Freitag, 20. Januar 2017

Kardinal Sarah über das Leid und das Schweigen Gottes

Wieder habe ich meinen Nachtspaziergang durch die Blogozese gemacht, ja ich weiß, draussen wäre besser, wegen der Bewegung an der frischen Luft und so, aber was will man in diesen Zeiten in denen wir leben, denn sonst machen, wenn man halbwegs wissen will, was so los ist in der katholischen Welt?
Es ist ja nun mal so, dass der ganze offizielle Kram einfach langweilig ist, was eines der Probleme, mit denen wir uns so rumschlagen ist. Dennoch will ich hier nicht eine Abhandlung über Form und Inhalt schreiben, sondern auf ein Fundstück hinweisen.
Bei Brunonis findet sich ein Teil eines Interviews das Kardinal Sarah gegeben hat, wo dem Kardinal die Frage gestellt wird:

Bleibt Gott auch dann noch still, wenn der innerliche Mensch die Stille sucht, um Ihn zu finden? Und wie können wir verstehen, was einige das „Schweigen Gottes“ nennen angesichts von Dramen extremer Bosheit, wie der Shoa, der Gulags…? Oder, allgemeiner gesagt, läßt die Existenz des Bösen die „Allmacht Gottes“ in Zweifel ziehen?

Der Kardinal antwortet lang und ausführlich, wie man hier in voller Länge nachlesen kann.

und dann verfasst er ein Gebet, dass, zumindest mich trifft, weil es auch  Themen nicht ausweicht, die uns beschäftigen:

Ich habe dich vor Schmerz schreien gehört,als deine Kinder von Bomben zerschmettert wurden.Ich habe dich in den Krankenhauszimmern entdeckt,wo du Therapien ohne Liebe unterworfen wurdest.

der Kardinal sagt, sie hätten lange über das Thema meditiert und dann lässt er uns ein wenig daran teilnehmen.
Er stellt mehrmals fest: Gott will das Böse nicht, er will es nicht und dennoch schweigt er, angesichts all dessen.
Er schweigt so sehr und greift so wenig ein, dass man schier an seiner Existenz zweifeln könnte.
Dennoch ist er da und auch und wenn er nicht so da ist, wie wir das gerne hätten.
Also es geht immer und immer um das Geheimnis des Kreuzes, welches wir, komplett logisch, nicht wollen, nicht verstehen und vor dem wir fliehen.
Dennoch ist das Kreuz das was uns zu Gott bringt, und wenn man es recht betrachtet, besteht das Geheimnis Gottes auch darin, dass er so groß, stark und mächtig ist, dass er siegt indem er verliert, eben weil er größer ist als alles, was sonst ist.
Darüber schreibt  schon der Heilige Paulus an die Korinther:
Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkünden, aber nicht mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird.Die Botschaft vom Kreuz
Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft.
Es heißt nämlich in der Schrift: Ich lasse die Weisheit der Weisen vergehen und die Klugheit der Klugen verschwinden.
Wo ist ein Weiser? Wo ein Schriftgelehrter? Wo ein Wortführer in dieser Welt? Hat Gott nicht die Weisheit der Welt als Torheit entlarvt?
 Denn da die Welt angesichts der Weisheit Gottes auf dem Weg ihrer Weisheit Gott nicht erkannte, beschloss Gott, alle, die glauben, durch die Torheit der Verkündigung zu retten. Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit.
 Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit,
 für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.  Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen.
 Seht doch auf eure Berufung, Brüder! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme,sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen.
 Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten,
 damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.
 Von ihm her seid ihr in Christus Jesus, den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung.
 Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn; so heißt es schon in der Schrift.
Es ist  klar, dass wir versuchen sollen, niemandem ein Kreuz aufzuladen, das wir versuchen sollen Leid zu lindern, so  wir können, aber mir scheint das das vielgeschmähte Mittelalter,  was das soziale angeht da eine richtig gute Idee gehabt hat, indem es versucht hat in dem Leidenden, der da vor einem steht, Christus zu sehen.
Der Kardinal geht auf genau dieses Problem auch in seinem Buch "Kraft der Stille" (um das es in dem Interview geht) ein, indem er feststellt:
In vielen westlichen Ländern sehen wir die Armen die Katholische Kirche verlassen, weil sie von übelwollenden Personen belagert wird, die sich selbst als Intellektuelle stilisieren und die Niedrigen und Armen verachten.

Das Zitat stammt aus einem Artikel von Sandro Magister über das Buch und die Person Kardinal Sarahs, den  Mitbloggerin Damasus übersetzt hat und  den man hier nachlesen kann.
Das ist ja genau das, was auf den Heiligen Martin zurückgeht, dem ja der Bettler im Traum erschienen ist, und sich als Christus offenbart hat und in Wirklichkeit sagt es schon Christus "was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, dass habt ihr mir getan"
Und deshalb ist es nur dann richtig, wenn es in der Liebe getan wird.
Fehlt die Liebe ist es nur Leiden, wie der Kardinal so schön feststellt, wie er überhaupt in dem Gebet diese alte Idee, die nie verschwunden war, eben im Leidenden Christus zu sehen, aufgreift.


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