Donnerstag, 26. Januar 2017

R. Cascioli : "Wird sich die Zerschlagung des Malteser Ordens als Eigentor für den Vatican erweisen?"

Auch Riccardo Cascioli analysiert den Konflikt um den Malteser Orden und hält es für möglich, daß es hauptsächlich um den Kopf von Kardinal Burke geht.
Hier geht´s zum Original bei La Nuova Bussola Quotidiana:  klicken


"DER PAPST "KOMMISSIONIERT" DEN MALTESER ORDEN, JETZT WIRD DIE STRAFE FÜR KARDINAL BURKE ERWARTET"

"Die harte und ungewöhnliche Intervention von Papst Franziskus, der den Rücktritt des Großmeisters Fra´ Matthew Festing erzwungen hat, um dann eine Art Kommissionierung des Souveränen Militärordens von Malta anzukündigen, scheint nur der Beginn eines Erdbebens - sei es in der Kirche, sei es auf dem Gebiet internationaler Beziehungen-zu sein.

Auf dem Spiel stehen sehr wichtige Fragen: die Beziehung zwischen caritativen Aktivitäten und der Kirchendoktrin und die Autonomie einer souveränen Entität, zuallererst aber -wie mir ausreichend klar scheint, daß die Verschärfung des Tones eigentlich auf den Kopf von Kardinal Burkes zielt, der Kardinal-Patron des Ordens ist, ein Amt das zu einem Teil aus spirituellem Beistand und zum anderen aus "Diplomat des Vaticans beim Orden" besteht.
Burke, der unter den Kardinälen am deutlichsten seine Bestürzung über manche Auswahl und einige Entscheidungen von Papst Franziskus gezeigt hat und einer der vier Unterzeichner der "dubia" ist, ist seit langem im Visier, so sehr, daß bereits seine Ernennung  zum Kardinal-Patron des Malteser Ordens 2014 eine Degradierung war, angesichts des Amtes als Präfekt des Gerichts der Apostolischen Signatur, das er bis dahin innehatte.

Wie bekannt ist, begann die Krise, als Großmeister Festing im  vergangenen November den Großkanzler Albrecht Freiherrn von Boeselager entließ, weil der die Verteilung von Kontrazeptiva in Afrika und Asien innerhalb eines vom Orden finanzierten Projektes gefördert hatte.
Boeselager wies die Vorwürfe zurück, akzeptierte die Entlassung nicht und bat um eine Intervention des Hl. Stuhls, der in der Tat eine Kommission ernannte, die unter der Leitung von Erzbischof Silvano Tomasi ermitteln soll, wie es zu diesen Geschehnissen gekommen ist.
Im Namen des Ordens erklärte Festing, nicht mit der vaticanischen Kommission zusammen arbeiten zu wollen, und wies eine unzulässige Einmischung in die inneren Angelegenheiten einer souveränen Einheit zurück. In einer sofortigen Antwort des Staatseketariates wurde die Legitimität der Untersuchung betont, die nur kognitiv sei, aber der eiserne Arm wirkte bis zur unerhörten Begebenheit am 24. Januar weiter.

Am späten Nachmittag des 24. Januars berief Franziskus Festing zu sich und forderte ihn zum sofortigen Rücktritt auf und nötigte ihn, den erforderlichen Brief in seiner Gegenwart  zu scheiben. Wir kennen nicht den gesamten Inhalt des Gespräches, aber der moralische Druck muß äußert stark gewesen sein, wenn Festing akzeptierte, das Communiqué, in dem er wenige Tage vorher stolz die Souveränität des Ordens verteidigt hatte, zurück zu nehmen. Und es gibt auch Stimmen, nach denen im Rücktrittsbrief Hinweise auf die aktive Rolle zu finden sind, die Kardinal Burke bei der Entlassung von Boeselagers  gespielt haben soll.

Jedenfalls seit der Fall explodierte, wird von papstnahen Kreisen viel Nachdruck auf die angebliche Verantwortung Kardinal Burkes gelegt, der mit einer nichtexistierende Unterstützung des Papstes für die Entlassung des Großkanzlers geprahlt habe. Es ist interessant, daß besonders Vatican Insider auf dieser Lesart besteht, dessen Heckenschützenarbeit- wie man weiß- unerbittlich ist.
Vergebens bestritt Burke die Umstände, zumal er als Kardinal-Patron im Kapitel, in dem Entscheidungen nach internen Prozeduren des Ordens getroffen werden, keine Stimme hat. Die Anschuldigungen gegen ihn werden in einem Crescendo vorgetragen, obwohl es hinter dem Zusammenstoß im Orden seit Jahren einen Streit zwischen verschiedenen nationalen Seilschaften um das Erbe von 120 Millionen € gibt, die in einem Fond in der Schweiz deponiert sind.

Auf jeden Fall hat die Sala Stampa gestern, am 25. Januar, mit unfreiwilligem Humor die Annahme des Rücktritts des Großmeisters Festing bekannt gegeben. Darüber hinaus wurde die bevorstehende Ernennung eines apostolischen Delegaten  angekündigt, der den Orden ( der in der Zwischenzeit dem Großkommendatore anvertraut ist) leiten soll. Mit anderen Worten, der Malteser Orden muß als vom Hl. Stuhl kommissioniert betrachtet werden.




Es handelt sich um eine Entscheidung ohne Präzedenzfall, der große Konsternierung ausgelöst hat, und der sicher nicht ohne internationale Auswirkungen bleiben wird: der Malteser Orden ist eine souveräne Entität, ein Staat ohne Territorium, der auch einen beim Hl. Stuhl akkreditierten Botschafter hat. 
Die englische Wochenzeitschrift "The Catholic Herald" setzt die Entscheidung des Papstes mit einer realen Annektierung gleich, einer glatten Verletzung des internationalen Rechts, die in Zukunft auch die Unabhängigkeit des Hl.Stuhls gefährden wird. "Mit einem Präzedenzfall dieser Art - wie  könnte man den Hl. Stuhl legal verteidigen, wenn z.B. eines Tages die italienische Regierung auf den Gedanken käme. die Unabhängigkeit des Vatican-Staates als anachronistische Formailität anzusehen?"

In der Gegenwart allerdings droht die Entscheidung die 1000-jährige Aktivität des in der ganzen Welt für seine "Werke der Barmherzigkeit gegenüber den Kranken, Bedürftigen und Heimatlosen" ( wie es in seiner Verfassung heißt) bekannten Malteser Ordens zu zerstören. Die Anwesenheit des Malteser Ordens in weiteren 100 Ländern wird durch die diplomatische Repräsentanz garantiert, die jetzt wegen der verlorenen Souveränität ernsthaft in Frage gestellt werden könnte.

Das wäre ein beklagenswertes Eigentor für die Kirche und wäre besonders unverständlich wenn sich dann herausstellte, das das Ziel der Kopf von Kardinal Burke ist. 
Die Beharrlichkeit, mit der er beschuldigt wird, sich vom Papst abgeschirmt zu haben, um eine ihm nicht genehme Persönlichkeit zu torpedieren und wie dazu sein Dementi ignoriert wird, läßt den Willen zu einer schwerwiegenden Bestrafung vermuten. ( Das gehört zu den schlimmsten Beschuldigungen für einen Kardinal)

Mit gutem Grund, wenn "das Geständnis", das dem Großmeister aufgezwungen wurde, bestätigt werden würde. Man könnte denken, daß man eine Gelegenheit gesucht hat, um zu die von einigen Prälaten am Tag nach der Veröffentlichung der dubia geforderten Bestrafung für die Kardinäle, die sie unterschrieben hatten zu kommen: offensichtlich die Aberkennung des Kardinalspurpurs.
Auf alle Fälle besteht der Einruck, daß wir erst am Anfang stehen.

Quelle: La Nuova Bussola Quotidiana, R. Cascioli 


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