Sonntag, 12. Februar 2017

Das Evangelium von heute und die "dubia". Passt!

Eigentlich wollte ich zu dem ganzen Trauerspiel gar nichts schreiben, aber, nun, wie es halt so ist mit den guten Vorsätzen, schreib ich doch was dazu, aber nur weil ich heute während der Verlesung des Evangeliums fast habe lachen müssen, obwohl der Text echt starker Tobak ist und dennoch sozusagen eine Antwort auf die, unter dem Namen dubia bekannten,  Frage der Kardinäle darstellt!

Der heutige Evangeliumstext fängt an mit:

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.
Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.
Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

es folgen nun eine Menge Feststellungen die es in sich haben, auch die, alles über den Haufen werfende Aufforderung, wenn ich feststelle, dass mein Bruder was gegen mich hat, also er die Schuld ist, und ich nicht, ich dennoch zusehen soll, dass ich mich mit meinem Bruder vertrage!
Und das ist aber meine Interpretation, selbst wenn es nicht zur Versöhnung kommt, ich zumindest meinen Groll begraben soll, und sobald sich die Gelegenheit ergibt, mich vertragen soll, so geht der Text auf jeden Fall weiter um dann unmissverständlich klar zu machen, wie Christus das mit der Ehe und deren Bruch sieht,.

Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen.
Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.


Ich finde das ist klar und eindeutig.
Es folgt dann die Aufforderung, wenn einem eines seiner Körperteile zum Bösen verführt, selbigen Körperteil abzuhauen, um sich dann noch mal, scheint also wichtig zu sein, dem Ehethema zuzuwenden, zunächst mit der Feststellung, dass es früher okay war eine Scheidungsurkunde auszustellen und gut war, während Jesus sagt:

Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch.


Man könnte nun auf den Gedanken verfallen, und viele verfallen auch darauf, aber das würde irgendwie dem Gesamtzusammenhang des Textes komplett widersprechen, dass Jesus die Ehescheidung erlaubt, wenn der andere sich anderweitig verlustiert hatte, aber dem ist wohl nicht so.
Allerdings interpretiert schon der Heilige Augustinus diese Stelle so.
Es macht allerdings, in meinen Augen keinen Sinn, weil es dann bedeutet. also nehmen wir an, der Mann legt sich eine Freundin zu, dann ist der Fall der Unzucht gegeben, und damit hat er das Recht sich scheiden zu  lassen. Wer dann allerdings die von ihm entlassene Frau heiratet, der begeht dann wieder Ehebruch?

Oder auch, näher am Text, die Frau legt sich einen Lover zu, der Mann hat dann das Recht sich scheiden zu lassen und wenn der Lover dann die Frau heiratet, so begeht er mit ihr Ehebruch, was auch wenig Sinn macht, weil das ja schon vorher der Fall war.
Aber selbst wenn man diese Stelle so interpretiert, dass im Fall des Ehebruchs eines der beiden Partner die Ehe geschieden werden kann, so verbietet diese Stelle die Wiederverheiratung ganz klar und lässt nur die Konsequenz zu, dass dann eben beide alleine durchs Leben gehen müssen, der schuldige, wie der unschuldige Teil.

Mir ist auch schon die Interpretation untergekommen, die mir am plausibelsten und am besten passend erscheint, dass mit der Unzucht eben unzüchtige Verhältnisse gemeint sind, also so Geschichten wie die Ehe des Herodes und der Herodias, die geschieden werden müssten, wie es Johannes der Täufer ja forderte, genauso wie polygame Beziehungen, und anderes, was  vor Gott einfach nicht geht.
Ich meine es wäre ja seltsam, wenn die vorhergehende Aufforderung, alles daran zu setzen, sich mit dem Bruder zu versöhnen, egal was vorher war, nicht für den Ehepartner gelten solle.

Die Stelle geht auch weiter mit der Aufforderung überhaupt nicht zu schwören, sondern sein ja ein ja sein zu lassen und sein nein ein nein, also die Aufforderung an beide zu ihrem Jawort zu stehen auch in den schlechten Tagen.

Interessant finde ich eigentlich auch folgendes, Wir leben ja in einer Welt wo man so in der Verfolgung der innerkirchlichen Diskussion den Eindruck gewinnen kann, wahre Liebe gibt es nur im zweiten Anlauf, also jeder Mensch hat das Recht auf einen Testlauf.
Heute nachmittag brachten mich die Umstände dazu etwas anzuschauen, als Aufzeichnung und auch noch doppelt, was ich nie freiwillig getan hätte, nämlich RTL: 4 Hochzeiten und eine Traumreise.
Also da geht es um 4 Brautpaare die heiraten und eine Jury beobachtet und bewertet das Ganze und das Siegerpaar kriegt eine Reise geschenkt. Fand das alles recht doof, aber eines fand ich faszinierend, waren viele nichtkirchliche Trauungen dabei und alle legten Wert auf das "für immer und ewig, in guten wie in schlechten Zeiten!"
Mir scheint gerade in dem ganzen Gewese, dass die Leute so veranstalten, die tiefe Sehnsucht nach der Unauflöslichkeit der Ehe zu stecken, weil für eine begrenzte Partnerschaft, soviel Gewese, das macht doch gar keinen Sinn!

Die Kirche hat übrigens dem Evangeliumstext eine Lesung aus dem Buch Jesus Sirach vorangestellt, die da lautet:

Gott gab den Menschen seine Gebote und Vorschriften. Wenn du willst, kannst du das Gebot halten; ....
Keinem gebietet er zu sündigen, und die Betrüger unterstützt er nicht.


Der Vollständigkeit halber sei der komplette Evangeliumstext hier untern noch mal hineingestellt:

 Glaubet nicht,23 dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen,24 sie aufzuheben, sondern zu erfüllen. 25 
18. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht ein Strichlein oder ein Punkt vom Gesetze vergehen, bis alles geschieht!26 [Lk 16,17
19. Wer also etwa eines von diesen mindesten Geboten aufhebt und die Menschen so lehrt, wird der Mindeste genannt werden im Himmelreiche;27 wer sie aber hält und lehrt, der wird ein Großer genannt werden im Himmelreiche.28 [Jak 2,10
20. Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht vollkommener sein wird, als die der Schriftgelehrten und Pharisäer,29 so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen. [Lk 11,39
21. Ihr habt gehört,30 dass den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber getötet hat, wird dem Gerichte verfallen sein! [2Mos 20,135Mos 5,17
22. Ich aber sage euch:31 Jeder, der seinem Bruder zürnt,32 wird dem Gerichte verfallen sein. Wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka! wird dem Rate verfallen sein. Wer aber sagt: Du Narr! wird dem höllischen Feuer verfallen sein.33 
23. Wenn du daher deine Gabe zu dem Altare bringest, und du erinnerst dich daselbst, dass dein Bruder etwas wider dich hat, 
24. so lass deine Gabe allda vor dem Altare, und gehe hin, und versöhne dich zuvor mit deinem Bruder; und dann komm, und opfere deine Gabe! 34 
25. Sei deinem Widersacher.35 willfährig ohne zögern, so lange du mit ihm auf dem Wege bist, damit dich nicht der Widersacher dem Richter überantworte, und der Richter dich dem Schergen übergebe, und du in den Kerker geworfen werdest. [Lk 12,58
26. Wahrlich, ich sage dir, du wirst von dort nicht herauskommen, bis du den letzten Heller bezahlt hast! 36 
27. Ihr habt gehört, dass den Alten gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen! [2Mos 20,14
28. Ich aber sage euch: Ein jeder, der ein Weib, 37 um es zu begehren, 38 ansieht, hat schon an ihr Ehebruch begangen in seinem Herzen. 
29. Wenn aber dein rechtes Auge dich ärgert, 39 so reiße es aus, und wirf es von dir; 40 denn es ist dir besser, dass von deinen Gliedern eines verloren gehe, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen werde. [Mt 18,9Mk 9,46
30. Und wenn deine rechte Hand dich ärgert, so haue sie ab, und wirf sie von dir; denn es ist besser für dich, dass von deinen Gliedern eines verloren sei, als dass dein ganzer Leib in die Hölle fahre. 
31. Es ist auch gesagt worden: Wer immer sein Weib entlässt, gebe ihr einen Scheidebrief. 41 [5Mos 24,1Mt19,7]. 
32. Ich aber sage euch: Jeder, der sein Weib entlässt, außer um des Ehebruches willen, macht, dass sie die Ehe bricht;42 und wer eine Entlassene zur Ehe nimmt, bricht die Ehe. 43 [Mk 10,11 , Lk 16,181Kor 7,10]. 
33. Wiederum habt ihr gehört, dass den Alten gesagt ist: Du sollst nicht falsch schwören, sollst aber dem Herrn halten, was du geschworen hast. [2Mos 20,7 , 3Mos 19,125Mos 5,11].44 
34. Ich aber sage euch: Ihr sollet überhaupt nicht schwören,45 weder bei dem Himmel, weil er der Thron Gotte ist, 
35. noch bei der Erde weil sie der Schemel seiner Füße ist, noch bei Jerusalem, weil sie die Stadt des großen Königs ist.46 [Jak 5,12]. 
36. Auch bei deinem Haupte sollst du nicht schwören, 47 weil du nicht ein einziges Haar weiß oder schwarz machen kannst. 
37. Es sei aber eure Rede: Ja, ja; nein, nein! Was aber darüber hinaus geht, ist vom Bösen.48 [Jak 5,12]. 

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