Montag, 16. Januar 2017

Alte Heiden über christliche Tugenden

In mein Poesiealbum schrieb mir, damals in der Grundschule, mein Klassenlehrer einen lateinischen Spruch, der da lautete:
Quis quid agis, prudenter agas, et respice finem

Soweit ich das weiß, schrieb er auch noch die deutsche Übersetzung darunter, nämlich:
Was immer du tust, tue es gut und bedenke das Ende.

Angeblich stammt er Äsop, einem ollen Griechen, der vor über zweieinhalb Jahrtausenden lebte.

Nun, wie soll ich denn sagen, den ersten Teil des Satzes, den hören wir beständig, allüberall und ja lässt sich auch wenig dagegen einwenden, wer wollte schon jemanden auffordern schlecht zu arbeiten, im Sport nicht gewinnen zu wollen und sein Hobby schlecht auszuüben, von allem anderen ganz zu schweigen.

Nur von dem Ende, davon hören vordergründig viel,  alles redet von Erfolg, Effizienz und dem Bilanzieren, aber das eigentliche Ende, das Endgericht, davon hören wir eher weniger, sogut wie nix, Das gibt es irgendwie nicht mehr und wenn es sowas gibt, so ist der liebe Gott ja gegenüber allen und jedem barmherzig und zärtlich, außer gegenüber denen die sich um Frömmigkeit mühen, wenn ich das richtig verstehe.

Von daher spricht es, in meinen Augen schon für den Kardinal Burke, wenn er im Interview sagt.

Was die "dubia" angeht, so beunruhigt mich  das jüngste Gericht mehr, als der Verlust meines Titels.



Worte, die ich schon lange nicht mehr gehört habe und die ich dem Kardinal sogar abkaufe.
Egal was man nun von ihm persönlich halten mag oder auch nicht, da hat er was Wahres gesagt.

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir ganz am Ende, vor Gottes Richterstuhl antanzen müssen, und er, der da auf dem Thron sitzt, eh schon alles weiß und uns kennt, besser als wir uns selber kennen.
Ich bin übrigens der Ansicht, dass es sich mit dem Gericht so verhält, dass man sich selber sieht mit den Augen Gottes, also mit all seinen Verwundungen, die einem zu dem und dem gedrängt haben, man sich mit all den egoistischen, verborgenen Absichten, bei anundfürsich gutem Tun erkennen muss, dass man sich einfach sieht wie man ist, mit allen, auch vor einem selber verborgenen Regungen des Herzens, aber auch mit all den guten Absichten, die man selber vermasselt hat und vor allem all die Balken im eigenen Auge, mei, mei,

Aber so sehr mir da jeder zustimmen wird, dass dem so ist, wird man doch der Ansicht sein, der liebe Gott wird das schon richten, außer bei den jeweils anderen, die, die man, warum auch immer, überhaupt nicht leiden kann.
Ich fürchte  nur, dass man sich bei diesem Gericht nicht erkennt, sondern denkt, einem sei das Urteil über einen anderen anvertraut, so ähnlich wie früher hier am örtlichen  Kaufhof die Bilder der Überwachungskamera auf einen Bildschirm projiziert wurden und ich bin nicht die einzige, die sich da nicht erkannt hat, und dachte  "was guckt die denn so dumm?".

Es ist übrigens eine gute geistige Übung bei Eigenschaften von anderen, die einem auf den Wecker gehen, sich zu fragen, ob man da nicht in einen Spiegel guckt.
Von daher erst bekommt die Aufforderung der regelmäßigen Beichte einen Sinn, weil man dadurch geübt wird, sich selber zu erkennen, auch was die schlechten Seiten oder  Grundlagen angeht, und das Wort "Richtet nicht auf das ihr nicht gerichtet werdet", bekommt seinen eigentlichen Sinn.

Nun erhebt sich aber die Frage, ob es von daher nicht grottenverkehrt und schlecht ist, Handlungen und Gedanken in gut und böse zu unterteilen?
Ja das scheint so die allgemeine Meinung zu sein, alles ist gut, außer man wird konkret, everything goes, außer  man sagt: Nee so gehts nicht. Hat, ich muss es sagen, etwas verführerisches, alles so schön bunt und vielfältig, wer assoziiert da nicht schöne Bilder?
Nun aber mein aber, diesen Zustand des urteilslosen Paradieses, ja den, den haben wir uns selber verscherzt, als wir auf die Schlange hörten und klug werden wollten und in Adam die Herren der Schöpfung schweigend daneben standen, was weiß ich warum, habe da verschiedene Verdachte, aber das führt hier zu weit.
Fakt ist, biblischer Fakt, wir haben alle von der Frucht gegessen und unterscheiden nun gut und böse.
Mir scheint das typisch für Gott zu sein, der, wie man aus der Geschichte lernen kann, höchst selten direkt eingreift, selbst in alttestametaischen Zeiten. Aber der sagt "Okay ihr habt gewollt, jetzt müsst ihr halt!"
Von daher kann man all dieses postfaktische Getue schon einordnen als die immerwährende, vergebliche Suche nach dem verlorenen Paradies und den Versuch selbiges  einfach auf dieser Erde zu errichten, weil man ja nicht hinkommt, in unseren Zeiten  noch nicht mal so nah, dass man den Cherub mit dem Flammenschwert, der doch davor steht, überhaupt erblickt.
Das ist doch unser Problem, dass wir das Paradies auf Erden für prinzipiell möglich halten und seitdem wir die Religion aufgegeben haben, in  einer seltsamen sich ins weltliche gewendeten Religiösität  genau dahin wollen, wo die Religon sagt "ist nicht!"
Die alten Heiden sagten. "Ich sehe das Bessere und heiße es gut, dem schlechten aber folge ich" (stammt von Ovid) und ich denke das drückt genau das aus, man sieht noch das Paradies, das Bessere, aber mag davor nicht ausharren, sondern wandert davon weg und begreift noch, es ist das Schlechtere.
Davon sind wir schon lange emanzipiert, wir machen das jetzt einfach, seit einigen Jahrhunderten zwar mit zweifelhaftem Erfolg, aber wen interessierten solche Fakten schon im postfaktischen Zeitalter?

Ich kenne keinen anderen als Manes Sperber, der das in seiner "Legende vom verbrannten Dornbusch" beschrieben hat, wohin das führt.
Es geht in der, von Sperber erfundenen, Legende darum, dass die Leute anfangen ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen, anfangen aus der Finsternis des Irrtums (frei nach der Idee der Aufklärer) wegzugehen, und Wohnung zu nehmen um den brennenden Dornbusch, der da von Ewigkeit her brennt, Und dann verlöscht der Dornbusch und es wird kalt. Nun geschieht es, dass diejenigen die da fragen nach der Schuld massakriert werden. Es leuchtet zwar dort wo der Dornbusch stand, sehr hell,. viel heller als zuvor, aber  wärmen tut er nicht und die Helligkeit macht nicht wirklich hell, Die neuen Herren haben nämlich   den neuen Sklaven Fackeln in die Hände gegeben, und die neuen Sklaven müssen rufen "O wie schön brennt der Dornbusch, wie wärmt er so gut!" Und doch gibt es Leute, die sehen es ist Lug und Trug, auch und wenn sie verfolgt werden, von den alten und neuen Herren! Hier kann man (runterscrollen auf den Seiten 9 und 10) diese Legende nachlesen, Ich finde sie treffend, zu treffend!
Sperber ist Kommunist, sein Werk bezieht sich objektiv auf die Geschichte der kommunistischen Parteien, hauptsächlich Deutschlands, Österreichs und Jugoslawiens  in der Zeit des Faschismus und unter Stalin, sowie den spanischen Bürgerkrieg, aber diese Legende hat etwas überzeitlich erschreckendes, ja und es ist so, die Menschheit versucht es doch, seit Beginn der Neuzeit kann man wohl sagen, mit aller Gewalt diese Erde in einen netten Aufenthaltsort zu verwandeln und ja wir sind so müde geworden des ewigen Neuanfangs, man kommt sich irgendwie vor wie Sisyphus und vergisst dass wir doch bereits gerettet sind, nur aber in der Hoffnung.

Und jetzt schließt sich eben der Kreis diese Beitrags wieder.
Im Tod, im Gericht kommt alles aber auch alles darauf an, ob man bereit ist sich selber zu erkennen und anzunehmen, dass Christus sich für mich hat aus so grausame und brutale Art hat opfern müssen und es auch getan hat.
Also theologischer ausgedrückt, ob man die Gnade Gottes, annimmt oder nicht.

Auch das hört sich nun schwer nach einem Freibrief für das tapfer Sündigen an, aber ich denke mir mal, so geht das nicht, weil um die Gnade anzunehmen muss ich erst mal das Recht Gottes anerkennen und das geht eben nur, wenn ich um die Gerechtigkeit Gottes weiß.

Es ist einfach so, es ist ein Unterschied ob ich zuerst auf die Gnade spekuliere und dann von der Gerechtigkeit Gottes so schockiert bin, dass ich gar nichts mehr annehmen kann, weil eben das Spekulieren auf die Gnade bedeutet, sich nicht zu mühen.
oder ob ich mich vor der Gerechtigkeit Gottes fürchte und dann erleichtert feststelle, er ist gnädig.

Vielleicht lässt sich das an einem Beispiel, das wie alle Beispiele hinkt, erläutern, wenn ich weiß da ist eine Prüfung, so werde ich, wenn ich vorher fleißig gelernt habe, dann erleichtert sein, wenn es doch nicht so streng ist, wie ich gedacht habe.
Wenn ich aber von vorneweg davon ausgehe, auch wird ganz locker, passt schon, ist ganz easy und deshalb genau nichts mache, sogar den Unterricht nicht besuche und das Skript ungeöffnet auf dem Schreibtisch liegen lasse,weil ganz einfach, werde ich, auch und wenn die Prüfung so ist wie im Fall 1 dann ganz schön dumm aus der Wäsche gucken.

So bleibt der letzte lateinische Spruch, das bekannte Memento mori (Gedenke dass du sterben musst) das nun nicht von einem ollen Römer stammt, sondern von mittelalterliche Mönchen,. aber dennoch einen lateinischen Ursprung hat, so soll dem siegreich heimkehrenden Feldherrn beim Triumphzug der Lorbeerkranz des Sieges, mit den Worten  Memento moriendum esse (Bedeutet dasselbe: Bedenke dass du sterblich bist, nur in richtigem Latein)


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen