Mittwoch, 17. Mai 2017

Der Wandel des Gottesdienstes,

Neulich war ja "weißer Sonntag" der Tag wo jeder Fromme zu sieht, wo er hingeht, weil zur Primetime Kinderfasching mit im Grunde moralinsaurer, gewaltsam nett daherkommender, unrealistischer Geschichte als Lesung und ebensolcher Predigt ist.
Rein theoretisch bin ich ja der Ansicht, nicht wegen dem Pfarrer, nicht wegen der Predigt,. nicht wegen der Architektur, und auch nicht wegen der Leute in die Kirche zu gehen, sondern ganz alleine wegen Jeus dem Christus, der es gesetzt hat, dass in der Liturgie der Wandlung der Schleier von Raum und Zeit beiseite gezogen wird, auch und wenn wir das nicht sehen und nicht spüren, und wir alle hintreten zum Berg Golgatha!
Rein praktisch muss ich sagen, sooooo heilig bin ich nun einfach nicht und deshalb seh ich zu, dass ich den Eventgottesdiensten fern bleibe!
 Früher allerdings war das anders, da hat man, wenn Erstkommunion war,. alles aufgefahren was gut und katholisch war, die Kirche ertrank in Blumen, und Weihrauch, auf jeden Fall habe ich meine Erstkommunion so in Erinnerung, feierlich, ungemein feierlich, fast erschreckend feierlich, auch hinterher, bei der Feier im Familienkreis.



Ich kann verstehen was man erreichen wollte, man wollte dieses erschreckende Gefühl dass man selber als Kommunionkind hatte durch wurstige Lustigkeit ersetzen, aber man hat das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, die Furcht Gottes ist der Anbeginn der Weisheit und für Gott ist das Beste gerade gut genug, wenn auch Gott die Niedrigen erhöht und die, die nichts sind in den Augen der Welt erwählt hat.
Aber ans Kreuz gegangen damit die Kirche versuchen soll, einem Vergnügungspark Konkurrenz zu machen ist er nun wirklich nicht. Irgendwo habe ich das Problem mal auf folgende,  kurze Formel gebracht, gelesen:
Luther quälte sich mit der Frage "Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?", wir quälen uns mit der Frage "wie bekommen wir uns gnädig gesinnte Menschen?"
Ich finde ja schon immer Luthers Frage einigermaßen dusselig, weil, nehmen wir mal an Gott sei nicht gnädig, dann kann ich da ja auch nix machen, Gott ist halt so, wie er ist.
Aber dennoch ist es zwar nicht Aufgabe der Kirche Gott, den man sich wie einen wütenden Tyrannen vorstellt, zu besänftigen, ihn gnädig zu stimmen, indem man in besonders nett anredet, aber es ist Aufgabe der Kirche in ihren Gottesdiensten Gott zu dienen.
Mir scheint allerdings, und eben bei den Anlässen wo man mit Leuten zu tun hat die sonst nie in die Kirche kommen, dass man da eher Menschendienst betreibt, nur kommt das weder bei den einen, noch bei den anderen so recht an.
Das sollte man nach über einem halben Jahrhundert liturgischer Mätzchen doch so langsam mal zur Kenntnis nehmen, und sich einfach mal wieder anfangen zu fragen "wie kommt das bei Gott an?"

1 Kommentar:

  1. Hand auf's Herz: Wenn man die Gesamtentwicklung seit dem Konzil und der Einführung der „Liturgiereform“ über die Heidenspektakel von Assisi bis jüngst zu AL nüchtern besieht, wird man nur zu einem Schluß kommen können. In der Regel ist – ob aus psychologischem Selbstschutz, Gewöhnung oder Denkfaulheit – erstmal ein Zurückschrecken zu beobachten, es habe sich ja „eigentlich“ kaum etwas geändert. Ärgerlich diese Drewer- und Ranke-Heinemänner, dieser Küng, aber man vertraut auf die Hierarchie, an der Spitze der Heilige Vater. Johannes-Paul II. war ja moralisch ziemlich rigoros, da konnte er auch den Islam unter den Schutz des Hl. Johannes des Täufers stellen, den Koran küssen und Buddha-Statuen bei Assisi auf den Tabernakel des lebendigen Gottes zur Anbetung stellen. Hauptsache, er war gegen Kondome und Abtreibung. Man fläzte sich in die (immer leerer werdenden) Kirchenbänke, anstatt zu knien, schlenderte zur Kommunion nach vorne, steckte sich beiläufig die Hostie in den Mund und trottete gelangweilt zurück, umgleich mit dem Nebenmann zu quatschen,was es denn bei ihm zu Mittag gäbe. Und das alles (partiell eben sicherlich etwas übertrieben geschildert...) hielt man halt für katholisch, denn von der Alten Messe und der katholischen Tradition wurde man ja im rudimentären Religionsunterricht (Katechese fiel komplett aus) sorgfältig ferngehalten. Papst Benedikt entsprach noch mehr dem herkömmlichen Papstbild und führte wieder die Alte Messe ein, wollte die „Reform der Reform“ - hatte aber in der Kirche sichtbar nur noch wenig zu sagen. Mit Papst Franziskus ist nun die Verwirrung komplett ausgebrochen, der wird weniger als der Nachfolger des Hl. Petrus, sondern mehr als der Nachfolger des Orakels von Delphi wahrgenommen.

    Wie auch immer: aus meiner Sicht ist unausweichlich festzustellen, dass es eben nicht 2 Formen eines Ritus' gibt oder 2 Riten, sondern 2 Glaubenssysteme. Ein überliefertes katholisches, weil theozentristisches und ein aufgrund der Gedanken Rahners, de Lubac und Teilhard de Chardin (allesamt Jesuiten) künstlich geschaffenes anthropozentrisches. Beim ersten steht Gott im Mittelpunkt, bei letzterem der Mensch. Beim ersten die persönliche Rettung vor der Verdammnis aufgrund der Gnade Gottes durch das Kreuzesopfer, bei letzterem die Schaffung einer brüderlichen, sozialgerechten und ökologischen Weltgemeinschaft durch die gemeinsame Mahlfeier.
    Muß ich die Gnade Gottes individiell annehmen oder bin ich sowieso als Anonymer Christ Rahnerscher Prägung erlöst? Dies ist für mich der Knackpunkt - weniger, wie sich die Zeitgenossen heute in der Kirche kleiden oder aufführen (obwohl das manchmal sehr ärgerlich ist).

    AntwortenLöschen