Samstag, 4. März 2017

John Allen interviewt den Erzbischof von Philadelphia Charles Chaput.

John Allen hat den Erzbischof von Philadelphia Charles J. Chaput für die Website Crux interviewt
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"PHILADELPHIAS CHAPUT ZUR POSTCHRISTLICHEN KULTUR, AMORIS LAETITIA UND MEHR"

"Erzbischof Charles Chaput hat ein neues Buch veröffentlicht, das den Titel:  "Fremde in einem fremden Land: den Christlichen Glauben in einer Postchristlichen Welt leben" trägt.
Am 27. Februar haben wir uns in New York zusammengesetzt, um das Buch zu diskutieren und auch seine Perspektive zu Papst Franziskus und "Amoris Laetitia" und um ein neues Crux-Video "Ein Drink mit Johannes" zu machen.
Hier folgen einige Auszüge aus dem Interview:

Frage: Viele Bischöfe veröffentlichen Bücher, aber sie sind oft sehr kirchlich, Diese Buch aber ist wirklich ein Übung in Kulturkritik.

Chaput: Ich denke, daß das korrekt ist. Es ist aus meiner persönlichen Erfahrung entstanden und aus meiner Frustration über die Kultur, in der ich lebe. Ich bin enttäuscht über die Richtung, in die wir auf gewisse Weise in den letzten 40 oder 50 Jahre gegangen sind.

Natürlich bin ich über andere Dinge und kulturelle Entwicklungen sehr erfreut....wir leben sicher in einer Welt, in der die Menschen gesünder und glücklicher sein können als in der Vergangenheit.
Eine Sache, an die ich denke, ist, daß ich viele Freunde habe, die behinderte Kinder haben und es ist offensichtlich, daß im Lauf der vielen letzten Jahrzehnte die Versorgung von behinderten Menschen in unserem Land und unserer Gesellschaft viel besser geworden ist. Die Menschen werden mehr in das Leben unserer Gemeinden einbezogen.

Aber zur gleichen Zeit ist es eine Kultur, die Menschen mit Behinderungen im Mutterleib tötet, auf eine Weise, wie es sie nie zuvor gab. Heute werden sehr wenige Kinder mit Down-Syndrom geboren,weil die Leute das sehr früh entdecken können und die Kinder abtreiben.

Also kann die selbe Gesellschaft - die gleiche Art der Technologie so nutzen, uns radikaler zu dienen oder auf eine radikal selbstsüchtige und traurige Art. Das ist die Art Verwirrung über die ich in meinem Buch schreibe.

Frage
Der Kern des Buches ist, daß wir in den USA in einer post-christlichen Kultur leben. Manche könnten das anti-intuitiv finden. Auf der Liste der christlichsten Länder der Welt stehen die USA auf der Eins.
Christliche Sorgen und Christliche Werte spielen eine enorme Rolle in unserer Politik. Warum benutzen Sie dieses Vokabular, um zu beschreiben, wo wir stehen?

Chaput
Gut, ich würde Ihnen gern zustimmen, daß es auf gewisse Weise falsch ist, den Ausdruck "postchristlich" zu benutzen, weil Christus immer im Zentrum des Lebens und der Geschichte steht, ob wir es anerkennen oder nicht, deshalb leben wir in Wahrheit nicht in einer Post-Christlichen Zeit.

In Begriffen der Kirchenpraxis ist die Zahl der Leute, die sonntags an christlichen Sonntags-Gottesdiensten teilnehmen-seien sie Protestanten oder Katholiken- sehr viel geringer als in der Vergangenheit.
Die Prinzipien des Evangeliums zum Familienleben werden nicht mehr so akzeptiert wie früher. Ich denke, daß wir in den USA in einer vielfältigeren Gesellschaft leben als früher- so daß die Leute anderen Formen religiösen Glaubens folgen. Früher konnten wir unser Land als ein Land mit Jüdisch-Christlichem Erbe definieren, aber unter den Eliten von heute gibt es einen Widerstand dagegen, auch nur darüber zu sprechen.





Frage
Sie schreiben, daß die Wahl von Barack Obama 2008 der Augenblick der Wasserscheide für Amerika war, die Ankunft eines neuen Weges, die amerikanische Gesellschaft nicht mehr als auf den im Biblischen Glauben verwurzelten Werten beruhend wahrzunehmen.

Chaput:
Ich denke, daß Präsident Obama eine gewisse Art von Engagement und Energie hinter sich hatte, die ihn dazu brachte, das Land in eine andere Richtung zu führen. Das Beispiel, an das man sofort denken muß, ist das Verständnis der Bedeutung der Ehe. Natürlich war es am Ende eine Entscheidung unseres Obersten Gerichtshofes, daß die HS-Ehe auf die selbe Weise anerkannt werden sollte wie die traditionelle Ehe.

Aber ich denke, es war interessant zu sehen, wie Präsident Obama im Verlauf seiner Amtszeit selbst seine Einstellung dazu änderte und Vize-Präsident Biden sogar einer solchen HS-Hochzeit in seinem Büro beiwohnte. Ich denke, daß sie eine aktive und auch etwas aggressive Führerschaft in dieser Richtung ausübten.

In Begriffen der Bestimmungen der humanitären Gesundheits-Dienste - die den Versicherungsprogrammen des Landes empfängnisverhütende Praktiken  aufzwingen, hat das Weiße Haus unnötigerweise die Führerschaft übernommen- bei der Formulierung des Gesetzes.
Wir sind überrascht über den Fokus der jetzt auf den Transgenderismus gelegt wird, aber ich denke, daß das seinen Ursprung auch in dieser Periode hat. All diese Dinge zeigen die Wasserscheide an, deren Richtung den traditionellen christlichen Moralprinzipien entgegen steht.

Frage
Dennoch schreiben Sie, daß sowohl Trump als auch Clinton 2016 mit schweren Fehlern behaftete Kandidaten waren. Sie haben einige frühe Entscheidungen der Trump-Administration scharf kritisiert, z.B. bzgl. der Flüchtlinge und Immigranten.

Chaput
Und ich werde sicher fortfahren, das zu tun.Während der Kampagne habe ich versucht, klar darüber zu sprechen, wie ich über die Kandidaten denke, weil die Leute mich fragten und ich von denen,die Trump unterstützten, dafür kritisiert werden würde, nicht pro-life genug zu sein und von denen, die Außenministerin Clinton verteidigten, bzgl. der Immigrations-Politik nicht katholisch genug zu sein.
Ich wurde von beiden Seiten gleich kritisiert.
Aber, ich denke, daß man das gern in Kauf nimmt, wenn man ehrlich die Wahrheit auszusprechen versucht.

Frage
Wenn wir in einer Kultur leben. die auf eine Weise post-christlich ist, was soll die Kirche tun?

Chaput
Nun ja, zu allererst müssen wir uns dessen bewußt sein, was in  der Welt um uns herum vorgeht. Viele Menschen meiner Generation ängstigen sich etwas darüber, was passiert, aber sie haben nicht ernsthaft analysiert, wie wir dahin gekommen sind, wo wir heute sind und im Buch versuche ich, einige der Faktoren aufzuzeigen, die in unserer Kultur aktiv waren und dorthin führten, wo wir heute sind. Wir müssen uns dessen bewußt sein, aber wir müssen auch die Hoffnung haben, daß wir in dieser Kultur auf eine Weise leben können. daß wir aus vollem Herzen engagierte Christen sein und das an unsere Kinder weitergeben können.

Frage
Wie? 

Chaput
Die Antwort ist, daß man persönlich in den Glauben umgekehren muß. Man kann es nicht weitergeben, wenn man es nicht hat. Eltern werden im Leben wichtiger werden, dem Glaubensleben ihrer Kinder, als sie es in der Vergangenheit waren, weil in der Vergangenheit die Kultur dieses Glaubensleben unterstützte. Die Schulen haben dieses Glaubensleben im Grunde unterstützt. Die Christlichen Gemeinden waren stark. Die Leute gingen in die Kirche und das stärkte das Glaubensleben.
Die Familie wird wirklich das erste Werkzeug sein, das Gott zur Evangelisierung nutzen wird, natürlich mit ihren Kindern beginnend. Aber dann werden die Familien sich zu kleinen Gruppen zusammenschließen, die sich gegenseitig unterstützen und die in Zukunft auch sehr wichtig sein werden. Wie Gemeinden sein sollten, aber die sind jetzt eher Institutionen als Unterstützungsgruppen.

Frage
Ihr Grundrezept ist vor allem, die Leute dazu zu ermutigen, stabile, liebende, blühende Katholische Familien zu gründen.

Chaput:
Ja
Frage
Dann für diese Familien Wege zu finden, unter manchen Bedingungen Netzwerke zu bilden- z.B. in einer Gemeinde, richtig? Aber wenn das aus irgendeinem Grund nicht funktioniert, andere Wege zu finden, das zu tun, ob es eine Bewegung oder etwas ist, das sie auf informelle Weise zusammenbringt....

Chaput
Und die, die verantwortlich sind, Bischöfe und Hirten, müssen sicher stellen, daß das was immer wir tun, wirklich funktioniert und das bedeutet, daß wir nicht aus ganzem Herzen an den Praktiken der Vergangenheit festhalten können und sagen, ihr müßt in die Kirche innerhalb Eures Kirchenbezirkes gehen, wißt ihr. Wenn Leute nicht in einer Gemeinde registriert sind, sind sie keine guten Katholiken. Diese Dinge funktionieren nicht mehr,

Frage
Lassen Sie mich meinen Vaticanisten-Hut aufsetzen und einige Papst-Fragen stellen.
Zuerst -werden Sie in einigen Presse-Darstellungen als einer der Kritiker von Papst Franziskus bezeichnet. Dennoch zitieren Sie Franziskus in "Fremde in einem fremden Land" zustimmend. Wie sehen Sie Papst Franziskus aktuell?

Chaput
Ich denke, daß Papst Franziskus ein interessanter Mann ist. Zuerst ist er Papst, so muß ich ihn als Nachfolger in der Rolle Petri sehen, als Vikar Christi und es ist sehr wichtig für diejenigen unter uns, die Bischöfe sind, mit Enthusiasmus an der Einheit der Kirche festzuhalten und deshalb den Hl.Vater zu unterstützen.

Gleichzeitig ist er auf eine Weise Papst, die sich sehr von seinen Vorgängern unterscheidet und die für die Menschen verwirrend ist und ich denke, daß es für uns wichtig ist. dem Hl. Vater dabei zu helfen, das zu verstehen, aber auch den Menschen zu helfen den Hl. Vater zu verstehen-durch die Verwirrung und Enttäuschung hindurch, die -wie ich denke-einige Leute erleben.

Als Bischöfe können wir das nicht alleine handhaben, wir müssen es in Verbindung mit dem Hl. Vater tun. Er muß sich der Konfusion bewußt sein und ich denke, daß er eine Verantwortung dafür hat, darauf zu antworten, so wie wir darauf antworten müssen.

Frage
Eines der Leitmotive (wörtlich) die das Buch durchziehen ist Ihre Sorge um die Ehe und die Institution der Ehe. Die heutige Diskussion über "Amoris Laetitia" dreht sich um dieses Thema. Was denken Sie, steht auf dem Spiel?

Chaput
Der Hl. Franziskus von Assisi hat die Brüder, die Franziskanischen Brüder, ermutigt das Evangelium kommentarlos zu akzeptieren. Und Kommentare waren die gesammelten Bemühungen die Evangelien etwas ausdrücken zu lassen, was sie nicht sagen, oder als ob Jesus nicht wirklich meinte, was er sagte. Es sieht also so aus, als sollten wir Jesus beim Wort nehmen und seine Worte über Scheidung und Wiederverheiratung als Ehebruch- sind sehr klar. Ich denke, daß es keinen Zweifel darüber geben kann, was Jesus in den Evangelien sagte.

Es scheint mir für uns unmöglich zu sein, den Worten Jesu zu widersprechen und es ist auch unmöglich, daß eine Lehre vor 20 Jahren wahr war und heute nicht mehr wahr ist, wenn es die Lehre des Papstes ist. Die Lehre von Papst Franziskus kann der Lehre von Johannes Paul II nicht widersprechen, wenn es eine offizielle Lehre ist.

Deshalb scheint mir, daß wir Amoris Laetitia im Licht dessen, was vorher war, interpretieren müssen, zuerst die Worte Jesu und danach die Lehre des Papstes, das Lehramt der Kirche.
Und deshalb- wie kann es wahr sein, daß Menschen die Kommunion empfangen können, die heute in einer ehebrecherischen Beziehung leben? Wie kann es möglich sein, wenn die Kirche sagt, daß es nicht möglich ist?

Frage
Wollen Sie, daß der Papst auf die dubia antwortet? 

Chaput
Ich denke, daß es immer gut ist, klar auf Fragen zu antworten.

Frage
Selbst wenn die Antwort in eine andere Richtung geht, als Sie möchten?

Chaput
Absolut.

Frage
Glauben Sie, daß er antworten wird?

Chaput
Ich weiß es nicht. Er hat sicher Möglichkeiten, das zu tun. Aber ich weiß wirklich nicht, was er tun wird. Er hat es mir nicht gesagt."

Quelle: Crux, John Allen

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