Mittwoch, 22. März 2017

Die Neo-Papisten kennen bei Dissens mit dem Pontifex & der "neuen" Kirche kein Pardon

Riccardo Cascioli berichtet in seinem heutigen Leitartikel für La Nuova Bussola Quotidiana anhand einiger Vorkommnisse in Italien über die aktuelle Stimmung in der Kirche.
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  "BELEIDIGUNGEN GEGEN KARDINÄLE UND DIE "NEUE KIRCHE DES VOLKES"

"Die Luft in der Kirche wird immer dünner, wer auch immer wagt, auch nur Verwunderung über einige Äußerungen von Papst Franziskus zu äußern oder nur an die Glaubenswahrheit, die die Kirche immer verkündet hat, zu erinnern, endet im Fadenkreuz der neuen Jakobiner. Der Letzte in der Reihe, der die Kosten für dieses Klima tragen mußte, war der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard L. Müller, der an diesem Abend in Triest sein wird, um an einer Begegnung im Rahmen einer Inititative der Kathedrale des Hl. Giusto teilzunehmen.

Seiner Ankunft ging ein Protestbrief von der üblichen Gruppe von Katho-Kommunisten voraus, den hat die örtliche (Laien)-Tageszeitung Il Piccolo übernommen: "Unterschriften-Sammlung gegen den Anti-Bergoglio-Kardinal" titelte die Zeitung.
Nutzlos daran zu erinnern, daß Kardinal Müller sich nie gegen den Papst gewandt hat,  aber jetzt genügt es, die Zentralität der Lehre für die Erscheinung der Kirche zu bekräftigen, um die Hexenjagd zu eröffnen.
Und wenn man das nicht offen sagen kann, benutzt man als Vorwand die Pädophilie-Frage: in diesem Fall ist Müller zum Sündenbock für den  geräuschvollen Rücktritt eines Opfers sexuellen Mißbrauchs aus der Kommission gemacht worden, die ad hoc vom Papst eingesetzt wurde (und man sollte über den Gebrauch den man von einem Drama wie der Pädophilie macht, nachdenken, um die Rechnung mit einem Bischof zu begleichen, der nicht mit dem aktuellen Pontifikat übereinstimmt.)

Der Fall von Triest jedoch ist schwerwiegend und würde eine entschiedene Reaktion der Sala Stampa des Hl. Stuhls verdient haben, aber aus irgendeinem Grund würden wir auf Schweigen wetten.
Vielleicht weil wir letztlich einem Beispiel für fortgesetzte und ungestrafte peinliche Äußerungen gegen die Kardinäle beiwohnen, die die dubia unterschrieben haben und auch von Personen, die dem Papst nahe stehen.
Das ist der Fall, den der Vaticanist Sandro Magister vor einigen Tagen präsentiert hat, in dem einige Auszüge aus Statements von Bischof Bruno Forte und des Kirchenhistorikers Alberto Melloni am vergangenen 9. März in Rom anläßlich einer Konferenz gemacht hat, wiedergegeben werden.
Wenn Forte bei den "Säern von Zweifeln" die "Unsicherheiten und Spaltungen unter Katholiken und nicht nur" verursachen sieht, hat Melloni Spott über die Kardinäle ausgeschüttet als "vier Kirschen, die sich für  den Kirschbaum halten".
             
Am 25. Februar gab es dagegen einen schwerwiegenden Angriff von Don Vinicio Albanese, Gründer der Gemeinschaft von Capodarco, der mit seiner Gemeinschaft vom Papst in Audienz empfangen wurde und folgende Äußerungen fallen ließ: "Die, die Dubia stammeln, sind ein bißchen Pharisäer und Schriftgelehrte, weil sie die Barmherzigkeit nicht begreifen, die Sie für die Dinge vorschlagen. Das ist ärgerlich, aber wir sind mit Ihnen und werden Sie immer unterstützen"
Unglaublich, daß man öffentlich vor dem Papst so über Kardinäle sprechen kann, aber man muß leider sagen, daß es von Seiten des Pontifex keinerlei Reaktionen gab.

Ein Schweigen, daß auf verschiedene Art interpretieren kann, aber sicher gibt es Leute, die das als Signal dafür verstehen, daß man ruhig bestimmte Beleidigungen aussprechen kann. Und die sich dann entsprechend verhalten. Und letztendlich - und es schmerzt das sagen zu müssen- hat genau dieser Papst in seinem kürzlich der deutschen Zeitung "Die Zeit" gegebenen Interview wenig schmeichelhafte Worte gegen Kardinal Raymond Burke gesprochen. Thema waren die Ereignisse um den Malteser Orden, aber der Vorwurf der Unfähigkeit gegen ihn, der dem Namen nach Kardinalpatron der Malteser Ritter bleibt, ist präzedenzlos.

Auf die dubia hat es bis jetzt keine Antwort gegeben, zum Ausgleich kamen Beleidigungen gegen die. die sie formuliert haben.
Und außerdem Vorwürfe des Ungehorsams, der Feindseligkeit gegenüber dem Papst, des Verbreitens von Zwietracht und so weiter. Aber um diese Angriffe zu verstehen, ist es der Mühe wert, sich daran zu erinnern, wer die neuen Inquisitoren sind. Wir haben Alberto Melloni zitiert, ein Mensch, der sich rühmt, Papst Franziskus besonders nahe zu stehen und der sicher zu den Beharrlichsten beim Beleidigen der Dubia-Kardinäle gehört.

Bei dem öffentlichen Treffen, vom Anfang des Artikels, behauptete Melloni, nachdem er "dieses Instrument Fragen an den Papst zu stellen für ungeeignet" definierte, daß Bischöfe und Kardinäle nicht das Recht haben, den Papst als Angeklagten zu behandeln.  Jetzt muß man, zum Teil weil die Dubia das vorgesehene und viele male gebrauchte  Instrument sind, um den Sinn einiger Dokumente klarzustellen und nicht nur das,  und zum Teil, weil niemand den Papst als Angeklagten behandelt hat, daran erinnern, daß der Melloni, der heute "Papist"ist, auch der Melloni ist, der ein Dokument offenen Widerstandes gegen den Hl. Johannes Paul II unterschrieben hat.

Man schrieb das Jahr 1989, Johannes Paul II war seit 11 Jahren Papst und Theologen und Intellektuelle der Linken konnten eine Interpretation des II.Vaticanischen Konzils nicht ertragen, die nicht im Sinn einer Ruptur mit der früheren Kirche und der Gründung einer neuen Kirche konform war. Weniger denn je konnten sie ertragen, daß der Papst Bischöfe ernannte, die nicht auf der Linie der stattfindenden Revolution waren.
So - als nach einem äußerst harten Text des Moraltheologen Bernard Haring (ist es ein Zufall, das der jetzt wieder modern wird?), der den Papst auf dem Gebiet der Sexualmoral angriff, im Januar 1989 die "Kölner Erklärung" erschien,ein Frontalangriff auf den Papst. der von 162 deutschsprachigen Theologen unterschrieben worden war. Eine Initiative, die dann in Holland, Spanien, Frankreich und Belgien und anderen Ländern wiederholt wurde.





Und im Mai folgte ein Brief von 63 italienischen Theologen,  die sich im Lehramt Johannes Pauls II nicht wiederfanden und beschlossen, sich ihr eigenes Lehramt zu machen und sich direkt an das Volk Gottes zu wenden. Nicht nur Melloni gehört zu den Unterzeichner: es zeigt sich, daß auch seine Kollegen der "Schule von Bologna" dazu gehörten, voran ihr Gründer Giuseppe Alberigo; dann ist da der Prior der Gemeinschaft von Bose, Enzio Bianchi, dann der aktuelle Vize-Präsident der Italienischen Bischofskonferenz und Bischof von Novara Franco Giulio Brambilla; es sind die bekanntesten Namen der italienischen Theologie, deren oberste Vertreter in den päpstlichen Seminaren und Universitäten lehren. Und viele von ihnen gehören zu den aktuellen "Papisten", Zensoren und Geißelnden derer, die daran erinnern, daß es keine Franziskus-Kirche gibt sonder nur die Kirche Christi.

Aber es genügt ein Blick auf die Ansprüche von damals, um zu verstehen, was heute passiert: das Verlangen nach einer "pastoralen Wende", Freiheit der Theologie vom Lehramt, von unten ernannte Bischöfe (offensichtlich nur, wenn sie progressistisch waren), dem "Konzilsgeist" gegen den "Buchstaben des Konzils", Autonomie der Ortskirchen gegenüber Rom.

Dann war da Johannes Paul II; heute ist da Papst Franziskus Slogan der "pastoralen Wende", wohingegen die selben Personen den römischen Zentralismus beschwören, Ernennung der Bischöfe von oben, alle traditionellen Prozeduren- nur auf eine einzige theologische Richtung verpflichtet´- mit schwerer Bestrafung für jeden, der die Absicht haben könnte, zu widersprechen.
Es ist offensichtlich, daß die Positionen gewisser "Papisten", Speichellecker und Revolutionswächter nichts mit Liebe zur Kirche und zur inneren Einheit der Kirche um den Papst herum zu tun haben; es ist nur eine ideologische Operation, um eine Agenda voranzubringen, die mit der Tradition bricht und am Ende eine "neue Kirche für das Volk" bestätigen soll. Und die weiß, daß wenn das Volk das will, es keinen Platz für Dubia gibt."

Quelle: A.Gagliarducci, La Nuova Bussola Quotidiana

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