Montag, 13. März 2017

Antonio Socci zum Kontext einer Papstwahl

Zum vierten Jahrestag der Wahl von Papst Franziskus hat A. Socci für die Tageszeitung "Libero" den derzeitigen Stand des verbalen Schlagabtausches von Vertretern der (bisher noch) Theorie, Papst Benedikt sei durch Druck einer Verschwörung zum Rücktritt bewegt worden mit den erbitterten Leugnern aus dem Bergoglio-Lager zusammen gefaßt- vor dem Hintergrund einer angestrebten globalen Neuen Weltordnung. Eine Gemengelage die bisher untentwirrbar mit der Wahl Bergoglios auf die Cathedra Petri verbunden ist.
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"SOCCI UND DAS ANTIRATZINGER-KOMPLOTT:  DIE URHEBER WERDEN IN DEN USA GESUCHT"

Der "Krimi" um den "rätselhaften Rücktritt" Benedikts XVI hat mit der Zeit hat sich ins Gigantische gesteigert.
Das bestätigt das Aufsehen, das im internet das explosive Interview mit dem Erzbischof von Ferrara Msgr. Luigi Negri  ausgelöst hat.

Seine Worte über den "enormen Druck" dem der Papst ausgesetzt war- bis zu seinem Amtsverzicht haben jenseits des Ozeans ein solches Interesse ausgelöst,daß es vielfach wiederholt, kommentiert und auf der berühmten website Breitbart wiedergegeben wurde, die Steve Bannon und dem neuen Präsidenten Trump nahe steht.

Aber was hat der Erzbischof genau gesagt? Kurz vor seiner Pensionierung , zeichnet Msgr. Negri in der online-Zeitschrift "Riminiduepuntozero" ein Bild von der Situation der Kirche. Er erinnert an seine tiefe Freundschaft mit Joseph Ratzinger und- nach verschiedenen Überlegungen- hat er zum Amtsverzicht Papa Benedettos wörtlich erklärt "Es war eine  beispiellose Geste. Bei den letzten Begegnungen habe ich ihn physisch zerbrechlich aber äußerst klar im Denken gefunden. Ich weiß- glücklicherweise- nicht viel über die Tatsachen in der Römischen Kurie, aber ich bin sicher, daß eines Tages die schwere Verantwortung innerhalb und außerhalb des Vaticans sichtbar wird."

Benedikt war enormem Druck ausgesetzt. Es ist kein Zufall, daß in Amerika -auch auf der Basis dessen, was von Wikileaks veröffentlicht wurde, einige katholische Gruppen Präsident Trump gebeten haben, eine Kommission einzurichten, die untersuchen soll, ob die Obama-Administration Druck auf Benedetto ausgeübt hat. Das bliebt bis heute ein sehr ernstes Geheimnis, aber ich bin sicher, daß die Verantwortlichkeiten ans Licht kommen werden."

Sofort erschien ein von Andrea Tornielli von La Stampa -und Koordinator der website Vatican Insider, die Giuseppe Rusconi als  eine der "von Santa Marta was das Durchsickern von delikaten Informationen in schnellen Zeiten angeht, am meisten privilegierten Seiten"  unterschriebener Tadel.
Tornielli hat- mit dem ernsten Ton den man in der Regel gegenüber einer kirchlichen Autoritätsperson  annimmt- den Erzbischof für seine Erklärungen gezüchtigt und ihn den angenommenen "Verschwörern" zur Seite gestellt, die besonders in diesem Druck sehen, der den Rücktritt ungültig machen würde. Und das ist, was es vielen erlaubt,"Ratzinger noch als den wahren Papst zu sehen, auch wenn Erzbischof Ferrara im zitierten Interview, nicht zu diesen Konsequenzen kommt."





Tornielli dagegen greift dann auch Benedikt XVI an: "Die Frage bezüglich einiger persönlicher nie kodifizierter Entscheidungen Benedikts XVI wie z.B. den weißen Habit und den Papstnamen zu behalten wie auch die Figur des Emeritus - sind offen geblieben und haben ungewollt die Theorie der beiden Päpste genährt, die dann dann zu der Theorie vom Papst, der zum Rücktritt erpresst wurde, degenerierte."

Die rätselhaften Entscheidungen von Benedikt XVI- die in der Tat als Ganzes in der Kirchengeschichte beispiellos sind, erzeugen bei dem Journalisten (Tornielli) nicht die Neugier, das Motiv herauszufinden, sondern provozieren in ihm nur Enttäuschung. (Wahrscheinlich auch beim Hof Bergoglios).

Tornielli schreibt dann, daß der "Phanta-thriller" im Gleichschritt mit gewissen noch schwerwiegenderen Sprüchen geht, den Theorien vom "geteilten Papsttum" und zum "Papstamt". . Theorien, die in den letzten Jahren neue Anhänger gefunden haben."

Er bezieht sich- ohne ihn zu nennen, auf Benedikts XVI Sekretär, Msgr. Georg Gänswein" und den Präfekten des ehemaligen Sant´Uffizio, Kardinal Müller, der seine These von "zwei lebenden legitiminen Päpsten"  wieder aufgenommen hat.
Auch in diesem Fall urteilt Tornielli, anstatt diese Erklärungen für journalistisch interessant zu halten, über sie "als schwerwiegend", als sei er Chef des Sant´Uffizio und er vermeidet es, sich zu fragen, warum zwei Personen, die Benedikt XVI so nahe stehen- und das in sehr wichtigen Rollen- angedeutet haben, daß Benedikt noch im petrinischen  Amt ist.
Das findet man auch in den Worten bestätigt, die Benedikt XVI bei seiner letzten Audienz am 27. Februar 2013 über das Petrus-Amt sprach. "Das "Immer"  ist auch ein "für immer" , es gibt keine Rückkehr ins Private. Mein Entschluss, auf die aktive Ausübung des Amtes zu verzichten, widerspricht dem nicht."

Benedikt XVI hat nicht vom "Verzicht auf das Papsttum" gesprochen sondern vom Verzicht "auf die aktive Ausübung des Amtes". 
Ein braver Journalist, der diese Worte zur Entscheidung Benedikts, den Titel Papst beizubehalten neben die "schwerwiegenden Erklärungen von Persönlichkeiten, die Benedikt XVI so nahe stehen stellt, würde besser verstehen, daß eben dieser emeritierte Papst öffentlich die Spontaneität seines "Verzichts" bestätigt hat.
Auf alle Fälle sind zwei weitere wichtige Namensträger aus der Entourage Bergoglios gegen Msgr. Negri in den Ring gestiegen: Pater Federico Lombardi (früherer Pressesprecher des Papstes) und Luis Badilla (Direktor der website "Il Sismografo").

Dagegen hat Ettore Gotti Tedeschi, den Benedikt XVI so sehr schätzte, daß er ihn berief, das IOR zu leiten, in einem Interview mit "Intelligonews" Msgr. Negri verteidigt und eine eigene interessante Analyse angefügt "Das  Komplott scheint nur deshalb ein amerikanisches zu sein. weil sie (die USA) die neue Weltordnung anführen. Sehen Sie, das Komplott, wenn wir es so nennen können, zielte darauf ab, zu versuchen einige Probleme, die das Scheitern der berühmten, gnostische-neomalthusianisch-und ökologistischen Neuen Weltordnung in den 70-er Jahren hervorgerufen hatte, zu lösen.

Dieses Projekt der Neuen Ordnung, das- erklärtermaßen- u.a. dazu gedacht war, die dogmatischen religiösen Konfessionen zu relativieren und klar erkennbar zeigte, den Katholischen Glauben als Feind bekämpfen zu wollen. Auch höchste Repräsentanten von UNO und WHO erklärten öffentlich, daß die Christliche Ethik nicht mehr anzuwenden sei und daß ein religiöser Synkretismus anzustreben sei, um (auch Dank der EInwanderungsprozesse) eine neue universale Religion zu schaffen.

Auch der Präsident der USA, Obama, erklärte 2009 persönlich, daß man, zugunsten des psycho-biologisch-sozialen Wohles den Weg für Abtreibung ohne jede Einschränkung, Euthanasie durch Beschränkung der Therapie und Verbot der Gewissensentscheidung freigeben müsse
Also-schließt Gotti Tedesco- "ist es nicht schwer zu verstehen, daß in diesem Kontext der Aversion gegen den Katholischen Glauben, der Papst, die höchste moralische Autorität der Welt , Gegenstand der Aufmerksamkeit wurde, im Hinblick auf seine Verfügbarkeit mehr oder weniger "die Bedürfnisse der globalen Welt " verstehen zu wollen.

Jetzt aber bestand Papst Benedikt XVI dagegen darauf, dem anthropologischen Problem nach der katholischen Vision (also mit dem Menschen als Geschöpf des Schöpfergottes) zu begegnen, er bekämpfte den Relativismus und stellte Gott ins Zentrum der kulturellen Debatte, beseitigte darüber hinaus die Kluft zwischen Glauben und Vernunft, und betonte die Notwendigkeit zur Evangelisierung zurück zu kehren und erklärte das Scheitern der westlichen Zivilisation mit der Ablehnung des Katholizismus  etc.. 
Warum sollte man sich wundern, fragt sich der katholische Bankier, daß ein solcher restauratorischer Papst nicht als "aus dem Spiel" betrachtet werden müsse.

Quelle: Il Libero, Antonio Socci


   

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