Montag, 1. Mai 2017

PAPST FRANZISKUS, DER ENTSCHEIDER

A. Gagliarducci untersucht in seiner wöchentlichen Kolumne in Monday in the Vatican die einsamen Entscheidungen des Papstes, seine Entscheidungsfreude und seine Durchsetzungsfähigkeit.
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           "PAPST FRANZISKUS, DER ENTSCHEIDER"

"Während des letzten Treffens des Kardinalsrates, war eines der Themen, die auf dem Tisch lagen, die Dezentralisation und die Möglichkeit den Bischofskonferenzen mehr Autonomie zu geben.
Aber am Ende ist er es, der immer die Entscheidungen trifft. Nach 4 Jahren kann sein modus operandi definitiv als "Entscheidungen treffen"charakterisiert werden.
Das muß nicht unbedingt schlecht sein, Der Papst hat absolute Macht und er ist gerufen Entscheidungen zu treffen. Manchmal starke Entscheidungen - trotz hitziger Diskussionen , das ist der einzige Weg, damit die Dinge getan werden.
Nichtsdestoweniger hat die Methode von Papst Franziskus ihre Kontras.
Z.B. die von Beratergruppen vorgeschlagenen Lösungen zu ignorieren und die Schlußfolgerung, daß der Papst dem Rat dessen folgt, mit dem er zuletzt spricht und der Konsequenz, daß keiner, der an  den Gruppentreffen mit dem Papst teilnimmt, den Mut hat, Vorschläge hzu machen und seine Ideen zu verteidigen. 

Sowohl der gerade zu Ende gegangene Monat als auch der, der heute beginnt, zeigen Beispiele dafür, wie Papst Franziskus regiert.

Das erste Beispiel betrifft die Zukunft. Am Ende des Monats werden sich die Italienischen Bischöfe zu ihrer Generalversammlung treffen und nach 10 Jahren der Führung durch Kardinal A. Bagnasco einen neuen Vorsitzenden wählen,
Nach der Tradition wurden der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz und sein Sekretär immer vom Papst ernannt, weil der Papst der Bischof von Rom und Primas von Italien ist.

Zu Begin  seines Pontifikates bat Papst Franziskus die italienischen Bischöfe, diese Praxis zu ändern, die Wahlbedingungen zu ändern und zu diskutieren, ob sie ihren Vorsitzenden selber wählen wollten.
Das war keine neue Diskussion. Eine ähnliche fand 1983 statt, und eine breite Mehrheit der Intalienischen Bischöfe stimmte zugunsten einer Direktwahl des Vorsitzenden.
Ein Jahr später jedoch informierte der Hl. Johannes Paul II sie, daß er vorziehe, das Recht die Italienischen Bischöfe Nr. 1 und 2 selber zu ernennen.

Das war ein Zeichen von Wohlwollen und Aufmerksmkeit und auch das Ergebnis einer fairen Diskussion, während der jede Partei ohne Angst ihre Ideen vorstellen konnte.

So war es nicht, als die italienischen Bischöfe die Wahlordnung auf die Forderung von Papst Franziskus hin ändern mußten. Am Ende entschieden sie, daß sie vorzogen, daß der Papst ihren Vorsitzenden auswähle und sie ließen einen komplizierten Wahlmechanismus in Kraft treten.
Während der kommenden Versammlung kann jeder Ortsbischof gewählt werden und die Namen der drei mit den höchsten Stimmzahlen werden dem Papst zur Auswahl präsentiert.
Dem Papst steht es allerdings auch frei, einen anderen auszusuchen.

Die Tatsache, daß der Papst die vollständige Macht der Wahl hat, wird zweifellos dazu führen, daß viele für Kandidaten stimmen werden. die er wahrscheinlich vorzieht. Bis vor einiger Zeit schien es festzustehen, daß Kardinal Gualtiero Bassetti, der Erzbischof von Perugia, der päsptliche Favorit für den Posten war.



Alles weist auf ihn als wahrscheinliche Wahl hin: die Tatsache, daß der Papst ihn zum Kardinal kreierte, obwohl Perugia kein Kardinalssitz ist, die Tatsache, daß der Papst ihn zum Kardinal kreierte, obwohl er Vizepäsident der italienischen Bischofskonferenz war und ihn so zu einer Art Rivalen für Kardinal Bagnasco erkor, die Tatsache, daß der Papst ihn an Vorabenden der Generalversammlungen des CEI oft in Privataudienz empfangen hat.

Aber jetzt hat sich Kardinal Bassetti mit dem Papst getroffen und scheint so, als habe er ihm gesagt, daß er sich diesem Posten nicht gewachsen fühle. Er ist 75 Jahre alt, ein Jahr älter als Kardinal Bagnasco - und er fühlt sich nicht in der Lage ein Manageramt auszuüben - besonders weil seine 5-jährige Amtszeit als Präsident bis zu seinem 80. Lebensjahr dauern würde.Wer wird dann der Favorit des Papstes? Das ist es, worüber die Italienischen Bischöfe während der Vor-Konsultation nachgedacht haben. Und die Antwort war einstimmig: Bischof Filippo Santoro von Taranto.
Bischof Santoro ist aus verschiedenen Gründen oft in Rom und hat einen direkten Draht zum Papst.

Es gibt viele Punkte, die zu seinen Gunsten sprechen: bevor er für eine Italienische Diözese ernannt wurde, war er fidei-donum-Priester in Brasilien und wurde zum Weihbischof von Rio de Janeiro geweiht - dann zum Bischof von Pegtropolis. Er war an der Seite Kardinal Bergoglios bei der Konferenz der Lateinamerikanischen Bischöfe von Aparaceida.
Er stammt aus der sogenannten"linken" Communio e Liberazione-Bewegung, hat immer nach Latinamerika geschaut und das hatte Kardinal Bergoglio vor langer Zeit zu seinem "Champion" gemacht, die Papst Franziskus freundlich gesinnten Journalisten kommen aus der selben Richtung. Außerdem ist Bischof Santoro sehr aktiv in sozialen Belangen.

Bischof Santoro wäre die erste Wahl von Papst Franziskus in einer Dreier-Liste, die sich aus Repräsentanten der Italienischen Regionen zusammensetzen könnte: Bischof Santoro für Süditalien, Kardinal Giuseppe Betoris von Florenz und Bischof Franco Giulio Brambilla von Novara für Norditalien- Letzterer wird auch als Kandidat dür den Erzbischofssitz von Mailand gehandelt.

Diese Drei würden auch alle Parteien innerhalb der Italienischen Bischofskonferenz repräsentieren und würden den Papst einen Bischof wählen lassen, den er schon mag. Wenn dem Papst diese Dreier-Auswahl nicht gefällt, kann er seine eigene Wahl treffen.

Das zweite Beispiel betriff die kontroverse Geschichte der Malteser Ritter, die sich am vergangenen Samstag trafen, um einen Leutnant zu wählen, der den Orden für ein Jahr mit der Macht eines Großmeisters leiten wird, u.a. um die Reformen voranzubringen.

Über die inneren Kämpfe hinaus, die in einer Reihe internen Dossiers und Gegendossiers mündete, plus an Zeitungen weitergegebene Briefe, ist die Art wie Papst Franziskus versucht hat, das Problem zu lösen, verblüffend: er hat sich mit allen Parteien getroffen, er hat einen Päpstlichen Delegierten ernannt und dadurch de facto die Arbeit des Patrons des Malteser Ordens, Kardinal Raymond L. Burke, als Bindeglied zwischen Orden und Hl. Stuhl für eine gewisse Zeit eingefroren und den Großen Rat für den 27. April zu einem vertraulichen Treffen im Vatican einberufen, um ihm seine Prioritäten zu erklären.

Es ist klar, daß der Papst, wenn er will daß Dinge getan werden, persönlich interveniert und das Thema Kollegialität nicht einmal diskutiert wird. Man könnte sagen, daß Papst Franziskus seine Rolle als die eines Garanten wahrnimmt, vepflichtet dafür zu sorgen, daß die Dinge getan werden, und daß sie auf seine Weise getan werden.

So verhält sich Papst Franziskus bei jedem Thema. Es ist bemerkenswert, daß er persönlich am Treffen des Institutes für Religiöse Werke teilgenommen hat, das einberufen wurde, um den Neuen Generaltdirektor anzukündigen - und so betont hat, wie er die Dinge getan haben möchte.

Ebenfalls bemerkenswert ist, daß der Papst an jedem Treffen des Kardinalsrates und an jedem Treffen des Rates der Bischofssynode teilnimmt. Er ergreift nie das Wort, stellt aber eine Menge Fragen.
Nichtsdestoweniger zielt jede Frage, die er stellt, auf die Entscheidung ab, die er treffen wird.
Und das ist immer eine einsame Entscheidung.
Wann immer ein Treffen im Vatican stattfindet, ist garantiert, daß der Papst erscheinen wird, um dem Thema sein Gewicht zu geben. Seine Gegenwart ist eine Art moralischer Druck, mit dem Ziel jeden so handeln zu lassen, wie er es will.

Papst Franziskus´ Entschiedenheit verschafft offensichtlich denen Raum, die den sogenannten "Willen des Hl. Vaters" ausnutzen, um weiter zu gehen als er eigentlich will. Im Namen diesess "Willens des Hl. Vaters" können an allen Fronten kontroverse Entscheidungen getroffen werden und das ist genau das, was passiert, wenn diese selbsternannten Interpreten des päpstlichen Denkens in die Medien gehen und ein Narrativ kreieren, das das Pontifikat beschädigt. Das ist z.B. während der letzten Bischofssynode passiert- was zu einer Synode der Medien und einer realen Synode führte, genau wie es ein Konzil der Medien und ein reales Konzil gegeben hatte, wie Papst Benedikt XVI es im Hinblick auf das II.Vaticanische Konzil ausdrückte.

Es gibt vielleicht einen Unterschied zwischen der Synode und dem Konzil: der Garant im Falle des Ersteren hat nicht zur Einheit ermutigt sondern zum Bruch.

Seien wir klar: das bedeutet nicht, daß Papst Franziskus am Ende mit der Lehre brechen will. Es ist schwer ihn als progressiv zu beschreiben, weil sein angeblicher Progressismus de facto voller traditioneller Themen ist, einige sogar sehr altmodisch, wie das der Kirche als "Heilige Hierarchische Mutter" (die Basis für die Entschiedenheit von Papst Franziskus) oder im Fall seines Anschubs zur Volksfrömmigkeit.

Daß Papst Franziskus ein neues, grundverschiedenes Feldlazarett für die Verwundeten und keine Kirche des "das haben wir immer so gemacht" will, wird aus seinen eigenen Worten klar, zuletzt geäußert in einer Rede vor der Italienischen Katholischen Aktion.

Tatsächlich wird der Papst sich trotz seiner Reise nach Ägypten innerhalb von vier Tagen zweimal mit der italienischen Katholischen Aktion getroffen haben, und das zeigt, daß er dem Engagement der Laien eine klare Richtung geben will.

Was ist das Endziel des Papstes und was sind die Risiken? Dazu gibt es eine bittere Analyse  von Professor Anna M. Silvas, (hier nachlesen) einer Australierin des Orientalischen Ritus, die die Kirchenväter studiert - die sie bei der Konferenz in Rom "Klarheit schaffen: ein Jahr Amoris Laetitia" vorgetragen hat,

Trotz der Bitternis ihrer Argumente gibt es einige Themen, die weitere Überlegungen verdienen.
Silvas identifiziert Moderne - im Sinn von "Anbetung der Moderne" -schreibt sie-" entsteht, wenn wir die Moderne zum Hauptziel auf der Wunschliste, um den Beifall der Eliten, der Medien und der kulturellen Beeinflusser zu bekommen."
Das hat die Kirche bisher erlebt das ist während der letzten Jahre explodiert.

Was ist die Strategie von Papst Franziskus? Silvas sagt, daß der Papst "sich der Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit sehr wohl bewußt ist und weiß wie begrenzend sie ist", genauso wie um das "einzigartige Prestige des Papsttums in der Katholischen Kirche".  Der Papst wird also an seiner Agenda festhalten, ungeachtet der Dokumente des Lehramtes. Wir leben in einer Welt dynamischen Fließens, wir starten offen Prozesse und säen die Saat des gewünschten Wandels, der mit der Zeit triumphieren wird."

Die Entschiedenheit von Papst Franziskus versucht am Ende den Prozess offen zu halten. Dieses Pontifikat trägt den Geist der Moderne in sich, während der Weg ihr entgegen zu treten - die Benedikt-Option - ein von vielen unterstütztes Kriterium ist. Dieses Thema der Moderne - also die Frage der Veränderung - wird von Franziskus sowohl dann angewandt wenn er aussucht, wer sich um die Bischöfe kümmern soll - wie im Fall des Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz - als auch wenn er eine der ältesten  Institutionen  der Kirche reformieren will - wie im Fall des Malteser Ordens."

Quelle: A. Gagliarducci, Monday in The Vatican








1 Kommentar:

  1. "Der Papst hat absolute Macht" - aber nur soweit sie nicht der Lehre der Schrift und der Kirche widerspricht.
    Er hat die absolute Macht, diese Lehre zu vertiefen, auszudeuten und zu verbreiten, nicht aber sie aber zu ändern.

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