Freitag, 13. Januar 2017

Roberto de Mattei über den Angriff des Staatssekretariates auf den Malteser Orden.

Roberto De Mattei fragt sich und uns, wer es jetzt auf den Malteser Orden abgesehen hat. Ob derjenige sich da nicht- im Gegensatz zur FFI -einen etwas zu großes Objekt ausgesucht hat?
Als Ursache für die pontifikale Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Ordens hat De Mattei Folgendes ausgemacht:
"das aristokratische Gesicht (des Ordens)  stellt eine Antithese zum Miserabilismus und Egalitarismus dar, der von denen bekannt wird, die heute die Kirche regieren.
Das wäre dann die Fortsetzung der Französischen Revolution durch die Kirche.... paradox?
Hier geht´s zum Original bei Corrispondenza Romana:  klicken

"WER WILL DEN MALTESER ORDEN ZERTRÜMMERN?"

"Lange bevor die zivilisierten Nationen sich zusammen taten, um ein Internationales Recht ....., viel länger bevor sie den noch nicht verwirklichten Traum sich gemeinsam um die menschliche Freiheit zu kümmern, um die Unabhängigkeit der Völker, eine friedliche Gleichheit in ihren gegenseitigen Beziehungen, haben sich Männer 8 verschiedener Sprachen sich  zum Johanniter-Orden als religiöse Bruderschaft zusammengetan- unter einer militärischen Disziplin und dem Gelübde die spirituellen Werte zu verteidigen, die das gemeinsame Christliche Erbe darstellen: Glaube, Gerechtigkeit, soziale Ordnung und Frieden.

Diese Worte, die Papst Pius XII am 8. Januar 1940 an die Ritter des Souveränen Militärordens des H. Johannes von Jerusalem. genannt von Rhodos und dann von Malta, fassen den Charakter des ältesten der Ritterorden zusammen, dem einzigen souveränen Staat, dessen Fahne über den Kriegsfeldern der Kreuzzüge wehte. Ein Orden, dessen Charisma immer der " Tuitio fidei et Obsequium pauperum" geblieben ist. (Verteidigung des Glaubens und Dienst an den Armen).

Ist es möglich, daß ein Papst diese Institution, Ruhm der Christenheit, ausschalten will?
Leider ist das genau der Eindruck, den man nach den jüngsten Ereignissen, die den Malteser Orden betreffen, haben muß -(wir haben eine erste Rekonstruktion davon am 24. Dezember präsentiert, vertieft und mit neuen Details angereichert von  Edward Pentin im NCR vom 7. Januar 2017).

Der Rahmen -ist zusammengefaßt- dieser: am 6. Dezember hat der Großmeister des Malteser Ordens, Fra Matthew Festing, in Anwesenheit von zwei Zeugen, einer davon war der Kardinal-Patron R. Burke, den Großkanzler Albrecht Freiherr von Boeselager, aufgefordert, seinen Rücktritt einzureichen.
Es war ans Licht gekommen, daß der Großkanzler Boeselager zu der Zeit als er Großhospitalier des Ordens war, seine Macht dazu mißbraucht hatte, in einigen Dritte-Welt-Ländern zigtausende von Präservativen und Kontrazeptiva und auch Abtreibungsmittel verteilt zu haben.

Trotz des Gehorsamsgelübdes, das ihn an den Großmeister bindet, weigerte sich der Großkanzler zurückzutreten. Gegen ihn wurde dann ein Verfahren eingeleitet, ihn von allen Verpflichtungen zu entbinden. Von Boeselager hat im Staatssekretariat des Vaticans um Hilfe gebeten, der dann eine Untersuchungskommission ernannte, um "Beweise zu sammeln, um den Hl. Stuhl umfassend und unverzüglich über das Geschehen zu unterrichten".





Am 23. Dezember hat der Großmeister des Ordens die Entscheidung des Staatssekretariates als "inakzeptabel" definiert und daran erinnert, daß die Entlassung von Boeselagers ein Akt der inneren Administration der Leitung des Souveränen Ordens von Malta ist und deshalb vollständig in seiner Kompetenz"
In einer nachfolgenden Pressekonferenz am 10. Januar, hat der Großmeister seine Absicht wiederholt, nicht mit der Untersuchungskommission des Vaticans zusammen zu arbeiten "auch um die eigene Souveränitätssphäre des Ordens zu wahren -auch gegen Initiativen, die sich daraus ableiten (und deshalb auch von Absichten, die juristisch gesehen irrelevant sind) diese Sphäre zur Diskussion zu stellen oder sie zu beschränken."

Die vaticanische Initiative -das sieht man sofort-ist ein beklagenswerter  Fauxpas. Das Rechtssystem des Malteser Orden wird durch die Konstitutions-Charta von 1997 geregelt.
Artikel 3 der Charta bestätigt in §1, daß "der Orden Objekt des Internationalen Rechts ist und souveräne Funktionen ausübt". Das sind: die vom Großmeister mit Hilfe des Souveränen Rates repräsentierte Exekutivgewalt, die durch das Generalkapitel dargestellte legislative Gewalt und die Jurisdiktionsgewalt, repräsentiert von den Magistralen Gerichten.

Der Malteser-Orden stellt Diplomatenpässe aus und besitzt extraterritoriale Niederlassungen in Rom, wo er offiziell Repräsentanten aus 100 anderen Staaten empfängt, mit denen er Beziehungen -von gleich zu gleich unterhält. Der Hl. Stuhl nominierte nach den Normen des Internationalen Rechts einen Kardinal-Patron und einen Botschafter.

Wie Prof. Paolo Gambi bemerkt, hat der Orden, der sich einer quasi im kirchlichen Panorama einzigartigen Autonomie erfreut, die Einflüsse dieser Art auf die Mitglieder begrenzt, die das Gelübde abgelegt haben (der Souveräne Orden von Malta, ist ein Orden kirchlichen und internationalen Rechts, nach Kanon XLIV, Nr. 87 (2004) , S. 203) .
Artikel 4 §6 der Charta des Malteser Ordens stellt klar fest, daß die "religiöse Natur die souveränen Rechte des Ordens nicht ausschließt -insofern daß er Orden Subjekt des von den Staaten anerkannten Internationalen Rechts ist."

Die Bestätigung eines solchen Status Internationalen Rechts auch in der Beziehung zum Hl. Stuhl findet sich auch im Annuario Pontifica, in dem der Orden einmal erwähnt wird- und das nicht bei den Religiösen Orden sondern bei den Botschaften der beim Hl.Stuhl akkreditierten Staaten.
Die Verfassungs-Charta von 1997 hat auch im Voraus verschiedene kirchliche Interventionen verhindert, wie die Approbation des Hl. Stuhls bzgl. der Wahl des Großmeisters und die ausdrückliche Zustimmung des Hl. Stuhls, daß das feierliche Ablegen der Gelübde gültig sei.

Die Kompetenz des Hl.Stuhls für das religiöse Leben der Ritter betrifft nur jene, die zur Ersten Klasse gehören: die Ritter der Gerechtigkeit, die auf feierliche Weise die drei Mönchsgelübde ablegen.
Die Ritter im Gehorsam, deren Versprechen nichts mit dem Gehorsamsgelübde der Ritter der Gerechtigkeit zu tun haben, sind ausschließlich den eigenen Ordensoberen unterstellt.
Der Ex-Großkanzler, Albrecht von Boeselager, verheiratet und 5 Kinder, ist ein Laie, der der Zweiten Klasse angehört und ist deshalb in keiner Weise vom Hl. Stuhl abhängig.

Außerdem haben die Ritter der Gerechtigkeit, die in jeder Hinsicht als Ordensangehörige betrachtet werden müssen (Art. 9, §1 der Charta) kein Gemeinschaftsleben und stellen im Leben der Kirche
ein Unikum dar. Fra Ludovico Chigi Albani della Rovere (1866- 1951), Fürst und Großmeister des Ordens von 1931- 1951 legte nach dem Tod seiner Frau (1898) die Gelübde als Ritter der Gerechtigkeit ab, lebte aber weiterhin im Palazzo Chigi, der bis 1916 im Besitz seiner Familie gewesen war und führte dort ein Leben als großer Herr, wie es seinem Rang entsprach.

Natürlich hat die Kirche gegenüber dem Orden das selbe Recht wie gegenüber allen Staaten, wenn Probleme im Spiel sind, die direkt den Glauben oder die Moral betreffen.
Außerdem hat der Papst das Recht, bei jeder sozialen oder politischen Frage zu intervenieren und schwere Verletzungen des Göttlichen Gesetzes und des Naturgesetzes zu verurteilen.

Und wenn der Malteser Orden zu Empfängnisverhütung und Abtreibung ermutigt, hat der Papst die Pflicht, seine Stimme hören zu lassen.
Heute sieht es im Gegenteil so aus, als ob die Kirche davon Abstand nimmt, sich zu moralischen Fragen zu äußern, wie es ihr zusteht, aber bei politischen und administrativen Fragen eingreift, die außerhalb ihrer Kompetenz liegen.
Christopher Lamb zitiert am 5. Januar in "The Tablet" einen Brief, den Kardinal Pietro Parolin und das Staatssekretariat am 21. Dezember an Fra Matthew Festing schickte, in dem er mitteilt, daß Papst Franziskus wünsche, daß die Entlassung von A.von Boeselager nicht stattfinde.
"Wie ich schon in einem vorhergehenden Brief vom 12. Dezember über den Gebrauch und die Verteilung von Methoden und Mitteln, die dem Moralgesetz  widersprechen, hat Seine Heiligkeit um einen Dialog gebeten, in dem die eventuellen Probleme angesprochen und gelöst werden. Aber er hat nie gefordert, jemanden zu verfolgen."

Also ist der Weg in der Konfrontation mit jemandem, der das Göttliche Gesetz und das Naturgesetz verletzt der Dialog und die ausgestreckte Hand.
Für den dagegen, der den Glauben und die Katholische Moral verteidigt, liegt der Stock der politischen Kommissionierung und er Untersuchungskommission bereit.
Die Gruppe der Rittern, deren Führer Albrecht von Boeselager ist, repräsentieren die säkulare Strömung, die den Malteser Orden in eine humanistische NGO umwandeln wollen.

Die aktuelle Leitungsmannschaft repäsentiert dagegen die Treue zu den religiösen Wurzeln des Ordens. Aber vielleicht ist genau das ihre größte Sünde, auf die noch eine weitere folgen sollte.
Im Lauf der 900-jährigen Geschichte hat der Souveräne Militär-Orden von Malta nie sein eigenes aristokratisches Gesicht verloren, ritterlich und souverän.
Dieses Gesicht stellt eine Antithese zum Miserabilismus und Egalitarismus dar, von denen beknnt, die heute die Kirche regieren. Das Resultat ist, daß der der den Klerikalismus verurteilt, ihn mir verheerenden Folgen benutzt.
Die schwerwiegende Intervention durch das Staatssekretariat -in Namen von Papst Franziskus- führt in der Tat zu Chaos und Spaltung im Inneren des Ordens.

Der Souveräne Militärorden von Malta hat alle Widrigkeiten in seiner Geschichte überwunden, Während der 2 Jahrhunderte in Palästina, der zwei Jahrhunderte auf Rhodos, zweieinhalb Jahrhunderten auf Malta schien seine Mission oft beendet zu sein, aber immer hat er sich erholt, auch als die Stürme der Französischen Revolution und Napoleons Europa durcheinander wirbelten.
Man muß sich wünschen, daß der Großmeister Fra Matthew Festing und das Souveräne Rat, die ihm assistieren standfest dem starken Druck, der in diesen Tage auf sie ausgeübt wird, standhalten können.
Keiner hätte an der Liebe zum Papsttum des Großmeisters Ludovico Chigi Albani zweifeln können, der in seiner Eigenschaft als Marschall der Heiligen Römischen Kirche an drei Papstwahlen teilgenommen hat.

Und dennoch hat er sich mit großem Elan jedem kirchlichen Versuch entgegen gestellt, sich in das Leben des Ordens einzumischen. Der Hl. Stuhl sollte die souveräne Natur des Malteser Ordens anerkennen "ohne Einmischung von Seiten anderer Parteien, seine sie religiöse oder -Laienorganisationen", wie es Benedikt XVI sagte, als er die Ritter anläßlich des 900. Jahrestages des Privilegs "Pie postulato voluntatis del 15 febbraio 1113 empfing.
In diesem Festjahr erinnerte Papst Benedikt auch daran: "Paschalis II legte die nach dem Hl. Johannes dem Täufer benannte "neugeborene Hospitaliter-Bruderschaft von Jerusalem" unter den Schutz der Kirche und machte sie souverän."

Quelle: Corrispondenza Romana, Roberto De Mattei


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