Montag, 3. April 2017

Kardinal Sarah zum Zusammenhang zwischen Liturgie und Kirchenkrise

Lorenzo Bertocchi berichtet in La Nuova Bussola Quotidiana über die Botschaft, die Kardinal Robert Sarah an das "Liturgische Treffen" zum 10. Jahrestag der Veröffentlichung von Summorum Pontificum geschickt hat- und veröffentlicht Auszüge daraus.

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"SCHISMEN, SAKRILEGIEN UND WENIG GLAUBE.
SARAH STELLT DIE LITURGISCHE FRAGE ZURÜCK INS ZENTRUM"

"Vom 29. März bis zum 1.April wurde in Herzogenrath, Deutschland, die 18. Liturgische Begegnung von Köln abgehalten- zum 10. Jahrestag des Motu Proprio "Summorum Pontificum" von Benedikt XVI . Mit diesem Motu Proprio hat der jetzige Papa Emeritus den sog. Ordo Vetus der Liturgie wieder zutage gefördert,  nach dem die Messe nach dem Römischen Ritus gefeiert wurde, der der postkonziliaren Reform voranging. Der Präfekt der Liturgiekongregation, Kardinal Robert Sarah, der bei der Begegnung nicht anwesend sein konnte, hat eine Botschaft geschickt, die sicher von sich sprechen machen wird.
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GEGENSEITIGE BEREICHERUNG DURCH DIE BEIDEN RITEN
Der Kardinal erinnerte an den Brief an die Bischöfe, der das motu proprio von Papst Benedikt XVI begleitete. In dessen Text wurde präzisiert, daß  die Entscheidung, beide Formen des Römischen Ritus nebeneinander bestehen zu lassen, nicht nur etwas über ihr friedliches Nebeneinander aussagen sollte, sondern auch über die Möglichkeit, sich darin zu vervollkommnen, auf die besten Elemente, die sie charakterisieren, hinzuweisen.

Da, wo das Motu Proprio angenommen wurde- sagt Sarah- konnte man einen Widerhall und eine positive spirituelle Entwicklung bei der Art wie wir die Eucharistie nach der Ordentlichen Form feiern, feststellen, besonders bei der Wiederentdeckung der Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes (...) und eine größere Sammlung und heilige Stille, die die wichtigen Momente des Hl. Opfers in der Messe betonen und die den Priestern und den Gläubigen erlaubt, das Geheimnis des Glaubens zu verinnerlichen, das gefeiert wird.
Auf der anderen Seite muß ein gewisser, zu formaler Rubrizismus überwunden werden, der die Riten der Tridentinischen Messe denen erklärt, die sie noch nicht kennen, oder sie nur auf eine spezielle Weise kennen.

EINE REFORM DER RUPTUR
Die Liturgie muß sich immer erneuern, um ihrer mystischen Essenz treu zu bleiben. Aber seit langer Zeit ist diese Reform, die die wahre Wiederherstellung ersetzt, die das II. Vaticanische Konzil gewollt hatte, in einem oberflächlichen Geist durchgeführt worden und auf Basis eines einzigen Kriteriums:
koste es was es wolle, ein empfangenes Erbe zu unterdrücken, das als völlig negativ und überholt wahrgenommen wurde, mit dem Ende, daß ein Abgrund zwischen dem Vor und dem Nach dem Konzil geschaffen wurde.Jetzt handelt es sich darum, die Konstitution zur Hl. Liturgie (Sacrosanctum Concilium) wieder aufzunehmen und sie ehrlich zu lesen, ohne ihren Sinn zu verraten, um zu sehen, daß es nicht das wahre Ziel des II.Vaticanums war, eine Reform zu beginnen, die Gelegenheit zu einer Ruptur mit der Tradition bieten würde, sondern im Gegenteil, die Tradition und ihren tieferen Sinn wiederzufinden und zu bestätigen.

DIE KRISE DER KIRCHE IST DIE LITURGISCHE KRISE
An den berühmten Hinweis, den schon der damalige Kardinal Joseph Ratzinger bei verschiedenen Gelegenheiten wiederholte, erinnernd, unterstrich der Präfekt, daß die "Krise, die die Kirche seit ungefähr 50 Jahren erschüttert, an die Krise der Liturgie gebunden ist, und  deshalb an den mangelndem Respekt, ihre Desakralisierung und Reduktion auf die horizontale Dimension der Hauptelemente des Göttlichen Kultes."

Auch wenn das Konzil eine größere aktive Teilnahme des Gottesvolkes erreichen wollte, "können wir nicht die Augen vor der Katastrophe, der Verwüstung und dem Schisma, den die modernen Förderer einer lebendigen Liturgie provoziert haben,  indem sie die Liturgie der Kirche nach ihren Ideen neu modellierten, verursacht haben. Die haben geleugnet, daß die liturgische Handlung nicht nur ein Gebet sondern vor allem ein Geheimnis ist, in dem sich etwas realisiert, das wir nicht völlig verstehen können, aber das wir annehmen und empfangen müssen- im Glauben, in der Liebe, im Gehorsam und in der anbetenden Stille. Und das ist der wahre Sinn der aktiven Teilnahme der Gläubigen." 





DIE LITURGIE ALS OPFER UND VERHERRLICHUNG GOTTES
Es gibt eine "schwere Krise des Glaubens", die wir nach Sarah erkennen müssen, "nicht nur auf der Ebene der Gläubigen, aber auch und besonders bei zahlreichen Priestern und Bischöfen, der uns unfähig gemacht hat, die Eucharistische Liturgie als Opfer zu erkennen, als einen Akt, der identisch ist mit dem, den Jesus Christus ein für alle mal vollzogen hat und der das Opfer am Kreuz auf unblutige Weise gegenwärtig macht, überall in der Kirche, durch alle Zeiten und Orte, Völker und Nationen. 
Es hat sich die sakrilegische Tendenz entwickelt, die Hl. Messe auf ein einfache gesellige Mahlzeit zu reduzieren, ein profanes Fest, und eine Selbstfeier der Gemeinde - oder noch schlimmer- auf eine monströse Unterhaltung gegen die Angst des Lebens, die sonst keinen Sinn hat, oder gegen die Angst Gott von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, weil es unseren Blick klärt und uns zwingt, auf unsere innere Wahrheit zu schauen."

Viele ignorieren, daß der Zweck aller Feiern, des Gloria und der Anbetung Gottes das Heil und die Heiligung des Menschen ist, weil in der Liturgie "Gott auf perfekte Weise gerühmt und die Menschen geheiligt werden (Sacrosanctum Concilium, Nr.7) . Das ist die Lehre des Konzils, die eine Mehrheit der Gläubigen, Priester und Bischöfe eingeschlossen, nicht kennen.

DIE VEREHRUNG GOTTES UND NICHT DES MENSCHEN
"Wie besonders Benedikt XVI unterstrichen hat" schreibt der Kardinal  "befindet sich an der Wurzel der Liturgie die Anbetung und also Gott. Deshalb müssen wir anerkennen, daß die schwere und tiefe Krise nach dem Konzil die Liturgie und die Kirche selbst beeinflußte und immer noch beeinflußt, sie ist der Tatsache geschuldet, daß in ihrem Zentrum nicht mehr Gott und seine Anbetung steht sondern die Menschen und ihre zum Vorwand genommene Möglichkeit, etwas zu tun, um sich während der eucharistischen Zelebration zu beschäftigen.
Auch heute unterschätzt eine bedeutende Anzahl von Klerikern die schwere Krise, die die Kirche betrifft : den Relativismus in der Lehre der Doktrin, Moral und Disziplin, den schweren Mißbrauch, die Desakralisierung und Banalisierung der Hl. Liturgie, die rein soziale und horizontale Sicht der Mission der Kirche.
Viele glauben und behaupten laut und deutlich, daß das II, Vaticanum einen wahren Frühling in der Kirche ausgelöst hat.
Jedoch hält es jetzt eine wachsende Zahl von Klerikern für möglich, daß dieser Frühling Ablehnung und Verzicht aufdas säkulare Erbe und auch eine radikale Infragestellung der Vergangenheit der Kirche und ihrer Tradition. Das politische Europa wird beschuldigt, seine christlichen Wurzeln zu verlassen oder zu verleugnen. Aber die erste, die ihre Wurzeln und ihre christliche Vergangenheit verlassen hat, ist unbestreitbar die postkonziliare Katholische Kirche.

DIE ÜBERSETZUNG DES MISSALE
Im Hinblick auf ein aktuelles Argument, angesichts dessen, daß eine vor kurzem eingerichtete Kommission an diesem Thema arbeitet, hat der Kardinal erklärt, daß "bestimmte Bischofskonferenzen sich weigern, den lateinischen Originaltext des Missale Romanum textgetreu zu übersetzen.
Einige fordern, daß jede Ortskirche das Missale Romanum -nicht nach dem heiligen Erbe der Kirche und auf Basis und den Prinzipien, die von "Liturgiam Authenticam" angezeigt werden, zu übersetzen, sondern nach den Phantasien. Ideologien und Kulturellen Ausdrucksformen die- wie sie sagen- vom Volk verstanden und akzeptiert werden.  
Aber das Volk will in die heilige Sprache Gottes eingeführt werden. Auch das Evangelium und die Offenbarung werden "neu interpretiert" "kontextualisiert" und an die dekadente westliche Kultur angepaßt. (...) 
Viele weigern sich, dem Werk der Selbstzerstörung der Kirche- mit ihren eigenen Händen, durch die einebnende Zerstörung ihrer doktrinalen, liturgischen, moralischen und pastoralen Fundamente ins Gesicht zu sehen."
DIE ZUKUNFT VON SUMMORUM PONTIFICUM
Am Ende seiner langen Botschaft hat der Präfekt der Liturgiekongregation seine Überzeugung ausgedrückt, die er er seit langem hegt: 
"Die Römische Liturgie, ín ihren beiden Formen versöhnt, ist selbst die Frucht einer Entwicklung (...) , sie kann den entscheidenden Fortschritt der "liturgischen Bewegung" voranbringen, auf den so viele Priester und Gläubige seit langem warten.
Aber wo beginnen? 
Ich erlaube mir, drei Wege vorzuschlagen, die ich in diesen drei Buchstaben zusammen gefaßt habe: S A F =  silenzio (Stille), adoratio, "formazione" (Bildung) 
Die Stille, ohne die wir Gott nicht begegnen können (...), die Anbetung (...) und liturgische Ausbildung -beginnend mit einer Glaubensverkündung oder Katechese, die sich auf den Katechismus der Katholischen Kirche stützt, der uns vor irgendwelchen mehr oder weniger überzeugenden Spekulationen an "Neuheit" erkrankten Theologen schützt. 
Ich bitte Sie, Summorum Pontificum mit großer Sorgfalt anzuwenden; nicht als eine negative oder rückwärtsgewandte Maßnahme oder als etwas, das Mauern baut und Ghettos schafft, sondern als wichtigen und wahren Beitrag zur Aktualität und zur Zukunft des liturgischen Lebens  der Kirche."

Quelle: La Nuova Bussola Quotidiana, L. Bertoccchi, Kardinal R. Sarah 




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