Montag, 26. Dezember 2016

Kierkegaard und Weihnachtspredigten

In diesem Jahr fügte es sich, dass die Weihnachtsansprachen, in früheren Zeiten Predigten genannt, nicht einfach erbaulich waren, so dass man wenigstens in den Weihnachtsmessen, "von der Last des Lebens einmal ruhn" konnte, 
Nein, bedeutungsschwanger waren sie und fordernd, es ist ja keineswegs der Retter der Welt geboren worden und seitdem, prinzipiell, wenn auch erst in der Hoffnung, die Welt, gerettet, und zwar von dem einzigen, der das kann, nämlich Gott, nein, nein, wenn man dem was man heutzutage so unter Christentum versteht, glauben will, so ist das ist unser Job, wenn ich das richtig kapiert habe, was die diversen geistlichen Personen uns sagen wollten.
Nun denn!
Auf jeden Fall frage ich mich immer mehr, warum ausgerechnet Leute, die in früheren Zeiten die Kirche wegen einer gewissen Bigotterie kritisiert haben, und jede Diskussion über die Kirche mit dem schlagenden Argument "Alles was die können, ist den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen" und das meist mit einer echten, oder auch erfundenen Geschichte, von einer alten Tante, mit schmaler Rente, die jedoch sich genötigt fühlte, wenn sie den spendete, dass auch reichlich zu tun, untermauerten; warum ausgerechnet diese Leute so von der aktuellen Kirche begeistert sind.
Weil was ich so gehört habe, das war genau auf der Linie dieser Bigotterie, die zu Recht kritisiert wird, wenn auch teilweise unsachlich und nicht um den Missstand zu ändern, sondern um das eigene Vorurteil zu untermauern.
Ich habe mir, zu diesem Weihnachten, ergreifendes Lob der Armut, der Einfachheit, des Nichtbesitzens und Nichtbesitzenwollens , der Ungebildetheit und Unbeachtetheit angehört, so dass ich in einem Fall dachte "Und was erzählt der uns an 3 König? Nachdem, was er so erzählt, haben die 3 Könige oder 3 Weisen, nie und nimmer aus prinzipiellen, in ihrem Sein begründeten Gründen, den Weg zur Krippe finden können. Als Nichtdumme und Nichtarme haben die gar nicht zu Gott in der Krippe finden können, prinzipiell nicht!
Glücklicherweise fiel  mir dann Kierkegaard ein, der ein solches Verhalten auch schon kannte, und es, unvergessen, treffsicher und genau. so beschrieb:

In dem prachtvollen Dom erscheint der hochwohlgeborene, hochwürdige Geheime General-Ober-Hof-Prediger, der erwählte Liebling der vornehmen Welt, er tritt vor einen auserwählten Kreis von Auserwählten und predigt gerührt über den von ihm selbst ausgewählten Text: ‚Gott hat das in der Welt Geringe und Verachtete auserwählt‘ – und niemand lacht.
fand ich dann so lustig und zutreffend, dass ich in der Lage war, der Predigt leicht grinsend zu folgen und keinen Herzkasper bekam.
Nun gut, dachte ich also, kommt vor, siehe Kiergegaard, bis es dann zur Wandlung kam, selbstgestrickt, was denn sonst?; wo dann plötzlich alles ganz anders wurde, und fleißigst um Spenden gebeten wurde.
Es ist ja nicht so, dass ich das nicht verstehen kann, weil - der Respekt vor dem Amt verbietet mir, das "weil" weiter  auszufalten - ,aber sagen wir mal so, ich versteh ja und finde es ja auch gut, dass die Priester nicht, was ihr materielles Auskommen angeht, von der Gemeinde abhängig sind, und dass man ihnen ein sehr gutes Auskommen ermöglicht, aber manchmal scheint mir, die betrachten ihre eigene, sehr gute und vor allem sichere, wirklich sichere, wirtschaftliche Lage als arm und fühlen sich anscheinend nur gerufen, anderen Leute, das Geld aus der Tasche zu ziehen, wobei ich es zumindest kontraproduktiv finde, die Leute, denen man das Geld abschwätzen will, zuerst zu dissen (Teeniewort, bedeutet jemanden verbal schlecht machen) ihnen klar zu machen, dass sie eh nicht zu Christus kommen können und dann wollen, dass diese Leute, um genau dieses Christus willen, möglichst viel spenden sollen.
Nun ja, sagte meine Tochter: "Also Mama ich nehme an, du bist die einzige, die bei der Predigt zuhört, macht es doch wie alle anderen, schalte auf Durchzug, dös ein bisschen, und hör einfach nicht zu!"
Nun denn, habe ich versucht zu erklären,mir geht halt das Gesülze auf die Nerven, und diese argumentativen Sprünge, dieses beständige  Wechseln der gedanklichen Hermeneutik innerhalb der Kirche, die irgendwie eine solche mittlerweile  verloren zu haben scheint.
Aber auch das beklagt schon Kierkegaard zu seiner Zeit, indem er sagte:

Ich will Redlichkeit. Auf Verbitterung und Raserei und Ohnmacht und Geschwätz kann ich überhaupt keine Rücksicht nehmen. Ich vertrete auch nicht christliche Strenge gegenüber einer christlichen Milde. […] Ich vertrete menschliche Redlichkeit.

Ja so geht es mir auch!
Aber sage ich mir dann immer: Es ist ja so auf dieser Welt, dass alle Weg krumm sind, wie die selige Anna Katharina Emmerich es ausdrückt und genau deshalb musste ja Christus kommen, daher, Freuen wir uns: Uns ist in der Stadt Davids, die Bethlehem heißt. der Retter geboren, der ist, Christus der Herr! 
Fröhliche Weihnachten!



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