Montag, 3. April 2017

Martin Mosebach schreibt über Liturgie, Wahrheit und Schönheit

Ich hatte ja das Vergnügen vor gut 4 Jahren (wo ist denn nur die Zeit geblieben) Martin Mosebach in einem Gespräch mit Martin Walser zuhören zu können.
Das hat mich damals schwer, schwer beeindruckt, wie die beiden Gesprächspartner die verlorene Schönheit der religiösen Praxis bedauerten und zeigten, dass alles gute Streben ein Streben nach Gott ist und es Aufgabe der Liturgie ist, dieses Streben zu hegen und zu pflegen.
Wobei es ja so ist, dass in der Messe, eben der Mensch tut was er kann, soweit er kann, bis zur Wand, bis zu dem Punkt, wo es nicht mehr weiter geht und das ist der Punkt (ein richtiger Punkt, ein archimedischer Punkt) dann Christus in der Gestalt von Brot und Wein gegenwärtig wird und zwar weil, er, Gott, es so will.
Hier der Link zu meinen damalige Gedanken.

Wir sind hier bei etwas ganz zentralem angelangt.
Christus kommt in der Gestalt von Brot und Wein, weil er es so will!
Unser Problem ist, dass wir nicht mehr begreifen wer Gott ist und wer der Mensch ist, warum der Mensch ist!
Genau das, warum der Mensch ist, war die sogenannte "Erste Kathechismusfrage" und ihre Antwort lautete:
Der Mensch ist auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen um auf ewig bei ihm zu sein

Und das tut der Mensch, dachte man bislang immer, im Gottesdienst, weswegen glasklar ist, dass für Gott das Beste gerade gut genug ist, dachte man auf jeden Fall lange, ja bis, bis alles irgendwie anders wurde.



Auch hier versucht Martin Mosebach herauszuarbeiten, was es war, und was verkehrt lief.
Er hat einen Artikel geschrieben, der in "First Things" veröffentlicht wurde und lautet:
Zurück zur Form

Er sagt viel und bedenkenswertes, stellt fest, dass die Liturgiereform zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, mit Brachialgewalt umgesetzt wurde.
Dass eigentlich der Ritus nicht der Zeit "früher" gemäß war, sondern schon immer seiner zeit nicht gemäß war, weder dem Barock gemäß, noch der Gotik, noch dem Jugendstil, überhaupt keiner Zeit, weil er überzeitlich ist!
Aber das hat man irgendwie nicht sehen wollen.

Der Ritus hat, sagt Mosebach, und es stimmt auch, die unterschiedlichsten Menschen vereint, gallische Bauern, Indianer, Afrikaner, Menschen des Mittelalters und Menschen der Neuzeit, Arbeiter und Bauern, hochgelehrt Menschen und Analphabeten.

Und all das hat man getan, um die Menschen da abzuholen wo sie sind, sie in ihrer Wirklichkeit anzusprechen und wie die Floskeln alle so hießen.
Man hat, damals, auch schon vor dem Konzil, Kirchen bewusst so gebaut wie Fabrikhallen, was ja irgendwie ein Witz war, weil man gleichzeitig beklagte, wie schlecht es dem Arbeiter ginge, und dann geht die Kirche her, und lässt den Arbeiter, den sie doch, wie jeden anderen auch, zu Gott erheben will, auch am Sonntag nicht zur Ruhe kommen.
Ich denke, dass genau das das ganz schlimme an der neues Liturgie, so sie schlecht gefeiert wird,  ist.
Man lässt den Menschen nicht aus seinem Alltag herauskommen und wenn ich meinen bösen Tag habe, sage ich. Gemacht wird das von Leuten, die leider zu fein sind um mal richtig zuzupacken und deshalb keine Ahnung vom richtigen Leben haben!

Mosebach sagt das so:
Der große Schaden, der durch die Revolution angerichtet worden ist, besteht vor allem auch in dem Verlust der Selbstverständlichkeit, mit der alle Katholiken, analphabetische Ziegenhirten, Dienstmädchen und Arbeiter, Descartes und Pascal an der Liturgie teilnahmen. Der Ritus gehörte bis dahin zu den Reichtümern der Armen, die durch ihn in eine Welt eintraten, die ihnen sonst versperrt war - sie erlebten hier ein Jenseits im Diesseits, wozu sonst nur Künstler und Mystiker imstande sind.

genau so ist es nämlich!

und dann fährt Mosebach fort das ganze Drama, des mit ausgezogener Soutane dem Zeitgeist hinterherhecheln und dabei das, was helfen könnte, zu vernachlässigen, kurz und knapp zu beschreiben.

Seine [des alten Ritus] tiefe Verwurzelung in der Geschichte und seine Ausrichtung auf das Weltende schaffen eine Antizeit zur Gegenwart, die mit ihrer ausschließlich auf den Erwerbssinn zielenden Tendenz viele Menschen unbefriedigt läßt, zumal der Fortschrittsoptimismus, der die ökonomische Mentalität lange begleitet hat, inzwischen der Zukunftsangst und jedenfalls einem grundsätzlichen Pessimismus gewichen ist - das ist wahrlich nicht zu beklagen, es ist vielmehr ein allgemeines Erwachen aus einem gut zweihundert Jahre alten Wahn; Christen wußten immer, daß die Welt durch die Erbsünde gefallen ist und zu einem Optimismus, was den Verlauf der Geschichte angeht, keinerlei Anlaß bietet - die katholische Religion ist mit den Worten T. S. Eliots eine “Philosophie der Desillusionierung”, die aber nicht niederdrückt, sondern nur lehrt, die Hoffnung nicht auf etwas zu richten, was die Welt nicht geben kann.

Man könnte sagen, dass die Kirche damals, nach der Liturgiereform ihr Tafelsilber aus dem Fenster geworfen hat, und stattdessen Plastiklöffel  angeschafft hat, wobei langsam klar wird, Plastiklöffel sind auch nicht so das Wahre.

Meiner Erfahrung nach sind es die kleinen Leute, die dennoch den Glauben bewahren, auch und wenn sie oft so verschüchtert sind, dass sie es fast nicht zu sagen wagen.
In meiner Heimatpfarrei war das so, dass da ein schöner, goldstrotzender Hochaltar aus einer berühmten Bildhauerschule war.
Selbiger Hochaltar wurde vom Pfarrer und einigen modernierungssüchtigen Laien, in einer, im Wortsinn, Nacht und Nebelaktion aus der Kirche geräumt und vor der Kirche abgestellt, in Erwartung der für den nächsten Morgen bestellten Müllabfuhr.
Das Unternehmen wurde ruchbar, und einzelne, die dummen, vorkonzilaren, doofen kamen heimlich, ängstlich. schauend, dass sie keiner sah, unabgesprochen, und retteten, was sie tragen konnten.
Über 40 Jahre wurde über das Thema stillgeschwiegen.
Irgendwann schritt man zur Renovierung der Kirche, malte das eine oder andere Ornament wieder hin, stellte zu Lourdesmadonna noch die Bernadette, die jahrzehntelang im Keller stand usw.
Dann auf einem Fest, als man ins Ratschen kam, rückte einer raus, dass man auf dem Speicher, als man das Haus der Großmutter ausräumte, eine Tafel gefunden habe, die vielleicht von dem alten Altar stammen könnte.
Jemand anderes sagte, beim Großvater sei das auch so und so ergab eins das andere, man forschte nach und fand wirklich alle Teile, bis auf ein paar Verzierungen, die man nachschnitzen lies.

Nun steht er wieder goldglänzend da, der Altar und auch und wenn der Gottesdienstbesucher wenige, sehr wenige geworden sind, so haben sie es nun wieder schön.

So besteht einfach Hoffnung und ich kann nur empfehlen den schönen, großen Text von Martin Mosebach, der auch eine Würdigung Benedikts XVI und seines Motu Propio ist, zu lesen.
Daher hier noch mal der Link

Zu sagen ist auch, dass Mosebach nicht einem billigen Früher war alles besser, huldigt, sondern klar die Schwächen der 50er sieht, die ja zu dem Chaos geführt haben 

Wir wollen einfach beten!

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