Samstag, 25. Februar 2017

"Wir müssen Jesus wörtlich nehmen"

Alexander Lucie-Smith nimmt im Catholic Herald zu Fr. Sosas zwar eindeutigen aber doch sehr befremdlichen Äußerungen über Jesu Worte Stellung. Wir haben gestern berichtet was Sandro Magister dazu zu sagen hatte ; hier
Und hier geht´s zum heutigen Original:  klicken

"SORRY FR. SOSA, ABER WIR MÜSSEN JESUS BEI DER EHE WÖRTLICH NEHMEN"
Die Kirche hat Christi Lehre zweitausend Jahre lang bedacht. Es gibt nur eine mögliche Schlußfolgerung.

Wenn Fr. Arturo Marcelino Sosa Abascal SJ, General-Superior der Jesuiten, spricht, hören die Leute zu. Er steht dem größten und auf gewisse Weise einflußreichsten  Orden der Kirche vor und soll- wie man sagt- dem Hl. Vater nahe stehen. Deshalb hat er in der laufenden Debatte über Ehe und Scheidung eine wichtige Stimme.

                           

Das ausführliche Interview aber, das Dr. Sosa gerade gegeben hat, ist ziemlich undurchsichtig.
Es ist klar, daß der Interviewer, der italienische Journalist Giuseppe Rusconi von dem, was der Jesuiten-General sagte völlig verblüfft ist.
Wenn wir uns in die Worte Fr. Sosas vertiefen, kommt etwas Beunruhigendes zutage.

Die Diskussion konzentriert sich auf die Worte Jesu "Was Gott zusammengefügt hat, soll kein Mensch trennen". Fr. Sosa kommentiert:" Man müßte viel darüber nachdenken, was Jesus wirklich gesagt hat. Zu der Zeit hatte niemand ein Tonbandgerät, um seine Wort aufzuzeichnen. Was wir wissen, ist daß die Worte Jesu kontextualisiert werden müssen, sie sind in einer Sprache, einer speziellen Umgebung zu jemandem Besonderen gesagt worden."

Fr. Sosa fährt fort: "Das Wort ist relativ, das Evangelium wurde von Menschen geschrieben, es wurde von der Kirche empfangen. die aus Menschen besteht.... So ist wahr, daß niemand das Wort Jesu verändern kann, aber man muß wissen, was es war."

Die Sprache ist vage. aber die Bedeutung scheint zu sein, daß wir Jesu Worte nicht einfach als Verbot der Scheidung lesen können.




Es lohnt sich, die gesamte Passage  zu untersuchen, weil der letzte Satz direkt auf Fr. Sosa zuzutreffen scheint.

"Da kamen Pharisäer auf ihn zu, um ihn auf die Probe zu stellen, und fragten: Ist es erlaubt, seine Frau aus jedem beliebigen Grund zu entlassen? Er antwortete; Habt ihr nicht gelesen, daß der Schöpfer sie von Anbeginn an las Mann und Frau geschaffen und gesagt hat: Deshalb wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen und die beiden werden ein Flesich sein?  Also sind sie nicht mehr zwei sondern ein Fleisch. Was Gott verbunden hat das soll der Mensch nicht trennen. Da sagten sie zu ihm: wozu hat dann Mose vorgeschrieben, einen Scheidebrief  auszustellen und sie zu entlassen?
Er antwortete ihnen: Wegen eurer Herzenshärte hat Mose euch erlaubt, eure Frauen zu entlassen. Ursprünglich aber war es nicht so, Ich aber sage euch; wer seine Frau entläßt- außer wegen Unzucht-und eine andere heiratet, begeht Ehebruch. Da sagten die Jünger zu ihm: Wenn die Sache des Mannes gegenüber der Frau so steht, dann ist es nicht gut zu heiraten. Er sagte zu ihnen: Nicht alle fassen dieses Wort, sondern nur die, denen es gegeben ist "

Fr. Sosa hat natürlich Recht zu sagen, daß wir über jeden Vers der Schrift nachdenken müssen. Das bestreitet niemand, Genau aus diesem Grund sind die Verse durch die Tradition der Kirche interpretiert worden, ausgedrückt durch das Lehramt-auf eine Weise, die für viele Jahrhunderte kohärent war. Die Lehre wird zB. in "Familiaris Consortio" des Hl. Johannes Pauls II gut formuliert.

Fr. Sosa lädt zur "Reflexion" "nicht über das Wort Jesu" sondern über "das Wort Jesu, wie wir es interpretiert haben, Differenzierung wählt nicht zwischen verschiedenen Hypothesen aus, sondern hört auf den Hl. Geist."

Gut, wir haben differenziert und haben wir jahrhundertelang getan. Man wundert sich, ob Fr. Sosas Aufforderung zur fortwährenden Differenzierung de facto der Aufruf ist, solange fortzufahren bis wir eine andere Antwort finden?

Fr. Sosa sagt, daß es in jener Zeit kein Tonbandgerät gab. Das ist wahrscheinlich ein Humor-Versuch. Aber wenn die Folge ist, daß wir nicht sicher sein können, daß diese Worte wirklich von Jesus gesagt wurden, ist diese Folge vollkommen falsch. Es war lange Zeit Konsens in der Kirche, daß diese Passage die ipsissima verba- die ureigensten Worte unseres Herrn waren. Dafür gibt es mehrere Gründe und es könnte lohnen-sogar in einem so kurzen Artikel wie diesem - sie auszusprechen.

Zuallererst: in dieser Passage sagt Jesus etwas sehr Ungewöhnliches. Er sagt etwas, das mit der Jüdischen Tradition bricht, und ausdrücklich Moses zurückweist, der -natürlich- Vorkehrungen für die Scheidung traf. Man würde von einem Juden des 1. Jahrhunderts nicht erwarten, das sagt und es widerspricht vielen Dingen, die Jesus sonst sagt, in denen er Seine Hochachtung für Moses und das Gesetz klarmacht.
Das bedeutet, daß daß die Passage nicht von Jesu Jüngern erfunden wurde. Es ist eine harte Aussage ( wie die Passage klar macht) und das so, daß niemand sie je erfinden würde. Es bedeutet die schockierende Abkehr von der Tradition: ergo-es steht nur m Evangelium, weil es von den Lippen des Herrn gekommen sein muß. Niemand hätte gewagt, so etwas zu erfinden, noch wäre es jemandem eingefallen, sich das vorzustellen.

Zweitens hat dies Passage Parallelen bei Markus und Lukas und stellen etwas dar, was wir "dreifache Tradition" nennen. Daß wir drei Zeugen für die Worte Jesu haben, steigert sicher die Wahrscheinlichkeit, daß es seine Worte sind, nicht Worte, die ihm in den Mund gelegt wurden.

Drittens- die Schriften des Hl. Paulus, die den Evangelien vorangingen und die "Katholischen Briefe" voranging, die ebenfalls vor die Evangelien datiert werden, widersprechen in keiner Weise Jesu Worten. Im Gegenteil- wie man herausfindet, wenn man alle Anwendungen des Wortes Ehe im Neuen Testament nachschlägt-wo sie eine nahtlose Kontinuität bilden.
Der Brief an die Hebräer wurde wahrscheinlich Mitte der Sechsziger Jahre des ersten Jahrhunderts
geschrieben. Zu der Zeit waren die Evangelien wohl noch nicht aufgeschrieben und die Worte Jesu existierten nur in mündlicher Form. Aber der Hebräerbrief- der sich perfekt an Jesu überlieferte Worte hält, sagt:

"Die  Ehe soll von allen geehrt werden und das Ehebett soll unbefleckt bleiben, weil Gott Unmoral und Ehebrecher verurteilen wird."

Und was ist mit dem Dekret des Konzils von Jerusalem legte in Acta 15 nieder:"man halte sich Fleisch fern, das den Götzen geopfert wurde, von Blut, vom Fleisch erwürgter Tiere und von gesetzeswidriger Ehe. Wenn man von diesem frei bleibt, tust du was richtig ist." ?

Gibt es irgendeinen Zweifel darüber, was "gesetzeswidrige Ehe" bedeutet, schaue man in den Ersten Brief an die Korinther (auch der wieder vor den Evangelien geschrieben). Der Hl. Paulus spricht über die verschieden Praktiken , die die Christen jetzt abgelegt haben, und im selben Kapitel zitiert er den
Textteil über das "zwei die ein Fleisch werden". Ich denke, daß das ein Zeichen dafür ist, daß  Paulus mit der Lehre Jesu bei Matthäus vertraut war.

Außerdem gibt es nirgends im Neuen Testament irgendein Anzeichenfür eine Ggegen-Tradition, das heißt irgendeinen Hinweis, dafür, daß es eine andere Weise gäbe, Jesu Worte zu interpretieren.

Ich vermute, daß wir Fr. Sosa dafür dankbar sein sollten, der uns erlaubt die traditionelle Lehre der Kirche wieder herzustellen, die ich -zufälligerweise- an einer Jesuiten-Universität in Rom gelhert wurde.
Uns wurde ziemlich schlicht erklärt, daß keine Macht im Himmel und auf Erden eine gültige und vollzogene Ehe aufzulösen. Diese Worte mit großem Nachdruck  ausgesprochen kamen aus dem Mund von Father Gianfranco Ghirlanda SJ, Florenz. Ich stelle fest, daß Fr- Ghirlanda immer noch in Rom lehrt. Ich hoffe, daß er sein Lied nicht geändert hat. Vielleicht sollten er und Fr. Sosa mal ein kleines Gespräch führen?"





Quelle: A. Lucie-Smith, 

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