Samstag, 25. März 2017

Mariae Verkündigung in der Malerei

Der Kunsthistoriker Daniel Esparza führt uns bei Aleteia ein bißchen in die Symbolik der Verkündigungsdarstellungen der christlichen Kunst ein
Hier geht´s zum Original:  klicken

  "DIE (NICHT SO) VERBORGENEN INHALTE IN DEN    VERKÜNDIGUNGSBILDERN"

Von Fra Angelico zu Leonardo, das klassische Marienmotiv ist mehr als nur eine Illustration einer Passage im Evangelium.

 
  Bild public domain

Ungleich einiger anderer ikonographischen Motive der Christlichen Kunst wir die Verkündigungs-Szene zumindest in einem der Evangelien bis ins Detail erzählt: dem von Lukas.
Auch wenn man eine andere, kürzere Verkündigungsszene im matthäus-Evangelium (1, 18-25) die Verkündigung an Joseph, haben sich meisten Künstler das Lukas-Evangelium als erzählerische Quelle für ihre Bilder zu nutzen. 
Nicht nur wegen der vielen im Lukas-Text enthaltenen Einzelheiten sondern auch wegen seiner reichen Symbolik und theologischen Bedeutung- besonders der mariologischen- die in einer "graphischen" Übersetzung des Evangeliums-Textes angesprochen werden konnten.

Darstellungen der Verkündigung gehen bis ins frühe Christentum -zurück. die älteste kann man in der Priscilla-Katakombe finden, nach einigen Quellen ins 4. Jahrhundert datiert. Seit diesen frühen Wurzeln wurde dieses Sujet Teil des graphischen Repertoires fast jeden großen Künstlers. 
Diese Künstler und ihr Publikum waren sich des in der Szene enthaltenen tiefen, reichen Symbolismus bewußt, aber es ist eine visuelle Sprache, mit der wir heute weniger vertraut sind.

Einige Verkündigungs-Bilder, z.B. mittelalterliche Bilder aus dem 12. und 13. Jahrhundert enthalten den "Thron" Marias, einen kunstvollen Sitz, auf dem die Jungfrau sitzt um die Ankündigung des Engels entgegen zu nehmen. Mit seinen reichen Polstern und Schnitzereien (häufig den Löwenköpfen, mit denen der Thron König Salomos geschmückt war) zielte die Einbeziehung dieses anachronistischen Möbelstücks darauf ab, den Titel Marias als "Sitz der Weisheit" und ihre Autorität als Königin des Himmels, Regina Caeli, zu betonen.
Auch wenn die offizielle Katholische Lehre vom Königin-Status durch die Enzyklika Papst Pius XII "Ad Caeli Reginam" definiert wurde, wurde Maria in der Tradition seit dem 5. Jahrhundert "Königin des Himmels" genannt, direkt nach dem Konzil von Ephesus, das Maria als Mutter Gottes proklamierte.

Eine Taube, die traditionell (basierend auf dem Bericht über Jesu Taufe durch Johannes) in der Christlichen Kunst den Hl. Geist darstellt, spielt auf einigen mittelalterlichen Bildern der Verkündigung eine interessante Rolle. 
Während  die meisten üblichen Darstellungen die Taube über Maria schwebend darstellen ("der Geist des Allerhöchsten wird dich überschatten") fliegt die Taube in manchen Bildern auf das Ohr der Jungfrau zu. Den Grund dafür kann man in einigen frühen Texten der Christlichen Tradition finden, die sich auf die jungfräuliche Empfängnis Jesu beziehen, sie habe durch das Hören auf die Worte des Engels empfangen, was beinhaltet, daß das Hören auf Gottes Wort die Seele fruchtbar macht.
Ephrem der Syrer (der größte Dichter des Zeitalters der Kirchen-Väter, der einzige "Theologen-Poet von Rang" neben Dante würde Robert Murray sagen) wurde 1920 von Papst Benedikt XV zum Kirchenlehrer ernannt, schrieb im frühen 4. Jahrhundert:

     "Wie der Brennende Busch am Horeb (Berg Sinai), der im Herzen der Flammen Gott            trug, so hat Maria Christus in ihre Jungfräulichkeit gebracht : durch ihr Ohr trat das        Göttliche Wort des Vaters ein und wohnte heimlich in ihrem Leib"

Es ist nicht ungewöhnlich, Maria eher ein Buch lesend vorzufinden, als mit einer Spindel oder anderen häuslichen Tätigkeiten beschäftigt. Nach einigen Quellenangaben ist das auf den Einfluss der Franziskanischen Spiritualität zurück zu führen, die die Frömmigkeit Mariens unterstreicht.
Das Buch, das Maria üblicherweise hält ist ein Psalter, was bedeutet, daß sie betet, wenn Gabriel die Botschaft überbringt. Einige Künstler gehen weiter ins Detail und zeigen Maria nicht mit einem Psalter sondern das Buch Jesaja, in dem die Prophezeiung der empfangenden Jungfrau (Jesaja 7:14, "Und der Herr selbst wird dir ein Zeichen geben. Weil eine Jungfrau empfangen wird und einen Sohn gebären uns sein Name wird sein Immanuel) zu finden ist. Natürlich gab es zu Marias Zeit keine Bücher,  wie wir  sie kennen; Künstler nutzten die Objekte ihrer eigenen Welt, um die Botschaft zu überbringen.




Auch finden die meisten Verkündigungs-Szenen in einem geschlossenen Raum. Das ist umso interessanter, als das nicht nur auf die Jungfräulichkeit anspielt, sondern auch auf das Lied Salomo. Im Lied der Lieder lesen wir:
    
    "Hortus conclusus soror mea, sponsa mea, fons signatus"
     Ein verschlossener Garten ist mein Schwester, meine Braut; ein geschlossener Garten,       
     eine versiegelte Quelle" (Lied der Lieder, 4:12)

Dieser verschlossene Garten (hortus conclusus) -unnötig es zu sagen- wurde als direkter Bezug auf die immerwährende Jungfräulichkeit Marias und ihren fruchtbaren aber dennoch verschlossenen Leib, der unberührt bleiben mußte, verstanden.
Um das darzustellen, benutzen die meisten Verkündigungs-Szenen einen ummauerten Garten als Bühne. Das ist um so bemerkenswerter in der vielleicht berühmtesten Verkündigungs-Szene - der von Fra Angelico.

                           
Quelle: Aleteia, Daniel Esparza

p.s.: Auf der Original-Seite kann man die Abbildungen als Dia-Folge mit weiteren Verkündigungs-Darstellungen ansehen.

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