Donnerstag, 18. Mai 2017

Endzeitgerede

es liegt schon länger in der Luft, etwas, weiß nicht wie ich sagen soll, ein Gefühl, dass nichs bleibt wie wir es gerne hätten, und das wird dann als apokalyptisch gedeutet, frei nach dem Motto "wenn es schon nicht funktioniert  hat mit der Errichtung des Paradieses auf Erden und in der Kirche, dann, dann sind wir (korrekter die) so exorbitant schlecht, dass es ja aufs Ende der Welt hinauslaufen muss!" Klarerweise sind  deshalb  die dunklen, unklaren Stellen der Apokalypse, die diversen Tiere,  die  auf bekannte politische Konstellationen gedeutet werden, genauso wie die Parallelstellen bei Daniel, schwer im Schwange und sie kommen auf einmal in fast jedem frommen Gespräch, über kurz oder lang auf's Tapet.

Leider gibt all das die Eröffnung der Apokalypse nicht her, wird darin beschrieben, was ist,  und kommen wird. (Offb 1,17)
Und die Endzeit in der leben wir nun mal seit gut 2000 Jahren , es wird irgendwann einmal mit dieser Welt zu Ende gehen, aber es wird sich nichts mehr großartig ändern,
Am Ende der Offenbarung wird eine Handlungsanweisung gegeben, die eigentlich recht frustrierend klingt, jeder soll grad so weiter machen, bald kommt der HERR und mit ihm der Lohn.
Im Wortlaut hier

10 Und er sagte zu mir: »Versiegle nicht die prophetischen Worte dieses Buches! Denn die Zeit ist nahe. 11 Der Frevler frevle weiterhin; der Unreine sei weiterhin unrein; der Gerechte übe weiterhin Gerechtigkeit, der Heilige heilige sich weiterhin. 12 Siehe, ich komme bald, und mit mir mein Lohn, um einem jeden zu vergelten nach seinem Werke. 13 Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. 14 Selig, die ihre Kleider [im Blut des Lammes] waschen! Sie sollen Anrecht erhalten auf den Baum des Lebens und durch die Tore eingehen in die Stadt. 15 Draußen aber sind die Hunde und die Zauberer, die Unzüchtigen und die Mörder, die Götzendiener und ein jeder, der die Lüge liebt und sie begeht. 16 Ich, Jesus, sandte meinen Engel, um euch dies vor den Gemeinden zu bezeugen. Ich bin der Wurzelsproß und der Stamm Davids, der hellstrahlende Morgenstern. 17 Der Geist und die Braut sprechen: Komm! Wer es hört, der spreche: Komm!, und wen dürstet, der komme, und wer will, der empfange umsonst Wasser des Lebens!« 
(Offb 22,10ff)


Im Grunde sagt das aus, dass es nicht auf äußere Umstände anbekommt, sondern darauf was ich tun will und die Stelle sagt, auch, im Gegensatz zu dem was immer behauptet wird "Es ist der Wohlstand, oder die Armut, oder die Umstände, die gottlos, böse machen...." Dass es eigentlich so nicht ist, und ganz wichtig, dass es nicht unsere Aufgabe ist, Verhältnisse herzustellen in denen jeder lieb, gut und nett ist, sondern man sofern man sich darum müht, gut zu sein, das unbesehen der Umstände tun soll und wenn es einem egal ist, dann soll man halt grad so weiter machen, wie bisher!

Am allerinteressantesten von allen Endzeitgedanken finde ich jedoch den hier aus dem Buch Amos:

10. Und ich werde eure Feste in Trauer wandeln und alle eure Lieder in Wehklage, Trauerkleid werde ich über alle eure Rücken bringen und über alle Häupter Kahlheit,15 ich werde das Land in leid versetzen wie bei der Trauer um den einzigen Sohn16 und sein Ende einem Tage der Bitterkeit gleichmachen.17 [Tob 2,61Mak 1,41] 
11. Sehet, es kommen die Tage, spricht der Herr, da ich Hunger über das Land senden werde; nicht Hunger nach Brot noch Durst nach Wasser, sondern Hunger, das Wort des Herrn zu hören.18
12. Da soll es sie von einem Meere zum andern treiben und von Nord bis nach Ost; sie werden umherschweifen, das Wort des Herrn zu suchen, aber sie sollen es nicht finden.
13. An jenem Tag werden die schönen Jungfrauen und die Jünglinge vor Durst verschmachten,19
14. sie, welche jetzt bei der Schuld Samarias schwören20 und sprechen: So wahr dein Gott lebt, Dan, bei dem Wege nach Bersabee!21 sie werden stürzen und nicht wieder auferstehen.22 

er fängt, wie die meisten Endzeitpassagen an mit schrecklichen Dingen die passieren sollen, auf jeden Fall assoziert man das beim Lesen der Eröffnung:
3. Es sollen die Türangeln des Tempels an jenem Tage ächzen,3 spricht der Herr, Gott, viele werden dahinsterben,4allenthalben wird sich Stille verbreiten.5 
4. Höret dies, ihr, die ihr die Armen niedertretet6 und die Dürftigen des Landes verschmachten lasset, 
5. indem ihr sprecht: Wann geht der Neumond vorüber, dass wir unsere Waren verkaufen,7 und der Sabbat, dass wir die Speicher auftun?8 dass wir das Maß vermindern und das Gewicht vergrößern und falsche Waage unterschieben können?9 
6. dass wir die Dürftigen um Geld und die Armen um ein Paar Schuhe an uns bringen und en Abfall vom Korn verkaufen?10 
7. Geschworen hat der Herr wider Jakobs Hoffart:11 Fürwahr! Nimmer werde ich aller ihrer Taten vergessen. 
8. Soll darob nicht die Erde erzittern, nicht alle ihre Bewohner trauern?12 Es wird sich erheben wie der Strom zumal, hinausstürzen und abfließen wie der Strom Ägyptens.13 
9. An jenem Tage, spricht der Herr, Gott, wird die Sonne am Mittage untergehen und am hellen tage werde ich Finsternis senden über die Erde.14 
um dann aber klar zu machen, was das allerschlimmste ist, er der HERR wird den Hunger ins Land senden, den Hungern nach einem Wort aus Gottes Mund und man wird noch nicht mal ein einziges Wort des Herrn finden.
Die Leute werden verschmachten, vor Durst nach der Wahrheit und das werden sie tun, weil sie sich auf merkwürdige Praktiken eingelassen haben, wie hier in der Fußnote erklärt wird

 (20) Ursache es Unterganges: weil sie die vom Könige in Samaria aufgestellten und geweihten Kälber mit göttlicher Anbetung verehren. [1Koe 12,28] - (21) Sie schwören bei der Pilgerschaft nach Bersabee, die sie als etwas Hochheiliges ansehen.

Man verfällt also in alte, heidnische Praktiken die vom menschlichen Tun alleine, der Magie das Heil erwartet, man tanzt wieder um das nochnichtmalgoldene Kalb.

Wie gesagt, die Schriftstelle stellt fest, all dieses Tun macht nicht wirklich zufrieden, glücklich und "satt", es erzeugt erst recht den Hunger und Durst nach dem wahren, schönen, guten Gott, aber gleichzeitig versperrt man sich den Weg dahin genau durch solches Tun.
Romano Guradini wird nicht müde den Unterschied zu betonen, es ist eins vom Heidentum und sonstwas zu Christus zu kommen und das ist dann einfach ein Prozess, wo zunächst vieles noch mitgeschleppt wird, wie wir ja gut im AT und in der eigenen Geschichte feststellen können  - es ist aber noch mal was anderes, wenn man vom Christentum, vom Christsein wieder zurückfällt ins Heidentum, auch da wird man zunächst noch einiges behalten, aber so sehr Gott auf dem Weg aus der Finsternis ins Licht darüber hinwegsieht, dass man zunächst noch im Finstern herumstolpert, sowenig mag er auf dem umgedrehten Weg, dass man mit dem Licht im Rücken noch genug sieht um nicht gleich auf die Nase zu fallen.
Der Gedanke ist so originell nicht, habe ich ihn aus Berhard von Clairveaux' "Stufen  der Demut und des Stolzes" wo er feststellt, dass das derselbe Weg ist, es nur absolut wichtig ist, in welche Richtung man ihn geht.

Eigentlich einsichtig finde ich.

Weil man es schreiben muss, ich weiß nicht, an welchem Punkt der Heilsgeschichte wir stehen bin mir relativ sicher dass wir an einer Zeitenwende leben und habe keine Ahnung wie es werden wird, fallen wir, wie Albert Einstein mal meinte, in Zeiten zurück, wo man wieder mit Pfeil und Bogen aufeinander schießt, greifen wir nach den Sternen, inszenieren wir "brave new world" oder geht es noch andere Wege? Keine Ahnung , aber sagt die Offenbarung mag ja sein, dass es knüppeldick kommt, aber wichtig ist zu streben nach Heiligkeit und, so sagt die Schrift, nicht nur die Amosstelle, das Schlimmste was die geschehen kann ist, Gott nicht mehr zu hören, ihn nicht mehr zu sehen und ihn nicht mehr zu finden, weil und das ist ja zentral, weil keiner von uns hat Gott gesehen, gehört oder gespürt, wir aufgehört haben ihn zu suchen.

Und das. das ist das allerschlimmste.
Gut ausgedrückt hat es der Dichter Andreas Gryphius unmittelbar nach dem 30 jährigen Krieg in dem Gedicht 
"Tränen des Vaterlandes!"
 er beschreibt die Schrecken und kommt aber zu dem Schluss, das allerschlimmste ist der Verlust der Seelen, die sich von Gott abgewandt haben, die so verwundet wurden, im Hin und Her, in der Vermischung der schnöden Politik mit der Religion dass sie es aufgegeben haben, nach Gott zu suchen.
Und das, das ist, finde ich auch heut schlimm, 

hier aber das Gedicht

Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret!
Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun
Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Karthaun
Hat aller Schweiß, und Fleiß, und Vorrat aufgezehret.
Die Türme stehn in Glut, die Kirch' ist umgekehret.
Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun,
Die Jungfern sind geschänd't, und wo wir hin nur schaun
Ist Feuer, Pest, und Tod, der Herz und Geist durchfähret.
Hier durch die Schanz und Stadt rinnt allzeit frisches Blut.
Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flut
Von Leichen fast verstopft, sich langsam fort gedrungen.
Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,
Was grimmer denn die Pest, und Glut und Hungersnot,
Daß auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.
Beten sollen wir halt, Schrift lesen, nachdenken, zur Beichte und zur Messe gehen uns mühen.
Genau das empfehlen auch andere, hier nachzulesen  und in ganz anderem Zusammenhang, aber in der gleichen Zielrichtung unser geliebter Papst Benedikt und zwar im Jahre 1969, als er noch junger Professor war, hier 

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