Sonntag, 5. Februar 2017

In diesen wirren Zeiten

begreift man, warum wir sein sollen, wie die Kinder,
Es gibt da ein evangelisches Lied, wo es heißt:

Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind, es will die Augen schließen und glauben blind!

Ja das ist es wohl, was haben wir diskutiert, was fanden wir sie so doof und blöd, diese einfachen, gläubigen Bauern und Arbeiterfrauen aus meiner Kindheit, die einfach blind geglaubt haben!
Die wussten doch nichts, kamen gar nicht mehr mit, nervten,
Theoretisch fanden wir die ja ganz klasse, Arbeiterklasse und so, aber in der Praxis, so im Konkreten eher weniger.



Ich weiß noch, wie mein Großvater, der ein solcher war, irgendwann einmal ausrastete, seine Hand auf die Zeitung mit den großen Buchstaben legte (was ihn ja, damals, in meinen Augen absolut disqualifizierte) und sagte:
"in dieser Schule da, da lernst du nur ich, ich, ich zu sagen, geh, setz dich an die Maschine (er meinte die Nähmaschine) und helf deiner Mutter und geh erst mal was schaffe!"
Fand ich unmöglich, weil ich ja irgendwelche wilden Thesen zur Rettung der gesamten Menschheit vorgetragen hatte und deshalb ob des "ich, ich, ich" mich schwer missverstanden fühlte und auch die Aufforderung zu popeliger Näharbeit erschien mir doch sehr, nun ja, unter meiner Würde zu sein,

Auf jeden Fall konnte, man mit ihm schlecht diskutieren, weil er einfach nicht mitkam, aber geglaubt hat er, fest, stur, einfach.
Später erst habe ich realisiert was für ein schwieriges Leben, mit vielen, schweren Schicksalsschlägen, er gehabt hatte, mag das nicht detailliert ausführen, man möge es mir glauben.

Manchmal, wie gesagt, wenn ich das Gefühl habe, im Widerstreit der Meinungen kein Land mehr zu sehen, und aktuell haben wir das in der Kirche, alles was man als sicher erachtete, scheint sich aufzulösen, man fühlt sich, wie ... (hier müsste nun ein treffendes Adjektiv hin, das ich aber nicht habe, weil alle Adjektive die mir so einfallen, die treffen nicht wirklich dieses Gefühl von veräppelt, missverstanden, verachtet, reingelegt, traurig, enttäuscht  und wütend, einfach das Gefühl, wie wenn man was rechnen will und es geht einfach nicht auf, weil wesentliche Teile der Aufgabenstellung fehlen und man fragt nach und es wird auf den unwesentlichen Teilen der Aufgabenstellung herumgeritten)
Man fühlt sich, wie wenn man Worte benutzt und denkt man weiß was die meinen, aber das Gegenüber benutzt die gleichen Worte, nur meint was anderes.
Barmherzigkeit ist so ein Wort.

Bislang dachte ich, dass es Verzeihen und Erbarmen in Fällen wo es eigentlich um Umverzeihliches geht, meint.
Mir scheint aber, dass das Wort meint, Dinge zu Verzeihen, die man gar nicht zu verzeihen braucht, weil sie ja gut sind und nur bedauernswerter Obskuratismus, da was dagegen hat.

Nun denn, hier auf diesem Blog wurde ausführlich über diese Dinge, die verstörend und verwirrend sind berichtet.
Aber, wie gesagt, in letzter Zeit denke ich oft an meine Großeltern R.I.P. die beide so einfach waren, dass sie bei den damaligen Diskussionen gar nicht mitkamen, aber eben geglaubt haben, auch und wenn, auch das sei hier nur hingeschrieben, nicht ausgeführt, sie dennoch auch mit der Kirche einiges an negativen Erfahrungen gemacht haben.

Aber es war ihnen nicht so wichtig, es ging ihnen um das Dahinter.
Vielleicht müssen wir das auch wieder lernen, rauskommen aus dieser verzweifelten Innerweltlichkeit, die uns alles so fasziniert und gleichzeitig so plagt.

Deshalb sei das oben erwähnte Lied hierher gestellt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen