Samstag, 10. Dezember 2016

Marco Tosatti zu den jüngsten verbalen Extravaganzen des Papstes

Marco Tosatti  macht sich Gedanken über die Ausdrucksweise des Papstes.
Hier geht´s zum Original:  klicken

"DER PAPST, DIE INFORMATIONEN. EXKREMENTE UND VERWANDTE MATERIALIEN"
Ich habe einige Tage mit dem Schreiben gewartet.: zuerst weil es in meinem kleinen Notizbuch wichtigerer Dinge gab und dann, weil ich mich unwohl fühlte,
Ich fühlte mich unwohl wegen des Pontifex´-auch wenn ich sicher bin, daß er die besten Absichten der Welt hatte: aber wir alle wissen, wozu gute Vorsätze führen.

Ich erinnere mich an das Wort "cacca", In den vielen Jahren, in denen ich die Angelegenheiten der Kirche verfolge und studiere, habe ich keinen Papst so sprechen oder so schreiben erlebt. Das hat Franziskus im Interview mit der belgischen katholischen Zeitung "Tertio" getan, 

Während er von den Gefahren der Versuchung der Information sprach , sagte er:
"...und dann, glaube ich, daß die Medien sehr klar sein sollten,sehr transparent und  nicht - das ist nicht böse gemeint- der Krankheit der Koprophilie verfallen, immer  Skandale, immer das Schlechte zu kommunizieren, auch wenn es wahr ist. Und weil  die Menschen die Tendenz zur Koprophagie haben, können sie große Schäden  anrichten." 

Besonders bei Johannes Paul II hatte sich unter den Vaticanisti (auch bei mir) die Gewohnheit des "ersten-males" entwickelt: man ging auf die Jagd und unterstrich, daß ein Papst zum ersten mal dieses tat, jenes sagte etc. 
Offensichtlich ist dieser Sport ein bißchen in Vergessenheit geraten, weil dieses ein durchschlagendes erstes mal war, daß das griechische Wort "kopros" (Kot) sich auf den Lippen des Papstes formt und ich sehe keine Eile, das zu verbreiten. 
Aber ich bin bereit, mich sofort zu berichtigen, falls ich es nur nicht bemerkt habe.

Vielleicht weil es uns ein bißchen peinlich ist. Persönlich hat es mir nicht gefallen.
Wer mich kennt, weiß, daß ich nicht besonders prüde bin.
Ich bekenne, daß ich viele Jahre die schlechte Gewohnheit hatte- wie nicht wenige im journalistischen Umfeld- mich eher unflätig auszudrücken.
Ein Laster, das nicht wenige Leute haben, die mit mir Zeiten meines Lebens geteilt haben, besonders Frauen, und das abzumildern, ich versucht habe und von dem ich mich zu befreien versuche.
Und im Privatleben haben von Jugend an Winde und Wellen dieses Schiffchen ordentlich gegen dieses Schifflein geschlagen.
Also stammt dieses Unbehagen nicht von einem starrsinnigen alten Kauz. Bestimmte Worte auf den Lippen des Papstes klingen für mich merkwürdig.

Was nun die Klarheit und die Transparenz angeht- wer will den ersten Stein werfen? Seit 2 Monaten warten 4 Kardinäle und nicht wenige Gläubige auf eine Antwort zur Klarheit über Todsünde und Eucharistie, die vielleicht nie kommt. 
Wir haben einen Vertrauten und Ideengeber des Papstes, der zugibt die 4 Kardinäle von einem anonymen twitter-account aus, der von ihm gestartet wurde (warum anonym?) verspottet zu haben und der jetzt versucht, als digitaler Märtyrer durchzugehen... alles in allem.

Und jetzt Koprophilie und Koprophagie. Ich denke alles mögliche Schlechte über diesen Beruf, über Journalisten im Allgemeinen, zuallererst über mich- aber wenn wir beim Papst keine Barmherzigkeit finden, von wem sollen wir sie erwarten?

Ich hoffe, daß ich mich täusche, aber ich fürchte, ein gewisses Ungleichgewicht zu spüren."


Quelle San Pietro e Dintorni, La Stampa, Marco Tosatti


  


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen