Sonntag, 19. März 2017

Marco Tosatti fragt sich, wer unter den vielen in Rom wirklich für den Papst spricht.

Das tut er in einem Beitrag für La Nuova Bussola Quotidiana und zählt noch einmal, wer alles sich befugt fühlt, Denken, Tun und Wollen des Pontifex zu erklären und zu interpretieren.
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"WER SPRICHT IM NAMEN DES PAPSTES? SO VIELE "PAPPKAMERADEN"
"In den vergangenen Tagen wurde an der Pontifikalen Universität von Santa Croce der 7. Kursus für Journalisten veranstaltet, für Journalisten, die sich für die vaticanische Information interessieren.
Am ersten Tag habe ich an einem runden Tisch das Problem von allen Seiten diskutiert: teilgenommen haben David Wiley, ein historischer Name der BBC, Luigi Accattoli, Prof. Giovanni Tridente von der PUSC, und der schreibt:
"Eine der Besonderheiten des historischen kirchlichen Augenblicks, den wir erleben, hat sich aus dem Kontext ergeben. Wir haben uns z.B. an die Epoche von Johannes Paul II erinnert. Zu jener Zeit war es klar, daß der Papst - wenn er nicht selber sprach, wie er es z.B. im  Flugzeug tat, und so eine Tradition schuf, die seine Nachfolger aufrecht erhalten haben, wenn auch nicht mit der gleichen Freiheit - eine Person hatte, die es in seinem Namen tat. Und diese Person war Joaquin Navarro Valls.

Der erfreute sich eines sehr engen Vertrauensverhältnisses mit Papst Wojtyla. So sehr, daß -nachdem er im Verlauf der Reise nach Ungarn bekannt gab, daß Johannes Paul II an einer Form von M.Parkinson leide, der vom Staatssekretariat vorbereitete Bekanntgabe-Brief direkt aus dem Appartamento blockiert wurde. Auch sein Privatsekretär, der heutige Kardinal Stanislaw Dziwicz gab gelegentliche Bruchstücke päpstlichen Denkens wieder.

Benedikt XVI hatte Pater Lombardi und - in salesianischen Stegreifäußerungen seinen Staatssekretär Kardinal Tarcisio Bertone. Die Wirkung dieser .... haben wir gesehen. Man kann in seinem Fall nicht von einer glücklichen Beziehung zu den Medien sprechen

Und jetzt ist da Franziskus, und das Problem stellt sich auf eine ganz andere Weise. Auf die Frage, wer ist der Sprecher des Papstes? kann man nicht so einfach antworten. Sicher, da gibt es Greg Burke (keine Verbindung zum gleichnamigen Kardinal) der von Pater Federico Lombardi SJ seine Rolle als Direktor des Pressesaales des Hl. Stuhls geerbt hat. Aber wir können sagen, daß er bis heute ein eher unauffälliges Profil vorgezogen hat, jedenfalls als Pressesprecher des Papstes.  Es ist nicht so, daß ihm Fähigkeit oder Erfahrung fehlen. Er war viele Jahre lang Journalist und hat viele Jahre als Medienberater im Staatssekretariat gearbeitet. Dennoch hört man wenig von ihm und er sucht sicher nicht das Rampenlicht.

Für den Papst sprechen aber viele andere (außer dem Pontifex selber, der sicher nicht schweigsam ist)... da haben wir Scalfari mit seinen nicht registrierten und aus dem Gedächtnis wiedergegebenen Interviews. Die aber die Exegeten vor das selbe Problem stellen, wie einige berühmte Erscheinungen und übernatürliche Offenbarungen: nicht immer ist klar, ob der Seher seine eigenen Gedanken und Worte ausspricht oder die der Erscheinung.

Dann ist da natürlich Pater Antonio Spadaro, SJ, Direktor der Civiltá Cattolica, dem wahren Mann für die Medien, einschließlich der sozialen Medien - mit einigen kleinen Abstürzen - des Pontifex. Der kürzlich, in einem Gespräch mit der Agentur SIR (Presseagentur der Bischöfe) direkt vom Haß gegenüber dem Pontifex sprach: "Es sind nur wenige, die den Pontifex voreingenommen kritisieren, aber sie tun das in den sozialen Netzwerken, und erzielen große Wirkung. Es entsteht der Eindruck, daß es viele seien, aber in Wirklichkeit ist der Lärm Frucht eines Echos.
Das ist die Dynamik des Hasses, der nichts Christliches hat." So Pater Antonio Spadaro.





Der Direktor hat bekräftigt, daß "der Respekt des säkularen Staates fundamental ist. Franziskus zeigt, daß man, um eine Gesellschaft aufzubauen, nicht die anderen besiegen muß, sondern mit Leibeskräften auf den Dialog setzen muß."
Auf der anderen Seite fährt er fort: "Die Leute wollen an der kulturellen und politischen Debatte teilnehmen, aber sie finden keine zuverlässigen Quellen. Zu sehr herrscht die Dynamik einer "Echokammer" vor: wer auf eine bestimmte Weise denkt, hört nur den, der so denkt wie er."
Wohl aus diesem Grund blockiert er auf Twitter (wo auch andere Popularisierer des Papstes es ihm nachmachen) die verblüfften oder kritischen Stimmen.
Sie machen es wie zwei der drei Affen: sie sehen nichts und hören nichts....

In die Bischofskongregation dagegen bringt - besonders beim Thema Ernennungen - sein Privatsekretär Fabian Edgardo Marcelo Pedacchio Leániz das Wort des Papstes, aber man kann seine Aussagen nicht als päpstliche Äußerungen betrachten.
Ein anderer aber sieht sich durch direkte Ernennung zum Sprecher ernannt. Das ist Schönborn passiert, als der Pontifex nach der korrekten Interpretation von "Amoris Laetitia" gefragt wurde.
Selten - betritt der Substitut des Staatssekretariates, Erzbischof Angelo Becciu, als Übermittler des päpstlichen Denkens das Feld, dabei scheint er vom Staatssekretär Kard. Pietro Parolin, geschützt zu werden. Es fehlt auch nicht an gelegentlichen Auftritten.

Erinnerungswürdig der Auftritt von Erzbischof Bruno Forte, der enthüllte, was sich mit dem Pontifex hinter den Kulissen abspielte. Bei einer öffentlichen Veranstaltung erzählte er, daß Franziskus ihm gesagt habe: "Wenn wir ausdrücklich von der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen sprechen, weiß ich nicht, welches Chaos sie uns bereiten werden. Also sprechen wir nicht auf direkte Weise, so daß die Bedingungen gegeben sind, ich werde dann die Schlußfolgerungen ziehen." Nachdem er das gesagt hatte, scherzte Forte: "Typisch für einen Jesuiten".

Es sah so aus, als spräche auch - auf indirekte Weise - der Dekan des Sacra Rota, Msgr. Pio Vito Pinto, als er vorschlug, den vier Kardinälen der dubia "das Birett wegzunehmen", jetzt nach dem Schlagabtausch mit dem Italienischen Staat wegen der zur Registrierung der Annullierungsurteile zugelassenen Rechtsanwälte scheint er allerdings im päpstlichen Hof einige Stufen abgestiegen zu sein.
Kardinal Coccopalmero scheint im Namen des Papstes auf die dubia geantwortet zu haben, während in Deutschland der Münchener Kardinal Marx angstfrei sagt, was der Pontifex denkt und will.
Es fehlen also nicht die Diffusionskanäle für das päpstliche Denken; und man versteht, warum Greg Burke es vorzieht, sich in dieser Menge nicht mit den Ellbogen durch zu kämpfen.

Quelle: Marco Tosatti, La Nuova Bussola Quotidiana

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