Samstag, 25. Februar 2017

Iesus non dixit? ....

Rino Camilleri kann sich in seinem Kommentar zu den Äußerungen des General-Oberen der SJ über das, was Jesus zur Scheidung sagte oder nicht sagte, die beißende Ironie nicht verkneifen.
Hier geht´s zum Original bei La Nuova Bussola Quotidiana:   klicken

      "IESUS NON DIXIT? DANN AUCH NAPOLEON UND MOHAMMED....."
"Wie bekannt ist, gab es zur Zeit Jesu keine Tonbandgeräte und deshalb werden wir nie wissen, was er wirklich gesagt hat. Aus dem selben Grund werden wir auch nicht wissen, ob Alexander der Große gelebt hat, oder ob Julius Caesar nur ein Sonnenmythos war. Es gab zu der Zeit auch noch keine Fotografie.

Und auch wenn es sie gegeben hätte, hätten die Juden sie nicht benutzen können, wegen des mosaischen Gesetzes, lebende Geschöpfe nicht abzubilden zu dürfen.
Nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Zeit waren Granatäpfel und Feigenblätter tote Gegenstände, so daß sie aus Gold im Tempel nachgebildet werden konnten. Heute dagegen wissen wir, daß auch Pflanzen leben.
Was haben wir im Grunde von Napoleon? Mündliche Zeugnisse und einige Ölgemälde und irgendeine nackte Statue.

Alles falsifizierbare Sachen. Der Koran? Zufällig hat Mohammed ihn nicht selbst geschrieben, sondern er wurde aus dem Gedächtnis -nach seinem Tod- von seinen Schülern zusammengesetzt.
Tatsächlich sind die Suren nach ihrer Länge angeordnet, um ihnen irgendeine Ordnung zu geben. Deshalb werden wir nie wissen, was der Prophet wirklich gesagt hat. Aber wer wird das den Muslimen sagen? Uns interessieren allerdings die Christen, besonders die Katholiken.

Das Oberhaupt der Jesuiten hat praktisch gesagt, daß der König nackt ist und wir werden nie wissen, wie wir ihn mit Genauigkeit bekleiden können.  Auch das Gesicht Jesu ist wahrscheinlich so, wie es uns die BBC vor einiger Zeit in einer "palästinensischen" Rekonstruktion gezeigt hat (Sie wissen, diese moderne Disziplin, die von einem Schädel ausgeht und ein wahrscheinlich sehr ähnliches Gesicht daraus macht), die einem Neanderthaler ähnelte.
Jesus hat unter Pontius Pilatus gelitten? boah....

Nicht einmal Josephus Flavius ist in diesem Punkt klar, so daß man von einer Interpolation sprechen kann. Auch-um jetzt alles zu sagen-haben wir keinen Beweis, daß Jesus am Kreuz gestorben ist. Ich will mich hinabstürzen: man weiß nicht einmal, ob er überhaupt gelebt hat. Es gab eben keine Tonbandgeräte und Fernsehkameras. Und außerdem: selbst wenn es sie gegeben hätte, was wäre bewiesen gewesen? Wie alle wissen, können Aufnahmen, Fotos und Bilder in aller Ruhe gefälscht werden können. Deshalb hat Umberto Eco Recht und vor ihm William von Ockham: wir haben den nackten Namen-sonst nichts.

Wenn Christus vermeiden wollte, daß wir unter den Ohrfeigen einer selbstauserwählten Kaste enden, ist er voll gescheitert. Armer Christus, er hätte etwas mehr differenzieren sollen. Er wollte sich nur der mündlichen Überlieferung anvertrauen?  Möge es ihm wohl bekommen. Ach was, der Heilige Geist wehte den Aposteln ins Gesicht damit sie sich präzise erinnerten (und niederschrieben).

Er hätte sie Wunder für Wunder mit einem diamantenen Aufnahmegerät ausstatten können, das die Jahrtausende herausfordern würde, hätte uns seine genauen Worte zur Ehe-Scheidung überbracht und uns so 2000 Jahre ermüdender "Einsicht"  ("discernimento")  erspart. Aber wer weiß, ob Jesus wirklich gelebt hat und nicht nur eine "späte Überarbeitung der Gemeinde" war. So spät, daß man heute noch darüber debattiert und debattiert. Die Kirche ist immer ein Leuchtfeuer gewesen, aber wenn das Leuchtfeuer zu einer ankerlosen Boje wird, wozu dient es dann? Gute Frage."

Quelle: Rino Camilleri, La Nuova Bussola Quotidiana


  

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