Donnerstag, 12. Januar 2017

Nachdenken über die Kirche

Neulich  in der Predigt ging es um Biografien von Leuten, die so ihre negativen Erfahrungen mit der Kirche hatten, auch und weil sie eben anders, empfindlicher, fragender, klüger, sensibler, verletzter als andere waren und deshalb einfach an dem zerbrachen, was andere locker wegsteckten, Nietzsche, wenn auch evangelischer Pfarrerssohn ist da wohl das Paradebeispiel und Ingmar Bergmann hat seine negativen Pfarrerkinderfahrungen ja per Film aller Welt mitgeteilt.
Es ging dann auch darum,. dass wenn man an einem Problem laboriert und dann eine Instruktion zum Umgang für Leute, die eben an so einem Problem laborieren kommt, das einfach blöd daher kommt.
Ja und so im Nachsinnen darüber, ging mir auf, dass ich auch jedesmal nicht wusste, ob ich lachen oder  heulen sollte, wenn irgendwelche Kirchenfürsten, sich zu Themen der Familie äußerten, weil und das ist jetzt schwer, das folgende eh ein Beitrag im Minenfeld, es so weltfremd war.
Zuerst wurde man gelobt, dann wurden einem noch tausend andere Dinge aufgeladen und mit seiner Not, da fühlte man sich unverstanden.
Ich denke eh dass das so eine Grunderfahrung mit der Kirche ist, man kommt da reingestolpert, denkt das Glück gefunden zu haben, und stellt dann fest, "es ist nicht alles Gold was glänzt"



Am verrücktesten ist es in besonderes modernen Gemeinden, die ja immer meinen, alle und jeden sofort integrieren zu müssen, das merkt man dann besonders deutlich, wenn man in der Schublade "hilfsbedürftig", müssen wir was machen und wenn wir was machen, dann sind wir ganz toll, gelandet ist. Dann tritt manchmal der interessante Effekt ein,.dass die Leute sich zwar Mühe geben, aber oft einem dann Sachen anbringen, die einem selber nur Mühe und Arbeit machen und wofür dann aber tiefe Dankbarkeit erwartet wird, die man aber, wenn  man wirklich hilfsbedürfig ist, nun gar nicht geben kann, weil man eben so fertig ist.
Helfen ist wirklich nicht so einfach, wie es scheint, einfach weil man sich im besten Fall, sich selber als die hilfsbedürtigen Person vorstellt und  dann das tut, was man selber in so einem Fall getan haben möchte und das manchmal genau das ist, was die Person nun gar nicht leiden kann.
Ich kenne mehrere ältere Lehrerinnen, die sich selber für ganz tolle, erfolgreiche und begnadete Pädagoginnen halten, nur kenn ich auch einige ihrer ehemaligen Schüler, um es kurz zu machen, die Schüler kommen zu ganz anderen Schlüssen!
Nun ich denke mal, es hat da so jeder mit der einen oder anderen Fraktion, oder auch mit beiden so seine Erfahrungen gemacht, und es soll hier auch nicht um den konkreten Einzelfall gehen, sondern um eine Idee, die mir gekommen ist.
Wie sehen wir denn die Kirche, und wie hätte die denn gerne, dass man sie sieht?
Setzt nicht die Kirche komplett auf das Pferd "Caritas"?
Ja und ist nicht Caritas, bzw Diakonie, das Hauptgeschäft der Kirchen?
Ist es nicht das, was uns überhaupt noch einen gewissen Respekt, eine gewisse Wichtigkeit in diesem unserem Land einbringt?
Und ist es nicht das, was uns ausmacht?
Ich muss sagen, ich bin mir bei letzterem gar nicht mehr so sicher, dass Fürsorge für Schwache ein Alleinstellungsmerkmal der Kirchen ist.
Ich meine jede menschliche Gemeinschaft, die als solche überleben will, muss es zwingend irgendwie hinkriegen, dass sich um die Schwachen und besonders um die, die noch stark werden können, wie kleine Kinder gekümmert wird. Der Mensch ist nun mal so gestrickt, dass er lange braucht, bis er auf den eigenen Füßen stehen kann.
Und wenn ich das richtig verstehe haben sich um die Kranken und auch um die Alten, also die, die eben nicht mehr richtig gesund werden können, schon alle Kulturen gekümmert, sobald sie dafür die Kapazitäten hatten.
Aber auch darum soll es im letzten nicht gehen, sondern nur um das Bild von uns, das wir nach außen transportieren wollen und das uns doch das Genick bricht.
Wir hätten also uns Christen gerne als die ultimativen Helfer, ganz ohne das zugehörige Syndrom, diejenigen die sich, ganz selbstlos, die Kuttel aus dem Leib rennen, für andere, und die, im Gegensatz zu anderen, auch wirklich in allen Lebenslagen helfen können, weil wir doch sozusagen die Arme des Heilandes sind, wie es auf so einer kitschigen Postkarte heißt.
Ein wahrhaft hehrer Anspruch.
Nur und ich denke mal eine der Ursachen des Glaubensabfalls, mit dem wir zu kämpfen haben, ist die frustrierende Erfahrung, dass es so nicht geht.
Und das ist jetzt ganz schwer, weil, wie jeder weiß, der es wissen will, oder mal ehrlich gegenüber sich selber ausprobiert hat, überhaupt nicht so einfach jemandem zu helfen, ohne dessen Würde zu verletzen und ich denke, auch das gehört zu einer Erfahrung die wir alle mehr oder weniger von der einen oder der anderen Seite schon gemacht haben.

Von daher halte ich es  natürlich nicht für verkehrt, dass man sich müht um seine Mitmenschen, aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass ungemein viel Mist aus bester Absicht geschieht.
Der Bischof von Freiburg, in der Zeit nach dem Konzil, Schäufele  muss nicht gerade glücklich gewesen sein über den nachkonziliaren Unfug, und man versuchte ihn dann mit dem Satz zu beruhigen "Aber Eminenz, die meinen es doch gut" da muss er dann gesagt haben "Das wäre ja noch schlimmer, wenn sie es schlecht meinen würden!"
Man kann das jetzt lang und breit ausfalten, drüber referieren, dass ja das Gewissen gebildet werden muss, dass Sünde Blindheit und die Blindheit neue Sünde erzeugt und all das, aber Fakt ist, und das ist ja das faszinierende, dass die Leute, wenn überhaupt,  meist erst dann anfangen sich einzugestehen auf dem Holzweg zu sein, wenn sie auf die Nase fallen und vorher eben nicht.

Ich denke einfach, dass alle Menschen sich mehr oder weniger mühen um das Wahre, Gute, Schöne, das Glück, und das einfach nicht hinkriegen, wie in den Sagen der Völker ja schön beschrieben ist.
Wer hat sich nicht die Haare gerauft, wenn er sich durch die klassischen Sagen des Altertums gelesen hat und feststellen musste, dass die Helden und die zugehörigen Götter beständig vor lauter guter, oder auch zwar nicht guter, aber verständlicher  Absicht Mist bauen. Und wenn dann versucht wird, das zu entknoten der Mist nur noch größer wird. So wie Äneas nach Karthago kommt und seine Mutter, die Aphrodite ihm helfen will, dafür sorgt, dass die Dido sich in ihn verliebt, in seltsamer Union mit Hera, die immer noch sauer ist und nicht will, dass Äneas Italien erreicht, und am Ende alle nur unglücklich, sogar tot sind.

Und so, denke ich streben die Menschen immer nach dem Wahren, Schönen, Guten, dem heroischen und sich für das Gute hingeben und aber gleichzeitig eben auch und das lässt sich ja nicht trennen nach dem sich wohlfühlen, es sich gut gehen lassen und dem angenehmen und irgendwie fällt das seltenst zusammen.

So scheint es auch zu sein, dass und das ist Lehre der Kirche, in Christus alle diese Hoffnungen auf das Gute, wahrhaft Wahre, das Göttliche das sich ja  im Schönen verhüllt, kumulieren. Er, Christus sozusagen der Punkt ist, auf den all das Sehnen der Menschen zuläuft.
Und ich denke es kumuliert in der Idee, dass er der König, er erhoffte Messias, der gute König aus den Mythen der Völker ist und er ist es ja in der Tat, aber er macht nicht einfach alles gut, irdisch gut, sondern es ist, als kumuliere an ihm auch aller Hass, alles Böse, aller Verrat, alle Halbheit und alle Heimtücke, und es scheint als sei das auch noch viel stärker als das Gute.
(Hat mich ja immer schon am AT gestört,. man ist ja so sozialisiert dass man denkt, da wo das Heilige hin kommt, wird alles auch heilig, aber nein sagt die Schrift so ist es nicht!)

Man kann vielleicht sagen, dass Christus sich treffen lässt von all den enttäuschten Hoffnungen, von all den fehlgeschlagenen Plänen von all den verkehrten Wünschen, von all dem unentwirrbaren Knäuel von Gut und Böse, und es nicht, wie Alexander der Große einfach durchschlägt und damit seinem Reich den Todesstoß versetzt und jahhundertelange Didochenkämpfe evoziert, sondern, er Gott lässt sich treffen, das ist faszinierend.
Er nimmt alle Anklage der Menschen an, und trägt sie ans Kreuz.
Aber er steht wieder auf, das ist das wahrhaft göttliche, das wahrhaft siegreiche.

Aber seitdem fnden sich in seiner Kirche, die ja das ist, was von Christus auf Erden sichtbar, erfahrbar, anschaubar, erlebbar ist, diese beiden Stränge.
Einerseits kumulieren an ihr die Hoffnungen der Menschen auf Besserung, und andererseits kann sie die nicht erfüllen und so kumuliert an ihr auch auch aller Frust und alle Enttäuschung.
Und nicht aus eigenem, da wäre sie schon längst untergegangen, sondern aus dem, der gesagt hat "Siehe ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt" gibt es sie noch die Kirche, und ihre Aufgabe ist es, den Menschen Christus zu bringen, den gekreuzigten und auferstandenen!

Von daher denke ich steht die Kirche seit ihrem Anbeginn in der Spannung einerseits den Menschen das Heil zu bringen, was diese dann immer, völlig logisch ganz konkret verstehen und andererseits immer wieder zu scheitern, auch und wegen der eigenen Leute, die halt so sind wie Christus selber sagt "Sünder bin ich gekommen zu rufen" und wie Paulus ausführt aus denen besteht, die in den Augen der Welt nichts sind und dann schlägt halt das menschliche zu,  dass man doch in den Augen der Welt gerne geachtet wäre und sich darum müht, was zwar verkehrt ist, aber eben menschlich.
Und niemand anders als Papst Benedikt hat es in seiner ersten Predigt auf den Punkt gebracht, als er sagte:

Wie oft wünschen wir, dass Gott sich stärker zeigen würde. Dass er dreinschlagen würde, das Böse ausrotten und die bessere Welt schaffen. Wir leiden unter der Geduld Gottes. Und doch brauchen wir sie alle. Der Gott, der Lamm wurde, sagt es uns: Die Welt wird durch den Gekreuzigten und nicht durch die Kreuziger erlöst. Die Welt wird durch die Geduld Gottes erlöst und durch die Ungeduld der Menschen verwüstet."

man lese hier die erste Predigt Benedikts als Papst,  das ist eh am besten.
Und beten müssen wir halt!



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