Sonntag, 30. April 2017

Leutnant ad interim. Wer ist Fra´ Giacomo Dalla Torre? Fortsetzung


Fortsetzung: 

"Der Malteser Orden setzt sich aus drei Klassen zusammen. 
Die erste besteht aus den Rittern des Rechts, -geweiht- und den geweihten Klosterkaplänen, die ein Armuts-Keuschheits-und Gehorsamsgelübde ablegen müssen und in jeder Hinsicht Ordensleute sind. 
Die zweite Klasse ist die des Gehorsams.
Die ihr Zugehörigen sind zu einem perfekt christlichen Leben verpflichtet, nach dem eigenen Stand, im Geist des Ordens und im Umfeld seiner Werke.
Schließlich setzt sich die "dritte Klasse" aus den Laienmitgliedern zusammen, die weder eine religiöse Bestimmung haben, noch ein Gelübde ablegen.

Nur die erste Klase- zu der der Großmeister gehört- ist Subjekt des kanonischen Rechts und untersteht der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften Apostolischen Lebens.

Und nur im Namen dieses Gehorsams hat der abgesetzte Großmeister Fra Matthew Festing die Forderung des Papstes akzeptiert, von seinem Amt- das an sich auf Lebenszeit angelegt ist- zurückzutreten- bei jener persönlichen Begegnung, die sie am vergangenen 28. Janur hatten.
Von Fra´ Festing wurde auch verlangt, nicht an der Wahl seines Nachfolgers teilzunehmen- durch eine andere vom päpstlichen Delegierten unterschriebene Botschaft- aber der hatte beschlossen trotzdem teilzunehmen, auch weil die Abwesenheit eines der geweihten Ritter die Wahl hätte ungültig machen können.

Die Ernennung eines Leutnants stellt das letzte Kapitel einer Saga dar, die sich vom Rechtsstandpunkt aus gesehen zwischen zwei entgegengesetzten Philosophien im Inneren des Malteser Ordens abgespielt hat und in der die entstandenen Fragen wie ein casus belli behandelt
wurden (Verteilung von Kontrazeptiva in drei Programmen des Ordens. die sofort beendet wurden, sobald sie bekannt wurden, oder die finanziellen Streitigkeiten um einen Schweizer Fonds mit Spenden an den Orden)  - und jetzt sind sie ein casus belli.



Die Geschichte noch einmal zu rekapitulieren ist nüzlich, auch wenn man-wie immer- verstehen und definieren muß, welches die exakte Rekonstruktion sei.

Zuerst ein Blick auf die Leitung des Malteser Ordens: der Souveräne Rat wird vom Generalkapitel gewählt und ist 5 Jahre im Amt. Er setzt sich aus dem Großkommendatore, der das religiöse Oberhaupt der religiösen Mitglieder des Ordens ist, dem Großkanzler, der als eine Art Außen- und Innenminister fungiert, dem Groß-Hospitalier, der der Minister für humanitäre Fragen und für Internationale Zusammenarbeit ist, und der Ricevitore del Comun Tesoro, der eine Art Finanzminister ist, zusammen.

Zu diesen kommen sechs Berater. Der Große Rat hat Exekutiv-Gewalt, das Generalkapitel die Legislative, die Legislativ-Gewalt liegt in den Händen des Ordensgerichtes.

Die Ernennung einer Arbeitsgruppe um Informationen über die Entscheidung des Großmeisters Albrecht von Boeselager, den Kanzler des Malteser Ordens, abzusetzen, einzuholen, wurde Anfang Januar von Papst Franziskus getroffen.
Diese Absetzung war im Dezember passiert, als John Edward Critien am 14. Dezember zum neuen Kanzler des Malteser Ordens ernannt worden war.
Es gab ein Comuniqué des Ordens, in dem betont wurde, daß von Boeselager ersetzt worden war, nachdem er sich geweigert hatte, auf die direkte Forderung des Großmeisters hin zurückzutreten,- was einen Bruch  der Gehorsamspflicht darstellte.

Der Orden hat die Möglichkeit, den Großkanzler zur ersetzen, immer als eine Option der internen Leitung betrachtet und jede mögliche Einmischung in die Souvränität des Ordens zurückgewiesen.
Besonders hat der Orden in einem Comuniqué, das am vergangenen 24. Dezember veröffentlicht wurde, zunächst erklärt, daß die Entscheidung des Hl. Vaters eine Gruppe zu ernennen"Frucht eines Mißverständnisses sei" und dann- als die Arbeit der Gruppe mit dem Sammeln von Informationen fortgesetzt wurde, mit einem am 11. Januar verteilten Comuniqué -gleichzeitig mit einem Treffen mit den beim Orden akkreditierten Botschaftern, das wie immer den Jahresbeginn für den Orden darstellte , so wie es beim Hl. Stuhl das Treffen des Hl. Vaters mit dem Diplomatischen Corps ist.
Die Konstitutions-Charta des Malteser Ordens zur Hand, bekräftigte das Comuniqué "daß die religiöse Natur nicht das Vorrecht der Souveränität des Ordens ausschließe -insofern er Subjekt des von den Staaten anerkannten Internationalen Rechts ist" und daß " der Orden-nach den Regeln des internationalen Rechts eine diplomatische Vertretung beim Hl. Stuhl hat."

Seinerseits hatte von Boeselager die Art und Weise seiner Ablösung kritisiert und auf verschiedene Weise bei den juristischen Institutionen des Hl. Stuhls appelliert- um schließlich beim Papst anzukommen und zu untertreichen, daß das Vorgehen bei seiner Absetzung -sei es wegen der Anwesenheit des Ordenspatrons im Moment der Aufforderung zum Rücktritt (eine Anwesenheit, die ein "vulnus iuridico" schuf) sei es wegen der Tatsache, nicht dem Willen des Pontife entsprach.

Und das ist, wo ein unheilbarer Bruch im Inneren des Malteser Ordens entstand- mit einer Reihe von Briefen, prozeduralen Vorwürfen und Gegenvorwürfen, die den Papst dazu veranlaßten, eine gemischte Kommission zu gründen, die in Wirklichkeit aus denen zusammengesetzt war, die entschlossen waren. den Großkanzler zu unterstützen.

Sicher konnte die Einsetzung einer Gruppe, die Informationen über die Ereignisse sammeln sollte, zu der Idee führen, daß der Hl. Stuhl die gesamte humanitäre Arbeit des Malteser Ordens in Frage stellt. 
Deshalb hat die Sala Stampa des Hl. Stuhls am vergangenen 17. Januar ein Comuniqué veröffentlicht, in dem die weltweiten Inititiativen des Malteser Ordens gelobt wurden und "seine Untertützung und Ermutigung für die unschätzbare Arbeit der Mitglieder und der Freiwilligen in den verschiedenen Teilen der Welt, in Erfüllung der Aufgabe des Ordens: der "tuitio fidei" (Verteidigung des Glaubens) und dem "obsequium pauperum" (Dienst an den Armen und Kranken und den Verletzlichsten)" ausgedrückt.

Aktivitäten die trotz allem weitergehen.  Es genügt, die website des Ordens durchzugehen, um z.B. die in der Ukraine organisierten Osterfeierlichkeiten zu sehen oder die Chronik einer kürzlichen Begegnung mit den Internationalen Migrationsorganisationen mit Focus Libyen.

Wie sehr sich der Malteser Orden ändern wird, weiß man noch nicht. 
Wird er immer mehr wie eine Art katholische NGO werden, nach Managerart geleitet und so seine Identität verlieren- die im Seelenadel besteht- vor dem heraldischen- und in den antiken Prinzipien des Rittertums verankert sind? 
Oder wird der seine Identität bewahren, mit größerer Emphase, die ihm seine Souveränität nach 800 Jahren der Nähe zu den Armen der Welt erlaubt?

Die Diskussion ist eröffnet. Aber sicher wird der Malteser Orden erneuert daraus hervorgehen. Es ist nicht das erste mal in der Gechichte, daß es interne Turbulenzen gibt. Aber seine Mission ist immer intakt geblieben."

Quelle: aciStampa, A. Gagliarducci



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