Sonntag, 29. Januar 2017

"Pecunia non olet" oder die aufgezwungene Revolution im Malteser Orden

Riccardo Cascioli spricht bei La Nuova Bussola Quotidiana Klartext darüber, was gestern in Rom zum Abschluss gebracht wurde und was uns für die unmittelbare Zukunft mit Schlimmsten rechnen lassen muß. Wie zu beurteilen ist, daß es einzig und allein- wie Cascioli zeigt- um den Zugriff auf das Vermögen des Ordens geht, überlassen wir jedem Leser, weil die passenden Worte sicher unter die Beichtpflicht fallen. Sehr sehr traurig ist es auf jeden Fall.
Hier geht´s jetzt zum Original: klicken

"Malteser Orden, die Revolution ist serviert"     
Der Großmeister Matthew Festing ist raus; der Großkanzler Albrecht v. Boeselager erneut installiert ( der war von eben diesem Festing entlassen worden worden); Fra´ Ludwig Hoffmann von Rumerstein Platzhalter ad interim; der päpstliche Delegat wird erwartet, der die de-facto-Kommissionierung des Ordens besiegeln soll.
Mit einem gestern nach der Versammlung des Souveränen Rates auf der website des Souveränen Militärordens von Malta veröffentlichten Kommuniqué scheint hier die Krise des Ordens, die am 6. Dezember mit der Entscheidung Matthew Festings Boeselager zu entlassen  begonnen hatte, zu enden.


File:Creumalta.png
Quelle. Wikimedia Commons public domain
                                            

Es sieht so aus. In Wirklichkeit hinterläßt das harte Eingreifen des Papstes in die inneren Streitigkeiten des Ordens tiefe Wunden, sei es im Inneren des Ordens, sei es in der Beziehung zwischen dem Orden und dem Hl. Stuhl und es hat einen Prozess ausgelöst, der die karitativen Aktivitäten und Hilfsaktionen des Malteser Ordens weltweit in Gefahr bringen könnte.

Darüber hinaus sind wir einer offenen Konfrontation des Malteser Ordens und dem Hl. Stuhl sehr nahe gekommen, der zur Auflösung des Ordens selbst hätte führen können, was den Papst dazu zwang, diesen Schuss abzugeben.
Am 25. Januar wurde vom Hl. Stuhl ein Torpedo auf den Großmeister Matthew Festing abgefeuert,
um die Wirklichkeit der Malteser Ritter komplett umzukrempeln. Und in der Tat erhielten die Mitglieder des Souveränen Rates einen Brief vom vaticanischen Staatssekretär Kardinal Pietro Parolin, brutal in seiner Art, äußerst hart im Inhalt:
Das Ende der Amtszeit Festings wird als gegeben angesehen (obwohl die Konstitutions-Charta besagt, daß nur des Souveräne Rat das entscheiden kann), alle Entscheidungen des Großmeisters und des Souveränen Rates nach dem 6. Dezember (Einschließlich der Absetzung von Boeselagers) werden für null und nichtig erklärt und die Leitung des Ordens ad interim dem Groß-Commendatore übertragen, aber nur solange,bis der Papst einen Päpstlichen Delegierten ernannt hat, der - wie zu verstehen gegeben wird - die Kontrolle über den Orden übernehmen wird - schreibt Parolin - mit Kompetenzen, die der Hl. Vater bei seinem Ernennungsakt definieren wird.
Wahrhaftig tabula rasa.

Sprechen wir von einer anderen Situation - weit vom Vatican entfernt- bei der man ohne zu zögern von einem Coup sprechen kann.
Eine Situation, die bei den Leitenden des Ordens starke Reaktionen provoziert hat; und die auch den "Siegern", der deutsche Strömung, die sich auf dem Weg zur totalen Kontrolle über den Malteser Orden und vor allem über seine Kasse befindet, was nach Quellen aus dem Inneren des Ordens die wahre Ursache der Zwietracht ist, hätte Sorgen bereiten müssen.





Die Reaktionen darauf müssen auch in Santa Marta angekommen sein, so daß zwei Tage danach, am 27. Januar ein weiterer Brief den Souveränen Rat erreichte. Dieses mal vom Papst persönlich, der die Schussrichtung korrigierte: einerseits fügt Papst Franziskus hinzu. daß er Hand an die Konstitutions-Charta legen will und andererseits spezifiziert er, daß der päpstliche Delegat sich vor allem um "die spirituelle Erneuerung des Ordens" kümmern wird und dem zwischenzeitlichen Stellverteter, der den Orden ad interim leitet, zur Seite gestellt wird.
  
Das gestern am Ende des Treffens des Souveränen Rates veröffentlichte Kommuniqué präzisiert diese Aufteilung der Ausgaben noch besser, auf die Weise, daß wenigstens pro forma - die Souveränität des Ordens bewahrt wird. Der zwischenzeitliche Statthalter wird den Schlüssel der Regierung dem neuen, noch nicht gewählten, Großmeister übergeben und der Papst erkennt an, daß die Verantwortung für die Leitung, besonders die, die die Beziehungen zu anderen Staaten angeht, nicht in Händen seines Spezialdelegaten liegt -
Der Orden sagt, daß der "Papst präzisierte, daß sein Spezial-Delegat die Aufgabe haben werde, für "die spirituelle Erneuerung des Ordens, speziell seiner geweihten Mitglieder zu sorgen"
Dieses Zugeständnis gilt für den Fall, daß der Souveräne Malteser Orden "sich zur Mitarbeit mit dem Delegaten, den der Papst ernennt, bereit erklärt."

Auch wenn er noch nicht ernannt ist, ist klar, daß diese Formulierung die Entfernung von Kardinal R.Burke, dem Kardinal-Patron beinhaltet: wenn ein päpstlicher Delegat kommt ( man denkt da an Kardinal Coccopalmero) mit den angedeuteten Kompetenzen, ist es klar, daß er alles verliert, was auch immer seine Rolle ausmacht.
Es ist nicht schwer, sich für Burke eine von Rom weit entfernte Rolle vorzustellen, mit der Absicht die Front der Kardinäle zu schwächen, die dem Papst ihre dubia zu Amoris Laetitia geschickt haben.

Die Bezugnahme auf eine "Spirituelle Erneuerung des Ordens", die die Entsendung eines päpstlichen Delegaten erforderlich macht, erscheint ironisch angesichts dessen, daß während der Monate der Kontroverse kein einziges mal von spirituellen Problemen die Rede war: wie ich schon sagte, das wahre Ziel ist die Kasse des Ordens, angesichts dessen, daß der Orden über Milliarden verfügt.
Die deutsche Seilschaft geht - nach der Intervention des Papstes - zunächst als Siegerin hervor und könnte ihre Stellung durch die von Franziskus geplante Veränderung der Konstitutions-Charta stärken.
Nach inneren Quellen - könnte diese Veränderung der zweiten und dritten Ebene der Ordens-Leitung (alles Laien) gegenüber denen, die die Profess abgelegt haben, ein größeres Gewicht geben, die die deutsche Strömung noch einmal stärken würde, von der keiner die Profess abgelegt hat, die aber auf den anderen beiden Ebenen gut vertreten ist.

Man kann sich sogar vorstellen, daß hinter der scheinbar neu gewonnenen Harmonie ein interner Krieg mit ungewissem Ausgang entfesselt worden ist.
Ein Beweis dafür ist. daß noch gestern morgen der Sprecher des Malteser Ordens, Eugenio Airoldi die Robbiate, bei Associated Press erklärte, daß Parolins Brief nichts anderes sei als eine Interpretation der Geschehnisse im Vatican, "nicht mehr". Gewisse Entscheidungen, so fuhr er fort, können nur vom Souveränen Rat getroffen werden.

Auf jeden Fall  widerspricht die Intervention von Papst Franziskus völlig dem, was Papst BenediktXVI knapp zwei Tage vor der Ankündigung seines eigenen Rücktritts bekräftigt hatte. klicken
Als er im Vatican 5000 Mitarbeiter des Malteser Ordens empfing, die am 9. Februar den 900 Jahrestag der Bulle Piae postulato voluntatis feierten, erinnerte Benedikt XVI an die Aktualität des Privilegs, den der damalige Papst Paschalis II der "neugeborenen" nach dem Hl. Johannes dem Täufer benannten Hospitaliter-Bruderschaft von Jerusalem gewährte.
Die Bruderschaft wird unter "den Schutz der Kirche gestellt, und für souverän erklärt, indem sie als Orden kirchlichen Rechts  konstituiert wurde, mit der Möglichkeit ihre Oberen frei zu wählen, ohne Einmischung anderer - seine es laikale oder klerikale -  Autoritäten."
In vier Jahren haben sich viele Dinge entschieden verändert."

Quelle: La Nuova Bussola Quotidiana, R. Cascioli

p.s. : pecunia non olet????
   


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