Freitag, 10. Februar 2017

Nicht alles was alt ist, ist gut, aber es ist auch nicht alles schlecht, was alt ist

es gibt ja Leute, die haben ein ganz einfaches Weltbild, solange man nur fortschreitet, ist es gut und auf die Frage "Wohin?" gucken sie einen nur groß an.
Ab und an erfreue ich solche Leute mit dem alten Kalauer.
Gestern standen wir am Rande des Abgrundes, heute haben wir den entscheidenden Schritt vorwärts gemacht!
Nun gibt es auch die umgedrehte Fraktion, die von wegen "früher" war alles besser.
Es gibt diese Leute, seltsamerweise auch bei Leuten, wo man es nie denken würde, nur liegt bei denen das "früher, wo alles so gut war" sehr weit zurück.
Mein Lieblingsexemplar dieser Fraktion, präferiert die Steinzeit als eine Zeit, in der die Menschen klug und sozial miteinander umgegangen seien, in wundervoller Harmonie mit der Natur und sich selber gelebt hätten  usw.
Hier frage ich dann immer, warum man denn dann, einfach nicht so weiter gemacht habe, wie es doch so gut war.
Ich meine, wenn es doch so nett war mit der Jagd mithilfe von Speere, mit Feuersteinspitzen und dem Sammeln, warum nur hat man angefangen das Wild und die Pflanzen zu kultivieren? oder etwas zeitnaher, die Kirche und die Zeit vor dem Konzil.
Ich meine, wenn alles wirklich so fantastisch war, alle soooo zufrieden waren, alle glaubten mit aller Glut ihres Herzens, alle alles einsahen, von Herzen bejahten, auch und besonders die Moralvorschriften, das alles befolgten aus tiefer, innerer Überzeugung, freiwillig und gerne beteten usw,  warum, ja warum nur entwickelte das Konzil, das ja, soweit wie ich das begriffen habe, als eigentlich harmloses Bischofs- und Ordensoberentreffen, mit dem Zweck, sich ein wenig besser in einer sich verändert habenden  Welt aufzustellen, gedacht war, so eine Dynamik, schon während des Konzils, aber auch und erst recht danach?
Soweit die Vorrede


Gestern nun hatte ich ein Gespräch so über Gott und die Welt, die Lage von Kirche und Nation, halt so ein Rundumschlaggespräch und irgendwie kamen wir dabei auch auf Don Camillo und Peppone.
Ich hatte eine Stelle im Kopf, fand sie nicht online, kramte dann den Band aus dem Regal und suchte darin.
Es ging um die Stelle die unter dem Titel "Ländliche Philosophie" im allerersten Don Camillo Band aufgeschrieben ist.
Die Landarbeiter sind in den Streik getreten, es ist noch bittere Nachkriegszeit und Don Camillo stinkwütend, weil alles verkommt.
Don Camillo tobt sich bei Christus aus, der versucht ihn zu beruhigen, und dann kommt, der für mich faszinierendste und tröstlichste Abschnitt der ganzen Don Camillo Bücher.

"Sei nicht traurig Don Camillo" sagt Christus und erklärt, dass die Menschen die Gnade Gottes verachten und verderben lassen, weil - so sagte er - sie es nicht tun, um Gott zu beleidigen, sondern "Fieberhaft suchen sie nach der Gerechtigkeit auf Erden, weil sie an die göttliche Gerechtigkeit nicht mehr glauben, Fieberhaft jagen sie den Gütern der Erde nach, weil sie keinen Glauben mehr an die göttliche Belohnung besitzen."

Dann sagt Christus, am Beispiel der Flugzeuge, die seien die höllischen Engel dieser irdischen Hölle, die die Menschen mit viel Mühe in ein Paradies zu verwandeln sich mühten, weil es zuviel Wissen gäbe, das zur Unwissenheit führe, weil der Mensch nur noch die Zahlen und das, was man damit machen könne, sähe und vergäße, dass es doch Gott gewesen ist, der die ganze Mathematik erst geschaffen hat.
Aber so präzisiert es der Christus des Don Camillo, Gott besteht nicht aus Zahlen und im Himmel fliegen richtige Engel und dann sagt er, dass der Fortschritt, die Welt eigentlich immer kleiner machen würde. Und wer will das schon leugnen?
Und dann sagt er, dass eines Tages, wenn der Fortschritt sich ungemein entwickel hat, dem Menschen die Welt wirklich mikroskopisch klein vorkommt, "dann wird der Mensch sich fühlen wie ein Sperling auf der Spitze eines hohen Schiffsmastes, er wird sich über die Unendlichkeit neigen und in der Unendlichkeit wird er wieder Gott und den Glauben an das wahre Leben finden. Und die Maschinen, die die Welt zu einem Haufen Ziffern gemacht haben, wird er hassen und mit seinen eigenen Händen zerstören"
Und Guareschi wäre nicht Guareschi, wenn er nicht unser aller Problem mit einem solchen Statement, dass fast alle unterschreiben würden, aber genau, s.o, die logische Konsequenz  nicht ziehen wollen oder auch können, auf den Punkt gebracht hätte, indem er den Don Camillo, der begriffen hat, (im Gegensatz  zu denjenigen unter uns, die das nicht begreifen, um was es geht) erklärt, dass es noch lange dauert, und deshalb sowohl das Rennrad als auch das Motorrad des Don Camillo nicht in Gefahr seien

Nun hat sich doch der Kreis geschlossen.
Es ist einfach so, dass wir nicht zurück können in eine ideal gedachte Vergangenheit, weil die ja so wenig ideal war, dass man eben genau deshalb angefangen hat, die Dinge zu verändern.
Und der Weg führt aber nicht ins Paradies. sondern  immer wieder dahin, dass es das doch nicht ist.

Mir scheint aber dennoch, wir müssen diesen Weg solange gehen, bis die Menschheit als Ganzes, so ganz wie es möglich ist, sich in die Hände Gottes begibt und dahin kommt, nur von ihm alles Gute zu erwarten, es anzunehmen, sich nicht selber nehmen.
Hier hatte ich mir schon einmal Gedanken über den ganzen Komplex gemacht, sozusagen Guareschi, Papst Benedikt, und Romano Guardini zu dem Weg der Kirche

Und hier der ursprüngliche Beitrag aus The cathwalk

Und um auch den anderen Kreis zu schließen, man bedauert ja oft, dass der und der gute, katholische Schriftsteller schon lange tot ist, mit dem Satz "So einen bräuchten wir heute wieder!" aber bitte, es ist heutzutage kein Problem sich Bücher, auch und wenn sie nicht mehr verlegt werden, antiquarisch zu besorgen.
hier  oder hier oder hier
Und es tut gut, sich darin festzulesen und darin herumzulesen, man lernt dann auch, dass die eigenen, aktuellen Probleme so neu und ungewöhnlich nicht sind, man selber nur oft, einen genauso alten und unoriginellen Fehler macht, nämlich den Widerspruch zwischen Welt und Gott zugunsten der Welt und ihren Annehmlichkeiten auflösen zu wollen.

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