Mittwoch, 12. April 2017

Kardinal Burke: Fortsetzung des Interviews


Frage:
"Ist die Krise des Malteser Ordens endlich beendet? "
Kard. Burke
"Das ist eine Frage, die schwer zu beantworten ist. Im Augenblick bin ich von jeder Beteiligung am Malteser Orden ausgeschlossen. Während ich immer noch den Titel des Kardinalpatrons trage, hat der Papst klar gemacht, daß die einzige Person, die Fragen des Malteser Ordens im Namen des Hl. Vaters handhaben kann, Erzbischof Becciu ist. Deshalb weiß ich es nicht.
Im April sollte die Wahl eines neuen Großmeisters stattfinden und ich hoffe, daß ein herausragender Führer unter den geweihten Rittern gewählt wird, der anfangen kann, die Dinge in Ordnung zu bringen und den Orden in die richtige Richtung führen kann.
Der Hl. Vater hat mir in seinem Brief vom 1. Dezember des vergangenen Jahres klar gemacht, daß er sich sehr ernste Sorgen um den Orden macht.
Meiner Meinung nach, sind diese Sorgen sehr berechtigt und ein neues Führungsteam wird auf diese Sorgen reagieren müssen."

Frage: 
"Hat der Papst Sie beauftragt, die Freimaurer aus dem Malteser Orden zu entfernen?"

Kard. Burke:
"Der Papst war sehr klar mir gegenüber, daß ein Freimaurer nicht Mitglied des Malteser Ordens sein kann. Und so sagte er mir, wenn dort Ritter sind, die Mitglied bei den Freimaurern geblieben sind, müssen sie ausgeschlossen werden. Daran habe ich gearbeitet."

Frage:
"Gab es einen Interessenkonflikt zwischen den Mitgliedern der Kommission, die der Hl Stuhl ernannt hat, wie einige Vaticanisti und sogar der Großmeister sagten?"

Kard. Burke: 
"Das ist etwas Wichtiges in der Krise des Malteser Ordens und diese Sache muß geklärt werden. Weil für jeden mit gesundem Menschenverstand dort etwas sehr Seltsames vorgeht.
Betrachtet man die große Spende, von der ein Teil dem Malteser Orden hinterlassen wurde, gibt es kein klares Wissen darüber, wer der Spender ist, was genau die Erbschaft ist, wie sie verwaltet wird und das ist nicht richtig. Diese Dinge müssen klar sein.
Und dann war es sehr seltsam. daß drei Leute, die direkt in die Sache mit der Stiftung für den Orden befaßt waren, die Gruppe sein sollte, die die ganze Frage der Entlassung des Großkanzlers untersuchte und empfahl, daß er wieder eingesetzt werden sollte."

Frage:
"Der Bruder von von Boeselager wurde für das IOR ernannt...?"

Kard.Burke:
"Albrecht von Boeselager, der Großkanzler, wurde gebeten, zurückzutreten und als er sich weigerte, wurde er abgesetzt. Dann wurde - wenige Tage später - sein Bruder Georg von Boeselager in die Kontrollkommission für das IOR, das wir Vaticanbank nennen  berufen. Das erscheint wirklich merkwürdig."





Frage:
"Welche Rolle haben Sie nach der Ernennung Beccius im Orden?"

Kard. Burke:
"Ich habe jetzt keine Rolle. Ich habe einen Titel, aber ich habe keine Funktion."

Frage:
"Ihre Hände sind gebunden....?"

Kard. Burke:
"Ja. Ich respektiere die Anordnung des Hl. Vaters und ich habe zur Zeit nichts mit dem Orden zu tun."

Frage:
"Waren Sie der Hauptgrund für die Krise?"

Kard. Burke:
"Das weiß ich nicht. Die ganze Entwicklung ist mir so fremd, daß es für mich schwer ist, zu verstehen, was das eigentliche Ziel war. Eine Sache ist sicher klar, daß die Wiedereinsetzung des Großkanzlers der Hauptgrund war. Ob das auch bedeutete, mich als Kardinal-Patron zu entfernen, weiß ich nicht."

Frage:
"Es wurde gesagt, daß die Sendung auf die Insel Guam eine Bestrafung des Papstes wegen der Dubia war. Die Reise war aber seit Monaten geplant -sogar schon vor der Veröffentlichung der Dubia. Ist das ein anderes Beispiel  für die "fake news" die Präsident Trump so sehr anprangert?"

Kard. Burke
"Das ist falsch oder fake-news. Ich denke, es war im Oktober, als ich gebeten wurde, Präsident eines aus 5 Richtern bestehenden Gerichtes zu sein, das über den Fall von Erzbischof Apuron in der Kirche urteilen sollte. Mit anderen Worten, das Gericht sollte die Richtigkeit der Beschuldigungen gegen den Erzbischof von Guam beurteilen und deshalb wurde die Reise nach Guam völlig unabhängig von den Schwierigkeiten mit den Dubia oder den Problemen des Malteser Ordens geplant. Dann ist da die Tatsache, daß ich aus sehr speziellen Gründen dorthin gegangen bin und ich war dort 3 Tage. Es war also kaum ein Exil."

Frage:
"Wie ist Ihr Verhältnis zum Hl. Vater?"

Kard. Burke:
"Ich habe seit dem Treffen im November letzten Jahres nicht mehr mit ihm gesprochen. Ich habe ihn nach dem Treffen mit dem Kardinalskollegium und der Römischen Kurie vor Weihnachten gegrüßt, aber ich habe nicht mit ihm gesprochen und er hat mir keine Audienz gewährt. Also weiß ich nicht, was er denkt."

Frage:
"Sie haben ihn also um eine Audienz gebeten?"

Kard. Burke:
"Ja"

Frage: 
"Und während der ganzen Krise des Malteser Ordens?"

Kard. Burke:
"Ich hatte keine Chance und keine Gelegenheit, mit ihm darüber zu sprechen."

Frage:
"Was denken Sie über die jüngste Äußerung des Generals der Jesuiten, in der er die Striktheit der Hl. Evangelisten in Frage stellte? "

Kard. Burke:
"Das ist vollkommen falsch. Ich finde es tatsächlich unglaublich, daß er solche Behauptungen aufstellt. Auch sie müssen korrigiert werden. Es ist unvernünftig zu denken, daß diese Worte, die nach Jahrhunderten des Studiums als direkte Worte unseres Herrn verstanden wurden, jetzt nicht mehr die Worte des Herrn sind, weil sie nicht auf Tonband aufgenommen wurden. Ich kann das nicht verstehen."

Frage:
"Aber ist kein einfacher Fehler....?"

Kard. Burke:
"Es ist ein schwerer Fehler, der korrigiert werden muß."

Frage:
"Und wer kann diese Äußerungen korrigieren?"

Kard. Burke:
"Ich würde sagen, die  Glaubenskongregation, das Organ des Papstes zum Schutz der Wahrheit und der Moral."

Frage: 
"Vatileaks: die Leaks sprechen von 1000 Wohnungen des Hl. Stuhls in Rom. Glauben Sie, daß die Kirche als größter Grundbesitzer im Caput Mundi der Glaubwürdigkeit iher evangelischen Botschaft beraubt wird?"

Kard. Burke: 
"Zuerst weiß ich nicht, ob das stimmt. Was ich sagen würde, ist Folgendes: ich glaube nicht. daß die Kirche, wenn sie die Grundstücke besitzt, ihre Glaubwürdigkeit verliert, aber die Art, wie das Land verwaltet wird, wird die Glaubwürdigkeit sehr beeinflussen. In der Tat, könnte die Kirche, wenn sie alle diese Grundstücke besitzt, sie für viele gute Zwecke nutzen, aber die Verwaltung muß strikt nach dem Kirchengesetz erfolgen. Ich sage nicht, daß es nicht so geschieht, aber für meinen Teil  wäre der einzige Skandal , wenn dieser Besitz nicht korrekt verwaltet würde."

Frage:
"Die Vatican-Diplomatie hat sich während der letzten Jahre sehr verändert.Wie beurteilen Sie, dass der Hl. Stuhl den homosexuellen Liebhaber des Premierminister von Luxemburg als "Gefährte" behandelt hat?"

Kard. Burke:
"Ich denke. daß etwas getan werden muß, um das öffentliche Bild anzugehen. das durch solche Aktionen gegeben wird. In der Vergangenheit hat der Hl. Stuhl sich auf sehr diskrete und respektvolle Weise geweigert, eine solche Sache zu erlauben. Wir müssen dahin zurück kehren. weil wenn wir das offen zulassen, wird der sehr starke Eindruck vermittelt, daß der Hl. Stuhl diesen Dingen jetzt zustimmt. Das muß also geklärt werden. Ich denke auch, daß die Bedingungen, für die die offiziell ausgewählt und eingeladen werden, um bei Konferenzen beim Hl. Stuhl zu sprechen, müssen klar sein. Ich verstehe nicht, wie Leute, die der Kirche und ihrer Lehre offen widersprochen haben, zu dieser Art Konferenz eingeladen werden können."

Frage:"Wie Paul Ehrlich....?"

Kard. Burke:
"Genau, Paul Ehrlich.... Ein hervorragendes Beispiel ."

Frage:
"Ja, aber der, der für diese Einladung verantwortlich war, war Kardinal Ravasi, der "Liebe Freimaurer-Freunde " an Il Sole 24 geschrieben hat...."

Kard. Burke:
"Ja, ich habe dieses Buch noch nicht gelesen (Alberto Bárcena: Freimaurerei, Religion und Politik), aber wer auch immer verantwortlich ist, muß uns dafür auch eine Antwort geben."

Frage:
"Der Brief von Kardinal Ravasi?"

Kard. Burke:
"Ich habe diesen Brief nicht gelesen. Ich habe ihn nicht gelesen, aber ich habe von ihm gehört."

Frage:
"Islam: Kardinal Sarah warnte vor zwei Gefahren: Islam und Gender-Theorie. Glauben Sie, daß der Islam zu einer Koexistenz mit der Westlichen Welt fähig ist?"

Kard. Burke:
"Ich teile die Sorgen Kardinal Sarahs. Das sind die beiden großen Bedrohungn der Gegenwart. Ich bin auch sehr stark davon überzeugt, daß einer der Hauptwege sie anzugehen die Erziehung ist. Wir müssen sicherstellen, daß in unseren Schulen und unseren Universitäten die Wahrheit gelehrt wird. "Sowohl über die menschliche Natur selbst und die ganze Gender-Frage, die eine komplett künstliche Erfindung einer bestimmten Ideologie ist. Und auch, daß die Wahrheit  über den Islam gelehrt wird. Die Natur des Islams ist eine Form der Herrschaft. Durch seinen eigenen Glauben oder seine Prinzipien will er die Welt beherrschen. Und auch durch Allah. Die Figur Allahs im Koran und anderen islamischen Schriften unterscheidet sich total vom Gott des Judäo-Christlichen Glaubens.

Frage:
"Welche Gründe für Hoffnung hat eine Katholische Familie in der heutigen Welt, die von einer Kultur des Todes markiert wird, und in der die Gender-Ideologie als die einzig Wahre über das menschliche Sein betrachtet wird?"

Kard. Burke:
"Natürlich gibt es Grund zur Hoffnung, weil Christus seine Gnade immer Einzelnen und Familien gibt. Und diese ganze Situation kann durch Einzelne und Familien verändert werden. Ich reise jetzt viel in die verschiedenen Teile der Welt. In Amerika und überall wohin ich komme,finde ich gute junge Menschen und gute junge Familien und andere Familien, die vielleicht  nicht jung, aber sehr engagierte Katholische Familien sind. Das gibt mir Hoffnung, weil je mehr wir einander ermutigen können Jesus Christus treu zu sein, wir die Welt verändern können."

Frage:
"Welchen Rat würden Sie diesen katholischen Familien geben, die wollen, daß ihre Kinder in Freiheit aufwachsen?"

Kard. Burke:
"Mein Rat wäre, zu beten, besonders die Hl. Eucharistie und regelmäßige Beichte, als Mittelpunkt des Familienlebens, sehr sorgfältig auf die Erziehung der Kinder in der Lehre der Kirche und des Moralgesetzes zu achten und drittens mit anderen Familien zusammen zu arbeiten, sich gegenseitig zu ermutigen und eine große Kraft für das Gute in der Welt zu werden."

Frage:
"Der Papst machte eine Äußerung, daß von jetzt an, die von Priestern der FSSPX gefeierten Hochzeiten anerkannt werden."

Kard. Burke
"Ich habe das noch nicht gelesen. Das ist eine sehr wichtige Aktion des Hl. Vaters und das zeigt auch, daß es irgendwie eine Versöhnung mit der FSSPX geben muß, weil was der Papst im Grunde sagt, ist, daß die Priester dieser Gesellschaft, wenn sie Ehen bezeugen, die Jurisdiktion der Römisch-Katholischen Kirche ausüben. Das ist also sehr interessant."

Frage:
"Glauben Sie, daß eine Personal-Prälatur ein guter Weg zur Versöhnung ist?"

Kard.Burke:
"Ich glaube, daß das ein sehr effektiver Weg für die Versöhnung sein kann."

Frage:
"Wären das große Nachrichten?"

Kard. Burke:
"Ja Ich bete dafür und hoffe, daß es passieren wird. Aber die Versöhnung muß natürlich auf einem gemeinsamen Verstehen basieren. Wir können das nicht nur einfach wollen. Mit anderen Worten, wenn es kein gemeinsames Verständnis gibt, wird das, was wir versöhnen. zu allen möglichen Konflikten und Schwierigkeiten führen.Wir müssen sicherstellen, daß es ein gemeinsamesVerständnis bei allen Fragen gibt, die die FSSPX in der Vergangenheit an die Kirche, den Hl. Stuhl und die Richtung der Katholischen Kirche hatte."

Quelle: infovaticana, Kard. Burke

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