Samstag, 7. Januar 2017

Versuch über den Zustand der Kirche

Wenn ich so in den offiziellen kirchlichen Publikationen herumlese, was schwierig ist, weil sie so langweilig sind und zu oft mich in diese Eventgottesdienste verlaufe, sowie mit Kirchenoffiziellen offiziell zu tun habe, (was ein Unterschied ist, zu dem wenn man privat mit ihnen zu tun hat)
komme ich mir manchmal ungemein dumm vor.
So ein bisschen wie ein Schüler, der doch alles richtig rechnet, so wie er meint es gelernt zu haben, aber dennoch ist das Ergebnis einfach falsch, richtig falsch.

Das kommt vor und ist oft dem Umstand geschuldet, dass der Schüler eh schon lange den Faden verloren hat, und schwimmt und deshalb gar nicht mehr versteht, um was es geht. Aber weil er so gar nichts versteht, gar nicht mehr versteht, was er nicht versteht.

Nun ist, was die Theologie angeht, dieses Phänomen sozusagen wesenhaft darin verankert, einfach weil, was versteht so ein Mensch schon von Gott?
Und alles was wir haben, ist dass wir "ans Kreuz geheftet, treiben über dem Abgrund" wie Professor Ratzinger aus Paul Claudels "seidenem Schuh" in "Einführung in das Christentum zitiert.
Im besten Fall sieht er ein Zerrbild, wie Paulus sagt und gute Theologen wissen, dass die Blindenheilungen symbolisch für die Menschheit stehen.

Es gibt zahlreiche Bibelstellen zum Thema, der erst Johannesbrief der klar sagt: So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. (1Joh 1,8)

In der Offenbarung des Johannes wo, was die Sendschreiben an die Gemeinden angeht, die von Laodizäa, die von sich selber sagt "Mir, mir geht es gut, ich, ich bin klasse" am schlechtesten weg kommt und der empfohlen wird, sich doch zu allererst mal um das Sehen zu bekümmern.
Und das dritte Kapitel des Römerbriefes das kann jeder selber nachlesen, wenn er es denn tun möchte!

Und eigentlich bekommen erst vor diesem Hintergrund die zahlreichen Herrenworte über das nicht richten, das sich nicht Lehrer nennen lassen, über die Demut und den Balken im eigenen Auge ihren richtigen Sinn.

Um dieses rechte Verhältnis zwischen eigenem Tun und der Gnade Gottes wurde lange und erbittert gestritten und wenn wir die Texte der Schrift recht verstehen, ist der Streit so alt, wie die komplette Geschichte Gottes mit den Menschen.
Nur ging es dennoch meist darum, wie man in rechter Weise Gott dient, und die Gottheit dazu bringt Gnade zu spenden.

Das merkwürdige am modernen Christen scheint mir zu sein, dass weder Katholiken noch Protestanten was von der Notwendigkeit der Gnade Gottes wissen wollen, wird doch allüberall gelehrt, dass der Mensch aus eigenem, gut werden kann, wenn ich das alles so richtig verstehe.

Und all die zahlreichen Predigten über das Spenden und das Helfenmüssen, dass das Grundwesen des Christentums ausmacht scheint mir doch die Werkgerechtigkeit in neuem Gewand zu sein.

Vielleicht ist das ja das Grundproblem unserer Zeit, dass man sich gar nicht mehr selber erlösungsbedürftig, arm, nackt, unfähig, blind und verrannt vorkommt, sondern meint dem leiben Gott sagen zu können, was er alles falsch gemacht hat, um es etwas überspitzt auszudrücken.

Manchmal denke ich, es sind nur wir, die wir über die alten Themen uns den Kopf zerbrechen, während alle anderen sich in einem fröhlichen „ Passt schon, wird schon, wir sind ja alle so toll“ freundlich eingerichtet haben, und die alten Häresien plötzlich alle wieder da sind und als richtig und gut gelten.

Böse ist der, der darum weiß dass er es ist. Böse ist der, der sich um und mit Gottes Wort und mit und um Gottes Gegenwart im Sakrament abmüht.
Aber das ist das was Christus uns vorhergesagt hat, von wegen schmaler Weg, seufz.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen