Freitag, 17. Februar 2017

Dan Hitchens: Bürgerkrieg in der Kirche

Dan Hitchens analysiert im Catholic Herald die aktuelle Frontlage im innerkirchlichen Bürgerkrieg nach Amoris Laetitia, bei dem es um nicht weniger geht als die zweitausendjährige Lehre der Katholischen Kirche.
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"DIE KIRCHE BEFINDET SICH JETZT IN EINEM VOLLENTBRANNTEN BÜRGERKRIEG ÜBER DIE LEHRE"

"Kardinal Coccopalmerios Buch ist nur das jüngste Beispiel dafür, daß die Katholische Lehre in Frage gestellt wird.

Vor einigen Wochen hat die Jesuiten-Zeitschrift "La Civiltá Cattolica" einen beunruhigenden Artikel über das Frauenpriestertum veröffentlicht. Die Argumente klangen familiär: der Autor, der stellvertretende Herausgeber, Fr.Giancarlo Pani, bittet die Leser zu überlegen, ob ein rein männliches Priestertum nicht vielleicht überholt sein könnte.
"Da ist Unwohlsein" schrieb Pater Pani, "bei denen, die nicht verstehen können, wie der Ausschluss der Frauen vom Dienst in der Kirche mit den Bekräftigung und Anerkennung ihrer gleichen Würde in Übereinstimmung gebracht werden kann."

Beunruhigend ist, daß das in einer von einem der engsten Mitarbeiter des Papstes herausgegebenen Zeitung erschienen ist, Pater A. Spadaro: einer Zeitung, die dem Hl. Stuhl sehr nahe steht- jede Seite wird im Vatican überprüft- was der Papst kürzlich erst gelobt hat. Das läßt den Eindruck entstehen, daß die Kirche sich -sogar in ihren höchsten Ebenen- in einem voll entbrannten Bürgerkrieg über die Lehre befindet.
Dafür gab es vorvorgestern ein weiteres Beispiel - als Radio Vatican ein neues Buch von Kardinal Coccopalmerio, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für Legislative Texte, vorstellte. 

Kardinal Coccopalmerio sagt, daß wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion empfangen können, wenn sie irgendwie den Wunsch haben, ihre Situation zu ändern, sogar wenn sie nicht planen, wie Bruder und Schwester zusammen zu leben. 
In einigen Fällen- sagt der Kardinal- kann dasVermeiden von Sex "unmöglich" sein, 
Als Beispiel wählt er einen Mann, den seine Frau verlassen hat. Wenn die Beziehung zusammenbricht, könne der Mann in tiefe Verzweiflung verfallen und die Kinder würden ohne "mütterliche Figur" bleiben.
Der Kardinal schreibt: "Die Verbindung abzubrechen, würde deshalb nicht bedeuten, eine moralische Pflicht gegenüber unschuldigen Personen zu erfüllen" Wenn das Vermeiden von Sex Schwierigkeiten bereiten würde, würde das Weiterführen der sexuellen Beziehung die Beziehung aufrecht halten.

Die Auswirkungen von Kardinal Covopalmerios Argument scheint der Kirchenlehre zu widersprechen.  Um den offensichtlichsten Punkt zuerst herauszunehmen: die Ansicht des Kardinals daß eine ehebrecherische sexuelle Beziehung mit dem Empfangen der Kommunion kompatibel ist, ist einfach ein Frontalzusammenstoß mit der Katholischen Lehre.
Das diese beiden inkompatibel sind, wurde vom Hl. Johannes Paul II 1981, von Benedikt XVI 2007   und von der Glaubenskongregation  1994 gelehrt worden , gar nicht zu sprechen von den Päpsten Innonzenz I. dem Hl. Zacharias, dem  Hl. Nikolaus I ....und man könnte so fortfahren.



Aber das ist nicht das einzige Problem mit Kardinal Coccopalmerios Buch. Stimmen wir seiner Annahme zu. daß das Vermeiden von Sex "eine Unmöglichkeit sein könnte".
Es ist sehr schwer, das mit der Erklärung des Konzils von Trient in Übereinstimmung zu bringen:
"Wenn irgendwer sagt, daß die Gebote Gottes unmöglich zu befolgen sind- sogar für einen, der gerecht ist und im Stand der Gnade- Anathema sei er."
Das bedeutet, daß Gott, unser liebender Vater, niemals aufhören wird, uns zu helfen. Aber Kardinal Coccopalmerio denkt, daß es uns manchmal unmöglich ist, die Sünde zu meiden.

Wieder scheint die Schlußfolgerung des Kardinals, daß Abstinenz "Probleme verursacht" zweifelhaft.
Der Hl. Paulus- inspiriert vom Hl. Geist- hat den Gedanken verdammt, daß man"Böses so tun, könne, daß etwas Gutes daraus entsteht."
Die Kirche hat das sehr strikt ausgelegt. Der Hl. Thomas v. Aquin, dieser jahrhundertealten Lehre folgend, sagte, man solle keine ehebrecherische sexuelle Beziehung haben und wenn die ein ganzes Land vor der Katastrophe retten könnte.
Aber Kardinal Coccopalmerio denkt, man könne ehebrecherischen Sex haben, wenn ihn ncht zu haben, Probleme bereiten würde.

Zur Frage der Kommunion selbst: ganz klar ist jemand, der in einer fortwährenden ehebrecherischen Beziehung lebt, sehr in Gefahr, sich im Stand der Todsünde zu befinden. Nur Gott weiß das, aber wenn jemand eine schwere Sünde begeht, während er seinen Weg bezüglich der Katholischen Lehre zu klären sucht, ist das eine sehr substantielle Möglichkeit. Und die Kommunion im Stand der Todsünde zu empfangen, ist nach dem Hl. Jean Vianney, dem Heiligen Patron der Gemeindepfarrer, die schlimmste Sünde von allen, schwerwiegender als das Kreuzigen Christi. Viele der wiederverheirateten Geschiedenen bleiben der Kommunion fern, genau um eine Todsünde zu vermeiden,
Kardinal Coccopalmerios Zugang suggeriert, daß dieses Risiko in manchen Fällen zu unbedeutend ist, um ein Hindernis zu bilden.
Natürlich sagt der Kardinal nichts Derartiges gerade heraus. Er sagt nicht; "ich denke, daß Johannes Paul II, Benedikt XVI und die Tradition der Kirche falsch lagen. Ich argwöhne, daß das Moralgesetz manchmal unmöglich einzuhalten ist. Ich habe im Prinzip kein Problem damit, daß man Böses so tun kann, daß viel Gutes daraus entsteht.  Und ich denke nicht, daß die Hl.Kommunion im Stand der Todsünde zu empfangen, eine so schreckliche Sünde ist, daß wir diesbezüglich große Vorsichtsmaßnahmen dagegen ergreifen müßten."
Aber die bloße Tatsache, daß er diese Dinge nicht klar sagt, ist kaum ein Trost.
Die weniger großzügige Interpretation wäre, daß der religiöse Irrtum immer versucht, Klarheit zu vermeiden. Der Selige John Henry Newman bemerkte, daß die Arianer " eine vage, zweideutige Sprache benutzten....die einen Katholischen Sinn zuhaben schien, die aber, wenn auf lange Sicht angewendet-sich als heterodox erweisen würde."
Die großzügigere Sicht ist, daß der Kardinal seine Worte nicht ganz durchdacht hat und sie zurückziehen werde, wenn er bemerkt, was sie mit sich bringen.

Kardinal Coccopalmerio ist eine ranghohe Persönlichkeit im Vatican: sein Buch ist mit ersichtlicher Unterstützung aus dem Vatican erschienen und ohne offiziellen Widerspruch. Und seine Meinung ist der vieler anderer Prälaten nahe (wie z.B. den Bischöfen von Malta und den meisten in Deutschland).
Deshalb kann die Debatte über die Kommunion nicht länger als marginales Gezänk zwischen "Liberalen" und "Konservativen"  gesehen werden, -wenn es das überhaupt je konnte.
Ebensowenig kann es als Frage betrachtet werden, ob man eher etwas mehr Barmherzigkeit oder etwas mehr Gerechtigkeit vorzieht.
Es gibt jetzt eine klar sichtbare Debatte darüber, ob die Lehre der Kirche noch gültig ist.
Und das bedeutet. daß die Debatte immer weiter gehen wird."

Quelle: Catholic Herald, Dan Hitchens

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