Mittwoch, 22. März 2017

Bibel für alle, besonders die Kirchenführer, oder so.

Ich versteh eigentlich nicht, wie sich jemand bekehren kann, indem er die Bibel liest, zu wenig erschließt sie sich beim reinen Lesen, so scheint mir.
Manche Bilder hat man sein Leben lang präsent, dann schlägt man die Schrift auf, liest das erste mal den Zusammenhang und ist nur noch geschockt.
Ein Beispiel ist der König David, der mir aus Kinderbibelzeiten als der liebe, nette, mutige, ehrliche, gute in Erinnerung war.
Irgendwann habe ich im Buch der Könige und der Chronik nachgelesen, mei, mei kann ich da nur sagen.
Es widerstrebt mir ja meinen Lesern schlechte Geschichten zuzumuten, aber David ist schon eine Nummer für sich, auch und wenn er oft in der Zwickmühle war.
Und jetzt sind wir beim Problem.
Irgendwo haben ich mal über genau dieses  Problem gelesen,. welches  schon den Kirchenvätern bekannt war, und in der Scholastik zu erbitterten Diskussionen geführt hat, wobei die Beteiligten nicht wirklich wussten, wie  man das zusammenbringen soll den guten, absoluten und absolut guten Gott und manche  Geschichten aus dem AT.
Der Autor nannte das was die Kirchenväter da veranstalteten "umständliche Reinwaschungsbemühungen"
Mir selber ist, und nun wird es aber auch schwierig, weil wer bin ich schon, der die Kirchenväter korrigieren will? aber dennoch mir ist ein anderer Ansatz lieber, nämlich:
Ich gehe einfach davon aus, dass die Gestalten des AT genauso Idioten waren, wie die Gestalten aus dem NT ff, also wir, und weder besser noch schlechter als wir, auch und wenn sie in anderen Zeiten lebten.



Gott nun offenbart sich dem Mose unter dem Namen. Ich bin der ich der ich bin da bin.
Er offenbart sich nicht primär über Eigenschaften, sondern über das da sein, nicht über das machen, sondern über sein da sein.
Romano Guardini sagt in "Der Herr" dass Gott mit allen Müttern fühlt denen der einzige Sohn jung gestorben ist, aber den Sohn der Witwe von Naim auferweckt, nicht weil sie irgendwie besser war, als andere, sondern an ihr zu zeigen, wie Gott mit allen ist.

Guardini sagt das so:

Es gibt eine seltsame Antwort auf die Frage, wie denn das Menschendasein eigentlich aussehe: Im unendlichen Weltraum fliege ein winziges Körperchen herum, Erde genannt. Darauf liege ein dünner Schimmelüberzug, den nenne man Landschaft, Leben, Kultur; und winzige Wesen, mit Namen Menschen, haben da ihr Dasein. Das Ganze dauere einen kurzen Augenblick, dann sei alles aus. Schopenhauer hat Recht. Vom Weltganzen her sehen die Dinge tatsächlich so aus, und es ist zuweilen schwer, sich des Gefühles zu erwehren, jede andere Meinung sei Illusion. Nun, hier, in Ereignissen wie den berichteten, wandelt sich das Bild. Es wird deutlich, daß für Gott jene winzigen Wesen auf dem im Unermeßbaren verlorenen Sandkorn wichtiger sind als Weltenräume und Milchstraßen, und die kurze Zeit, während welcher das Leben auf der Erde währt, wichtiger als alle Jahr-Unendlichkeiten, mit denen die Astronomie rechnet. Die paar Jahre eines Menschenlebens, die zehn Jahre Verlassenheit, die die Witwe vielleicht noch vor sich hat, wiegen vor Gott schwerer als alle Zeit, die Sonnensysteme brauchen, um sich aufzubauen und zu zerfallen. Nie würde Gott, damit der Sirius oder der Andromeda-Nebel heil blieben, ein Menschenherz opfern...

Darin offenbart sich die Welt, wie sie von Gott her aussieht; von Innen, vom Menschenherzen und seinem Schicksal her.
Und es offenbart sich, wer Gott ist: Jener, dem das Menschenschicksal Solches bedeutet. Es ist nicht der Gott des Weltsystems, der astronomische Gott. Auch das, gewiß; aber das bildet nur erst den Thron seiner Herrlichkeit.


und singt dann  ausführlich das Lob Gottes und besingt die Liebe Gottes zu den Menschen mit großen, schönen, hehren Worten um dann doch festzustellen: Ja aber? das schreibt er so:


Aber was soll das, wenn doch die Welt ihren alten Gang weitergeht? Überall sterben Kinder; überall weinen Mütter und ängstigen sich Väter. Überall sind Schwestern verlassen. Überall wird Menschenleben abgerissen und bleibt unerfüllt – was soll da dieses angebliche Weltbild von Gott her?
Es soll unseren Glauben stärken. Uns sagen, wie es eigentlich mit der Welt steht – nur daß wir es nicht sehen, sondern auf Christi Wort hin glauben müssen. Auf jeden von uns blickt Gott so, wie auf die Frau hinter der Bahre. Jeder von uns soll überzeugt sein, daß Gott sein Dasein für wichtiger ansieht als Sirius und Milchstraße. Herz und Schicksal eines jeden von uns ist von Gott her der Mittelpunkt der Welt.


Gott ist also nicht der, der irgendwie dafür sorgt,. dass es den Guten immer gut geht, den Schlechten immer schlecht, er ist auch nicht der, der den Seinen irgendwas erspart, auch nicht die Sünde, aber er ist der, der da ist, der. der überall mit hin geht, und da wo es gar nicht mehr weiter geht, weil sich alles in der Ablehnung Gottes und dem rein Innerweltlichen, den Kompromissen dem das Gute sehen und es gut heißen, dem Schlechten aber folgen, dem Verdrehen und Tricksen sich alles so verknoddelt hat, dass es keinen Ausweg mehr gibt, da ist er dann auch da, am Kreuz.

Sorum gesehen sind die Geschichten aus der Bibel und aus der Kirchengeschichte, die einem so als frommen Menschen schon gewaltig gegen den Strich gehen, ungemein tröstlich, weil; Hat Gott die nicht verworfen, wird er auch mich nicht verwerfen, weil "weil er sich an mich hängt will ich ihn erretten!" wie es im Psalm 91 hießt, nicht weil er so gut und fromm ist, nein weil er sich an mich hängt!

Ich liebe Guardini, weil er so eine Art hat, hinter die Dinge zu blicken, und ehrlich zu sich selber gewesen ist, und sich auch betreffs des Zustandes der Welt und der Kirche nie irgendwelchen Illusionen hingegeben hat.

Und was gerade ein gewisser Josef Ratzinger immer wieder erzählt, auch in seinem letzten Buch, kommt diese Episode vor, als sein Pfarrer zusammen mit dem evangelischen Nachbarpfarrer die Gelegenheit hatte mit Romano Guradini zu sprechen auch über den Glauben und der gesagt hatte:

Eines Tages kam Romano Guardini zu einem Vortrag, und die bei den Pfarrer konnten mit ihm reden. Ich weiß nicht, wie das Gespräch verlaufen ist, aber Blumschein hat mir dann ganz entgeistert erzählt, Guardini hätte gesagt, es wird, wenn man älter wird, nicht leichter mit dem Glauben, sondern schwerer

Ja so ist es.

Wenn ich mir dagegen dieses Humtata Reden unserer Bischöfe anhöre, ihr nerviger Optimismus dieses immer frohe, immer gut drauf, immer erlöst, alles easy, alles lösbar und wer leidet, ist selber schuld, heutzutage, da kann man doch was machen, da muss man doch was machen, und es kann überhaupt nicht sein, auch mal die Suppe auszulöffeln die man sich eingebrockt hat. Und Christus, der ist doch so gut drauf, der will doch dass auch alle anderen gut drauf sind, wir einfach zusammen ne gute, nette Dauerparty machen und eins das will der Jesus nicht, dass einer einen auf Spaßbremse macht und darauf hinweist, dass alles in der Welt Folgen hat.......
dann frage ich mich schon, was die für ein Gottesbild haben und denke mir, die machen einen ganz dummen Denkfehler.
Weil wenn man so in der Bibel herumliest, findet sich wenig darüber, dass Gott der gute Gott ist, das muss erschlossen werden ergibt sich aus langer Reflexion und vielem Beten durch die Jahrtausende.

Es steht schon drin, aber nicht so wie man meint, siehe die Differenzen zwischen Kinderbibel und Bibel. Es ergibt sich also aus jahrtausendelanger Reflexion dass Gott gut ist, und es gut mit uns meint.
Nun kommen diese superschlauen daher und machen es sich einfach:

Sie sagen: "Nun Gott ist gut, deshalb muss er ja für das sein was gut ist, und was gut ist, das sagt uns unser Bauchgefühl" man dreht es also um.

Anstatt sich herumzuquälen mit der Realität und den Widersprüchen, der Schrift und der Kirche, sich zu mühen im Gebet, sich einzulassen auf diesen Gott der so nah und so fremd ist, anstatt das zu machen macht man sich selber und seine aktuellen Befindlichkeiten zum Maß aller Dinge und kommt sich dabei auch noch sehr gottwohlgefällig vor.....

Und jetzt sind wir da wo ich eigentlich ganz am Anfang hinwollte, beim Evangelium von heute, selbiges lautet:

Glaubet nicht,23 dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen,24 sie aufzuheben, sondern zu erfüllen. 25
18. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht ein Strichlein oder ein Punkt vom Gesetze vergehen, bis alles geschieht!26 [Lk 16,17]
19. Wer also etwa eines von diesen mindesten Geboten aufhebt und die Menschen so lehrt, wird der Mindeste genannt werden im Himmelreiche;27 wer sie aber hält und lehrt, der wird ein Großer genannt werden im Himmelreiche.28 [Jak 2,10]


steht übrigens direkt nach der Bergpredigt, dass ist die Perikope die immer her halten muss, wenn man mal wieder meint Leute die was von Geboten brummen, in den Senkel stellen zu müssen.

Wie gesagt ich halte wenig von dem Erreichen innerer Haltungen durch äußerlichen, sanften oder nicht sanften Zwang, alles was nicht aus der Freiheit des Herzens kommt, das taugt nichts, aber manchmal denke ich, ob man unseren Hirten nicht einmal eine Bibel schenken sollte, weil zu haben scheinen viele ja keine!









Kommentare:

  1. Die Art und Weise, wie ich auf etwas hinweise:
    auf Spaßbremse macht und darauf hinweißt,

    ... Doch bestimmt haben die Herren eine Bibel, und die nehmen sie auch regelmäßig in die Hand ... beim Abstauben ... wenn sie das denn selbst tun.

    Bless you!!!

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    1. Den Rechtschreibfehler habe ich korrigiert, danke dafür.

      Sagen wir mal so, wenn die Herren wenigstens ab und an beim Abstauben die Bibel in die Hand nähmen, bestünde noch etwas Hoffnung.
      Aber ich vermute die lassen abstauben und nutzen die dadurch gewonnene Zeit noch nicht einmal zum Beten!

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