Sonntag, 15. Januar 2017

Auch Kardinal Caffarra gibt ein Interview zu den Dubia

Matteo Matzuzzi hat in Il Foglio über das Caffarra-Interview berichtet. wir haben bei Il Crux eine Zusammenfassung gefunden, Hier geht´s zum Original bei Il Foglio:  klicken
Die englische Übersetzung des Inverviews gibt's bei catholic world report  klicken

 "NUR EIN BLINDER KANN LEUGNEN, DASS ES IN DER KIRCHE GROSSE VERWIRRUNG GIBT"

Einige Passagen aus dem ausführlichen Interview:

"Die Spaltung unter den Bischöfen ist der Grund für den Brief, den wir an Franziskus geschrieben haben- nicht die Auswirkung des  Briefes. Beleidigungen und Drohungen mit kanonischen Sanktionen sind unwürdig."

"Ich denke, daß einige Dinge geklärt werden müssen. Der Brief und die beigefügten Dubia wurden lange durchdacht, über Monate, und sind lange unter uns diskutiert worden. Und in meinem Fall ist lange vor dem Hl. Sakrament gebetet worden."

"Wir waren uns bewußt, daß die Geste, die wir machen, ernst ist. Wir hatten zwei Sorgen. Die erste war, die Gläubigen nicht zu skandalisieren. Für Hirten wie uns ist das eine grundlegende Verpflichtung. Die zweite Sorge war, daß keiner, Gläubiger oder nicht- in dem Brief Ausdrücke finden sollte, die sogar von weitem auch nur ein bißchen respektlos gegenüber dem Papst sein könnten. Der endgültige Text  ist die Frucht mehrerer Verbesserungen: revidiert, geprüft, verworfen, korrigiert."

"Was hat uns dazu getrieben, das zu tun? Eine Überlegung, die allgemein, strukturell ist und eine die ...oder situationsbedingt ist. Fangen wir mit dem ersten an.
Wir Kardinäle haben die schweren Verpflichtung, den Papst bei seiner Leitung der Kirche zu beraten.
Das ist eine Verpflichtung, und Verpflichtungen verpflichten, In Worten einer stichhaltigen Überlegung ist die Tatsache- die nur ein Blinder leugnen würde- daß es ungeheure Verwirrung, Ungewißheit und Unsicherheit in der Kirche gibt, als Resultat einiger Paragraphen von Amoris Laetitia. Während der letzten Monate, haben einige Bischöfe- in Worten fundamentaler Fragen, die die Sakramente und das Christliche Leben betreffen, haben einige Bischöfe gesagt "A" , andere haben das Gegengteil von "A" gesagt und das mit dem Ziel den selben Text zu interpretieren.
Und das ist eine unleugbare Tatsache, weil Tatsachen stur sind, wie David Hume sagt. Der Ausweg aus diesem Interpretationskonflikt war der Rückgriff auf die fundamentaltheologischen Interpretationskriterien, durch deren Gebrauch -so denke ich- man auf vernünftige Weise zeigen kann, daß Amoris Laetitia Familiaris Consortio nicht widerspricht. Persönlich habe ich bei öffentlichen Treffen mit Laien und Priestern immer diese Methode benutzt.

Dennoch stellten wir fest, daß dieses epistemologische Modell nicht ausreihte. Der Widerspruch zwischen den beiden Interpretationen blieb unvermindert bestehen.
Es gab nur einen Weg, der Sache auf den Grund zu gehen: den Autor des Textes, der auf zwei widersprüchliche Weisen interpretiert wird, zu fragen, welches die richtige Interpretation ist.
Es gibt keinen anderen Weg. 
Dann sind wir das Problem angegangen, wie wir das zum Papst bringen sollten.
Wir wählten den Weg. der in der Kirche sehr traditionell ist, die sogenannten dubia.
[warum?] Weil es ein Instrument ist, das den Hl. Vater nicht dazu  verpflichtet detailliert und lange zu antworten, für den Fall, daß er in seiner souveränen Entscheidung zu antworten wünschte.
Er mußte lediglich mit ja oder nein antworten. Und es dann -so wie Päpste das oft getan haben,- an Schreiber (probati autores) oder die Glaubenskongregation zu bitten, eine Deklaration mit Erklärungen des ja oder nein zu veröffentlichen. Das schien der einfachste Weg zu sein.
Die andere Frage war, ob wir das privat oder öffentlich tun sollten. Wir dachten und waren und einig, daß es respektlos wäre, wenn wir das sofort öffentlich täten. Deshalb machten wir es privat und erst als wir sicher waren, daß der Hl. Vater nicht antworten würde, entschieden wir uns zu veröffentlichen.
Wir haben sein Schweigen als Autorisierung verstanden, mit der theologischen Diskussion fortzufahren. 
Außerdem betrifft das Problem sowohl das Lehramt der Bischöfe (das sie -vergessen wir das nicht- auf Basis des Sakramentes ausüben, das sei empfangen haben und nicht im Auftrag des Papstes) und es betrifft das Leben der Gläubigen.
Beide Gruppen haben das Recht, an dieser Diskussison beteiligt zu werden. Viele Gläubige  und auch Priester  sagten: aber Du Kardinal bist in einer Situation wie dieser verpflichtet beim Hl. Vater zu intervenieren. Warum gibt es euch sonst, wenn nicht, um dem Papst bei so schwierigen Fragen wie diesen zu helfen?"
Bei vielen Gläubigen wuchs der Skandal an, so als ob wir Kardinäle uns wie die Hunde, über die der Prophet spricht, benahmen, die nicht bellen.
Das ist was hinter diesen paar Seiten steht."





"Einzelne fahren fort zu sagen, daß wir gegenüber dem Lehramt des Papstes nicht gehorsam sind. Das ist fasch und verleumderisch. Wir haben dem Papst genau deshalb geschrieben, weil wir nicht ungehorsam sein wollten.  Ich kann dem Lehramt des Papstes gegenüber nur solange gehoram sein, solange ich weiß, daß das was der Papst zu Themen des Lebens und des Christlichen Lebens lehrt. 
Aber das ist genau das Problem: das was der Papst zu einigen fundamentalen Punkten lehrt, ist einfach nicht zu verstehen, wie der Konflikt um die Interpretation zwischen den Bischöfen zeigt.

Wir wollen dem Lehramt des Papstes gehorsam sein, aber das Lehramt des Papstes muß klar sein. Keiner von uns wollte den Hl. Vater zwingen, zu antworten. In dem Brief haben wir von einem souveränen Urteil gesprochen. Wir haben einfach und respektvoll Fragen gestellt.
Die Beschuldigung, daß wir die Kirche spalten wollten, verdienen keine Aufmerksamkeit.
Die Spaltung in der Kirche besteht bereits und sie ist der Grund für den Brief, nicht seine Auswirkung. Was in der Kirche unwürdig ist, besonders in einem solchen Kontext, sind die Beleidigungen und die Drohungen mit kanonischen Sanktionen."

"Ich habe von einem Gemeindepfarrer einen Brief bekommen, der eine perfekte Fotographie dessen ist, was passiert ist. Er schrieb mir: "in der spirituellen Führung und bei der Beichte weiß ich nicht mehr was ich sagen soll. Zum Beichtenden, der mir sagt, er lebe in vollem Sinn als Ehemann einer geschiedenen Frau  und geht jetzt zur Hl. Kommunion. Ich schlage ihm einen bestimmten Weg vor, um seine Situation zu bereinigen, Aber der Beichtende unterbricht mich und antwortet sofort:
"Wissen Sie Pater, der Papst hat gesagt, ich kann die Kommunion empfangen, ohne abstinent zu leben." Ich kann diese Situation nicht länger ertragen. Die Kirche kann vieles von mir verlangen, aber nicht, daß ich mein Gewissen betrüge. Und mein Gewissen widerspricht einer angeblichen päpstlichen Lehre, die, die als Mann und Frau zusammenleben, ohne verheiratet zu sein, unter gewissen Umtänden zur Kommunion zuzulassen. "
Das ist es, was der Priester mir geschrieben hat.
Die Situation vieler Seelenhirten- und ich meine hauptsächlich Gemeindepriester- ist diese: sie tragen eine Last auf ihren Schultern, die zu schwer zu tragen ist. Das ist es, woran ich denke, wenn ich über die große Verwirrung spreche. Und während ich über die Gemeindepriester rede, sind viele Gläubige noch verwirrter.
Wir sprechen über Fragen, die nicht zweitrangig sind. Wir sprechen hier nicht darüber, ob Fisch zu essen das Abstinenzgesetz verletzt oder nicht. Wir sprechen über die für das Leben der Kirche äußerst wichtige Frage und die Rettung der Gläubigen in Ewigkeit. Vergessen wir nie, daß dieses das oberste Gesetz der Kirche ist- die ewige Rettung der Gläubigen. Sonst nichts.
Jesus hat Seine Kirche gegründet, damit die Gläubigen das ewige Leben haben und es in Fülle haben."
(.......)

Ich wiederhole, daß das der wichtigste Punkt von allen ist. Er ist es wo wir uns treffen und wo wir mit der tragenden Säule der Moderne zusammenstoßen.
Beginnen wir mit einer Klärung der Sprache.
Das Gewissen entscheidet nicht,weil das ein Akt der Vernunft ist: die Entscheidung ist ein Akt der Freiheit, des Willens. Das Gewissen ist ein Führer durch die Vorschläge, die es macht, für die Wahl, die ich mache oder schon gemacht habe und ist das Prädikat der moralischen Qualität der Wahl.
Deshalb ist es also ein Urteil und keine Wahl.
Natürlich wird jedes vernünftige Urteil anhand von Kriterien gefällt, sonst ist es kein Urteil sondern irgendetwas anderes. Ein Kriterium ist daß, was ich auf welcher Basis behaupte, behaupte und daß ich das leugne, was ich leugne.  (....)
Hinsichtlich dieses Konzeptes des moralischen Gewissens stellen wir jetzt das Konzept entgegen, das als unanfechtbaren Richter über Gut oder Böse des eigenen Tuns die eigene Subjektivität stellt.
Hier ist für mich der entscheidende Zusammenstoß zwischen der Vision des Lebens der Kirche (weil sie zur Göttlichen Offenbarung gehört) und dem Konzept der Moderne des eigenen Gewissens.
Das hat auf die klarste Weise der Sl. John H. Newmann gesehen. In seinem berühmten Brief an den Herzog von Norfolk sagt er "Das Gewissen ist der ursprüngliche Vikar Christi, in seinen Informationen ein Prophet, in seiner Verpflichtung ein König, ein Priester in seinem Segnen und seinem Anathema und es könnte -obwohl das ewige Priestertum durch die Kirche aufhören könnte, zu bestehen- im priesterlichen Prinzip bestehen bleiben und Einfluss haben. Worte wie diese sind in der großen Welt der heutigen Philosophie leeres Geplapper. Während meines ganzen Lebens hat es einen entschiedenen Kampf gegeben, ich hätte fast gesagt eine Verschwörung gegen die Rechte des Gewissens, wie ich es beschrieben habe."
Später setzt er hinzu, daß " man im Namen des Gesetzes das wahre Gewissen zerstört."
Das ist es, warum unter den fünf Dubia das fünfte Dubium das wichtigste ist. 
Es gibt eine Passage in Amoris Laetitia, in Nr. 303, die nicht klar ist.
Sie scheint- ich wiederhole- scheint möglich zu sein, daß es ein wahres Urteil des Gewissens geben kann (nicht unbesiegbar falsch, das ist von der Kirche immer anerkannt worden) das im Gegensatz zu dem steht, was die Kirche lehrt und weiterhin als Erbe der Göttlichen Offenbarung ansieht. Scheint. Und deshalb haben wir dem Papst das Dubium gegeben."

"Newman sagt, daß "sollte der Papst gegen das Gewissen im wahren Sinn des Wortes sprechen wäre das ein selbstmörderischer Akt. Er würde sich den Grund unter seinen Füßen entziehen."
Das sind Dinge von außerordentlicher Wichtigkeit.
Es würde das private Urteil zum höchsten Kriterium der moralischen Wahrheit erheben. Man sage nie zu einem Menschen: "folge immer deinem Gewissen" ohne immer sofort hinzuzufügen"liebe und suche die Wahrheit, die das Gute betrifft." Sonst würde man ihn die zerstörerischste Waffe der Menschheit in die Hand geben."

Quelle: Crux, Il Foglio

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