Dienstag, 27. Dezember 2016

Weht die Antwort auf die dubia im Wind?


Aldo Maria Valli erteilt unzähligen Priestern auf dem Feld der Ahungslosigkeit  das Wort, die die dubia der vier Kardinäle teilen, weil sie in Ausübung ihres Amtes  sehr konkret mit den Zweideutigkeiten von Amoris Laetitia konfrontiert sind.

"Schwer zu sagen, ob dieses Zeugnis authentisch ist, oder ob es sich um ein literarisches Kunstprodukt handelt,  um eine allgemeine Situation darzustellen. Wie es auch sei, die Fragen existieren ganz klar und erfordern eine präzise Antwort des Papstes- und vielleicht- von den stursten Bergoglianern- andere Argumente zur Verteidigung ihres Idols, als die der "Psalmodierer" der Barmherzigkeit und der Öffnung zur Welt.
Eines der Ziele dieses Artikels ist, daß er von einem geschätzten italienischen Vaticanisten kommt, der alles andere als ein "Tradi" ist. von Aldi Maria Valli , den ich vor einigen Jahren, vielleicht etwas übereilt, als "erwachsenen Katholiken" bezeichnet habe.
Aber katholisch auf jeden Fall .....
Die Veröffentlichung von Amoris Laetitia scheint ihn definitiv aus dem Chor der Vaticanisten, die gegenüber Papst Franziskus in Extase verfallen, entfernt zu haben" schreibt der Autor von liberoquotidiano- zum Text von Valli.
Hier geht´s zum Original bei Benoît XVI-et-moi :    klicken

Aldo Maria Valli:

"AMORIS LAETITIA"
DIE "DUBIA" EINES GEMEINDEPFARRERS UND EINE ANTWORT,  DIE IM "WINDE WEHT"

"Die Formen der Kohabitation more uxorio ( wie ein verheiratetes Paar) außerhalb einer gültigen religiösen Ehe- sind sie oder sind sie kein Widerspruch zum Willen Gottes?"

Der Pfarrer, der mir diese Frage stellt. verbirgt nicht, daß er sich in einer komplizierten Lage befindet. Er zerbricht sich den Kopf, aber er ist wie in einem Labyrinth. Nach "Amoris Laetitia" findet er es schwierig, klare und präzise Antworten auf Fragen von fundamentaler Wichtigkeit für den Glauben und das Seelenheil und die innere Kohärenz der Katholischen Lehre zu geben.

Man spricht viel -und mit Recht- über die von den Kardinälen Brandmüller, Burke, Caffarra und Meisner ausgedrückten dubia zu "Amoris Laetitia", aber es gibt auch die dubia, gar nicht theoretisch, über die die für die Seelen verantwortlichen Priester debattieren.

"Der Bischof sagt mir, daß sich nichts geändert hat, ich solle ruhig bleiben, aber die Wahrheit- erzählt der Priester- ist, daß die Verwirrung in diesem Augenblick groß ist. Es sieht so aus, daß jeder seine persönliche Wertung formulieren kann, ohne einen festen Punkt zu haben, an den er sich halten kann.
Jene, die an Amoris Laetitia vorangehende, alte Regeln appellieren, die nicht widerrufen worden sind, werden häufig mit Mißachtung wenn nicht gar mit reiner und simpler Feindseligkeit betrachtet, als ob sie verstockte Rechtsgelehrte seien, unfähig zu Liebe und Barmherzigkeit.
Jene, die sich im Gegenteil "Amoris Laetitia anschliessen wollen,  finden sich dem Appell der "Unterscheidung" gegenüber, der sich am Ende als allgemein erweist. Ich frage mich, ist die höchste Form der Barmherzigkeit nicht ist, Sicherheiten für einen klaren Weg zur Heiligkeit anzuzeigen, besonders in unserer Epoche völliger moralischer Verwirrung?"

Die Liste der von den Pfarrern formulierten dubia stimmen mit denen der vier Kardinäle, die an den Papst geschrieben haben, überein und sind durch die selben Sorgen gekennzeichnet.





"In "Familiaris Consortio" des Hl. Johannes Paul II lesen wir: "Die Hirten müssen wissen, daß sie um der Liebe Gottes willen verpflichtet sind, in den Situationen gut zu differenzieren." Das ist eine Passage, die Franziskus wieder aufnimmt, aber was ist die Wahrheit? Ist sie die Lehre, die die Kirche immer bekräftigt hat oder kommt sie -wie es in "Amoris Laetitia" scheint- aus der Art, in der die Menschen leben, im Bewußtsein einer gegebenen Situation?"

"Können die irregulär genannten Verbindungen auf eine gewisse Weise das Gut der christlichen Ehe ausdrücken, oder in einer irregulären Verbindung ein Bewußtsein- vielleicht auch nur ein teilweises oder graduelles- für das Göttliche Recht sehen?"

Der Pfarrer erklärt, daß es unter den Priestern immer verschiedene Verhaltenslinien gegeben hat, ob Personen, die in einer Gemeinde kein grünes Licht zum Empfang der Kommunion bekommen, sie vielleicht in einer anderen bekommen können. Aber zur Zeit sieht es so aus. als ob die Kirche selbst -durch den von Fall-zu-Fall-Weg das rechtfertigen und legitimieren, was aus jedem Blickwinkel eine Zweideutigkeit ist, die sowohl der Lehre als auch der Pastoral die Glaubwürdigkeit nehmen könnte

Der Pfarrer befragt sich sowohl leidenschaftlich als auch leidend selbst. Für ihn sind diese Fragen keine Theorie: sie haben das Gesicht von Personen, die ihn direkt betreffen und die Antworten von ihm erwarten. Aber welche?

"Kann die Treue für die neue Verbindung in gewisser Weise die Auflösung des ehelichen Bandes "kompensieren" - bis zu dem Punkt, daß die neue Verbindung keine Sünde ist? Und was bedeutet die Tatsache, daß die wiederverheirateten Geschiedenen lebende Mitglieder der Kirche sind? Bedeutet das. daß sie sich nicht in einer objektiven Situation der Sünde befinden? Aber wenn sie nicht in einer Situation der Sünde sind, bedeutet das, daß die Ehe nicht unauflöslich ist?"

Und dann: worin sollte die Praxis der Unterscheidung, die im Zentrum von "Amoris Laetitia" steht, bestehen? Wohin soll sie tendieren? Kann die pastorale Unterscheidung z.B. so weit gehen, daß die neue Verbindung, die in Treue und ernsthafter Liebe gelebt wird, heiliger ist als die erste, obwohl die Unauflöslichkeit verletzt wurde?

Fragen über Fragen. "Können wiederverheiratete Geschiedene als im Stand der Gnade befindlich betrachtet werden? Können sie also die Absolution bekommen und sich der Eucharistie nähern, selbst wenn sie nicht auf die neue Verbindung verzichten und selbst, wenn sie nicht in Keuschheit leben?
Ich sage nicht, daß es vor "Amoris Laetita" leichter war, bestimmte Fragen zu behandeln, aber das scheint heute unmöglich geworden zu sein, weil das Dokument wirr ist."

"Wenn Sie mich fragen, ob der Prozess der Differenzierung bis zur Zulassung zur Eucharistie gehen kann- unter Berücksichtigung mildernder Umstände für die wiederverheirateten Geschiedenen , die wie Mann und Frau zusammenleben, muß ich Ihnen sagen, daß ich es zu diesem Zeitpunkt nicht weiß."

Und was soll man zum Subjektivismus sagen, der sich in das Dokument eingeschlichen zu haben scheint? " Genügt die Tatsache, daß eine Person subjektiv im Gewissen von der Ungültigkeit der Ehe überzeugt ist, die zweite Ehe zu rechtfertigen, ihr die Absolution zu erteilen und sie zur Eucharistie zuzulassen?
Wie rechtfertige ich nach "Amoris Laetitia" die Unmöglichkeit, Menschen die Kommunion zu spenden, die in Treue more uxorio leben? Das Dokument -auch wenn es mir formal freistellt, zu differenzieren,- treibt mich in Wirklichkeit dazu, die Kommunion zu spenden."

Je mehr ich den Text lese, desto weniger habe ich ein klares Bild. Was mache ich nach "Amoris Laetitia" und dem Vorschlag von Fall-zu-Fall zu beurteilen, um die Universalität des Göttlichen Gesetzes zu wahren?  Mein Bischof sagt mir, daß es mir nicht zusteht, zu unterscheiden, um zu entscheiden, wer die Eucharistie nicht empfangen darf: meine Rolle muß sein, den Menschen zu helfen, sich bewußt zu werden in welchem Zustand sie sich vor Gott und der Kirche befinden.
Das sind schöne Worte, aber mit allem Respekt, sie spiegeln die Realität nicht wieder.
Die Leute wollen klare Antworten.
Selbst die Verständnisvollsten und Verfügbarsten, die die Mehrheit darstellen, wollen zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem Resultat kommen.
Und dann sind da noch die, die eine anspruchsvolle Haltung haben: der Papst hat die Erlaubnis gegeben, also müssen Sie- lieber Herr Pfarrer- sich anpassen."

Die Fragen häufen sich und die Antworten entfernen sich. "Als ich ihn das letzte mal traf, hat der Bischof mir gesagt: "Ich gehe bald in den Ruhestand und ich bin sehr zufrieden, zu gehen; ich beneide Sie nicht, Sie, der an der Front steht, mitten in dieser Konfusion." Zumindest war er ehrlich. Bleibt, daß mir die Antworten fehlen."

Man denkt an Bob Dylan, ganz frischer Nobelpreisträger: "The answer, my friend, is blowing in the wind." "Die Antwort, mein Freund, weht im Wind"
Aber ist es der Wind des Geistes?"

Quelle: BenoîtXVI-et-moi, Aldo M. Valli,  liberoquotidiano




  

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