Sonntag, 2. April 2017

Sandro Magister noch einmal zur Wahl von Papst Bergoglio

Sandro Magister setzt sich bei Settimo Cielo noch einmal mit den Vorgängen um die Wahl Jorge M. Bergoglios zum Papst auseinander.
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     "DER MANN, DER ZUM PAPST GEWÄHLT WERDEN SOLLTE"
"Die Operation, die zum Aufstieg des Franziskus-Phänomens führte, begann vor langer Zeit, vor so langer Zeit wie das Jahr 2002 zurückliegt, als L`Espresso zum ersten mal  entdeckte und berichtete, daß der damalige, wenig bekannte Erzbischof von Buenos Aires an die Spitze der Kandidatenliste für das Papstamt  gesprungen war, der richtigen Liste, nicht der der Schlagzeilen.

Die legte die Grundlagen für das Konklave von 2005 fest, als es kein anderer als Bergoglio war, auf den alle Stimmen derer fielen, die Joseph Ratzinger nicht als Papst wollten.

Und sie kam beim Konklave 2013 zum Tragen- vor allem deswegen, weil viele seiner Wähler immer noch sehr wenig über diesen Argentinischen Kardinal wußten und sicher nicht, daß er der Kirche einen Schlag in den Magen verpassen würde, so wie es vor einigen Tagen sein in der Sixtinischen Kapelle besiegter Rivale, der Erzbischof von Mailand, sagte.

Zwischen Bergoglio und seinen Großwählern gab und gibt es keine volle Übereinstimmung. Er ist mehr der Papst der Ankündigungen als der Durchführung, eher der Anspielungen als der Definitionen.

Es gibt aber einen Schlüsselfaktor, der mit den Erwartungen eines historischen Wendepunktes der Kirche zusammentrifft: die emblematische "Lücke von 200 Jahren" im Hinblick auf die moderne Welt, die von Carlo Maria Martini insinuiert wurde, dem Kardinal, der es liebte sich als "Antipapst" zu sehen- soll heißen als Vorläufer dessen, der da kommen sollte. Und das ist der Zeitfaktor. der für Bergoglio ein Synonym für "Prozesse zu starten" ist. Das Ziel bedeutet ihm wenig, weil das, was zählt, die Reise ist.

Und es ist wirklich so. Mit Franziskus ist die Kirche eine offene Baustelle geworden. Alles ist in Bewegung. Alles ist im Fluss. Es gibt kein Dogma, das noch gilt.
Man kann alles neu bewerten und entsprechend handeln.

Martini war sicher der klügste Kopf des St. Gallen-Clubs, der Bergoglios Aufstieg zum Papsttum steuerte. Der Club hat seinen Namen von der Schweizer Stadt bekommen, in der sich der Club traf, zu dem die Kardinäle Walter Kasper, Karl Lehmann, Achille Silverstrini, Basil Hume, Cormac Murphy-O´Connor und Godfried Danneels gehörten.
Von diesen beiden gehören nur noch zwei, Kasper und Danneels, zur Vorhut, die von Papst Franziskus mit besonderer Hochachtung belohnt und behandelt wird, trotz der Tatsache, daß sie zwei Kirchen repräsentieren. die sich im Chaos befinden- die deutsche und die belgische, wobei der Letztere 2010 sogar in Mißkredit geriet, dafür wie er versucht hatte, die sexuellen Missetaten eines seiner protegierten Bischöfe zu vertuschen, zu dessen Opfern dessen junger Neffe gehörte.





Bergoglio hat nie einen Fuß nach St. Gallen gesetzt. Es waren die Kardinäle des Clubs, die ihn als idealen Kandidaten annahmen und er paßte sich perfekt an ihre Pläne an.

Jeder in Argentinien erinnert auf eine sehr andere Art an ihn. wie er später als Papst selbst der Welt enthüllte. Schweigsam, zurückgezogen, finster im Ausdruck, selbst in Menschenmassen reserviert.

Kein einziges mal ließ er sich ein Wort oder eine Geste des Widerspruchs gegen den regierenden Pontifex, Johannes Paul II oder Benedikt XVI, entlocken. Im Gegenteil.
Er pries die Enzyklika "Veritatis Splendor" sehr ernsthaft gegen die historisch den Jesuiten zugerechnete "permissive Situationsethik".
Er hatte keine Bedenken, Luther und Calvin als die Feinde der Kirche und der Menschen zu
verdammen. Er ordnete ein Gesetz zugunsten der HS-Ehe der Täuschung durch den Teufel zu.

Damals schickt er die Katholiken nach Hause, die sich vor dem Parlament zu einer Gebetsvigil gegen die drohend Zustimmung zu diesem Gesetz versammelt hatten- "um vermischte Botschaften zu vermeiden".
Er kniete nieder, um sich öffentlich von einem protestantischen Pastor segnen zu lassen. Er schmiedete mit einigen von ihnen Freundschaften und auch mit einem Jüdischen Rabbiner.

Darüber hinaus ermutigte er seine Priester, niemandem die Kommunion zu verweigern, seien sie verheiratet oder in Kohabitation oder geschieden und wiederverheiratet. Ohne viel Wirbel und ohne diese Entscheidung publik zu machen, tat der damalige Erzbischof von Buenos Aires das, was die Päpste der Zeit verboten hatten und was er sofort erlaubte, als er einmal Papst geworden war.

In St. Gallen wußte und bemerkte man das. Und als Bergoglio gewählt wurde, lernte die Welt, ihn vom ersten Augenblick an als den, der er wirklich war, kennen.  Keine Schleier mehr.

Ein ausschlaggebender Moment des kalkulierten Aufstieg Jorge Mario Bergoglios zum Papstamt  war das Schlußdokument der Generalkonferenz der Lateinamerikanischen Bischöfe in Aperecida 2007.

Hauptautor dieses Dokuments war der damalige Erzbischof von Buenos Aires, der auch heute als Papst immer noch fortfährt, es als gültiges Programm für die Kirche nicht nur Latein-Amerikas sondern der ganzen Welt zu empfehlen.

Seltsamerweise jedoch- gibt es in den Paragraphen, die der Ehe und Familie gewidmet sind, im Dokument von Aparecida  keine Bezugnahme auf die "Offenheit", die Bergoglio später als Papst durchsetzen sollte und die er de facto in seiner Diözese von Buenos Aires schon praktizierte.

Aus den fast 300 Seiten des Dokumentes beziehen sich nur wenige Zeilen auf die Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen, zu denen er in § 437 seine Richtlinien gibt.

"Die Paare, die außerehelich zusammenleben, mit Umsicht, Vorsicht und leidenschaftlicher Liebe begleiten, den Richtlinien des Lehramts ("Familiaris Consortio ´84 ) folgend, und im Bewußtsein behalten, daß die, die wiederverheiratet und geschieden sind, die Kommunion  nicht empfangen können."

Und im vorangehenden Paragraphen wird bezüglich der Unterstützung einer Politik gegen das Leben und die Familie festgestellt:
"Wir müssen an der "eucharistischen Übereinstimmung" festhalten, das heißt, sich bewußt zu sein, daß man die Hl. Kommunion nicht empfangen und gleichzeitig mit Worten oder Taten gegen die Gebote handeln kann, besonders wenn zu Abtreibung, Euthanasie und anderen schweren Verbrechen gegen Leben und Familie ermutigt wird. Diese Verantwortung liegt besonders bei den Gesetzgebern, den Regierenden und den im Gesundheitssektor Beschäftigten ("Sacramentum Caritatis´ 83; Evangelium Vitae ´74. 74, 89).

Das hat Bergoglio 2007 geschrieben. Aber seine Gedanken waren woanders: bei der- von Benedikt XVI kritisierten- Überzeugung, daß "die Eucharistie kein Preis für die Perfekten, sondern eine kraftvolle Medizin und Nahrung für die Schwachen" ist, vergleichbar mit den Gastmählern Jesu mit den Sündern.

Mit den praktischen Konsequenzen, die er bereits als Bischof gezogen hat und später als Papst ziehen sollte."

Quelle: Sandro Magister, Settimo Cielo

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