Dienstag, 10. Januar 2017

2+2= 5 oder der Hl. Stuhl hat Jurisdiktionsgewalt über den Malteser Orden.

Ed Condon erklärt im Catholic Herald noch einmal die Rechtslage im Verhältnis des Malteser Ordens zum Hl. Stuhl und warum Kardinal Parolin den Vatican in eine unhaltbare Situation manövriert hat. Wer keine Problem hat, macht sich welche....eine Weisheit die richtig wäre, wenn denn der Vatican keine hätte, aber um das Gegenteil zu beweisen, genügt es z.B. an die immer noch unbeantworteten dubia zu denken,
Hier geht´s zum Original:  klicken


"JA DER MALTESER ORDEN IST KATHOLISCH. ABER DAS LEGITIMIERT NICHT DIE UNTERSUCHUNG DES VATICANS"

                         Cardinal Raymond, Patron of the Order of Malta, blesses members of the Order (CNS)
   
                   Cardinal Raymond, Patron des Ordens von Malta, segnet Mitglieder des Ordens (CNS)

Bevor der Papst formal die Rechte des Ordens widerruft, kann keine Abteilung des Vaticans im Orden Untersuchungen durchführen- und ganz sicher nicht das Staatssekretariat.

Der Streit zwischen dem Souveränen Militär-Orden von Malta und dem Staatssekretariat des Hl. Stuhls kann sehr verwirrend sein. So sehr, daß es sogar dem Staatssekretär, Kardinal Pietro Parolin, 
schwerfällt, seinen Platz in dieser Affäre zu finden.

Zur Rekapitulation:
Kardinal Parolin hat angekündigt, daß eine Kommission mit der Untersuchung der Entlassung des Großkanzlers fortfahren wird. Er hat -nach den jüngsten Leaks- gesagt, daß er Orden ein religiöser Laien-Orden sei, der "im Dienst am Glauben und des Hl. Vaters stehen muß".
Deshalb- so soll, wie berichtet wird, argumentiert haben- hat der Hl. Stuhl die Autorität bei den Inneren Angelegenheiten des Ordens zu intervenieren.

Es ist schwer zu glauben. daß ein so gewiefter Diplomat wie Kardinal Parolin ein so von Grund auf falsches Argument zu benutzt. Aber wenn die Zitate sein Denken wiedergeben, dann sind hier einige ernsthafte Mißverständnisse am Werk.

Der Grundgedanke des vorgebrachten Arguments ist, daß der Orden katholisch ist und deshalb sei der Papst zuständig, deshalb könne der Hl. Stuhl intervenieren. Unglücklicherweise ist das juristisch ungefähr so zutreffend wie 2+2 = 5.

Der Malteser Orden ist tatsächlich ein religiöser Laienorden. Aber es ist ausdrücklich klar gestellt worden, daß die Pflicht zum religiösen Gehorsam nicht außerhalb der Ordenhierarchie gilt.
Das ist in dem Teil der Ordenskonstitution detailliert niedergelegt, der seine Beziehung zum Hl. Stuhl regelt. Er besagt:
Religiöse Mitglieder sind sowohl durch ihre Gelübde- als auch als Mitglieder der Zweiten Klasse durch das Gehorsamsversprechen nur ihren entsprechenden Oberen im Orden verpflichtet.
(Konstitution der Ordens, Art.4 §2)





Obwohl der Orden katholisch ist, trennt seine Konstitution klar von der Aufsicht irgendeiner Vatican-Abteilung.

Aber- könnten Sie einwenden- hat der Papst nicht Autorität über jede Katholische Organisation?
Sicher, ja- aber es gibt nur einen Weg, indem er diese Autorität ausüben kann.
Um die Souveränität des Ordens zu anzutasten, muß der Papst zuerst ausdrücklich die Rechte und Gesetze des Ordens widerrufen (Konstitution Art. 4 §3).
Das hat Papst Franziskus nicht getan. Bis dahin wird der religiöse Gehorsam des Großmeisters und anderer ....Ritter des Ordens vom Papst in "Übereinstimmung mit der Konstitution und dem Kodex (Kodex des Ordens, Art. 62) angeordnet, das heißt, in vollem Respekt für die Unabhängigkeit des Ordens und die Souveränität seiner Führung.

Damit die Vatican-Kommission rechtmäßig wird, müßte der Papst einen formalen Rechtsakt unterschreiben und offiziell und ausdrücklich die Souveränität der Ordens widerrufen und die Untersuchungskommission zum Handeln autorisieren. Dieser formale Akt müßte dem Orden übersandt werden.
Wenn der Papst wollte, daß Kardinal Parolin oder irgendein Kurienmitarbeiter die Macht haben soll, an seiner Stelle mit dem Großmeister zu kommunizieren, würde auch das ausdrücklich und auf juristischem Weg dem Großmeister direkt vom Papst mitgeteilt werden, auf eine Weise die dem notwendigen Widerruf der Souveränität Rechnung trägt.

Die, die auf Kardinal Parolins Recht zur Intervention bestehen, haben die Person des Papstes mit dem Regierungsapparat des Hl. Stuhls verwechselt. "Der Papst" bedeutet nicht jeder Mitarbeiter des Vaticans. Ja, Kardinal Parolins Brief stellt die angenommene Meinung des Hl. Vaters zur Situation dar. Aber das nicht nicht offizieller, formaler, legaler als eine Frühstücksbestellung des Papstes eine unfehlbare Lehre wäre.

Natürlich kann Kardinal Parolin nicht wirklich glauben, daß der Malteser Orden unter der Aufsicht des Hl. Stuhls steht, wie irgendein anderer religiöser Orden. Sollte das ein ernsthaftes legales Argument sein, wäre die ganze Sache der Ordenskongregation und nicht dem Staatssekretariat übergeben worden.

Alles das bezieht noch nicht das Internationale Recht ein. Hier wird die Begründung des Staatssekretariates noch dünner. der Orden ist eine souveräne Einheit nach Internationalem Recht-
Er wird als solche von mehr als 100 Ländern anerkannt, gibt eigene Pässe und Briefmarken heraus und hat einen permanenten Beobachter bei den UN. Sogar wenn  der Hl. Vater die Ordenskonstitution (ein Akt, der von ihm persönlich kommen müßte, nicht von irgendeinem Vatican-Mitarbeiter) widerriefe, ist keineswegs klar. welche Konsequenzen das für beide Institutionen international und diplomatisch haben würde.

Die Souveränität eines anderen Objektes zu unterminieren, könnte die Intervention des Staatssekretriates ernste diplomatische Rückwirkungen auf den Hl.Stuhl selbst haben. Es bleibt auch unklar, wie die Kommission irgendeinen Fortschritt machen sollte, angesichts der Tatsache, daß der Orden sie als manifeste Verletzung der Souveränität des Ordens zurückweist, sowohl nach seiner eigenen Konstitution als auch nach Internationalem Recht.

Während der Papst die Autorität ist, die zuerst dem Orden den Status der Souveränität zubilligte, bedeutet sein unabhängiger diplomatischer Status und die diplomatischen Beziehungen, daß seine internationale Legitimität nicht vom Papst abhängt. Wie würde die diplomatische Welt reagieren, wenn die Queen- auf den dringenden Rat von Boris Johnson - ein Dekret erließe, in dem sie die Souveränität Kanadas widerriefe?
Die Parallele ist nicht genau -aber auch nicht so weit hergeholt.

Quelle: The National Catholic Register

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