Donnerstag, 19. Januar 2017

Kardinal Levada im Interview

Joan Frawley Desmond gibt im National Catholic Register das Interview wieder, das Kardinal William Levada am 9. Januar dem Register gegeben hat,  Zunächst geht es um seine Sicht,  wie die Kurie mit Mißbrauchsfällen umgehen sollte und dann um seine Erinnerungen an seine Zeit in der Glaubenskongregation und darum, wie er den Amtsverzicht Papst Benedikts und das  Erbe, das er der Kirche hinterläßt, beurteilt.
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"KARDINAL LEVADA ÜBER PAPST BENEDIKT DIE GLAUBENSKONGREGATION UND DIE VERFOLGUNG DES SEXUELLEN MISSBRAUCHS DURCH KLERIKER"
Der emeritierte Präfekt der Glaubenskongregation verteidigt ihre Rolle als Quelle  der EInheit für die Universale Kirche und ihr Expertentum bei der Verfolgung von Fällen sexuellen Mißbrauchs durch Kleriker."


                         Cardinal William Levada


Unter den Rufen nach Dezentralisierung der römischen Kurie durch einige Kirchenführer und Theologen, hat Kardinal William Levada, emeritierter Präfekt der Glaubenskongregation die entscheidende Rolle als Richter des Glaubens und der Moral der universalen Kirche unterstrichen,
Kardinal Levada sagt auch, daß die CDF besonders dafür qualifiziert war, die....zu verfolgen, eine Verantwortung die ihr 2001 vom Hl. Papst Johannes Paul II übertragen wurde -in seinem Motu Proprio "Sacramentorum Sanctitas Tutela".
In den letzten Monaten ist in Medienveröffentlichungen über Vorschläge innerhalb des Vaticans berichtet worden, die Verfolgung von Mißbrauchsfällen auf ein anderes Dikasterium zu übertragen,
Diese Berichte sind nicht offiziell bestätigt worden und Kardinal Levada hat sie nicht direkt angesprochen. Eher denkt er über die einzigartige Expertise der Glaubenskongregation im Umgang mit diesen oft komplizierten Fällen in den letzten 16 Jahren nach.

Kardinal Levada, 80, der frühere Erzbischof von San Franzisko, der sich 2012 als Präfekt der Glaubenskongregation zurückzog, hat am 9. Januar an einem Wohnort, auf dem Gelände des St. Patrick Seminars in Menlo Park in Kalifornien in einem ausführlichen Interview mit dem Register seine Kommentare  abgegeben. Die Unterhaltung betraf seine Jahrzehnte im Dienst der Kirche als Theologe, Bischof und Präfekt der Glaubenskongregation und er diskutiert auch das Erbe des Papa emeritus Benedikts XVI.
Weil manche Kirchenführer und Gelehrte auf Reformen der römischen Kurie drängen, die den nationalen Bischofskonferenzen mehr Macht geben könnten, im Interesse der Kollegialität und Synodalität, ist darüber gesprochen worden, den nationalen Bischofskonferenzen die Macht zu geben. einen unabhängigen Weg bei Fragen des Glaubens und der Moral einzuschlagen.
Kardinal Levada hat solche Reden unberücksichtigt gelassen und vorhergesagt, daß der enorme Wert der Glaubenskongregation für die Einheit der Universalen Kirche anerkannt und gesichert wird.

Bischofskonferenzen können sich mit vielen Dingen befassen "sagte Kardinal Levada dem Register als er an seine eigene Arbeit  mit seinen Mitbrüdern in der US-Bischofskonferenz erinnerte.
Er charakterisierte die Beziehung zwischen der Kongregation und den nationalen Bischofskonferenzen als ein "Nehmen und Geben". Und er stellte fest, daß es "sehr wichtig ist, einen Präfekten zu haben, der Erfahrungen als Bischof hat, weil in gewissem Sinn, die Bischöfe die Hauptpartner der römischen Kurie sind, und deshalb muß es einen Dialog darüber geben. wie die Richtlinien des Papstes in die Praxis umzusetzen sind und dann dem Papst über die entstehenden Probleme zu berichten:"
Aber er stellte die Vorschläge in Frage, die darauf abzielen, die Rolle der Kongregation herunter zu spielen und den nationalen Konferenzen mehr Unabhängigkeit zu geben- als sei der Vatican wie die Europäische Union angesichts des angedrohten Exits von Ländern. die mehr Autonomie anstreben.

"Ich denke nicht, daß es ein nützlicher Vorschlag wäre" sagte er. "Es scheint auf der Meinung zu beruhen, daß die Kirchenstrukturen fast ausschließlich auf einer politischen Sicht dieser Strukturen beruhen und daß diese Meinung nicht die theologischen Wurzeln der Kirche berücksichtigt: wie die Strukturen versuchen sollten, das was Jesus selber uns hinterlassen und als Kirche etabliert hat, zu bewahren und zu verbessern."

"Das ist nicht nur organisatorisch, Das ist Teil der Göttlichen Offenbarung, mit der Jesus eine Kirche gründen wollte und durch die er Haupt seines Körpers, der Kirche, ist" fügte er hinzu.
"Das sind Diskussionen, die weiter gehen werden, aber ich erwarte keinerlei dramatische Dezentralisierung", sagte Kardinal Levada. "Es gibt Dinge, die dezentralisiert werden können. Aber "Unabhängigkeit" ist kein Teil der Beziehung. Das ist Solidarität und Zusammenhalt."



Während seiner Jahre als Präfekt der Glaubenskongregation während Papst Benedikts Pontifikat, war Kardinal Levada auch für die Überwachung der Resolution zu priesterlichen Mißbrauchsfällen zuständig und dafür, bei den wöchentlichen Treffen mit dem Papst, die Forderung nach Laifizierung von Priestern zu übergeben, die glaubhaft solcher Verbrechen beschuldigt wurden.
Zur Zeit führen, wenn ein Priester des sexuellen Mißbrauchs Minderjähriger beschuldigt wird, sein Bischof und andere die Voruntersuchungen durch, um festzustellen, ob die Anschuldigungen "wahrscheinlich erscheinen". Wenn es so ist, wird der Fall sofort der Kongregation überwiesen, die entscheidet ob sie ihn handhaben oder sie an den Bischof zurückschicken will. Die Glaubenskongregation entscheidet auch, ob es einen Prozess oder eine administrative Prozedur gibt, die normalerweise für minderschwere Fälle vorgesehen ist.
"Die Erfahrung, die die Kongregation jetzt in der Implementierung des motu proprio hat, sollte dazu führen, daß sie damit weitermacht." sagte Kardinal Levada.

Über die Jahre hat die Kongregation auch die eigenen disziplinarischen Maßnahmen für solche Fälle entwickelt, "unter Teilnahme hoch qualifizierter Kirchenrechtler, die in Rom arbeiten und lehren."

Während es eine generelle Einheitlichkeit in der Zumessung von Strafen gibt, werden individuelle Fälle ebenfalls untersucht, und "die Schwere des Skandals und das Problem der Rückfälligkeit" werden überdacht. Darüber hinaus bemerkte er, daß die Kongregation "eine breite Erfahrung hat, wie man die Erfahrung verschiedener Länder handhaben sollte und die Schnittstelle zwischen juristischen und polizeilichen Autoritäten bildet."
Kardinal Levada lobt die Bemühung des Hl. Stuhls, Minderjährige und verletzliche Erwachsene zu schützen, Goldstandard der Kirche rund um den Globus, aber er erkennt auch, daß sogar innerhalb der Kurie "es immer noch die gibt, die den Wert der delikaten- oft schwierigen- Maßnahmen nicht verstehen, die nötig sind, um den Schutz Minderjähriger vor sexuellem Mißbrauch sicherzustellen, einschließlich der Strafen für die eines solchen Mißbrauchs Schuldigen."

"Nicht alle waren einverstanden, aber sie haben den Standpunkt Papst Benedikts verstanden. Ich bin diesbezüglich in den Reden, die ich gehalten habe und bei der Arbeit in den verschiedenen Kongregationen, deren Mitglied ich war , sehr klar gewesen" sagte er.
Als ein in Kalifornien Geborener, der in der Erzdiözese von Los Angeles ordiniert wurde, bekam Levada ein Doktorat in Fundamental-und Dogmatischer Theologie von der Päpstlichen Gregorianischen Universität.

Als junger Theologie-Lehrer in St. John´s Seminary in der Erzdiözese von Los Angeles (1970-1976) hatte er eines von Joseph Ratzingers Werken "Einführung ins Christentum" gelesen und fügte es schnell in das Curriculum seines Kurses ein, eine Entscheidung, die seinen unmittelbaren Respekt für den Deutschen Theologen charakterisiert, der ihn später als seinen Nachfolger für die Glaubenskongregation auswählte.
Dann- von 1976 bis 1982- diente Pater Levada als Mitarbeiter in der Kongregation und fuhr fort, in Teilzeit an der Gregoriana Theologie zu lehren. Nachdem er Anfang der 80-er mehrere Jahre in der Kongregation gearbeitet hatte, war er begeistert, zu erfahren, daß Papst Johannes Paul II den deutschen Theologen, zu der Zeit Erzbischof von München, zum neuen Präfekten der Glaubenskongregation ernannt hatte.

Von Anfang an war Pater Levada von Kardinal Ratzingers Kollegialität, Bescheidenheit und Brillanz beeindruckt. "Als er Präfekt war, kam er in unsere Arbeitsgruppe und rollte bildlich gesprochen die Ärmel hoch. Er hörte zu und faßte dann die Diskussion zusammen und das war genau richtig."
"Er hatte einen so großen Geist, einen "synthetischen" Geist, der ihn befähigte, Menschen zuzuhören und dann einen Konsens über einige spezifische Aktionen und Formulierungen einer doktrinalen Wahrheit vorzuschlagen." erinnert sich Kardinal Levada.
Nachdem er unter Kardinal Ratzinger für ein Jahr gearbeitet hatte, kehrte Pater Levada in die USA zurück und bekleidete einige hochrangige Bischofsposten, einschließlich der des Erzbischofs von Portland, Oregon und dann als Erzbischof von San Franzisco von 1995 bis 2005.

Während er Erzbischof von Portland war, kündigte Papst Johannes Paul Pläne für einen neuen Katechismus der Katholischen Kirche an und ernannte Kardinal Ratzinger zum Leiter der Kommission, die eine Reihe von Entwürfen zum Katechismus vorbereiten sollte. Erzbischof Levada war einer von sieben Bischöfen rund um die Welt, die von Kardinal Ratzinger eingeladen wurden, sich dem Herausgeberkomitee anzuschließen.

"Für 6 Jahre habe ich mit ihm am Katrechismus gearbeitet" erinnert sich Kardinal Levada. "Das hatte wirklich eine wesentliche Wirkung auf mein Amt und mein Leben. Es war ein so großer Segen, so viel doktrinale Konfusion auflösen zu können - durch eine besondere und einigende Formulierung der Glaubenswahrheit -auf eine Weise, die nicht feindselig oder polemisch war."

Als der Katechismus 1992 veröffentlicht war, versuchte Erzbischof Levada seinen Gebrauch in Katholischen Schulen und CCD-Programmen, Seminaren und der US-Bischofskonferenz zu fördern.
"Das war etwas, das Kardinal Ratzinger sehr begrüßte und als Unterstützung seiner Bemühungen und denen der Kongregation empfand." bemerkte er "Eines der Schlüsselhemen,  die er im Sinn hatte, als er zum Papst gewählt wurde, war, den Katechismus auf effektive Weise in der Glaubenslehre zu verwenden."

Nach Kardinal Ratzingers Wahl als Papst Benedikt XVI, reiste Erzbischof Levada nach Rom, um ihm zu gratulieren. Während ihrer Unterhaltung sagte Papst Benedikt "Hören Sie Exzellenz, da ist etwas, was ich Ihnen sagen möchte." Der amerikanische Erzbischof hörte auf zu sprechen und war entgeistert, als der Papst ihn bat, Präfekt der Glaubenskongregation zu werden. "Ich war überrascht, Ich sagte; "ich bin kein großer Theologe."
Aber später,- als Kardinal Levada über seine Ernennung nachdachte, verstand er die Gedanken des Hl.Vaters besser.

"Er ist ein großer Theologe; und jetzt ist er Papst und er braucht keinen großen Theologen als Präfekten. Er braucht jemanden, der die Kongregation kennt- ihr Personal und ihre Vorgehensweise- der Italienisch spricht und der Erfahrung in der Handhabung der Mißbrauchs-Krise hat" argumentiert der Kardinal.
Als Präfekt der Kongregation traf sich Kardinal Levada wöchentlich für über eine Stunde mit Papst Benedikt.
"Man könnte denken, einen Papst als unmittelbaren Vorgesetzten zu haben, der zuvor den selben Job hatte, würde dazu führen, daß er eine Art Mikromanagement  betreiben würde, aber da war nichts Derartiges in seinem Angehen" sagte er.

Im Alter von 76 Jahren reichte Kardinal Levada 2012 seinen Rücktritt ein, obwohl er weiterhin in der Arbeit diverser Kongregationen und päpstlichen Kommissionen mitwirkte.
Papst Benedikts Entscheidung auf sein Päpstliches Amt zu verzichten, war ein Schock für Kardinal Levada, der in Kalifornien war, als er die Nachricht hörte. Seit damals jedoch,  ist er dazu gekommen, die enorme Wichtigkeit des Entschlusses des Papa emeritus, zurückzutreten zu schätzen und nach seinen Rückzug auf Vaticanischem Boden zu leben.

"Papst Benedikts Rücktritt wird jetzt ein wichtiger Teil seines Erbes sein", sagt er voraus. "Das bedeutet, daß jemand der die Stimmen der Kardinäle in den Konklaves bekommt, nicht mehr besorgt sein muß, über das, was passiert, wenn ich krank bin oder einen Schlaganfall bekomme,oder meine Pflichten nicht erfüllen kann?"
Das ist durch den Entschluss Papst Benedikts gelöst worden."
Der Entschluss des Papstes auf Vaticanischem Grund und Boden zu leben und sich einem Leben im Gebet für die Kirche und seinen Nachfolger  zu weihen, fügte er hinzu, sollte nicht nur der einzige Pfad für einen zurückgetretenen Papst sein, sondern er spricht auch mögliche Themen an, die Spannungen innerhalb der Kirche auslösen könnte.

"Es ist eine nützliche Sache für uns zu sehen, wie er jetzt ein gewisses Petrinisches Amt von Gebet und Opfer zugunsten seines Nachfolgers weiter ausübt" sagte der Kardinal, "Er will sicher stellen, daß er nie als Rivale seines Nachfolgers gesehen wird. Keine Frage, daß er für seinen Nachfolger betet."

Gebeten, Papst Benedikts Erbe zu kommentieren, erkennt Kardinal Levada die vielen Leistungen und lenkt die Aufmerksamkeit besonders auf seinen überragenden Beitrag als Prediger.
Ein Teil seines außerordentlichen Erben liegt in seinen Predigten, seinem Liturgie-Verständnis und dem Weg, wie Schrift und liturgische Texte in der Predigt für eine Feiertags-Zelebration angewendet werden können und müssen, sagte er.

"Er hat einige der außerordentlichsten Predigten gehalten und weil die Sammlung dieser Predigten übersetzt wurde und in englischer Sprache herausgegeben wird, wird die ein großer Teil seines Erbens für die Kirche in den USA sein."
Kardinal Levada preist auch Benedikts Gaben als Schriftsteller, der die Klarheit des Ausdrucks wertschätzt, und der effektiv machtvolle schriftliche und liturgische Bilder schuf.
"Sie können in seiner Enzyklika "Deus Caritas Est " die Saat der Ideen seines Buches "Einführung ins Christentum" finden und wie wir Gott sehen" bemerkt der Kardinal.
"Gott ist eine Beziehung. Gott ist Liebe. Die Beziehung zwischen Vater, Sohn und dem Geist ist fundamental eine spirituelle Beziehung der Liebe und das ist die fundamentale Wirklichkeit der Schöpfung."
"Dieses sind dramatisch wichtige Einsichten die er einem technokratischen Zeitalter angeboten hagt, das alles durch ein wissenschaftliches Muster konsolidieren will" schloss er.

"Für Papst Benedikt wird die Hl. Trinität dann eine Art poetischer Inspiration für seine gesamte Arbeit." sagte Levada."An der Basis von allem ist Gott, als Vater,Sohn und Geist, drei Göttliche Personen im einer Natur, ein Beziehung der Liebe."

Quelle: NCR, J.Frawley Desmond, Kardinal William Nevada




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