Donnerstag, 1. Dezember 2016

Wer fragt, der ist nicht würdig ein Kardinal zu sein?

Wie man aus diversen Rumors im Netz liest, scheint man in "Rom" ernsthaft zu erwägen, die 4 Kardinäle, die die Dubia geschrieben haben, ihre Kardinalswürde zu entziehen, sozusagen als Strafe.
Ich möchte hier auf David Berger verweisen, der zum Thema, im Grunde,  alles gesagt hat, was zu sagen, ist und der besonders den auch von mir geschätzten Philosophen Walter Horoes zitiert mit:
Die heftigsten Toleranzprediger sind fast immer die intolerantesten Menschen.
Ich muss sagen, das Vorgehen, wenn es denn nicht ein Fake ist, das bringt mich schon ins Schleudern in meiner Auffassung von dem was katholisch denn  nun mal ist.
Weil fragen ist nun wirklich nicht Sünde.
Also nochmal, die 4 Kardinäle haben kein Dogma geleugnet, sie haben auch nicht in vielen Worten wortreiche theologische Thesen aufgestellt, die, wenn man sich dann da durch gewühlt hat, einfach nicht stimmen, also eine Häresie ausdrücklich und beständig gelehrt. Sie haben einfach gefragt, weil sie, wie so viele von uns, nicht verstehen, was der Papst denn  nun meint.
Ich persönlich hielt bislang den, den Jesuiten zugeschriebenen, Kadavergehorsam für eine Übertreibung von Seiten ausgewiesener Kirchenfeinde und um es mal auf den Punkt zu bringen, selbst ein Hans Küng ist weiter Priester geblieben, obwohl er wohl selber genau daran, nämlich Messe zu halten, kein Interesse gehabt hat.
Klar lässt sich das alles nicht vergleichen und mit dem Kirchenbann werden die vier nun nicht bedroht, aber ein seltsames Vorgehen ist es schon, und eine kuriose Drohung dazu.
Ich habe ja nun wirklich früher nicht gelebt und denke immer, man versteht die Vergangenheit nicht wirklich, weil man da eben nicht gelebt hat, aber es gibt ja die Idee, dass in irgendwelchen ominösen "früher" es so war, dass die Kirche alles, jede Regung jedes Gedanken in den Hirnen und Herzen der Menschen kontrollierte und jede Abweichung sofort sanktioniert und das ganze gipfle im Kadavergehorsam der Jesuiten, der  in dem Satz des  Ignatius von Loyola, gründe, der  angeblich sagte "Ich werde glauben, dass schwarz weiß ist, wenn die Kirche das so sagt!" 
Wie gesagt, selbst wenn der Ignatius das genau so gemeint haben sollte, wie es rüberkommt, so ist das schon lange vorbei und irgendwie sind doch viele große Jesuiten nun nicht gerade das was man unter einem, der den Kadavergehorsam übt, versteht.
Gerade die großen Konzilstheologen waren Jesuiten, ob es sich nun um Rahner, Congar, DeLubac oder Augustin Bea handelt...alle waren sie Jesuiten, auch Teilhard de Chardin, der es immerhin noch auf den Index verbotener Bücher geschafft hat, war Jesuit und all diese Leute, mal völlig unabhängig davon, wie man ihr Wirken und ihre Ideen im Einzelnen wertet. sind nun nicht das, was man unter Menschen die sich sagen lassen, was sie nicht denken dürfen, versteht.
Um es jetzt einfach mal zusammen zu fassen, es steht schlimm um uns, wenn man sanktioniert wird, wenn man nur fragt.
Vor allem, auch das ist jetzt schwer verkürzt, auch wenn es nervig war, aber wir sind es doch alle so gewohnt, dass man in der Kirche alles und jedes in Frage stellen kann und darf.
Zu Zeiten von JPII stellte man jeden vorlauten, pubertierenden Teenager in eine Reihe mit Katharina von Siena und ein JPII griff in seinen  Enzykliken. bei Licht betrachtet, all diese Fragen auf und beantwortete sie geduldig und ausführlich.
Nun scheint es so, als seien wir wieder in diesen düsteren Zeiten der Kirche gelandet, von der ältere Menschen ab und an erzählen, dass bei ihnen zuhause,  die Kinderfrage "Warum bedanken wir uns eigentlich bei Gott für das Essen? Das haben wir doch vom Geld, dass Papa verdient gekauft?" (oder in ländlicheren Gegenden: ....Das sind doch  unserer Kartoffeln und unser Schwein, das wir da essen) dass also auf diese Frage keine geduldige Antwort erfolgte, sondern im besten Fall  ein genervtes "Frag nicht so dumm!" manchmal auch ein Anschreien oder gar eine Ohrfeige die Folge waren.
Nur waren die entsprechenden Eltern oft eben sehr geplagt, und dazu auch, wie schreib ich das nur?, einfach intellektuell überfordert, mit der Beantwortung einer solchen, in ihren Augen unverschämten Frage, einfach weil damals die Prägungen anders waren, die Leute waren einfach nicht gezwungen, viel zu reflektieren, man machte halt, wie man schon immer gemacht hatte, und hatten nie gelernt, zu hinterfragen, und mussten wohl auch viel zu angestengt arbeiten, und hatten von daher einfach keine Zeit zum großartig Nachdenken.
Es ist sicher richtig, das nicht gut zu finden, aber, als ich Kind war, waren meine Eltern einmal drei Wochen lang verreist und meine Oma musste auf uns aufpassen. Meine kleine Schwester hat das schlecht vertragen und nun ja, es war eine Menge Bettwäsche zu waschen. Nun ging die Waschmaschine kaputt, und meine Oma war in der Bredouille. 
Da hat sie dann in der alten Waschküche, den dort noch herumstehenden Waschkessel gefüllt, Feuer drunter gemacht und die Wäsche dortselbst gewaschen, gespült und ich habe ihr geholfen auch mit dem Auswringen. Gut ich war  gerade mal so 8 oder 9 und wohl auch keine großartige Hilfe, aber an die Anstrengung erinnere ich mich heute noch und auch daran, wie fertig die Oma war, von dem bisschen Wäsche.
Von daher denke ich immer, ein bisschen zu verstehen, wie fertig die Leute eben damals waren und warum man keine Zeit für Fragen hatte, aber wir und unserer Kirchenfürsten sind keine geplagten Waschfrauen von vor hundert Jahren und um es mal dumm zu formulieren, selbst vor 500 Jahren mussten solche weder Wäsche wachen noch den Acker umpflügen, geschweige denn das Huhn für die Suppe selber rupfen.
Von daher ist es unverständlich warum auf einfache Fragen so reagiert wird.



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