Dienstag, 11. April 2017

Kardinal Burke im Interview u.a. über die Dubia

Gabriel Ariza hat für infovaticana Kardinal Burke zu den Dubia, einer  eventuellen formalen Korrektur des Papstes und zur Situation im Malteser Orden interviewt.
Hier geht´s zum Original:  klicken

"BURKE : ES GIBT EINE SEHR GEFÄHRLICHE VERWIRRUNG UND MIT DER VERWIRRUNG KOMMT DIE SPALTUNG"

"Wir besuchen Kardinal Burke in seinem Apartment, sehr nahe am Vatican. Das Erste, was die Gäste sehen, wenn sie eintreten, ist ein Portrait von Papst Franziskus.

Raymond Leo Burke wurde am 30. Juni 1948 in Wisconsin geboren. 2003 wurde er zum Erzbischof von St, Louis, Missouri, einer der ältesten und prestigeträchtigsten Diözesen der USA ernannt. Angesichts seines internationalen Prestiges als Kirchenrechtler ernannte ihn Benedikt XVI zum Präfekten des Obersten Gerichtshofes der Apostolischen Signatur, der er blieb, bis ihn Franziskus mit dem Malteser Orden beauftragte.
Dem Hl. Herzen Jesu sehr fromm zugetan, hat er ihm seine Diözese geweiht, und sogar einen Altar der Kathedrale von St. Louis.
Wir konnten im Interview mit ihm über die Dubia sprechen, die Krise des Malteser Ordens, die ersten drei Monate von Trumps Präsidentschaft und einige andere Themen,
Das Interview findet unter 3 Bildern statt:
Ein Foto von ihm mit dem Papa emeritus, Benedikt XVI, eine Reliquie des Hl. Raimundo von Penafort, sein Schutzpatron und eine neapolitanische Schnitzerei des schlafenden Hl. Josephs, die jemand kürzlich dem Kardinal geschenkt hat.

Frage:
"Wie bewerten Sie die ersten Monate von Donald Trump im Weißen Haus?"

Kard. Burke:
"Es ist ganz klar eine sehr schwierige Zeit, weil die Bürger der USA gezeigt haben, daß sie wollen, daß ihr Land eine neue Richtung einschlägt und Präsident Trump versucht, die Wünsche zu erfüllen, die das Volk ausgedrückt hat, als es ihn  wählte. Aber das ist nicht leicht, weil es viele Kräfte gibt, die dagegen sind und er ist ein neuer Präsident, der seinen Weg finden muß, wie man am besten die guten Dinge erreicht, die man schaffen will. Deshalb denke ich, daß die Dinge gut werden, aber die ersten 100 Tage sind schwierig gewesen. Das ist keine Frage. Ich kenne ihn nicht persönlich. Ich habe nie mit ihm persönlich gesprochen, aber ich glaube, daß er sehr entschlossen ist, das Mandat zu erfüllen, das er vom Volk der USA erhalten hat."

Frage: 
" Glauben Sie, daß es jetzt mehr Hoffnung für die Pro-Life-Bewegung gibt, mehr Schlachten zu gewinnen, wie Mike Pence während des Pro-Life-Marsches sagte."

Kard. Burke:
"Absolut. Präsident Trump ist da sehr klar, auch wenn er in der Vergangenheit nicht so klar war. Er macht es jetzt sehr klar, daß er die unverwundbare Würde des unschuldigen und wehrlosen menschlichen Lebens und daß die Gesetze der USA die Ungeborenen schützen will."

Frage:
"Glauben Sie also, daß die neue Regierung sich wirklich in der Verteidigung des Lebens engagiert? "

Kard. Burke:
"Absolut, Vize-Präsident Pence war lange Zeit einer der Führer unter den Politikern der Prolife-Bewegung."

Frage:
"Glauben Sie, daß der Aufstieg der alternativen Rechten und die Beschränkung der Globalisierung gute Nachrichten für die Freiheit sind?"

Kard. Burke:
"Ich denke, daß die wichtige Sache ist, daß die Kirche diese politischen Führer einbindet, die viele gute Ideen haben und mit ihnen spricht, um ihnen die Richtung, die die Katholische Soziallehre vorgibt, anzubieten, die immer das Allgemeinwohl berücksichtigt, weil in jedem politischen Programm sehr gute Aspekte sein können, aber auch Aspekte, die nicht so gut sind oder verbessert oder perfektioniert werden müssen.
Was für uns, für die Kirche am wichtigsten ist, ist daß wir selber nicht politisiert werden und uns in einer oder der anderen Partei engagieren, sondern mit diesen Führern sprechen, die viele positive Zeichen zeigen und ihnen helfen, daß ihre Vision und ihr Programm auf bestmögliche Weise dem allgemeinen Wohl dienen mögen."





Frage:
"Baut der Vatican Brücken zur Trump-Administration oder baut er eine Mauer?"

Kard. Burke:
"Ich habe da keine Kenntnis, weil ich keine Kommunikation mit dem Staatssekretariat habe, das damit befaßt ist. Ich muß sagen, daß ich den Osservatore Romano, die offizielle Zeitung des Vaticans, dauerhaft ziemlich negativ über Präsident Trump finde und ich denke nicht, daß das hilfreich ist."

Frage:
"Der Journalist Jason Horowitz sagte in der New York Times, daß Sie ein Treffen mit Stephen K.Bannon hatten? Gab es das wirklich oder sind das "fake news".

Kard. Burke:
"Sie sagen mir, daß ich ihm vor Jahren vorgestellt wurde, aber wir haben uns damals sicher nicht getroffen. Tatsächlich erinnere ich mich nicht, ihn getroffen zu haben. Aber sie sagen mir, daß ich ihm vorgestellt wurde, aber um ganz ehrlich mit Ihnen zu sein,  ich erinnere nicht genau, wie er aussieht.... ich habe ihn nie getroffen."

Frage:
"Sie haben also keine Verbindung zur Trump-Administration?"

Kard. Burke:
"Nein, habe ich nicht."

Frage:
"Was war der Hauptgrund für die vier Kardinäle die Dubia zu veröffentlichen?"

Kard. Burke:
"Weil es so viel Verwirrung in der Kirche gibt, über fundamentale Fragen, die als in sich moralisch böse angesehen werden, im Hinblick auf die Hl. Kommunion und die richtige Disposition, um die Hl. Kommunion zu empfangen und im Hinblick auf die Unauflöslichkeit der Ehe.
Da ist soviel Verwirrung, daß wir zuerst den Hl. Vater gebeten haben, diese Fragen, diese fundamentalen Fragen zu klären. Wir haben unsere Bitte auf diese vier Fragen der Dubia beschränkt. Weil es keine Antwort gab und weil so viele Leute zu uns sagen"Aber warum  tut Ihr Kardinäle nicht Eure Pflicht und lehrt diese Dinge klar?", war es uns wichtig,  daß wir die Menschen von den dubia wissen lassen mußten. 
Ja, wir tun unser Bestes, wir versuchen, vom Hl. Vater die Richtung zu bekommen, die die Kirche genau jetzt braucht. 
Weil es eine sehr gefährliche Verwirrung gibt und auch, weil mit der Verwirrung die Spaltungen kommen. Priester gegen Priester und Uneinigkeit zwischen Mitkatholiken, darüber ob man in der Lage ist, die Sakramente zu empfangen, wenn man in einer ungültigen Ehe lebt. Wir finden Uneinigkeit unter den Bischöfen und das sollte es nicht geben.... das ist nicht gut für die Kirche."
Frage:
"Warum haben nur vier Kardinäle die Dubia unterschrieben?"
Kard. Burke:
"Ich kann Ihnen sagen, daß es mehr als vier Kardinäle gibt, die die Dubia unterstützen, aber aus verschiedenen Gründen, wollen sie das nicht öffentlich sagen. Die vier Kardinäle, die unterschrieben haben, wußten einfach, daß es unsere Pflicht war und dachten nicht, daß wir eine bestimmte Zahl von Kardinälen an unserer Seite brauchten. Wir wußten, daß wir das tun mußten und so haben wir es getan."

Frage:
"Hatten Sie private Unterstützung von anderen Kardinälen?"

Kard. Burke:
"Ja"
Frage:
"Was würden Sie zu denen sagen, die sagten, Sie würden den Papst herausfordern?"
Kard. Burke:
"Da ist keinerlei Herausforderung des Papstes. De facto ist die Praxis, die dubia oder die Fragen dem Papst zu bringen, eine sehr alte Praxis in der Kirche und das Dokument zeigt Respekt für den Papst, der die Kirche in einem kritischen Augenblick der Verwirrung leitet oder sogar in einer Zeit des Irrtums. Wenn Sie die Dubia lesen, sind die sehr respektvoll.Wir fragen ihn einfach nach dem Gewinn für die Kirche, um diese Dinge klarzumachen."
Frage:
"Sie haben über einige Beispiele einer formalen Korrektur des Papstes in der Kirchengeschichte gesprochen...?"
Kard. Burke
"Ich denke z.B. an Papst Johannes XXII der etwas Falsches über die Himmlische Vision lehrte. Gewisse Bischöfe und Theologen wiesen ihn darauf hin. Zuerst widerstand er ihrer Korrektur, aber dann - bevor er starb - zog er zurück, was er gesagt hatte und sagte, es sei ein Irrtum gewesen. Es gibt ähnliche Fälle in der Kirchengeschichte. Einige wegen größerer praktischer Dinge, sogar auch wegen der Verwaltung der weltlichen Güter.
Z.B. sind Kardinäle zum Hl. Vater gegangen und haben zu ihm gesagt: "nach unserem Urteil verwalten Sie die Kirchengüter nicht gut," und dann korrigierte der Papst sich selbst.
Frage:
"Glauben Sie, daß es eine formale Korrektur von Papst Franziskus geben wird?"
Kard. Burke:
"Bevor wir diesen Schritt unternehmen, würden die Kardinäle noch einmal persönlich,an den Hl. Vater herantreten, um zu sagen: "Hl. Vater,die Sache ist so ernst, daß wir Sie korrigieren müssen und ich denke, daß der Hl.Vater in dem Augenblick antworten wird."
Frage:
"Aber Sie denken nicht, daß das Interview von Kardinal Müller in Il Timone eine Antwort auf die Dubia war?"

Kard. Burke
"Das glaube ich. Es trägt sicher vieles zur Diskussion bei und es macht sehr klar, was die Kirche in dieser Hinsicht lehrt. Ich glaube, aber ich weiß es nicht, weil ich nicht mit Kardinal Müller gesprochen habe, daß das Interview eine pastorale Bemühung seinerseits ist, die Lehre der Kirche klar zu präsentieren."

Frage: 
"Aber der Papst hat noch nicht geantwortet....?"

Kard. Burke: 
"Meines Wissens nicht und ich glaube auch nach dem Wissen der anderen drei Kardinäle nicht. Ich denke nicht, daß er eine Antwort gegeben hat."

Frage; 
"Was ist mit dem Datum für eine formale Korrektur?"

Kard. Burke:
"Ich kann wirklich nicht darüber sprechen, weil es eine Sache ist, der man sich mit großem Respekt und Taktgefühl nähern muß. Und ich will kein Datum vorgeben, das auf irgendeine Weise die Handhabung der Sache negativ beeinflussen würde oder irgendeinem Beteiligten gegenüber Respektlosigkeit zeigen würde."

Frage:
"In den vorausgehenden Momenten und nachdem Sie die Dubia veröffentlicht haben, waren Sie in Kontakt mit dem emeritierten Papst?"

Kard. Burke: 
"Nein, ich habe nie mit ihm über die Dubia gesprochen."

Fortsetzung folgt.....

Quelle: infovaticana, Kard. Burke 

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