Montag, 2. Januar 2017

Auch Vaticanist Aldo Valli hat ein Buch über Papst Franziskus geschrieben


"Benoît XVI-et-moi" bietet einige Überlegungen zum neuen Buch des Vaticanisten von TG1 Aldo M.Valli über den Papst an, das den Titel trägt

            " 266. JORGE MARIO BERGOGLIO FRANCISCUS P.P" 

Sie gibt zunächst dem Verleger Gelegenheit, das Buch vorzustellen und fügt dann die Rezension von Giuseppe Rusconi bei "Rosso Porpora" an. Einleitend bemerkt sie, daß das Buch umso mehr Wert hat, als man Aldo M Valli, der ein aufmerksamer Beobachter ist, im Gegensatz zu den Kritikern Maurizio Blondet oder Antonio Socci nicht zu den Frontkonservativen und anderen Liebhabern von Weihrauch, Rüschen, dem Paternoster und Lateinischen Messen, die der Papst verabscheut, zählen kann. Die dem Titel des Buches vorangestellte 266 bezeichnet die Stellung des Pontifex in der Reihe der Päpste.
Hier geht´s zum Original: klicken

Erteilen wir also zunächst dem Verleger das Wort:

                 "266. JORGE MARIO BERGOGLIO FRANCISCUS P.P

"Am 13. März 2013 zum ersten lateinamerikanischen und jesuitischen Papst gewählt, hat Jorge Mario Bergoglio, der 266. Papst in der Geschichte der Katholischen Kirche mit den progressistischen und laizistischen Kultur sofort eine Beziehung von tiefer Sympathie geknüpft. Seine Art sich zu präsentieren, Demut, Einfachheit und Armut zu lehren , hat gefallen. Genauso wie seine Bereitschaft zu Interviews, die Stockschläge für Priester und Bischöfe, sein Auftrag an die Hirten, den Geruch der Schafe anzunehmen, seine Intoleranz gegenüber der Marktwirtschaft, die Ausrichtung (besonders in der Enzyklika Laudato Si´)auf einen modischen Ökologismus gefallen haben. 
Mit dem gleichen Enthusiasmus wurde sein  Vorschlag zu einer "barmherzigen Kirche" begrüßt, die bereit ist allen zu vergeben und willens, nicht zu urteilen.
Gleichzeitig jedoch ist es genau diese Linie, besonders und explizit in der apostolischen Exhortation "Amoris Laetitia", die bei denen Verwunderung ausgelöst hat, die darin eine Hinwendung an den Weltgeist, einen gewissen moralischen Relativismus und einen Populismus -der aus einem Slogan entstand. der sich als leer wenn nicht zweideutig erwiesen hat.
Und es ist genau die Lektüre von "Amoris Laetitia" ist zu einer Frage berechtigt: was hält die meisten im Herzen der (sog,) Franziskus-Kirche? Das Heil der Seele oder das emotionale und psychologische Wohlgefühl des Volkes?
Man kann also sagen, daß es außer dem Erfolg, dessen Bergoglio sich erfreuen zu können scheint, einen ernsthaften "Fall Franziskus" gibt, über den man sich fragen muß.
Eine Debatte, die bereits unter Teilnahme der Kardinäle, Theologen und berühmten Philosophen stattfindet und sogar das Wort Schisma heraufbeschwört."




Und jetzt zur Rezension von Giuseppe Rusconi bei www. rossopropora:

ALDO MARIA VALLI: "266. JORGE MARIO BERGOGLIO. FRANCISCUS P.P."

Der Vaticanist von TG1  drückt ganz klar seine Sorgen aus, und stützt sich dabei gleichzeitig auf die fortdauernden Zeugnissse "im Strahl" von Franziskus selbst und die kritischen Bewertungen verschiedener Herkunft.. Nachdem ich die rund 200 Seiten aufmerksam gelesen habe, ist es schwer, sich nicht fundamentale Fragen zur Entwicklung und zu Identität des Katholizismus zu stellen.

"Das Pamphlet des Vaticanista von TG 1 -familiär im Stil und gleichzeitig ernsthaft und eindringlich- liest sich in einem Zug. Am Ende der 200 Seiten (zugleich reich an Zeugnissen des Papstes und von Beobachtern unterschiedlicher Herkunft) bleibt unausweichlich die sehr beunruhigende- oder besser dramatische-Frage für die, die mit dem Brot und der Soziallehre der Kirche groß geworden sind und sich dem Lehramt des zumindest seltsamen aktuellen Mieters von Santa Marta gegenüber sehen: "Wenn die Kirche nicht urteilt, nicht unterscheidet, nicht wertet, was ist dann ihre Funktion?"
Anders gesagt: "Franziskus scheint mit dem pastoralen Paradigma der Barmherzigkeit zu antworten, daß das Ziel der Kirche ist, zu trösten und zu führen, aber kann es Trost ohne Bewertung geben?"
Oder auch: "Beschränkt sich die Übermittlung Jesu darauf, zu helfen oder schließt sie auch die Weitergabe unvermeidlicher moralischer Normen ein", ohne die die Kirche nur eine große NGO wäre, ohne Bezug zum Bezeugen der Wahrheit?

Nach dreieinhalb Jahren bergoglianischen Lehramtes findet sich eine nicht zu vernachlässigende Zahl von Katholiken über den zu befolgenden Weg desorientiert wieder.
Und der Weihrauch der Schmeichler, die Trompeten des wackligen Hoforchesters, die "barmherzigen" Exkommunikationen durch die neuen Inquisitoren provozieren nichts anderes als  ein exponentielles Anwachsen der Perplexität.
Auf der Ebene der Hierarchie - wie die in einem sehr verantwortungsvollen Akt von vier Kardinälen öffentlich formulierten dubia-(nachdem sie keine Antwort auf die privaten erhalten hatten) , die in der Folge von anderen unterstützt wurden.
Eine Geste, man muß daran erinnern, der andere wichtige Ereignisse vorangingen, wie im Oktober 2015, als die Redaktion des Briefes der 13 Kardinäle an den Papst, besorgt war über die Führung der zweiten Familiensynode.  Aber die Zweifel weiteten sich auch auf die Ebene der Bischöfe und der Gläubigen aus, die- selbst guten Willens waren, keinen Krieg im Inneren zu nähren, es nicht mehr vermeiden konnten, sich die oben erwähnten fundamentalen Fragen zu stellen.

Sicher dieses Pamphlet des Vaticanisten-Kollegen läßt dem Leser keinen Ausweg offen und zwingt ihn, sein Gehirn in Bewegung zu setzen ( vorausgesetzt es ist noch nicht durch den Weihrauch der Schmeichler atrophiert) [...]
Das Buch beginnt mit zwei Zitaten, die nicht zufällig gewählt wurden,
Die erste-von St.Alphonse M.de Liquori ("Vorbereitungen auf den Tod- Gedanken über die ewigen Wahrheiten"):
"Gott hat Mitleid mit denen, die ihn fürchten aber nicht mit denen, die ihn dazu benutzen, keine Angst vor ihm zu haben."  (Und schon könnte man ein sehr schmerzhaftes Kapitel eröffnen.)

Das zweite, von Kardinal Joseph Ratzinger (Predigt zum Gedenken an Paul VI, 10.August 1978, München) :
"Aber ein Papst, der heute nicht kritisiert würde, würde die Pflicht gegenüber seiner Zeit verfehlen"

Ausgehend vom Titel des Newsweek-Magazins (September 2015) notiert der Autor, daß es "einen Fall Franziskus gibt". Und der Brennstoff für diesen Fall wird von Jorge Mario Bergoglio selbst geliefert, Valli illustriert das reichlich und zieht seine Folgerungen, die ebenfalls eine Quelle für schwere Sorgen sind.[Es folgen einige Zitate und besonders aussagekräftige Auszüge aus dem Buch, von denen einige, wie Giuseppe Rusconi sagt- "Adern und Puls bei dem erschaudern lassen, der versucht  katholisch zu sein". Besonders dieses:]

"Die Tragödie ist, daß der Papst aus Südamerika vielleicht nicht wahrnimmt, daß eine Frage wie "who am I to judge?" und ein Satz wie "ich habe den Ausdruck ´nicht verhandelbare Werte´ nie verstanden", beide wahrscheinlich mit der Absicht ausgesprochen, sich als einfacher Mann und als Mann des Dialogs zu präsentieren, die einmal aufgenommen und durch die subjektivistische Mentalität wieder aufgenommen-wieder durchgearbeitet sich so übersetzen: "Ich bin niemand, der urteilt. Alles ist relativ. Die Kirche sagt das auch, der Papst sagt das auch."
Und ich glaube- mit Schmerzen- daß die dominante Mentalität in diesem Fall Recht hat: in der Tiefe, an der Wurzel der päpstlichen Formulierungen- ob Franziskus sich dessen bewußt ist oder nicht- senken sich die Wurzeln nicht in die noble Erde der Demut ein, sondern in den perfiden Treibsand des Relativismus."

[Schlußfolgerung von Giuseppe Rusconi]
Wenn selbst die Kirche verkündet, daß alles verhandelbar ist, bedeutet das, daß die letzte Barriere gefallen ist: die Frage der Wahrheit für die menschliche Vernunft nicht mehr relevant ist, sondern von nun an nur noch ein Traum, eine verlorene Illusion, das Erbe einer lange vergangenen, toten und begrabenen Vergangenheit."
(...)

Quelle: Benoît XVI-et-moi, New Catholic Register, Father R. Rusconi, Aldo M. Valli

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen