Montag, 12. Dezember 2016

Präkonklave im Vatican und in Rom?

A.Gagliarducci bei setzt sich bei Monday in the Vatican mit der Präkonklave-Atmosphäre auseinander, die er in Rom vorfindet.
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"Einige Beispiele. In Italien hält die Katholische Tradition noch, aber der Rückgang in den Seminaren ist erwiesen und sicher. Weil es im Dezember 2014 2753 Seminaristen in Italien gab,  was gegenüber dem Vorjahr eine Abnahme von 12% bedeutet. Dazu kommen 40 Seminaristen, die jedes Jahr das Seminar verlassen. Deutschland, ein Land, das traditionell Missionaren in fremde Länder schickte, kann jetzt auf die Hilfe eingewanderter Priester zählen, die10% der Gesamtzahl an Priestern im Land ausmachen.

                         

"DIE SEMINARE: SCHLÜSSEL ZUM NÄCHSTEN KONKLAVE"
"Was wird das Hauptthema bein nächsten Konklave sein? Diese Frage zirkuliert seit einiger zeit in Rom und sie kommt weder von einem angeblichen Wunsch, Papst Franziskus loszuwerden noch wegen der unwahrscheinlichen Möglichkeit, daß der Papst zurücktreten oder sogar sterben könnte.
Die Frage zirkuliert,weil es nach dreieinhalb Jahren seines Pontifikates und dem bevorstehenden 80. Geburtstag des Papstes, Zeit für eine Bestandsaufnahme wird, Was hat sich unter dem Pontifikat von Papst Franziskus geändert? Was werden die nächsten Schritte sein?

Deshalb werden die Treffen des Vorkonklaves, die zu seiner Wahl führten, analysiert, während Gerüchte über die Schritte der Kardinäle und ihre Erwartungen an den nächsten Papst die Runde machen. Zur selben Zeit ist es nötig zu verstehen, was die Kirche braucht und was der natürliche Fortgang für eine Kirche bedeutet, die nach außen-auf die Peripherie hin ausgerichtet ist, -zwei Themen die zusammen mit der Barmherzigkeitsagenda Franziskus´ Pontifikat charakterisieren.
Alle, die an diesen Unterhaltungen beteiligt sind, geben ein und die selbe Antwort: bei der nächsten Wahl wird es um die Seminare gehen.

Diese Antwort erscheint paradox, weil eine der ersten Entscheidungen Benedikts XVI damals 2005 eine Instruktion über die Zulassung zu den Seminaren war. Diese Instruktion wurde damals offen angegriffen und jetzt in einem von Kardinal Beniamino Stella, Präfekt der Kleruskongregation, der Papst Franziskus sehr nahe steht, unterschriebenen Text zitiert und bestätigt.

Der Text trägt den Titel: "Die Gabe der priesterlichen Berufung". Das ist ein bedeutender Text, aber er wurde nicht offiziell vorgestellt. Er wurde am 8. Dezember in Osservatore Romano veröffentlicht und brachte es sofort bis in die Schlagzeilen, weil er bestätigt, daß Homosexuelle, Menschen mit homosexuellen Tendenzen, und solche, die die Schwulenkultur unterstützen nicht Priester werden können.




Darüber hinaus beschäftigt sich das 92-Seiten-Dokument mit anderen Themen, Es legt ein "curriculum studiorum" fest, das das alte Studienprogramm bestätigt, das aber neu etabliert werden mußte, weil die Kompetenz 2012 von der Kongregation für Katholische Erziehung zur Kleruskongregation wechselte.
Das Dokument umreißt auch das Profil des zukünftigen Priesters: er muß gebildet sein, administrative Kompetenz und Kenntnisse des Kanonischen Rechts aufweisen, Er muß zur Nähe zu den Menschen fähig sein und einfache, kurze Predigten halten können. Von den zukünftigen Priestern wird auch erwartet, evangelisieren und nach draußen in die Peripherien, zu den Nichtgläubigen gehen zu können.

Der Text ist auch ein bißchen vom "Geist von Papst Franziskus" durchtränkt. Die Beschwörung dieses Geistes ist allerdings auf den Ruf nach einer Ausbildung begrenzt, die auf eine "integrale menschliche Ökologie" von Priestern "die nach den Schafen riechen" zielt und auf die Prävention klerikalen sexuellen Mißbrauchs- eine Forderung, die schon in den Dokumenten erhoben wurde, seit unter Benedikt XVI- die von der Päpstlichen Gregoriana-Universität organisierte Konferenz "Zur Heilung und Erneuerung" erhoben wurde, die als Arbeitsgrundlage für die von Papst Franziskus gegründeten Päpstlichen Kommission für den Schutz Minderjähriger dienten.

Die Themen im Dokument sind nicht neu, obwohl es bemerkenswert ist, daß sie unter Papst Franziskus erneut bestätigt wurden.  Sein Pontifikat ist von vielen als "revolutionär" etikettiert worden, als ob dieses Wort selbst das Pontifikat charakterisieren könnte.
Aber die internen Reformprozesse des Vatikans - die Langzeitprojekte- werden immer noch nach der üblichen Weise durchgeführt, ohne Sprünge.
Das beruht auch darauf, daß Papst Franziskus am meisten an der pastoralen Praxis liegt, während die kulturelle Ausbildung immer noch solide traditionell ist.
Tatsächlich erwähnt das vor kurzem verfaßte Dokument auch die Wichtigkeit einer pastoralen Theologie. Aber diese wurde im 18. Jahrhundert in Deutschland geboren und hat theologische Inhalte.
Die Pastoraltheologie sagt, daß der Begriff "pastoral"  sich nicht auf eine von der Doktrin unbeschränkte Praxis bezieht, wie das Arbeitsdokument der Synode 2015 es offensichtlich erscheinen lassen wollte und worauf auch jene, die behaupten, Worte und Handlungen von Papst Franziskus zu interpretieren bestehen.

Die Zukunft der Kirche wird auf dem Feld der priesterlichen Ausbildung ausgespielt.
Berufungen, die Art die Ortsbischöfe mit ihnen umgehen, die Ausbildung der Priester und die Art wie diese Ausbildung ihre Arbeit mit der Herde beeinflußt wird essentiell sein.
Ebenso essentiell aber wird in Zukunft auch die Zahl der Seminaristen sein, als Beweis dafür wir viele Berufungen die neue Emphase für die pastorale Versorgung hervorzubringen vermag.
  
Dieser Streitpunkt hat sich im Lauf der Jahre herausgebildet. Trotz der Popularität von Papst Franziskus nimmt die Zahl der Priester weiter ab. Und die Tatsache, daß wikipedia dem Mangel an Katholischen Priestern eine ganze Seite widmet, läßt vermuten, daß das Problem noch akut ist.
Einige Beispiele. In Italien hält die Katholische Tradition noch, aber der Rückgang in den Seminaren ist erwiesen und sicher. Weil es im Dezember 2014 2753 Seminaristen in Italien gab,  was gegenüber dem Vorjahr eine Abnahme von 12% bedeutet. Dazu kommen 40 Seminariten, die jedes Jahr das Seminar verlassen. Deutschland, ein Land, das traditionell Missionaren in fremde Länder schickte, kann jetzt auf die Hilfe eingewanderter Priester zählen, die10% der Gesamtzahl an Priestern im Land ausmachen. 

Die USA erleben ebenfalls eine Abnahme der Zahl an Priestern seit 2012 (4,3 %). Einige veröffentlichte  Untersuchungen versuchen darauf zu bestehen daß eine der Ursachen für die Abnahme der Berufungen die Verpflichtung zu Armut und Zölibat seien. Das ist jedoch eine kurzsichtige Blickweise. Die frühen Daten für 2012 sind ermutigender.
Als es 3608 Seminaristen gab, 125 mehr als 2011. 2012 sah die größte Zahl an Seminaristen in den USA seit den 90-ern.

Die Daten sind verwirrend. Auch wenn sie mit der Zeit Schritt für Schritt analysiet werden sollten, um die tieferen Gründe, die hinter ihnen stehen zu finden, könnten wir auf den ersten Blick sagen, daß die Umkehr der Flut in den USA ein Signal ist, das nicht unterschätzt werden sollte.
Von den 80-ern  an hat sich die Zusammensetzung der US-Bischöfe von Grund auf verändert.
Die Ernennungen des Hl. Johannes Pauls II waren "konservative" -nachdem wie in den USA Bischöfe etikettiert werden-  und verankert in Katholischen Werten.
Bischöfe waren bereit, ihren Platz in der Öffentlichkeit anzunehmen. Diese Bischöfe kreierten, eine Art Schule und diese Schule ist immer noch die wichtigste in den Staaten.
Die Seminare profitierten von ihr, und die Zahlen zeigen das. Zur selben Zeit zeigen die Zahlen eine Abnahme in den Seminaren in den Diözesen, in denen der Bischof die Haltungen der säkularen Welt wiederspiegelte.
Ein klassisches Beispiel dafür ist die Diözese von Spokane, deren Seminar unter Blase Cupich viele Seminaristen verloren hat. Papst Franziskus hat Cupich später zum Erzbischof von Chicago ernannt und ihn während des letzten Konsistoriums zum Kardinal kreiert.

Alle diese Daten bieten Gründe zum Nachdenken an und sie sind entscheidend wenn über die Zukunft der Kirche geredet wird, Das ist der Grund aus dem die Diskussion über das zukünftige Konklave schon begonnen hat. Der unerwartete Rücktritt Benedikts XVI hat irgendwie die Diskussion über die Berufungen unterbrochen. Kardinäle. die nicht dazu bereit waren und sich wahrscheinlich über Managementprobleme imVatican ärgerten haben die gesamte Diskussion des Präkonklaves auf pragmatische Themen fokussiert.
Ein Wechsel der Lesart schien nötig und Papst Franziskus hat sie zusammen mit dem folgenden Versprechen garantiert, unvermeidlich scheindende strukturelle Reformen (d.h. eine Kurienreform) durchzuführen.
Seit der allerersten Messe mit den Kardinälen in der Sixtinischen Kapelle und dann in der Apostolsciheb Konstitution "Evangelii Gaudium" hat Papst Franziskus seine Idee vom Priestertum verbreitet- dem Priester mit dem Geruch der Schafe- Teil einer Kirche, die mit der Welt geht und dialogisiert. Der selbe Papst Franziskus hat aus der Formulierung "Realitäten sind größer als Ideen" einen Pfeiler seiner Gedanken gemacht und so die Bischöfe entmutigt, im öffentlichen Raum aucnh nur irgendeine Debatte über Christliche Ideale und Werte zu führen, so als ob die Kirche die Kulturkämpfe verloren hätte und sogar den Kampf um die Katechese und jetzt nur noch die Realität der Dinge, wie sie sind, akzeptieren müßte.
Papst Franziskus hat diesen Zugang in Buenos Aires gewählt und die Zahlen des Seminars zeigen, daß die Berufungen nicht davon profitiert haben. Zugegeben, es ist noch zu früh das mit Sicherheit zu sagen. Und man kann augenscheinlich einwenden, daß Zahlen die in die Anfangszeit von Papst Franziskus´ Pontifikat zurückgehen oder sogar in vorhergehende Pontifikate nicht direkt den Pontifikat von Papst Franziskus wiederspiegeln.
Aber das ist zur Zeit nicht der Punkt. Der wahre Punkt ist, daß die Kirche nach einem Profil des nächsten Papstes sucht, mit dem Ziel eher eine wachsende Anzahl von Prieserberufungen zu erreichen als einen Wechsel der Lesart zu erreichen. wie es letztes mal geschah.
Das ist ein definitiver Paradigmenwechsel.
Nach dem Pontifikat Benedikts XVI war das erste Ziel Konsens und sogar Umsätze zu generieren- und das war eines der Ziele der Wirtschaftsreform- jetzt gibt es für die Kirche die Notwendigkeit, mit genügender Kraft ihre Mission in der Welt zu erfüllen. Eine Kirche, die fähig ist, zu beten- die letzten Umfragen in Deutschland zeigen, daß nicht einmal die Priester beten- und die Herde mit der Eucharistie und der Klarheit des Glaubens zu nähren, anstatt einer Kirche die sich für pastorale Pläne engagiert.
Am Ende können alle diese Kriterien können im neuen Erzbischof von Krakau, Marek Jedraszewski gefunden werden, den Papst Franziskus am 8. Dezember zum dritten Nachfolger Karol Wojtylas in Krakau. Das Profil des neuen Erzbischofs scheint nicht zum Profil der Bischöfe zu passen, die Papst Franziskus normalerweise favorisiert- und tatsächlich wurde er nicht einmal als Kandidat für diesen Posten angesehen. In Lodz, wo er die letzten Jahre als Erzbischof verbrachte- lebte er in einem besonders schwierigen Umfeld, insofern als die Stadt von Post-Kommunisten und Sozialisten dominiert wird. Trotzdem war er fähig, da Katholische Umfeld wieder zu begründen, indem er bei der Doktrin blieb, deutlich die HS-Kultur kritisierte und die Familie verteidigte.
Er ist kein Show-Mann, hat ein ruhiges Temperament und baut auf klare Werte- sagen Beobachter aus Polen.
Ist die Ernennung Jededrazeskis das erste Ergebnis des neuerlichen Bedarfs an Priestern, die als Thema im neuen Dokument über die Seminare angesehen werden kann? Es ist zu früh das zu sagen. Es ist aber bemerkenswert, daß das Dokument de facto die Kriterien zur Zulassung zu den Seminaren bestätigt, wie sie im Lauf der Jahre etabliert wurden- ohne besondere Anpassung. Die Arbeit, die schon früher getn wurde, wird so anerkannt. Darüber hinaus betont das Dokument statt dessen, daß diese begonnene Arbeit zuende geführt werden muß.
Es wurden Revolutionen erwartet. Statt dessen kamen Bestätigungen.

Quelle: Monday in the Vatican, A. Gagliarducci

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