Dienstag, 28. Februar 2017

Die Zweifel des schwarzen Papstes oder sollten die Evangelien umformuliert werden?

Aldo Maria Valli kommt auf das Interview Rusconi mit Pater Arturo Sosa Arabal zurück ......gefunden haben wir seinen Beitrag bei BenoîtXVI-et-moi. Merci!
Hier geht´s zum Original:   klicken

                               

"ABER HAT JESUS (WIRKLICH) GESAGT, WAS ER GESAGT HAT?"

        "Die "dubia" des Ordensgeneral der Jesuiten"
Versuchen wir eine Zusammenfassung. Für Arturo Sosa "müßte man eine schöne Reflexion darüber beginnen, was Jesus wirklich gesagt hat"...zu seiner Zeit hatten die Leute keine Tonbandgeräte, um die Worte festzuhalten. Was man weiß ist, daß die Worte Jesu in ihren Kontext gestellt werden müssen, daß sie in einer präzisen Sprache und einem präzisen Milieu  gesprochen wurden und an wohl definierte Menschen gerichtet waren...."

Selbst wenn er den Namen eines Fußballers trägt, ist Arturo Sosa nicht die letzte Erwerbung von AT sondern ein Ordensmann. Ein Jesuit. Und sogar Ordens-General der Jesuiten. Der Nachfolger des Hl. Ignatius. Und er sagt, daß die Worte Jesu nicht wirklich gesichert sind, weil damals niemand ein Aufnahmegerät hatte. Er sagt das in einem langen Interview mit Giuseppe Rusconi, einem Journalisten aus dem Tessin. Und er sagt das sicher und ohne zu zögern.

Rusconi versichert uns, daß das genau die Ausdrücke sind, die Sosa benutzt hat. Immerhin gibt es heute Aufnahmegeräte und Rusconi kann sie bedienen. Die Antworten sind Pater Sosa zu einer eventuellen Revision zugeschickt worden und er hat alles bestätigt.

Sehr gut. So erfahren wir, daß für den Chef der Jesuiten die Vier Evangelien nicht ganz zuverlässig sind. Er hat da seine "dubia". Die Evangelisten könnten abgelenkt gewesen sein und außerdem  hatten sei kein Aufnahmegerät, also.....

Man muß sie also kontextualisieren. Was bedeutet das?
Russoni fragt; "Aber dann, wenn alle Worte Jesu geprüft werden müssen und in ihren historischen Kontext zurückgestellt, haben sie keinen absoluten Wert...."

Antwort von Sosa: "Im vorigen Jahrhundert gab es viele Studien die versucht haben genau zu verstehen, was Jesus sagen wollte [....] Das ist kein Relativismus sondern beweist, daß das Wort relativ ist, das Evangelium wurde von Menschen geschrieben, von der Kirche empfangen, die aus menschlichen Personen besteht."

Da ist die folgende Frage unausweichlich: "Und die Bestätigung ( Matth. 19, 3-6) "Der Mensch soll nicht trennen, was Gott vereint hat"  steht auch zur Diskussion?"

Sosas Antwort: " Ich wiederhole, was ich Papst Franziskus gesagt habe: man zweifelt nicht an, man unterwirft es der Beurteilung...:"

Was darauf hinausläuft-stellt Rusconi fest- man zweifelt an, weil Beurteilung Wertung ist, Wahl zwischen verschiedenen Optionen...die Pflicht einer einzigen Interpretation zu folgen, gibt es nicht mehr...."

Antwort: "Nein, die Pflicht besteht immer noch, aber es ist die Pflicht, dem Ergebnis der Beurteilung zu folgen. Das ist nicht irgendeine Bewertung...."

Widerspruch des Interviewers: "Aber die endgültige Entscheidung basiert auf dem relativen Urteil über verschiedene Hypothesen [...] man zweifelt also das Wort Jesu an..."

Antwort: "Nicht das Wort Jesu, aber das Wort Jesu, wie wir es interpretiert haben....die Differenzierung wählt nicht zwischen verschiedenen Hypothesen, sondern hört dem H. Geist zu, der -wie Jesus versprochen hat- uns hilft, die Zeichen der Gegenwart Gottes in der menschlichen Geschichte zu verstehen."




Das gesamte Interview kann man hier lesen:   klicken

Es werden zahlreiche Themen angesprochen. Wir interessieren uns hier für den Teil, der die Beurteilung  betrifft, Zentralwort in der Spiritualität aller Jesuiten, aber hyper-zentral für Pater Sosa. Weil-wie er erklärt- die Kirche eine Baustelle ist, offen für den, der differenzieren will und daß derjenige, der die Baustelle betritt, bereit sein muß zu differenzieren."

Das nehmen wir zur Kenntnis. Man könnte sich sogar-während wir darauf warten, daß der General der Gesellschaft vorschlägt, das "Ich glaube" (Credo) durch dieses "ich beurteile" zu ersetzen und die Definition der Kirche zu modifizieren oder zu vervollständigen ( nicht oder nicht mehr nur "Braut Christi" "unsere Mutter" und "Gemeinschaft der Heiligen" sondern auch "offene Baustelle") - sich auch bei zahlreichen Passagen des Evangeliums fragen.
Vor allem für die Praxis. Hat Jesus wirklich gesagt, daß uns die Schrift und die Tradition anvertraut wurden? 
In diesem Stadium- warum nicht bei allen Jesus zugeschriebenen Worte des Evangeliums den Indikativ durch den Konjunktiv ersetzen? Nicht mehr Jesus "sprach" sondern "Jesus soll gesagt haben" ,nicht mehr Jesus "antwortete" sondern Jesus "habe geantwortet".

Zum Beispiel- könnte diese Passage bei Marcus (10, 2-9) zur Unauflöslichkeit der Ehe  so aussehen:

"Die Pharisäer näherten sich ihm, um ihn auf die Probe zu stellen. Sie fragten ihn: "Ist es einem Ehemann erlaubt, seine Frau fortzuschicken ?"
Jesus soll geantwortet haben:"Was hat Moses euch vorgeschrieben?"  Sie sagten ihm "Moses hat es erlaubt.
Jesus soll geantwortet haben: "Das geschah wegen der Härte Eurer Herzen, daß er diese Regel formulierte. Aber am Anfang der Schöpfung  schuf Gott sie als Mann und Frau. Deshalb wird der Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen und beide werden ein Fleisch sein. So sind sie also nicht mehr zwei sondern ein einziges Fleisch.  Deshalb soll der Mensch, das was Gott vereint hat, nicht scheiden."
Als sie nach Hause zurück gekehrt waren, fragten ihn die Jünger erneut zu dieser Frage und er soll ihnen erklärt haben "Derjenige, der sein Frau verstößt und eine andere heiratet, wird ein Ehebrecher gegen sie. Eine Frau, die ihren Mann verstoßen hat, und einen anderen heiratet, wird zur Ehebrecherin."
Aber Pater Sosa. hat nachdem er zum General gewählt worden war, auch andere Interviews gegeben.
Wie das für die Monatszeitschrift "Jesus" vom Januar 2017 in dem er an einer bestimmten Stelle behauptet, daß "die Sünde nicht ist, eine Regel zu  brechen, sondern Sünde ist, nicht zu lieben, sich selbst mehr zu lieben als Gott und die anderen."

Wäre der Interviewer Rusconi gewesen, vermute ich, hätte der den Knochen nicht losgelassen sondern ihn gebeten das näher zu erklären : "zu sagen die Sünde ist, nicht zu lieben" ist das nicht zu allgemein? Und wie macht man das, sich einer Regel zu entledigen? Wenn man das tut, verfällt man dann nicht dem Relativismus und Selbstrechtfertigung? Und indem man diesem Weg folgt, endet man nicht damit, alles zu rechtfertigen?
Unglücklicherweise hatte es Pater Sosa es bei diesem zweiten Interview nicht mit der Bulldogge Rusconi zu tun, es gab also keinen Widerspruch. 
Aber es gibt einige interessante Passagen.

Da ist z.B. die Frage nach Franziskus, seinem Lehramt und seinen Kritikern, die ihn "auf eine systematische Art" zur Diskussion stellen- und der General stellt  fest: "Ja, es gibt Leute, die dieses Programm im Kopf haben und es umsetzen. Leute, die nicht einverstanden sind und sogar öffentlich sagen, daß der Papst sich täuscht. In diesem Fall muß man genau unterscheiden. Man muß eine andere Sache anerkennen, daß es in der Kirche Heiligkeit und Sünde gibt, es gibt Machtkämpfe,ganz wie in anderen Kontexten."

Man hätte gern erfahren, in welchen Sinn man hier unterscheiden muß. Was bedeutet es? Wie dem auch sei. es ist interessant festzustellen, daß Pater Sosa sofort anschließend über Machtkämpfe spricht, wie um zu präzisieren, daß diejenigen, die mit Papst Franziskus nicht ganz übereinstimmen, nicht von edlen Motiven bewegt werden, sondern nur durch Machthunger. 
Tatsächlich fügt er hinzu: "Man muß mit diesen Dingen rechnen und darf nicht naiv sein. DEr Papst ist es nicht.. er verhält sich bei alledem. wie es Jesus getan hat, der wußte, daß es Leute geben würde, die sich gegen ihn verschwören und es ihm ins Gesicht sagen."
Kurz nicht mal einen Augenblick lang hat Pater Sosa erwogen, daß die , die nicht auf der Wellenlänge der Lehre Franziskus´ sind, oder zumindest teilweise die Wahrheit, den Respekt vor der Doktrin , die Glaubenssicherheit verteidigt haben.
Nein der General der Jesuiten -der praktisch die Beurteilung praktiziert, denkt sofort an die Macht und an Komplotte. Vielleicht weil er Politische Wissecnschaften studiert hat und -wie er selbst erklärt. die Politik immer sein erstes Interesse gewesen ist? Möglich.

Aber im Interview mit "Jesus" gibt es noch andere interessante Punkte. Ich fasse sie zusammen.
1. "Die Kirche im Aufbruch" ist eine Kirche, die nicht an sich selbst denkt, sondern Christen und Nichtchristen, um die Welt zu verbessern."
Frage, die nicht gestellt wurde: was bedeutet begleiten? Wohin? Um wo anzukommen? Die Welt verbessern, wie?

2. Die Frage ist: "Sind Sie zur Zeit der Befreiungstheologie geformt worden? Wie lesen Sie sie jetzt neu?"
Antwort: "Ich lese sie nicht neu. Ich lese sie, Ich versuche sie zu machen. Das ist keine Episode, sondern eine Art Theologie zu betreiben, der wir heute noch folgen."

3. Die Frage betrifft Trump und das Anwachsen des rechten Populismus in Europa. Wie interpretieren Sie das?
Antwort: "Was ich am beunruhigendsten finde, ist die Personalisierung der politischen Führerschaft [...] Ich denke, daß das ein gefährlicher Rückschritt ist, weil man durch den Personalismus auf verdeckte Weise zu diktatorischen Regimes zurück kehrt, Unterdrückungsregimes, Diktaturen übergeht, in denen es wenig Platz für die Freiheit und die Bewegungen gibt. Für uns Jesuiten, für die Kirche ist es eine der größten Herausforderungen, zu wissen, wie man die Politisierung der Gesellschaft fördert."
Ich bin sicher, daß Rusconi, wenn er da gewesen wäre, die Entgegnung gekommen wäre, daß Trump von den Amerikanern gewählt wurde und nicht nach einem Staatsstreich ins Weiße Haus gekommen ist.

Und was soll man zu dem Argument sagen, nachdem für "die Jesuiten eine der größten Herausforderungen die Förderung der Politisierung der Gesellschaft ist"? Ich würde denken, daß eine der größten Herausforderungen für die Söhne des Hl. Ignatius wäre, sich zu nach der Art zu fragen, nach der Gott in der neuen Zeit handelt und wie man sie finden kann.
Wie es auch sei, Gott weiß warum- als ich die Erklärungen von Pater Sosa las, sind mir die Worte von Papst Pius XII wieder in den Sinn gekommen, der in seiner Enzyklika  "Humanis Generis" über falsche Ansichten, die drohen, die Fundamente der Katholischen Lehre zu bedrohen, als die "Größte Unvorsichtigkeit" definierte, die Ausdrücke die das Lehramt im Lauf der Zeit gefunden hat um die Wahrheit auszudrücken und sie durch mutmaßliche Äußerungen und fließende und vage Ausdrücke einer neuen Philosophie zu ersetzen, zu einer ephemeren Existenz gerufen, wie die Feldblume."

In dieser Enzyklika hat Pius XII auch vor der "absolut falschen Methode "derer gewarnt, die "das Helle durch das Dunkle erklären wollen" und er erklärt, daß für den Menschen manchmal "alles das, was er nicht wahr haben wollen, falsch oder zweifelhaft ist." 

Ich weiß nicht, warum mir diese Bemerkungen gerade jetzt in den Sinn kommen."  

Quelle: Aldo M. Valli, 









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