Donnerstag, 15. Dezember 2016

Johannes vom Kreuz und ein fatales Missverständnis

Gestern war der Heilige Johannes vom Kreuz, das ist der, der zusammen mit der großen Therese, der von Avila, den Karmelitenorden reformierte und dafür, hauptsächlich von den eigenen Leuten, gewaltigen Ärger bekam.
Er galt als Klosterrebell, wurde darob streng bestraft und  eingesperrt, bis er, wohl mit Hilfe eines Sympathisanten, entfliehen konnte. Hier kann man seine Geschichte nachlesen.
Interessant ist, dass diese himmelschreiend ungerechte Behandlung bei Johannes vom Kreuz zu tiefer, innerer Christuserfahrung führte, die ihn wohl auch befähigte alle folgenden Schwierigkeiten auszuhalten und fruchtbar zu machen.
Johannes vom Kreuz, das sei betont, ist gerade der Mystiker, der am meisten gegen das zu Felde zieht, was so landauf landab als Mystik verkauft wird, Erscheinungen, innere Stimmen, Einsprechungen, seltsame Phänomene und dergleichen mehr.
Bekannt ist der Johannes vom Kreuz für seine "Nacht des Glaubens"  in die jeder gerate, der Gott sucht, und wo es sehr gefährlich wird, weil man sich da leicht drin verirren könne, wo man aber dennoch durch müsse, weil man einfach mit den menschlichen Vorstellungen und Ideen, den rein menschlichen Analogien und Gedanken, eben Gott, der ja vollkommen göttlich ist, nicht fassen, erfassen oder auch nur ansatzweise erkennen könne.
Wenn man aber all das hinter sich lasse, dann käme Gott zur Seele.
Interessant ist hier, dass genau das die Idee ist, die Martin Mosebach als Grundprinzip der tridentinischen Messe sieht.

Der Mensch müht sich mit allem, was er hat und kann, die Messe so vollkommen und schön und ritualisiert wie möglich zu machen, und kommt damit bis zur Wand und es ist Christus, der von der anderen Seite der Wand kommt und er kommt auch.
Die Sache ist nur die, und das ist ein ganz bedauerlicher Denkfehler, dass man sich nun hingestellt hat, und gesagt, "Nun gut, wir können da eh nix machen, lassen wir den ganzen Krempel halt weg, es ist ja Gottes Tun, das die Messe ausmacht" und dann hat mal sukzessive alles mögliche abgeschafft, angefangen von den Figuren, über das Latein, bis zu den Kommunionbänken und den schönen Melodien und ja die Theorie ist richtig, aber man hat versäumt bis zur Wand zu gehen und nun, sagen wir es schroff, feiert man sich selber, weil alles was kommt eben rein menschlich ist.
Dasselbe ist auch mit der Mystik geschehen, Es ist völlig erstaunlich was man da alles zu hören kriegt und wer sich alles für schon an der Grenze der ultimativen Gotteserfahrung seiend hält, einfach weil er keine Lust mehr zum regelmäßig beten oder sich mit einer theologischen Lehre auseinander zu setzen hat.
Das Bild das mir immer gut gefällt ist das einer Bergbesteigung.
Man fängt da im Tal an, das ist meist nett, recht flach sowie meist mit vielen Wiesen und Feldern bewachsen.
Macht man sich nur auf zum Gipfel, so ist zunächst recht lange im Wald herumzuwandern, weswegen man auch immer auf Wegmarkierungen und Wegweiser angewiesen ist, weil man meist vor lauter Bäumen nicht weit sehen kann.
Hat man nun die Baumgrenze hinter sich gebracht, geht es durch Gras  und Almrausch hin zum Gipfel, es sei denn man will so hoch hinaus, dass man sich noch durch Fels und  Eis zu kämpfen hat.
Meist kommen nun einige Dinge, Steigeisen, Seil, Brustgurt, auch Proviant, eventuell noch eine Jacke  zum Einsatz, die man die ganze Zeit mit sich herumgeschleppt hat und gar nicht gebraucht hat.
Man kann nun das Stück ab dem Almrausch  mit dem Bereich vergleichen, wo die Begriffe und Ideen nicht mehr recht weiterhelfen. Wie alle Vergleiche hinkt auch dieser, aber mir gefällt das Bild!
Wir heutigen haben nun ein Problem, dass darin besteht, dass wir alle so schrecklich schlau und gebildet sind und deshalb bilden wir uns ein, obwohl wir noch im Tal hocken, wo aber weit und breit kein Baum mehr zu sehen ist, und ab und an etwas Gras wächst, wir wären schon am Ziel.
Wir haben alle. da wir nicht losgegangen sind, noch nie einen  Almrausch gesehen, aber auf der Wiese, auf der wir hocken, gibt es auch so rote Blumen, die werden es schon sein!
Dann stellen wir fest, dass da wo wir so nett im Gras im Tal hocken, da braucht es keine Steigeisen, kein Seil, keinen Brustgurt und gar nichts, da kann man sitzen und chillen und alles easy.
So unterhält man sich gepflegt, oder nicht gepflegt über die dummen Altvorderen, die meinten ne Menge Krempel mit sich auf den Berg schleppen zu müssen, während man selber ja, gelesen  hat, bei Johannes vom Kreuz, Gott kommt dann, wenn die Bäume aufhören und da ist man ja, und ganz komfortabel, nicht wie die Altvorderen mit Fasten, Gebet und regelmäßigem Gottesdienstbesuch und Schriftlesung, sowie sich real kümmern um die alte Tante und den grantigem Mann aushalten, nein wir doch nicht! Wir sind aber da, während besagte Altvordere sich wohl, nachdem was wir gelesen haben, im Wald der Begriffe und Ideen verirrt hat.
Ach was fühlen wir uns so gut!
Man verstehe mich nicht verkehrt, ich bin alt genug um zu verstehen, was das 2. vatikanische Konzil wollte und warum es nötig war, aber das 2. vatikanische Konzil wollte, dass wir aufhören die Bäume und die ausgebauten Wege unterhalb der Baumgrenze für das Ziel zu halten, es wollte dass wir endlich aufbrechen, das ist irgendwie schief gegangen!
So wollen wir bitten "Heiliger Johannes vom Kreuz, bitte für uns!"

1 Kommentar:

  1. Danke für diesen Beitrag. Wieder ein Mosaiksteinchen mehr ...

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