Montag, 30. Januar 2017

Auch Marco Tosatti fragt sich, was hinter der "seltsamen und häßlichen " Affäre um den Malteser Orden steckt.

Marco Tosatti kommentiert das Drama um den Malteser Orden bei Stilum Curiae und teilt einige seiner aus Insiderquellen stammenden Erkenntnisse mit seinen Lesern, dennoch bleibt vieles rätselhaft und man kann seinem Urteil, daß das Ganze eine häßliche und seltsame Geschichte ist nur zustimmen.
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"MALTESER ORDEN. ZU VIELE FRAGEN OHNE EINE ANTWORT. EINE SELTSAME, HÄSSLICHE GESCHICHTE."

"Welch eine häßliche, seltsame Geschichte erlebt der Malteser Orden in diesen Tagen. Eine Geschichte, der wir in diesen dramatischen Episoden beiwohnen: aber mit dem Eindruck, daß uns andere Elemente, vielleicht die wichtigsten, entgehen.


Was wir sehen, ist der interne Konflikt, offiziell um Kondome, Kontrazeptiva und Abortiva, zwischen dem britischen Ex-Großmeister und dem deutschen Großkanzler.

Der Letztere mit beeindruckendem Einsatz durch den Pontifex unterstützt. Das "daß" kann bei einem Barmherzigkeit predigenden Papst nicht überraschen.

Hinter den Kulissen gibt es einige, die von einer alten Schlacht sprechen, die seit Jahren zwischen der deutschen und der englischen Schule um die Kontrolle über den Orden und eine beeindruckende Menge Geldes stattfindet.
Nachdem die Deutschen- so raunen die wenigen, die behaupten etwas über die inneren Bewegungen innerhalb des Ordens zu wissen- die Italiener komplett entmachtet hatten.

Um alles noch komplizierter zu machen, ist da auch die Angst, die man in den vergangenen Jahren als im Vatican präsent spürt, daß sich in die Reihen der Ritter Angehörige einer ganz anderen Gruppe eingeschlichen haben, Freimaurer.
Nicht aus spirituellen Gründen sondern wegen der Möglichkeiten, Geschäfte zu machen. Der Orden ist ein Staat, der Pässe ausgibt, sehr wohltätig ist, aber auch exzellente Kontakte bietet.
Eine sehr appetitanregendes Angebot.

Darauf bezieht sich eine Passage, von der Edward Pentin in einem kürzlich erschienenen Artikel erzählt. Der Patron des Ordens, Kardinal Raymond Burke, hat am  vergangenen 10. November den Papst getroffen wegen des Problems der Kontrazeptiva.
Der Papst habe sich über das, was der Kardinal berichtete, sehr besorgt gezeigt.
Er habe klar gesagt, er wolle, daß die Freimaurerei außerhalb des Ordens gehalten werden sollte und daß er eine angemessene Aktion fordere. Am 1. Dezember habe Burke einen Brief bekommen, in dem der Papst die Pflicht des Kardinals unterstrich, die spirituellen Interessen des Ordens zu fördern und jede Verbrüderung mit Gruppen oder Praktiken zu verhindern, die dem Katholischen Moralgesetz widersprechen.

Dann kam es zum internen Prozess gegen den Großkanzler, der beschuldigt wurde die Verteilung von Kondomen erlaubt oder nicht genügend aufmerksam gewesen zu sein und sich geweigert zu haben, zurückzutreten, zur Entlassung wegen Ungehorsams und zum Appell an den Hl. Stuhl.

Ein Appell, der auf die richtigen Ohren traf. Der Nachname des Großkanzlers steht im Gotha der Wirtschaftsexperten  des Hl. Stuhls, die mit der Welt der vaticanischen Diplomatie und des Staatssekretariates vernetzt sind. 
Es gab die Zusammenstellung einer Untersuchungskommission, zu der 3 bei finanziellen katholischen Unternehmen sehr aktive Personen gehörten, besonders aus der schweizer-deutschen Gegend und dann die sehr schnelle Präsentation eines Berichtes, in dem sehr Hartes gegen den Großmeister gesagt wird.




Der in der Zwischenzeit- und nicht ohne gültige juristische Gründe- dem Hl. Stuhl das Recht bestritt, in eine innere Angelegenheit einzugreifen und eine Kommission zur Untersuchung interner Affären des Ordens zu benennen. Das Staatssekretariat hat die Existenz des Papstbriefes zugegeben, aber hinzugefügt, daß er zum Dialog rate, nicht zur Entlassung irgendjemandes.

Dann hat sich die Geschichte schnell ins dramatische entwickelt. Der Großmeister wurde vom Papst einbestellt, der ihm- wer weiß wie- befahl zurückzutreten. Ein Brief aus dem Vatican sprach von der Ernennung eines Päpstlichen Delegaten, was sofort an eine Kommissionierung des Ordens denken ließ, dann dementiert (der Delegat solle sich um die spirituelle Erneuerung des Ordens kümmern).

Es werde ein Kapitel geben, die Wahl eines neuen Großmeisters und in der Zwischenzeit wurde der Großkanzler wieder eingesetzt- von dem Augenblick an, an dem der Papst alle nach dem 6. Dezember erfolgten Aktionen für null und nichtig erklärt hatte. 
Auch hier gibt es Rechtsexperten, die die Nase rümpfen, aber wenn die direkt Betroffenen -also die Ritter - diese Kröte schlucken- gibt es niemanden, der an ihrer Stelle protestieren kann.
Das sind also die Teile des Puzzles. Jeder ist frei, sie so zusammenzusetzen, wie er will und dann versuchen, einen Sinn darin zu finden.
Auch wenn viele Teile fehlen, die passen und andere Fragen noch offen sind.

Ist es möglich, daß dieses ganze Chaos durch die Verteilung von Präservativen in AIDS- gefährdeten Zonen ausgelöst wurde? Seit wann kümmere ich mich im Vatican darum- so wurde mir gesagt- daß in Missionsgebieten Ehepaaren, von denen ein Partner AIDS infiziert ist, vorgekommen ist, daß die katholische Hilfe Kondome ausgibt.

Das ist alles die Schuld der "Rigidität" Burkes, wie vaticanische Ambientes zu suggerieren versuchen, das umso mehr, um einem der vier Dubia- Kardinäle, der vom Papst nicht gerade geliebt wird, Schläge zu versetzen? Vielleicht.
Aber den Brief gibt es. Und vielleicht hatte er bei dem Gespräch mit dem Papst verstanden, dem Großmeister zu Strenge raten zu müssen,  um sich dann sofort dementiert zu sehen.
Es gibt einen Präzedenzfall.
Kardinal Pell hatte den Auftrag bekommen, Wirtschaft und Management des Vaticans zu reformieren, er war eingeladen worden,unterschiedslos vorzugehen.
Als guter australischer Rugby-Spieler ist er so vorangegangen.  Und er hat entdeckt, daß sein Wirtschaftssekretariat Schicht für Schicht, wie eine Zwiebel geschält wurde. Mit Zustimmung des Papstes.

Ein  Freund, der große Erfahrungen in Wirtschaftsdingen allgemein hat, besonders aber auch in den Geldgeschäften des Hl. Stuhls, denkt, daß der wirkliche Schlüssel zu diesem Drama im riesigen Vermögen der Ritter zu suchen ist und in der Möglichkeit, die das bietet, die interne Politik der Kirche zu beinflussen.

Warum hat der Papst beschlossen, mit solcher Härte zu handeln? Hat er das aus eigener Initiative getan oder wurde er von jemandem gedrängt oder wurde ihm dazu geraten?
Es gibt welche, die glauben, daß ein möglicher Grund seine Liebe (und seine Nähe) zur deutschen Kirche sei.

Und noch etwas. Was hat der Papst dem Großmeister, der bis zu diesem Tag die Souveränität des Ordens so entschieden verteidigt hatte, gesagt, gezeigt oder angedroht, daß er innerhalb von Minuten bereit war, seinen Rücktritt und wer weiß was noch zu unterschreiben?

Sicher war das Ergebnis der Audienz mit dem Großmeister kein gutes Beispiel für den erst einige Tage zuvor für den Streit zwischen Großmeister und Großkanzler empfohlenen Dialog.
Aber im Vatican wundert sich keiner über die Fähigkeit des Pontifex- nicht psysisch- aber moralisch gewalttätig zu werden.
Er ist dazu fähig, wie wir gesehen haben- im Großen und im Kleinen. Der Dialog erscheint dem von der Herzkönigin in Alice im Wunderland praktizierten sehr ähnlich. Ab mit ihren Köpfen!.....

Eine häßliche, seltsame Geschichte, wie wir sagten.  Wir hätten sie lieber nicht erlebt und hätten es vorgezogen, daß sie den Papst nicht als Protagonisten gehabt hätte."

Quelle: Stilum Curiae, M. Tosatti

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