Samstag, 10. Dezember 2016

Edward Pentin berichtet über den post-dubia Stand der Dinge im Vatican

Harry Stevens hat für die website "Regina" Edward Pentin vom National Catholic Register interviewt. und zu seinen Erkenntnissen aus der Kurie und dem Stand der dubia-Schlacht befragt.
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                             "ROM IM AUGE EINES STURMS"
             "HERRSCHT IM VATICAN DIE ANGST?"

"Er ist ein Veteran der Vatican-Beobachter, der Rom-Korrepondent des us-amerikanischen National Catholic Registers. Er ist auch eine Rarität unter Journalisten - praktizierender Katholik.

Er ist auch ein wirklicher Profi. 2014 geriet Edward Pentins journalistische Integrität durch einen der Lieblinge von Papst Franziskus -dem deutschen Kardinal em. Walter Kasper- unter Beschuss. Die abwertenden Kommentare des liberalen Karidnals über die afrikanischen Prälaten, die bei der Synode anwesend waren, wurden auf Pentins i-phone aufgenommen. Kasper leugnete öffentlich, jemals solche Bemerkungen gemacht zu haben und mußte sein Leugnen dann zurückziehen, als Pentin ganz ruhig das Audio veröffentlichte. Der resultierende Furor ließ die Versuche Kaspers und seiner Fans, die Synode zu kapern, schnell entgleisen.

                       

Jetzt scheinen noch einmal alle Augen auf Rom gerichtet zu sein. Eine Gruppe hochrangiger Prälaten hat ihre "dubia"veröffentlicht, die sie Papst Franziskus mit Fragen zu Amoris Laetitia geschickt hatte. Das taten sie-weil der Papst diese dubia, die sie ihm zwei Monate vorher privat geschickt hatten- ignorierte.

Alles ganz richtig nach dem Kanonischen Gesetz. Aber dieser Zug hat einen Feuersturm einer Kontroverse verursacht, die auch den Papst selbst einbezog, der diese Woche den staunenswerten Vergleich zwischen Journalisten, die über Skandale im Vatican berichten und Leuten zog, die ein sexuelles Interesse an Fäkalien haben.
Jetzt kursieren Gerüchte, daß es dem Papst nicht gut geht und ein britischer Journalist hat sogar seinen Rücktritt gefordert. Vor kurzem haben 23 Gelehrte einen offenen Brief unterschrieben, der die Kardinäle unterstützt und vor einer sich ausbreitenden Krise in der Kirche warnt.

Was geht im Vatican vor sich? In einem Versuch etwas Klarheit in einen Sturm von "spin" zu bringen, hat Regina Edward Pentin gebeten, zu berichten, was er von seinem Vorzugsstandpunkt in Rom sieht.

Frage : Welche Reaktionen auf die dubia sehen sie in Rom- bei ihren Vatican-Kontakten?

E. Pentin:
Die Reaktion war bisher insoweit interessant: fast das gesamte Kardinalskollegium und die Römische Kurie haben geschwiegen, sie haben weder die Kardinäle, noch- und das ist wichtiger-den Papst und seine Entscheidung, nicht zu antworten, unterstützt. Wenn das Schweigen als Zustimmung zu den dubia zu verstehen ist, dann sollte man argumentieren, daß die breite Mehrheit für die vier Kardinäle ist. Das kann eigentlich nur spekulativ sein, aber man könnte es auch als wahr annehmen, weil man seit Monaten von einem signifikanten Teil der Kurie hört, daß sie ein großen Unwohlsein fühlt über das, was passiert. Die Phrasen "Regime der Angst" und "Vaticanisches Kriegsrecht" werden häufig erwähnt.

Frage: "Regime der Angst"? Wow!

Edward Pentin: 
Eine nicht unbedeutende Zahl von Offiziellen ist gegen das, was der Papst tut, bleibt aber still, weil sie für sich selbst beschlossen hat, daß sie nichts tun können und vorziehen ihre Munition für das nächste Konklave aufzusparen.
Es sollte gesagt werden, daß das vor der Veröffentlichung der dubia war, die Dinge können sich geändert haben, aber ich denke, daß der Papst weiterhin nicht antwortet und das Bedürfnis nach einer Antwort bleibt, eine wachsende Zahl aus dem Kollegium sich in Richtung der vier Kardinäle bewegt -und das wahrscheinlich offen. Wir werden dann wahrscheinlich diesen Pontifikat sich schnell zu einem unbekannten Ende entwickeln sehen.
Es muß gesagt werden, daß ein anderer Teil der Kurie und des Kollegiums voll mit der Papst-Agenda übereinstimmt und der befindet sich sicher bis jetzt im Aufstieg. Es gibt also zwei Parallelkurien: eine, die voll hinter dem Papst steht oder ihm gegenüber ambivalent ist, und die andere, die dieses Pontifikat tief bedauernswert findet, das wie sie hoffen, bald endet. Das ist keine Situation, die eine gute Perspektive hat, wie man es auch betrachtet.
Frage: Und ihre öffentlichen Äußerungen?

Edward Pentin:  Ja,also, ein anderer interessanter Faktor ist zu bemerken, daß fast alle Kritiker der Kardinäle noch die Substanz ihrer Bedenken angehen müssen, oder- wenn sie das schwierig finden, ihren Standpunkt erklären, ohne sich in Widersprüche zu verwickeln  oder Behauptungen aufzustellen, die einfach falsch sind. Keiner hat ein wie auch  immer geartetes Statement abgegeben, das die fraglichen Themen behandelt. Statt dessen haben sie sich auf Beleidigungen verlegt oder die Behauptung, daß das gesamte Kardinalskollegium hinter dem Papst steht, was beweisbar falsch ist.
Bischof Athanasius Schneider hat ihre Handeln mit seiner Erfahrung in der Sowjetunion verglichen.

Frage: Und die Reaktion des Papstes?
Edward Pentin:  Die Reaktion des Papstes -soweit zu gehen, den Geisteszustand der Kardinäle in Frage zu stellen, ist als Manifestation seines Ärgers gesehen worden, darüber, daß seine Agenda so vom Kurs abgekommen war.
Und anstatt die vier Kardinäle bei ihrem Wort zu nehmen (sie haben gesagt, daß sie zuerst aus Barmherzigkeit gegenüber dem Hl. Vater handeln, aus Gerechtigkeit und pastoraler Sorge) werden sie als Feinde angesehen.
Ich verstehe, daß er auch hinter den Kulissen gearbeitet hat, um sicher zu stellen, daß seine Agenda nicht klein gemacht wird: von strategisch platzierten Artikeln im Osservatore Romano bis zu Zweideutigkeiten gegenüber denen, die öffentlich die Dubia kritisierten, wenn sie gefragt wurden, ob der Papst sie darum gebeten habe. 
Franziskus hat -wie ein Beobachter es ausdrückte- gehandelt wie ein politischer Lobbyist hinter den Kulissen.
In den drei Wochen nachdem die dubia veröffentlicht wurden, hat der Papst den Welt-Medien drei Interviews gegeben, von denen jedes darauf abzielte, seine Position zu legitimieren und seine Kritiker zu verunglimpfen.
Letztlich ist es wichtig aufzuzeigen, daß wenn man Fakten und Worte, die vom Papst und seinen Verbündeten kommen miteinander vergleicht, es klar ist, daß signifikante Lügen und Betrug stattfinden ebenso wie Verleumdungen und Rufschädigung derer, die als "rechts" etikettiert werden, nur weil sie offen Amoris Laetitia kritisch gegenüber stehen oder auch nur über solche Kritik berichten. 
Es schmerzt mich, das alles zu sagen, weil man als Katholischer Journalist auf keine Weise das Petrinische Amt herabsetzen will, aber ich fühle mich verpflichtet, über die Fakten oder das, was passiert, zu berichten.

Frage : Und was ist mit der jüngsten Säuberung in der Liturgiekongregation und die Ernennung einer unterschiedlichen Gruppe von Prälaten? Was wird das für die Liturgie bedeuten?
Edward Pentin:  Die Ersetzung fast aller Mitglieder der Kongregation ist mehrheitlich als ein anderes Beispiel dafür angesehen worden, daß Papst Franziskus die Kurie formen will, um sie seiner eigenen Vision anzupassen, was jeder Papst tun wird, aber in diesem Fall, sagen manche, daß das die Revolution in vollem Gange zeigt. Ich verstehe, daß seit Franziskus gewählt wurde, eine große Zahl sogenannter "gesund orthodoxer Kleriker entweder freiwillig den Dienst in den Ämtern der Kurie aufgegeben haben oder durch Druck entfernt worden sind.
Das trifft besonders auf die Liturgiekongregation zu,in der viele von Benedikt Ernannte waren. Was die Wechsel in der Kongregation angesichts dessen bedeuten, daß die meisten der neuen Mitglieder -wenn auch nicht alle-  den innovativen Zugang des Novus Ordo favorisieren, ist wahrscheinlich, daß die liturgische Emphase in dem kommenden Monaten und Jahren aus dem Vatican kommen wird. Aber diese Veränderungen sind nur ein kleiner Teil einer Akzeleration der Veränderungen, die Franziskus ausführt, der privat seinen Wunsch äußerte, daß sein Erbe einer radikalen Veränderung weiter bestehen wird, nachdem er nicht mehr Papst ist.

Frage: Die Kommentare des Papstes über die"rigiden jungen Katholiken" was hat es damit auf sich?
Edward Pentin:  Die allgemeine Ansicht in Rom ist, daß seine Kommentare zur Rigidität einfach dazu dienen sollen, sogenannte konservative oder traditionelle Katholiken zu schwächen, so daß die Orthodoxie langsam verschwindet und er seine Reformen durchdrücken kann. 
Das muß nicht so sein, aber so wird es in manchen Quartieren wahrgenommen. Besondere Sorge bereiten manchen die Kommentare des Papstes  die er hinsichtlich der Seminare abgegeben hat, weil sie die als Versuch sehen, orthodoxe Priester von Anfang an zu schwächen, besonders auf dem Gebiet des Gewissens und der Sexualmoral. Es ist nur eine von vielen anderen Handlungen in diesem Pontifikat, die zu einer Entfremdung vieler praktizierender Katholiken geführt hat, aber es sieht so aus als ob die Seminaristen besonders im UK und den USA dazu neigen, zu verstehen, was heute im Vatican passiert und versuchen, die Lehre der Kirche und die Tradition aufrecht zu erhalten. 
Und indem sie versuchen, alle dem einen Sinn zu geben, klarzustellen und aufzudecken, erkennen sie, was lange als verdecktes Schisma gesehen wurde und das zumindest seit dem Ende des zweiten Vaticanischen Konzils exisitierte.

Quelle: reginamag. Edward Pentin
  

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