Dienstag, 21. März 2017

Über die Priester, die Laien und die Welt, eine Überlegung

Es ging vorhin rund auf Twitter: ein bekannter Erzbischof einer als superkatholisch verschrienen Diözese hat im Jahr 2016 in seinem Priesterseminar einen einzigen neuen Seminaristen aufgenommen, aufnehmen können, wie auch immer.
Schlau wie besagter Erzbischof, den wir hier nicht näher personalisieren wollen, weil wir irgendwie doch einen dünnen Mantel des Schweigens ausbreiten wollen, nun mal ist, hat er flugs eine Initiative gestartet, dafür dass die Laien doch in seinem Bistum mehr Verantwortung übernehmen dürfen, sollen, müssen.
Eigentlich, auch das muss um der Wahrheit willen gesagt werden, sind wir gar nicht so nett, wie die Passage mit dem Mantel des Schweigens suggeriert, es ist  nur, so, dass es allüberall in deutschsprachigen Landen das gleiche, ja das selbe Trauerspiel ist.
Sollte es irgendwo nicht so sein, so tun sich die zugehörigen Eminenzen durch vornehmes Schweigen hervor, nun denn.
Besonders originell ist das alles nicht.
Liest man Texte von vor hundert Jahren, Guardini auch Ida Frederike Görres und andere, so  muss man feststellen der Verlust des Sakralen, der Verlust der Idee, dass das was der Priester tut Kult ist, wahrer Kult, also wahrer Dienst am wahren Gott und deshalb heilig, deshalb jeglicher Gestaltung enthoben, dass also all das so neu nicht ist.

Nun scheint mir das dicke Problem ein ganz menschliches zu sein.
Der Priester weiß natürlich, dass er nicht 24 Stunden lang heilig, ergriffen und lebend in der Nähe Christus ist.
Wenn er nur halbwegs ehrlich zu sich ist, so weiß er um seine Grenzen, er weiß wie jeder gute Lehrer, Psychologe und Arzt, dass die Leute, denen er helfen kann, ihn viel zu hoch hängen.
All das ist ebenfalls, wie gesagt,  nicht besonders originell und in der Kirche schon lange bekannt, weswegen selbige Kirche immer gesteigerten Wert auf die Demut des Priesters gelegt hat.
Nur und hier haben wir schon wieder das Problem.
Besagter Erzbischof hat sicher schon in einer Pressekonferenz darauf hingewiesen, dass das von ihm angestrebte stärkere in Verantwortung nehmen der Laien, von den paar Priestern, die er noch hat, verlange, sich in Demut zu üben, bla blubber.
Sagen wir einfach so, in Demut üben kann sich nur, wer was zu sagen hat, vom Pferd steigen um einen Brotkrumen aufzuheben kann nur, wer auf dem Pferd sitzt!
Vielleicht ist das neben, dem anscheinend fehlenden Glauben an Jesus den Christus und dessen Präsenz in der Eucharistie das andere Problem mit der Wahrnehmung.
In der Wahrnehmung der Welt  ist so ein katholischer Priester eine arme Sau, die nur verklemmt ist, ansonsten seine Kirche eine absolute Nullnummer, wahlweise rückständig, infantil, viel zu schlau, hinter allem und jedem steckend, viel zu reich, oder auch komplett unwichtig, kurz alles was man selber nicht leiden kann, projiziert man auf die Kirche und nimmt sich das Recht heraus, all diese Vorurteile bei dem Pfarrer um die Ecke zu verorten, jedoch mit der Einschränkung, sollte einen selber das Schicksal, in irgendeiner Form, schwer  beuteln, dann erwartet man, selbstverständlich, dass der zuvor gescholtene Pfarrer einem hilft, materiell, emotional, spirituell, menschlich.
Dasselbe gilt für Religionslehrer und Ordensschwestern.
Ich glaube einer der Gründe für das sichtbare Ausgebranntsein der Priester liegt darin, dass sie genau dem Anspruch auch genügen wollen, was ja nicht verkehrt ist, aber gleichzeitig nicht denken sollen können, dass sie irgendwas geben können täten und schon gar nicht auf die Idee kommen können dürfen, dass das wesentliche und eigentliche was sie geben können, Christus ist.
Auch diese Situation der Priester ist nicht gerade neu, findet sich genau das, mit dem Rücken an der Wand stehend und doch reich sein, schon bei Paulus:
"Von allen Seiten werden wir bedrängt und finden doch noch Raum" schreibt er.
Oder an anderer Stelle sagt er "Wir tragen einen kostbaren Schatz in zerbrechlichen Gefäßen"
und Christus sagt: "dem Sklaven geht es nicht besser als dem Herrn"
Aber nun das große "Aber" Paulus und Christus haben gewusst, wie hart und ungerecht es zugeht in der Welt, sie haben gewusst, dass die ihren bedrängt und bedroht sind und sein werden.
Und genau diesen Realismus vermisse ich bei unseren Hirten.
Wir haben zu wenig Priester, weil so ein Priester von allen Seiten verachtet wird und sich beständig mit irgendwelchem Käse rumzuärgern hat.
Man lässt ihn nicht machen für was er da ist, sondern krittelt beständig an ihm rum, um dann im Fall der Fälle Reaktionen zu erwarten, die einem selbst in einer Heiligenbiografie zu dick aufgetragen vorkommen und dann denkt man, dass irgendwelche Laien es besser können könnten.
Aber die sind doch im Grunde genauso zerrissen wie die Priester!

Manchmal denke ich, ein Lebenslauf wie der des  unlängst verstorbenen tschechischen Kardinal Vlk, der jahrelang als Fensterputzer arbeitete, wäre für manche Oberhirten nicht verkehrt.
Damit man mich nicht verkehrt versteht ich finde es gut und richtig, den ganzen Protz und Prunk, aber ich denke er hat einen ganz wichtigen Zweck, und der Zweck wird, je höher einer in der kirchlichen Hierarchie steht umso wichtiger, er soll nämlich die Person verdecken und je höher einer in der kirchlichen Hierarchie kommt,umso nötiger hat er, dass er verdeckt wird.

Es ist vielleicht das große Drama unserer Zeit, dass genau das nicht mehr gesehen wird, dass all der Protz und Prunk es den "hohen Tieren" in der Kirche schmackhaft machen sollte sich, als Person verdecken zu lassen.
Natürlich wäre es besser, man wäre so von der Liebe zu Christus ergriffen, dass man, wie Nikolaus von der Flüe nichts mehr will und braucht und in lichtlosem Tobel, gekleidet mit rauem Gewand von der Anschauung der Eucharistie lebt, aber die Kirche baut sich auf Menschen auf und nicht auf Ausnahmerscheinungen.
Unser Vorbild ist Christus, der isst und trinkt und nicht Johannes (der größte unter den Menschen, nennt Christus ihn) der nicht isst und nicht trinkt.

Uns als Laien, die jetzt auch noch den Job des Priesters machen sollen, bleibt nichts anders übrig, als zu beten, damit der Herr uns wieder Priester schenkt!
Auch gegen den Willen wildgewordener Oberhirten, die die Katastrophe feiern.
Auch das ist so eine Falle, in die man heutzutage gerne tappt.
Für den der Ostern kennt, gibt es keine Verzweiflung, hat Dietrich Bonhoeffer mal gesagt, aber er hat es erst dann sagen können als er durch die Verzweiflung hindurch war.
Und genau das ist es, wenn es wahr ist, und es ist wahr, dass die Gnade auf der Natur aufbaut, dann sollte man nicht so tun, als gäbe es nur lauter begnadete, erlöste, superschlaue, heilige Menschen gegen die die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria eine naive, vorkonziliare Schnepfe ist.
Kardinal Ratzinger hat einmal gesagt, die erste Aufgabe der Kirche wäre den Glauben der Kleinen zu schützen, das seh ich auch so.




1 Kommentar:

  1. Ein wenig OT, Zitat aus dem Text:
    (Kardinal Vlk ...) der jahrelang als Fensterputzer arbeitete, wäre für manche Oberhirten nicht verkehrt.
    Kommentar: Unseren Politikern wünsche ich das schon lange, bei den Oberhirten hatte ich immer gemeint, das sei nicht nötig. Aber die scheinen es noch notwendiger zu haben ...

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