Donnerstag, 2. März 2017

die heutigen Messtexte haben es in sich!

Die heutige Lesung und auch das Evangelium haben es in sich, inbesondere die Verheißung aus der Lesung ist so richtig, richtig politisch inkorrekt, deshalb sei er hier, im Zusammenhang, hergestellt.

 der Herr, dein Gott wird dir Überfluss geben in allem, was deine Hände tun, an Frucht deines Leibes, an Frucht von deinem Vieh, an Fruchtbarkeit deines Landes, und an Ergiebigkeit aller Dinge; denn der Herr wird wiederum an dir Freude haben über alles Gute,5 wie er an deinen Vätern Freude gehabt hat; 
10. jedoch nur,6 wenn du der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorsam bist und seine Gebote und Vorschriften hältst, die in diesem Gesetze geschrieben sind, und zu dem Herrn, deinem Gott, aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele zurückkehrst. 
11. Dieses Gebot, das ich dir heute gebe, ist nicht hoch über dir,7 oder fern von dir, 
12. oder im Himmel befindlich, dass du sagen könntest: Wer von uns vermag zum Himmel aufzusteigen, um es zu uns herabzubringen, dass wir es hören und in der Tat erfüllen? 
13. Auch ist es nicht jenseits des Meeres niedergelegt, dass du vorwenden und sagen könntest: Wer von uns wird über das Meer fahren können und es zu uns herüberholen; dass wir hören und tun können, was es gebietet? 
14. sondern das Wort ist ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tuest. 
15. Bedenke, dass ich dir heute Leben und Glück, und anderseits Tod und Unglück vor Augen gestellt habe, 
16. dass du den Herrn, deinen Gott, liebest, und in seinen Wegen wandelst, und seine Gebote und Vorschriften und Rechte beobachtest, und lebest, und er dich mehre und dich segne in dem Lande, in das du ziehest, es in Besitz zu nehmen. 
17. Wenn sich aber dein Herz abwendet, und du nicht gehorchen willst, und dich verführen lässest, fremde Götter anzubeten und ihnen zu dienen, 
18. so tue ich dir heute kund, dass du zu Grunde gehen8 und nicht lange im Lande wohnen wirst, in das du über den Jordan hinüberziehst, es in Besitz zu nehmen. 
19. Himmel und Erde rufe ich heute zu Zeugen an, dass ich euch Leben und Tod, Segen und Fluch, vorgelegt habe. So wähle denn das Leben, damit du lebest, und auch deine Nachkommen; 
20. und du den Herrn, deinen Gott, liebest, und seiner Stimme gehorchest, und ihm anhangest (denn er ist9 dein Leben und die Länge deiner Tage,10) dass du in dem Lande wohnest, welches der Herr deinen Vätern, Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat. 




Überfluß an der Frucht des Leibes, sprich, viele, viele Kinder, das wäre heutzutage doch eher ein Fluch, denn ein Segen, wenn ich mir die letzten Jahrzehnte Revue passieren lasse.
Man halte mich hier bitte nicht für naiv ich seh auch, dass es nicht gerade wünschenswert wäre, wenn die ganze Welt so dicht besiedelt wäre, und den gleichen Lebensstandart hätte, wie die westlichen Industrienationen, dennoch steht es so in der Schrift, viele, viele Kinder sind ein Segen Gottes!

Steht die Lesung mit ihrer Definition von Segen und Fluch schon quer von dem, was wir so meinen, so wird es beim Evangelium nicht besser,
dieses lautet:

denn, sprach er, der Menschensohn muss vieles leiden, von den Ältesten, Hohenpriestern und Schriftgelehrten verworfen und getötet werden, und am dritten Tage auferstehen. [Mt 16,21, Mk 8,31, Mk 9,30]
23. Zu allen aber17 sagte er. Will18 mir jemand nachfolgen, so verleugne er sich selbst,19 nehme täglich20sein Kreuz auf sich, und folge mir.21 [Mt 10,38, Mt 16,24, Mk 8,34, Lk 14,27]
24. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; aber wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es retten.22 [Lk 17,33, Joh 12,25]
25. Denn was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, sich selbst aber verliert und an sich Schaden leidet?23


Täglich sein Kreuz auf sich nehmen, ach geh! das geht doch nicht, da kann man heutzutage doch was dagegen machen, gegen die Kreuze, wie es schon Nietzsche vorhersagt in seiner Betrachtung des letzten Menschen:

"Als Zarathustra diese Worte gesprochen hatte, sahe er wieder das Volk an und schwieg. »Da stehen sie«, sprach er zu seinem Herzen, »da lachen sie: sie verstehen mich nicht, ich bin nicht der Mund für diese Ohren.
Muss man ihnen erst die Ohren zerschlagen, dass sie lernen, mit den Augen hören. Muss man rasseln gleich Pauken und Busspredigern? Oder glauben sie nur dem Stammelnden?
Sie haben etwas, worauf sie stolz sind. Wie nennen sie es doch, was sie stolz macht? Bildung nennen sie's, es zeichnet sie aus vor den Ziegenhirten.
Drum hören sie ungern von sich das Wort »Verachtung«. So will ich denn zu ihrem Stolze reden.
So will ich ihnen vom Verächtlichsten sprechen: das aber ist der letzte Mensch.«
Und also sprach Zarathustra zum Volke:
Es ist an der Zeit, dass der Mensch sich sein Ziel stecke. Es ist an der Zeit, dass der Mensch den Keim seiner höchsten Hoffnung pflanze.
Noch ist sein Boden dazu reich genug. Aber dieser Boden wird einst arm und zahm sein, und kein hoher Baum wird mehr aus ihm wachsen können.
Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht mehr den Pfeil seiner Sehnsucht über den Menschen hinaus wirft, und die Sehne seines Bogens verlernt hat, zu schwirren!
Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.
Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch keinen Stern mehr gebären wird. Wehe! Es kommt die Zeit des verächtlichsten Menschen, der sich selber nicht mehr verachten kann.
Seht! Ich zeige euch den letzten Menschen.
»Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern« – so fragt der letzte Mensch und blinzelt.
Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der Alles klein macht. Sein Geschlecht ist unaustilgbar, wie der Erdfloh; der letzte Mensch lebt am längsten.
»Wir haben das Glück erfunden« – sagen die letzten Menschen und blinzeln.
Sie haben den Gegenden verlassen, wo es hart war zu leben: denn man braucht Wärme. Man liebt noch den Nachbar und reibt sich an ihm: denn man braucht Wärme.
Krankwerden und Misstrauen-haben gilt ihnen sündhaft: man geht achtsam einher. Ein Thor, der noch über Steine oder Menschen stolpert!
Ein wenig Gift ab und zu: das macht angenehme Träume. Und viel Gift zuletzt, zu einem angenehmen Sterben.
Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unterhaltung. Aber man sorgt dass die Unterhaltung nicht angreife.
Kein Hirt und Eine Heerde! Jeder will das Gleiche, Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in's Irrenhaus.
»Ehemals war alle Welt irre« – sagen die Feinsten und blinzeln.
Man ist klug und weiss Alles, was geschehn ist: so hat man kein Ende zu spotten. Man zankt sich noch, aber man versöhnt sich bald – sonst verdirbt es den Magen.
Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit.
»Wir haben das Glück erfunden« – sagen die letzten Menschen und blinzeln – 

(aus: Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra, Zarathustras Vorrede, 5. Kapitel)

ja wahrhaftig was nützt es einem Menschen wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber Schaden nimmt an sich selber? Ja was nützt es?







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