniger mit der Sorge um doktrinale Kontinuität und rationalem Engagement zu tun, als mit Barmherzigkeit und Gnade. #
Aber vielleicht wird ihn diese Barmherzigkeit und Gnade ihn am Ende dazu bringen, den vier Kardinälen zu antworten.

Quelle: Edward Feser

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