Mittwoch, 15. März 2017

Zum vierten Jahrestag der Wahl. Fortsetzung

Fortsetzung von Andrea Gagliarduccis Beitrag "Ist Papst Franziskus wirklich ein Pop-Papst?"

"Kommissionen und externe Berater stellen ein Risiko dar: daß sie ihre Stellung nutzen um Informationen zu sammeln und später das Vatican-System von Innen heraus zu zerstören.

Aber das größte Risiko ist, daß hinter den Ernennungen von Kommissionen eine bestimmte Mentalität steht. Das Risiko, daß Menschen vielleicht denken "neu ist gut, alt ist schlecht" ohne zwischen der Fähigkeit Früchte zu ernten und der Fähigkeit sie zu erzeugen zu unterscheiden. Das ist das Risiko jedes Pontifikates und die Medien helfen dabei, dieses "neu ist gut" zu betonen.

Es ist bemerkenswert, daß die Durchschlagskraft und der dauernde Neuigkeitenfluss eine klare und objektive Analyse verhindern. Wenn man die Artikel, die zu Beginn des Pontifikates veröffentlicht wurden noch einmal liest, wird klar, daß die meistgebrauchten Worte "Revolution", "Papst-Franziskus-Stil" und "neue Kirche" sind. Diese Formeln wurden von den Medien benutzt um Leser anzulocken, aber auch um den Lesern den Eindruck einer Kirche, zu vermitteln, die dabei war, sich völlig zu verändern.

Die Kirche ändert sich aber nicht plötzlich und Papst Franziskus ist immer ein Priester des traditionellen depositum fidei- ganz gleich, wie oft er das vielleicht auch leugnet.
Deshalb gibt es wahrscheinlich eine Agenda, die hinter Franziskus´Rücken am Werk sind, aber Tatsache ist, daß auch dieser Effekt eine Erfindung der Medien war, um mehr Zeitungen zu verkaufen und Leser anzuziehen.

Zur selben Zeit war Papst Franziskus so schlau, diesen Effekt zu nutzen. Er tut es noch. Im Interview, das er der deutschen Wochenzeitung Die Zeit gab, spricht er über den Mangel an Priesterberufungen und die Möglichkeit auf viri probati zurück zu greifen, um ihm zu begegnen. Viri probati, Männer von bewiesenem Glauben, sogar verheiratete Männer, sind jene, denen die Kirche in Ausnahmefällen anvertraut, die Feier der Eucharistie zu garantieren. Er sprach auch über eine eventuelle Diskussion eines optionalen priesterlichen Zölibats. Aber, so betonte er- optionaler Zölibat "ist keine Lösung". Das heißt, nicht dadurch, daß wir Priestern erlauben, zu heiraten, können wir den Mangel an Berufungen beheben. Diese Schlußfolgerung kommt am Ende eines sehr aufregenden Diskurses, der signalisiert, daß das Thema diskutiert werden sollte.
Das ist seine Art, Dinge zu tun. Und das ist typisch jesuitisch: keine Möglichkeit wird a priori ausgeschlossen, alles muß diskutiert werden, begründet, in einem nie-endenden Dialog mit der Welt, den der Papst innerhalb der Kirche entwickeln will.

Sogar innerhalb der Kirche zeigt Papst Franziskus seine traditionellen Wurzeln, dennoch sind sie mit dem Eindruck des Pueblo amgefüllt, und dieser Lateinamerikanische Populismus hat einige verborgene Marxistische Seiten. Der Papst ist traditionell, wenn er über die "Heilige Hierarchische Mutter Kirche" spricht . Er ist auch traditionell, wenn er die Macht zentralisiert: Papst Franziskus hört jedem zu und dann trifft er seine Entscheidung ,manchmal ohne Rücksicht auf irgendeinen Vorschlag, der ihm gemacht wurde. Dieses Verhalten unterstreicht die Tatsache, daß Papst Franziskus oft allein im Kommandostand ist. Einfach gesagt, die LEte warten auf Klarheit und verstehen, daß von Andersdenkenden eine andere Meinung vertreten werden kann.

Diese gesamte Situation muß sorgfältig angesprochen werden, weil jeder Anspruch auf der Normalität in Papst Franziskus´ Pontifikat stark bestritten wird. Der Papst ist der Papst: er setzt Vertrauen in die Leute, die er will, er hat sein eigenes .....System und er hat einen inneren Kreis von Beratern, der mehr zählt, als die Kurie. Das ist normal. Aber die Legende will, daß der Papst pop sein soll und jedesmal, wenn dieses Image diskutiert wird, ist die Reaktion harsch.
In seiner Biographie von Papst Franziskus erinnert Paul Valley daran, daß Bergoglio nach den Jahren seines Provinzialates in Argentinien die Gesellschaft Jesu in ein "Pro-Bergoglio" und ein "Anti-Bergoglio"-Lager gespalten hinterließ. Das selbe passiert in der Kirche.





Wie sehr Papst Franziskus diese Spaltungen vorsätzlich schafft, muß noch festgestellt werden. Wenn man seine Schritte aufmerksam betrachtet, scheint es, daß er sich nicht einfach für rechts oder links entscheidet. Das Endziel scheint eine Art Revanche für den Süden und das "pueblo" zu sein, also das Volk im positiven Sinn, wie Franziskus den Terminus interpretiert. Diese "Revanche" wird durch eine wachsende Repräsentanz der Welt im Kardinalskollegium, durch seine Treffen mit den Volksbewegungen, seinem Bestehen auf dem Profil des Priesters, der den Geruch der Schafe angenommen hat, bewiesen.

Gibt es etwas, was Papst Franziskus wahrscheinlich tun wird? Man hört das Gerücht, daß es ein motu proprio geben wird, daß die SSPX ( die sog. Lefebvristen) zur vollen Kommunion mit der Kirche bringt . Das motu proprio wird von der Gesellschaft nicht verlangen, das II.Vaticanische Konzil anzuerkennen, was eine der minimalen Anforderungen war, die Papst Benedikt XVI während der Gespräche gestellt hatte. Es ist abzuwarten, wie die Progressiven möglicherweise auf die Öffnung zum "rechten Flügel" der Kirche durch Papst Franziskus reagieren werden.
Aber diese Dinge werden durch eine "Kommission zum Studium einer Liturgie für eine ökumenische Eucharistie" ausgeglichen werden, die wie berichtet wird, von Erzbischof Domenico Sorrentino  von Assisi und Piero Marini, dem früheren päpstlichen Zeremonienmeister eingerichtet wurde und geleitet wird. Beide sind Gurus einer angeblich modernistischen Liturgie.
Der Papst streckt am Ende jedermann seine Hand hin, basierend auf seiner Vorstellung von Pragmatismus und der Begegnungskultur.

Weitere mögliche Schritte. Es gab viele Gerüchte, daß der Papst die Zahl der wählenden Kardinäle in einem Konklave von 120 auf 150 erhöhen wird, um eine breitere Repräsentanz der Katholischen Welt zu ermöglichen. Wenn das so ist, könnte ein neues Konsistorium bereits im Juni einberufen werden. Auch wenn eine solche Reform bereists herumgeht, kann es immer noch Überraschungen geben.

Aber Papst Franziskus legt auf diese Reformen mehr Wert als auf alles andere. Die Kurien-Reform ist auf dem Abstellgleis, während der Papst dem Thema Migration großes Interesse entgegenbringt: er leitet persönlich das Büro für Migration innerhalb des neuen Dicasteriums für ganzheitliche menschliche Entwicklung, jeden zweiten oder dritten Tag ruft er das Büro an oder sendet eine Botschaft, empfängt die Untersekretäre des Dicasteriums jeden Monat und weist immer darauf hin worauf der Focus liegen soll oder nicht, was öffentlicht gemacht werden soll und was nicht. liebt

Papst Franziskus liebt es am Ende Dinge zu tun, mehr als über Dinge nachzudenken. Aus diesem Grund ist er ein Zentralisierer, er berechnet ob eine Geste angemessen ist oder nicht und denkt über Diplomatie wie er über Theologie denkt: man sollte beides im Gehen tun.

Aus diesem Grund hat er in "Die Zeit" betont, daß - obwohl er der Ukraine viel Aufmerksamkeit schenkt, er nicht nach Rußland gehen kann. weil er dann auch in die Ukraine gehen müßte, und läßt verstehen, daß die Situation in der Ukraine immer noch zu kompliziert ist.

Es gibt de facto rund um das Pontifikat eine "unerzählte" Geschichte, was für seine Interpretation nicht hilfreich ist. Diese "unerzählte" Geschichte hilft der säkularen Presse, die den Papst als Pop-Papst sieht, dabei eine Art Mythos um ihn herum zu kreieren, wobei sie vermeiden, irgendetwas zu berichten, was am Ende die Legende ruinieren würde.

Das ist auch nichts Neues. Der Hl. Johannes Paul II wurde als der "Superstar-Papst" gefeiert, Aber seine Botschaft war klar. So sehr, daß eine US-Zeitung einst titelte: "Wir mögen den Sänger, aber nicht das Lied."  Heutzutage zählt das Lied nicht. Das ist nicht gut für dieses Pontifikat, so wie es nicht hilft auf seine sowohl auf seine hellere und dunklere Seite zu schauen.

Quelle: A. Gagliarducci, Monday in the Vatican

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