Freitag, 19. Mai 2017

Die lieben Kleinen und die Kirche... wenn da bloß die Eltern nicht wären.

Also ich grabe da jetzt mal ein bisschen in der Vergangenheit und erinnere mich, wie das zu unserer Zeit so war.
Ich bin ja als Protestantin groß geworden und dementsprechend war auch unsere Erziehung. Wir hatten also keine Ahnung, was eine Kommunion ist, denn bei uns ging es ja erst viel später los. Trotzdem hatten meine Eltern ein Auge drauf, dass wir jeden Sonntag in den Kindergottesdienst gingen und es war ja auch irgendwie ganz schön. Wir hatten dann auch in der Schule zweimal in der Woche Religionsunterricht. Dort lernten wir viel über die Bibel und die Kirchengeschichte. Es wurde nicht gebastelt und es wurden keine kindischen Spielchen gespielt, sondern Wissen und Glauben vermittelt. Der Kuschel-Jesus war zu dieser Zeit noch nicht erfunden und unser Pfarrer, der mehr als zwei Jahrzehnte vorher bei den Bekennenden Christen war, hätte es sich auch verbeten, wenn sich die Poltik damals gewagt hätte, ihm die Glaubensinhalte vorzuschreiben. So wuchsen wir dann unserer Konfirmation entgegen und fühlten uns schon richtig erwachsen, als wir dann endlich mit dem Konfirmandenunterricht beginnen konnten. Das war zweimal die Woche jeweils 2 Stunden am Nachmittag. Zusätzlich zur Schule - wohlgemerkt und ein ganzes Jahr lang. Wir lernten viel über das Neue Testament, das ja von Luther unter "Lebensgefahr" übersetzt wurde und das wichtigste war, dass wir begriffen, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, der vor 2000 Jahren am Kreuz gestorben ist, damit uns die Sünden vergeben werden. Das war natürlich alles (nach heutigen Gesichtspunkten) sehr grausam, aber ich erinnere mich nicht, dass unsere Eltern der Meinung waren, dass uns die Geschichte des Wahren Glaubens erschrecken oder sogar traumatisieren könnte.

Letztens hatten wir in unserer Kirche eine Erst-Kommunionfeier. Ich muss sagen, ich bin da zufällig reingeraten, weil es im Pfarrbrief falsch ausgedruckt war - und dann harrte ich der Dinge, die da kamen. Ich dachte ja erst, das ist ja schön, dass man die Kinder während einer lateinischen Messe zur Kommunion führt. Doch das war wohl nix. Es war zwar ein bisschen ernster und der Pfarrer hat dann auch in seiner Predigt darauf hingewiesen, dass es nicht nur eine Erst-Kommunion, sondern auch noch eine Zweit- und Drittkommunion und noch viele weitere geben wird. Aber natürlich sangen wir trotzdem das eine oder andere "moderne" Lied aus den 70ern und für die anderen gab's zum Trost ein bisschen Mozart.  Aber der Stil der Messe war eben den Kindern angepasst und der Rest durfte dann die infantile Messe mitfeiern. Als es vorbei war, dachte ich - die armen Kinder, was hat man ihnen vorenthalten. Und es ist doch schade, wenn der Versuch, den Kleinen nix zuzumuten doch eher dazu führt, dass sie sich dann nicht ernst genommen fühlen, und gar nicht mehr kommen.
Ich erlebe es dort sehr oft, dass während des Hochamts an anderen Sonntagen die Eltern mit ihren Kindern während des eucharistischen Segens nach vorne gehen, um ihren Kindern den Herrn in der Monstranz zu zeigen und die Kinder immer ganz andächtig zur Monstranz schauen. Man hat auch nicht den Eindruck, dass die Kinder gelangweilt oder nicht beeindruckt von einer feierlichen Messe wären.
Eigentlich wollte ich es ja dann auch bei meinem Bedauern für die armen Kinder belassen, denen man eine schöne und feierliche Liturgie vorenthält....

... bis mir gestern  dieser FAZ-Artikel unterkam, in dem sich die Mutter eines Kommunionkindes ganz fürchterlich darüber ausweint, dass ihr armes Kind für die Feier der Erstkommunion von der Kirche doch ganz schön hart rangenommen wird. Man muss es gelesen haben, um sich anschließend die Augen zu reiben und sich die Frage zu stellen. Warum schicken diese Eltern ihre Kinder überhaupt zur Erstkommunion, wenn das alles so schlimm und niederschmetternd für die Kinder wird? Einen Sektempfang oder ein schönes gemeinsames Mittagessen kann man doch auch organisieren, ohn dass man seine Kinder vorher durch eine fürchterliche Tortur schicken muss. Und ich muss feststellen, dass für diese infantilen Messfeiern wohl in erster Linie die Eltern verantwortlich sind. Offensichtlich steht für sie an oberster Priorität, dass man ihren Kinder nicht allzuviel "zumutet" - und vor allem nichts, was die anschließende Familienfeier stört. Schade, dass die Kirche da nachgibt...





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