Samstag, 7. Januar 2017

Neue Mißbrauchsskandale zeichnen sich ab, oder die Reform der Reform....

Michael Brendan Dougherty deckt in  "The Week" auf, was bisher ziemlich erfolgreich zumindest aus den nichtitalienischen Medien ferngehalten wurde. Es scheint da um eine "Reform der Reform" zu gehen, weil Papst Franziskus dem Augenschein nach von der strikten Linie seines Vorgängers im Umgang mit pädophilen Priestern, die sich des Mißbrauchs von Kindern schuldig gemacht haben, abweichen will.
Alles weitere in Doughertys Artikel, der so manche schockierende Einzelheit enthüllt, man braucht keine große Vorstellungskraft, um sich vorzustellen, wie die Medien mit einem solchen Vorgehen umgegangen wäre, hätte Papst Benedikt so etwas versucht. Auf alle Fälle wäre ein virtueller Lynchmob in Aktion getreten.
Noch im nachhinein verlieren die damaligen medialen Verteidiger der Mißbrauchten durch ihr jetziges Schweigen jegliche Glaubwürdigkeit.
Hier geht´s zum Original:  klicken 

"EIN SKANDAL VON KINDESMISSBRAUCH KOMMT AUF PAPST FRANZISKUS ZU"

Die Katholische Kirche ist lange von krankmachenden, Priester, die Kinder mißbrauchten betreffenden Skandalen heimgesucht worden. Und wie man hört kommt ein weiterer Skandal- und dieser ist vom Papst selbst gemacht.
Zwei Personen mit direkter Verbindung zum Vatican haben, berichtet, daß Papst Franziskus- dem Rat seiner exklusiven Gruppe Verbündeter folgend, die darauf drängen, die Reformen zum Umgang mit mißbrauchenden Priestern, die von seinen Vorgängern Johannes Paul II und Benedikt XVI durchgeführt wurden, rückgängig zu machen.
Franziskus drängt auf die Durchführung seines Planes, obwohl Kurienmitarbeiter und Kardinäle, die dafür sind, schon mehrere Skandale über dieses Pontifikat gebracht haben, indem sie ihn zu einer milderen Behandlung der Täter drängten.

2001 hatte der Vatican eine massive Reform ins Werk gesetzt, wie die Fälle von Priestern, die Kinder mißbrauchten, zu behandeln seien. Die Zuständigkeit, diese Fälle zu behandeln wurde von der Kleruskongregation und der Rota Romana auf die Glaubenskongregation übertragen. 
Als Folge davon stiegen Frequenz und Geschwindigkeit mit der die Katholische Kirche Mißbrauchspriester amtsenthob stieg an. 
Das war ein Erbe von Papst Benedikt, der versuchte, dem "Schmutz" in der Kirche entgegen zu wirken. 

Vor kurzem ließ Papst Franziskus den Kardinalstaatssekretär des Vaticans, Pietro Parolin, den von Kardinal Francesco Coccopalmerio geleiteten Päpstlichen Rat für Legislative Texte nach der Möglichkeit fragen, die Kompetenz für den Umgang mit Mißbrauchspriestern 
Coccopalmerios Dikasterium gab eine positive Antwort.
Und obwohl es in den Medien nicht erwähnt wurde, diskutierte Papst Franziskus diese "Reform der Reform" zum Kindesmißbrauch, als er sich Mitte Dezember mit seiner speziellen Beratergruppe, dem Kardinalsrat traf, wie mir ein Mitarbeiter mit direkter Kenntnis mitteilte. Das Pressebüro des Vaticans hat auf die Bitte um Bestätigung oder einen Kommentar nicht beantwortet.

Papst Franziskus hat immer sehr hart über Kindesmißbrauch gesprochen. In einem Brief an die Katholischen Bischöfe vom 28. Dezember, dem Fest der Unschuldigen Kinder: 

"Personen, die für den Schutz dieser Kinder zuständig sind, zerstören ihre Würde. Wir bedauern das zutiefst und bitten um Vergebung. Wir vereinigen uns mit dem Schmerz der Opfer und weinen wegen dieser Sünde. Die Sünde dessen, was geschah, die Sünde nicht geholfen zu haben, die Sünde der Vertuschung und Leugnung, die Sünde des Machtmißbrauchs."



Franziskus wurde zum Teil gewählt, um eine dysfuntkionale Kurie zu reformieren. Deshalb ist die Verlagerung von Verantwortlichkeiten in sich noch nicht beunruhigend. Und es ist schwer, der Ernsthaftigkeit seiner Jeremiaden gegen Kindesmißbrauch nicht zu glauben.

Aber die Aktivitäten der Glaubenskongregation bei diesem Thema ist meilenweit besser als die Situation vor 2001.
Warum sie also umkrempeln? 
Vielleicht weil die Glaubenskongregation einen strengen, regelbasierten Ansatz bei diesem Thema verfolgt, was mit dem mehr persönlichen autokratischen Stil dieses Papstes kollidiert. 
Oder vielleicht weil eine Reform der Reform seine Verbündeten belohnen und Gegenspieler demütigen würde.

Gerüchte über eine solche Reform kursieren in Rom seit Monaten. Es ist nicht besonders glücklich, daß Papst Franziskus und die mit ihm verbundenen Kardinäle sich in die Urteile der Glaubenskongregation zu den Mißbrauchsfällen einmischen. Diese Interventionen sind im System so häufig geworden, daß man jetzt weiß, daß es für die Fälle priesterlichen Mißbrauchs zwei Sätze zur Differenzierung gibt.
Der erste ist: "schuldig oder unschuldig". Der zweite ist "mit einem Kardinal als Freund" oder "ohne Kardinal als Freund".
Und in der Tat übt Papst Franziskus offensichtlich Druck aus, um seine Revision der Mißbrauchspraxis voran zu treiben, obwohl die Kardinäle, die diese Reform der Reform
befürworten, ihn schon wegen ihrer Freunde in Schwierigkeiten gebracht haben..

Man betrachte den Fall von Msgr. Mauro Inzoli. Inzoli lebte ein extravagantes Leben und hatte eine solche Vorliebe für auffällige Autos, daß er sich den Spitznamen "Don Mercedes" verdiente. Er wurde auch beschuldigt, Kinder zu belästigen. Er soll Minderjährige im BEichtstuhl mißbraucht haben. Er ging sogar so weit, die Kinder zu lehren, daß sexuelle Kontakte mit ihm durch die Schrift und durch ihren Glauben gerechtfertigt sei. Als dieser Fall die Glaubenskongregation erreichte, wurde er für schuldig befunden, Und 2012-während des Pontifkates Papst Benedikts- wurde Inzoli seines Amtes enthoben.

Aber wir haben erfahren, daß Don Merzedes Kardinalsfreunde hatte. Kardinal Coccopalmerio und Msgr. Pio Vito Pinto, jetzt Dekan der Römischen Rota, intervenierten zugunsten Inzolis und Papst Franziskus setzte ihn 2014 wieder in sein Priesteramt ein und lud ihn zu einem "Leben in GEbet und Demut" ein.

Diese Restriktionen scheinen Inzoli nicht allzu sehr beunruhigt zu haben. Im Januar 2015 nahm Don Merzedes an der Familienkonferenz der Lombardei teil.
Im vergangenen Sommer haben die Zivilgerichte ihren eigenen Prozess gegen Inzoli beendet und ihn wegen 8 Vergehen verurteilt. Weitere 15 Vergehen unterliegen der Verjährung.
Die Italienische Presse hat auf den Vatican und besonders auf die Glaubenskongregation eingeschlagen, weil sie die Informationen, die sie bei ihrem kanonischen Prozess  
aufgedeckt hatten, den zivilen Autoritäten vorenthielten.
Natürlich hätte der Papst selbst der Glaubenskongregation erlauben können. diese Informationen mit den Zivilautoritäten zu teilen, wenn er gewollt hätte.
Erstaunlich ist, daß, nachdem Coccopalmerio und Pinto diesen Aufträgen nachgekommen waren, Aufträgen die ungerecht und demütigend waren- der Papst fortfahren könnte, Pinto Autorität für Kindesmißbrauchsfälle zu geben, Aber vielleicht ist das nicht seine Hauptsorge. Das zu tun, würde einen von Papst Franziskus´ Freunden belohnen und jemanden, den er als Gegenspieler ansieht, demütigen.
Der erfahrene Vaticanist John Allen bemerkte vor kurzem in Crux, daß Papst Franziskus nicht immer den direkten Ansatz wählt, wenn er versucht, seine Kritiker innerhalb der Kirche zu "knacken" oder die Hindernisse für seine Reform im Vatican. Manchmal vermeidet er das. Allen schrieb, daß es "bedeutet Leute an ihrem Platz zu halten, während man die reale Verantwortung jemand anderem überträgt und so den ursprünglichen Amtsinhaber -wenn vielleicht nicht irrelevant- aber sicher weniger wichtig macht,"
Das war in der Vergangenheit Franziskus´ Ansatz bei der Glaubenskongregation, die vom deutschen Kardinal Gerhard L. Müller geleitet wird. Als Papst Franziskus den Ehe-Annullierungsprozess verändern wollte hat er Müller übergangen, einen Dauerkritiker der Ansichten des Papstes zu Ehe und Sakramenten. Statt dessen ging der Papst zu Kardinal Coccopalmero. Die Loyalität von Msgr. Pinto steht nicht in Frage. Es war Pinto, der gegen die vier Kardinäle austeilte, die öffentlich die Rechtgläubigkeit des jüngsten Dokumentes des Papstes, Amoris Laetitia, angezweifelt hatten. Die vier Kardinäle kritisierten das Dokument, weil es zur Veränderung der Katholischen Sakramentenlehre ermutigt,was sie für unmöglich hielten, weil es die Katholische Doktrin ist. Pinto erinnerte sie daran, daß der Papst sie aus dem Kardinalsrang entfernen könnte. Inzwischen schien Kardinal Müller scheint diesen Kardinälen geholfen und sie getröstet zu haben, indem er sagte, daß die sakramentale Praxis Menschen in ehebrecherischen Beziehungen zu spenden nicht  gebilligt werden könne.

Auf alle Fälle scheint die von Müllers Glaubenskongregation bei Mißbrauchsfällen angewandte Rechtsauffassung für den Papst und seine Verbündeten zu hart zu sein. Deshalb hofft der Papst die Glaubenskongregation in diesen Fällen irrelevant werden lassen zu können.
Bisher ist nichts endgültig entschieden und es ist möglich, daß vernünftigere Köpfe sich durchsetzen und Papst Franziskus daran erinnern, welche Kardinäle und welche Ämter ihm wirklich am besten dienen und in seinem Namen Recht sprechen. Oder die ihn zumindest daran erinnern. daß die Presse ihm vielleicht zujubelt, wenn er die Lehre Johannes Pauls II zur Kommunion für die Geschiedenen rückgängig macht, sie jubeln ihm aber nicht zu, wenn er die Strafen für Kindesmißbraucher abmildert, die zufällig Freunde in seinem inneren Kreis haben.

Quelle: The Week, Michael Brendan Dougherty


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